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HV-Bericht Francotyp-Postalia Holding AG - Großes Stühlerücken im Aufsichtsrat
Die diesjährige ordentliche Hauptversammlung der Frankcotyp-Postalia Holding AG (FP) fand am 27. Juni in der Eventpassage, Kantstraße 8-10 in Berlin-Charlottenburg statt. Der Einladung folgten rund 60 Aktionäre und Gäste, die der Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Michael Hoffmann pünktlich um 10 Uhr herzlich begrüßte. Unter den Gästen war Burgula Olschewski, um für GSC Research zu berichten. Protokoll führte der Berliner Notar Hans-Hermann Rösch.

Wie der Versammlungsleiter mitteilte, wurde die Tagesordnung auf Antrag der Aktionärin LRI Invest S.A., die per 31. Dezember 2011 9,52 Prozent der Anteile an der Gesellschaft hielt, um zwei weitere TOPs ergänzt: Abberufung des Aufsichtsratsmitglieds Prof. Dr. Michael Hoffmann (TOP 5) und Wahl von Herrn Felix Hölzer in den Aufsichtsrat (TOP 6).

Nach Erledigung der üblichen Formalitäten gab der Versammlungsleiter das Wort an den Vorstandssprecher Hans Szymanski.


Bericht des Vorstands


Nachdem Herr Szymanski Aktionäre und Aktionärsvertreter ebenfalls begrüßt hatte, widmete er sich zunächst der Entwicklung des Unternehmens im abgeschlossenen Geschäftsjahr und in den ersten Monaten des laufenden Jahres, bevor er auf die Restrukturierung und die Finanzierung des Unternehmens genauer einging.

Im Geschäftsjahr 2011 hat die Francotyp Postalia Holding AG einen Umsatzzuwachs von 8,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erzielt. Die Erlöse stiegen auf 159,4 (Vj. 147,3) Mio. Euro. Bedingt durch erhebliche Restrukturierungskosten gab das EBITDA jedoch auf 13,1 (25,5) Mio. Euro nach. Wie der Vorstandschef weiter erläuterte, wurde das Werk in Birkenwerder komplett stillgelegt und die Produktion im neuen Werk in Wittenberge aufgenommen.

Gleichzeitig wurde die Produktpalette erneuert. Mit der neuen Frankiermaschine  „PostBase“ hat das Unternehmen ein zeitgemäßes Produkt herausgebracht. Überdies hat man mit „de-Mail“ den ersten rechtssicheren E-Mail Versand Deutschlands geschaffen.

Die Restrukturierung, erläuterte Szymanski weiter, war dringend erforderlich und musste umgehend eingeleitet werden. Weitere Zeit durfte nicht vergehen. Sie war erforderlich geworden, so der Vorstandschef, um die nachhaltige Zukunft des Unternehmens zu sichern. Allerdings hat sie erhebliche Mittel verschlungen und so das Ergebnis des vergangenen Geschäftsjahres kräftig in den roten Bereich gedrückt. Künftig sollen durch die Investitionen jedoch nach Vorstandsberechnungen jährlich etwa 3,0 Mio. Euro eingespart werden.

Anschließend kam Herr Szymanski nochmals auf die Zahlen des Konzerns im abgeschlossenen Geschäftsjahr zurück. Demnach stieg der Umsatz von 147,3 auf 159,4 Mio. Euro, wobei ein Sondereffekt von 24,4 Mio. Euro berücksichtigt werden muss. Mit Nachdruck wies er darauf hin, dass der Großteil der Erlöse, etwa drei Viertel, aus wiederkehrenden Umsätzen besteht, was die Zuverlässigkeit des Geschäftsmodells stützt.

In der Verteilung nach den Regionalsegmenten Deutschland und International hat sich laut Vorstand nichts verändert. Allerdings hat die 2010 in Schweden gegründete Tochtergesellschaft in 2011 erstmals zum Geschäft des Konzerns beigetragen.

Auf der Kostenseite wuchsen die Personalaufwendungen um 7,6 Prozent von 52,6 auf 60,2 Mio. Euro. Mehr Mitarbeiter einerseits und höhere Abfindungszahlungen im Zusammenhang mit der Restrukturierung verursachten laut Herrn Szymanski den deutlichen Anstieg. Deutlich rückläufig waren dagegen die Abschreibungen, sie gingen von 18,1 auf 14,1 Mill. Euro zurück, so dass das EBITDA vor Restrukturierungskosten um 18,7 Prozent auf 21,8 (Vj. 26,8) Mill. Euro schrumpfte. Nach Restrukturierungskosten von 8,7 Mio. Euro gab das EBITDA noch stärker nach, und zwar um 48,6 Prozent auf 13,1 (25,5) Mio. Euro. Unter dem Strich stand für das Geschäftsjahr ein Jahresfehlbetrag von minus 6,6 Mill. Euro zu Buche. Das Vorjahr hatte man mit einen Gewinn von 2,7 Mio. Euro abschließen können.

An dieser Stelle betonte der Vorstandssprecher nochmals, dass die Investitionen zwar kurzfristig belasten, für die langfristige Perspektive des Unternehmens aber existentiell wichtig sind.

Vor dem Hintergrund des Verlusts wird von einer Dividende abgesehen, erklärte der Vorstandssprecher den Verzicht auf eine Gewinnausschüttung an die Teilhaber. Erst für 2013 sei eventuell wieder eine Dividendenzahlung möglich, hieß es weiter.

In Rücksicht auf die Bilanz erklärte Herr Szymanski, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten angewachsen sind, während die langfristigen Verbindlichkeiten reduziert wurden. Erklärtes Ziel des Managements sei es, die Nettoverschuldung des Unternehmens zu reduzieren. Die Eigenkapitalquote belief sich zum Bilanzstichtag auf 11,9 Prozent, nach der im März 2012 durchgeführten Kapitalerhöhung hat sich die Quote auf 13,9 Prozent verbessert.

Anschließend widmete sich der Vorstandschef den Investitionen und der Kapitalflussrechnung und zeigte an einem entsprechenden Schaubild auf, dass FP in 2011 einen starken Cashflow generiert hat.

Nächstes Thema des Vorstands war die im März 2012 durchgeführte Kapitalerhöhung. Unter Ausschluss des Bezugsrechts wurden im März 2012 1,46 Millionen nee Aktien zu einem Bezugspreis von 2,66 Euro je Aktie im Rahmen eines Private Placements an einen einzelnen Investor (Anm.: der Investor ist die 3R Investments Ltd., Zypern) verkauft. Der Bruttoerlös aus der Transaktion spülte rund 3,9 Mio. Euro in die Kasse der FP. Das Geld wurde für die Markteinführung des neuen Frankiermaschinensystems genutzt und diente der Verbesserung der Eigenkapitalquote. Der Ausschluss des Bezugsrechts war in dem volatilen Börsenumfeld laut Szymanski erforderlich, da der Ausgabepreis auf diesem Weg erst kurz vor Ausgabe der Aktien festgelegt werden kann.

Abschließend erklärte Her r Szymanski nachdrücklich, dass die Investitionen nötig gewesen seien, um das gesteckte Ziel zu erreichen und bis zum Jahr 2015 zum  „richtungsweisenden, globalen Experten in der physischen und elektronischen Briefkommunikation“ zu werden.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres hat sich die Ertragssituation des Konzerns deutlich verbessert, wie der Vorstand noch erklärte. Demnach blieb der Umsatz des Konzerns in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres mit 41,8 Mio. Euro exakt auf dem Niveau des Vorjahres. Das EBITDA belief sich auf plus 4,1 (Vj. 6,5) Mio. Euro und kehrte damit in die Gewinnzone zurück.

Bis zum Jahre 2014 will das Unternehmen die Erlöse auf 172 Mio. Euro steigern und ein Konzernergebnis von rund 8 Mio. Euro einfahren, stellte Herr. Szymanski in Aussicht. Er schloss seinen Teil des Vorstandsberichts mit einem ausdrücklichen Dank an die Mitarbeiter, den Aufsichtsrat und die Aktionäre, bevor er an seinen Vorstandskollegen übergab.

Vertriebsvorstand Andreas Drechsler nahm das erklärte Ziel des Unternehmens anfangs noch einmal auf und gab damit die Entwicklungsrichtung des Unternehmens für die kommenden Jahre vor: Bis 2015 will das Unternehmen ein richtungsweisender globaler Experte in der physischen und elektronischen Briefkommunikation sein.

Anschließend erläuterte Herr Drechsler wie die Digitalisierung der Welt die Briefkommunikation verändert hat. Spielte früher der postalische Weg, um mit Kunden oder Geschäftspartnern in Kontakt zu kommen, die zentrale Rolle, so seien heute so genannte Multi-Channel-Strategien gefragt, die jeweils an den individuellen Bedarf des Unternehmens angepasst werden müssen.

Im Folgenden widmete sich Drechsler der Produkthighlights. Mit der neuen Frankiermaschine PostBase hat FP eine Neuentwicklung auf den Markt gebracht, die den Erfordernissen digitalisierter Zeiten gerecht wird. In Deutschland und den USA ist das Produkt bereits zertifiziert. Als zweites Highlight nannte er die Entwicklung von DE-Mail, dem ersten sicheren E-Mail-Versand Deutschlands.

Jetzt, so erklärte der Vertriebsvorstand weiter, wolle man die Marke FP stärken und ziele mit neuem Corporate Design darauf, von den Kunden früher wahrgenommen zu werden. Abschließend zählte er drei Gründe auf, aus denen es sich lohnt, in FP zu investieren: FP liefert als erster Multi-Channel-Lieferant für elektronische und physische Briefkommunikation ein innovatives Produkt und ein umfassendes Serviceangebot, um die Wünsche der Kunden weltweit zu erfüllen. Zweitens verfolgt FP eine klare Wachstumsstrategie, die sich bislang allerdings noch nicht im Aktienkurs spiegelt und drittens generiert FP einen starken Cashflow, der auf einem Geschäftsmodell gründet, das den Großteil seiner Erlöse mit wiederkehrenden Umsätzen erzielt. Freundlicher Beifall der Aktionäre beendete den Bericht des Vorstands.


Stellungnahme des Aufsichtsrats zu TOP 5 und 6

Im Anschluss an den Bericht des Vorstands erläuterte der AR-Vorsitzende die Arbeit des Aufsichtsrats im vergangenen Geschäftsjahr und verwies zur Vorstandsvergütung auf den entsprechenden Abschnitt im diesjährigen Geschäftsbericht auf den Seiten 79ff. In Hinsicht auf den Antrag zu seiner Abwahl (TOP 5) fasste er die Schwerpunkte seiner bisherigen Tätigkeit im Aufsichtsrat der Gesellschaft zusammen. Seit 2009 hat es demnach folgende Verbesserungen gegeben: eine neue Produktbasis wurde entwickelt, die Prozesse wurden optimiert und das Geschäft wurde auf die neue Dimension, die mit den elektronischen Medien ins Spiel kam, neu ausgerichtet. Außerdem erklärte der Vorstand, dass er nicht von dem früheren Mehrheitsaktionär, der Quadriga Capital AG, ausgesucht worden sei und sich in seiner Funktion als Aufsichtsrat niemals für Partikularinteressen eingesetzt habe.

AR-Mitglied Christoph Weise bezeichnete den Ergänzungsantrag der 3RI Invest als „Misstrauensvotum“ gegen den amtierenden AR-Vorsitzenden und kündigte an, dass er seinerseits sein Amt in angemessener Frist niederlegen wird, falls der Vorschlag unter TOP 5 eine Mehrheit findet und Prof. Hoffmann den Aufsichtsrat verlässt. Dr. Claus Gerckens, drittes Mitglied des AR, kündigte für den Fall der Abwahl von Prof. Hoffmann ebenfalls seinen Rückzug aus dem Gremium an.


Allgemeine Aussprache

Gegen 11:45 Uhr begann die Generaldebatte, bei der sich insgesamt vier Redner zu Wort meldeten: Michael Kunert als Sprecher der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger e. V. (SdK), Christian Krahe von der Düsseldorfer LRI Invest, die den Antrag auf Neubesetzung des Aufsichtsrats gestellt hatte, sowie die Aktionäre Erwin Kiefer und Christoph Schäfer. Abschließend stellte sich zudem der zur Wahl stehende Aufsichtsrat Felix Hölzer dem Aktionariat kurz vor.

Die Fragen wurden zunächst gesammelt und anschließend beantwortet. Der besseren Lesbarkeit halber sind die Antworten im Folgenden direkt den Fragen zugeordnet.

SdK-Sprecher Kunert zeigte sich zu Beginn seiner Ausführungen irritiert über die aus seiner Sicht wenig transparente Arbeit des Aufsichtsrats einerseits und die nicht durchsichtigere Initiative der LRI Invest anderseits. Er hätte sich eine einvernehmliche Klärung der offensichtlich unterschiedlichen Interessen im Vorfeld der Hauptversammlung gewünscht. Die „angedrohten Rücktritte“ der AR-Mitglieder Weise und Gerckens kritisierte er als das Verhalten „beleidigter Leberwürste“ und damit ebenfalls als unangemessen.

Der Versammlungsleiter Prof. Hoffmann stellte in seiner Antwort klar, dass im Aufsichtsrat niemand beleidigt sei und man die Spielregeln demokratischer Wahlen schätze und selbstverständlich respektiere. Von „beleidigten Leberwürsten“ könne nicht die Rede sein. Man habe versucht, die Angelegenheit noch im Vorfeld zu klären. Ein Rücktritt sei ihm aus Fristgründen nicht mehr möglich gewesen. Hinsichtlich des abberufenen Vorstands klärte er auf, dass dem Wirken des früheren Vorstands aufgrund erheblicher wirtschaftlicher Risiken Einhalt geboten werden musste und dessen Abberufung daher im Sinne der FP erforderlich gewesen sei.

Weiter erkundigte sich Herr Kunert danach, worin die im Geschäftsbericht erwähnten „sonstigen Leistungen“ des Abschlussprüfers bestanden. Diese waren durch die noch laufende Steuerprüfung der Gesellschaft angefallen, klärte Herr Szymanski auf.

Im Bericht des AR sei von einem „Interessenskonflikt“ die Rede, der jedoch nicht konkret benannt werde, beklagte Herr Kunert und wünschte genauere Aufklärung. Bei dem betroffenen AR-Mitglied handelte es sich, wie Prof. Hoffmann erläuterte, um Herrn Weise und dessen geschäftsführende Funktion in der SBW Vermögensverwaltung. Man habe den Interessenskonflikt insofern vermieden, als sich Herr Weise bei allen Fragen, die in Zusammenhang mit der SBW Vermögensverwaltung standen, enthalten hat.

Ferner erkundigte sich Herr Kunert, ob es eventuelle Kostenerstattungs- oder Haftungsansprüche gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden Dr. Heinz-Dieter Sluma gibt. Dazu erklärte Herr Szymanski, dass man sich auf dem Wege eines Vergleichs saldiert auf eine weitere Zahlung von 23 TEUR an Dr. Sluma geeinigt habe und die rechtlichen Auseinandersetzungen in diesem Fall damit abgeschlossen seien.

Das Ergebnis des abgeschlossenen Geschäftsjahres bezeichnete Kunert als „nicht schön“, noch beunruhigender empfand er die extrem magere Eigenkapitalquote des Unternehmens, die bei nur 13,9 Prozent liegt. In Hinsicht auf die für 2014 in Aussicht gestellte Dividende fragte er nach, ob eine Gewinnausschüttung bei der niedrigen Eigenkapitalquote wirklich sinnvoll sei. Zudem wollte er wissen, welche Eigenkapitalquote als Ziel ins Auge gefasst ist. Herr Szymanski erläuterte, dass aus seiner Sicht in 2014 eine Dividende möglich sein wird, über deren Höhe wolle er sich jetzt jedoch noch nicht auslassen. Die hängt von der weiteren Geschäftsentwicklung ab. Die Eigenkapitalquote soll aus Vorstandssicht gestärkt werden, ein konkretes Ziel habe man nicht ins Auge gefasst.

Hinsichtlich der Aktionärsstruktur der FP, für die sich mehrere Redner interessierten, klärte der Vorstand auf, dass es derzeit vier Aktionäre mit einem Anteil von mehr als 5 Prozent gibt, davon ist die LRI Invest mit einem Anteil von 9,52 Prozent der größte Aktionär, ihr folgt die 3R Investments, Limassol, Zypern mit einem Anteil von 9,03 Prozent und die Amiral Gestion, Paris, mit 9,00 Prozent. 5,02 Prozent der Anteile entfallen auf den früheren Besitzer Eric Spoerndli, Schweiz. Diese Anteile zählen jedoch nicht zum Streubesitz.

Ferner interessierte sich der SdK-Vertreter für die Auslandsstrategie und wie hoch die für Amerika und Asien erforderlichen Investitionen sein werden. Dazu führte Vertriebsvorstand Drechsler aus, dass es sich in den USA um einen Mietmarkt und in Asien in erster Linie um einen Verkaufsmarkt handle. Näher ins Auge gefasst habe man in Asien insbesondere Japan, Australien und Malaysia.

Zum Umzug nach Wittenberge wollte Herr Kunert wissen, was aus dem alten Standort in Birkenwerder wird bzw. geworden ist und ob auch die Konzernzentrale verlagert werden soll. „Birkenwerder bleibt Sitz der Konzernzentrale“, klärte der Vorstandssprecher auf. Der Mietvertrag der seit kurzem leer stehenden Halle in Birkenwerden laufe bis Ende des Jahres 2014 und koste 90 TEUR monatlich. Mehrere Interessenten seien da, jedoch konnte noch kein Nutzungsvertrag unter Dach und Fach gebracht werden.

Im Aufsichtsrats- Bericht sei von zwei Klagen die Rede, erklärte Herr Kunert, bei denen er den gegenwärtigen Stand der Dinge erfahren wollte. Einerseits handelt es sich hier, klärte Herr Szymanski auf, um eine Auseinandersetzung mit der SBW Vermögensverwaltung, die Ansprüche von rund 1,5 Mio. Euro einklagt. Hier wird FP von der Kanzlei Waldeck vertraten. Am 12. September diesen Jahres ist der Termin für die mündliche Verhandlung anberaumt. Der Vorstand stufte das Prozessrisiko als gering ein. Hinsichtlich des umstrittenen Sozialplans teilte der Vorstand ferner mit, dass am 12. Juli 2012 eine Verhandlung vor dem Landesarbeitsgericht anberaumt sein. Der Vorstandsvorsitzende rechnete sich gute Chancen aus, den Prozess zu gewinnen.

Abschließend äußerte der SdK-Sprecher sein Unverständnis hinsichtlich der Kapitalerhöhung. Wieso wurde sie in diesem Ausmaß durchgeführt? Hätte es nicht mehr sein können? Hinsichtlich der Höhe der Kapitalerhöhung teilte der Vorstandsvorsitzende mit, dass man in Absprache mit dem Aufsichtsrat das Grundkapital um maximal 10 Prozent erhöhen wollte. So sei es zur Ausgabe von 1,46 Millionen neuen Aktien gekommen.

Kunerts letzte Frage zielte auf die 1,5 Mio. Euro Verluste aus Fremdwährungen. Hier wollte er wissen, ob und wie die Fremdwährungsrisiken abgesichert sind. Wechselkursrisiken stammten aus allen möglichen Währungen, erklärte der Vorstand. Derivate wie Swaps und Optionen werden zur Absicherung des Währungsrisikos eingesetzt. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Vorstand in diesem Punkt eine geringere Belastung.

Aktionär Christoph Schäfer erkundigte sich nach etwaigen Beratungen oder Honoraren in Zusammenhang mit der durchgeführten Kapitalerhöhung und gab in Rücksicht auf die Wahlen zum Aufsichtsrat seiner Hoffnung Ausdruck, dass die personellen Vorschläge für die Neubesetzung künftig im Vorfeld mit den Mehrheitsaktionären besprochen werden. Wie der Vorstandsvorsitzende mitteilte, entstanden im Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung Beratungskosten von insgesamt 137 TEUR, davon rund 75 TEUR für die Rechtsbratung durch die Kanzlei Waldeck in Frankfurt am Main.

Herr Schäfers meldete sich daraufhin noch einmal zu Wort und bezeichnete die Höhe der Beratungskosten in Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung von 137 TEUR als absolut überzogen und geißelte dies als „Verschwendung von Aktionärsgeldern“. Ebenso kritisierte er die vorformierten Antworten aus dem Backoffice, mit dem der Vorstand arbeitete. Herr Szymanski hielt dagegen beides für notwendig: die Rechtsberatung zur Kapitalerhöhung ebenso wie das Backoffice.

Aktionär Erwin Kiefer bezog sich auf den im Geschäftsbericht angeführten Aktienoptionsplan und wollte wissen, warum dieser nur teilweise ausgeführt worden sei. Hinsichtlich des Optionsplans führte der Vorstand aus, dass hier kein weiteres Interesse des Investors bestanden habe. 37.500 Optionen sind allein durch das Ausscheiden des Besitzers entfallen. Im Übrigen bestehe an Aktienoptionen großes Interesse, erklärte der Vorstand, man könne sie als Incentives einsetzen.

Zum neuen Produkt PostBase wollte Herr Kiefer wissen, wie es von den Kunden angenommen wird und ob es hier schon Aufträge zu verzeichnen gibt. Vertriebsvorstand Drechsler antwortete, dass das neue Produkt bei den Kunden gut ankomme und man etwa 400 in Deutschland und 1.000 in den USA verkauft habe, wobei das Preis-Leistungsverhältnis wie angestrebt umgesetzt werden konnte

Außerdem erkundigte sich Herr Kiefer nach einer Guidance für das laufende Geschäftsjahr und fragte, in welcher Höhe eine weitere Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts nun noch möglich sei. Laut Vorstand ist das derzeit genehmigte Kapital mit weiteren 10.000 Aktien erschöpft. Zur Guidance für 2012 verwies der Vorstandsvorsitzende auf die Investoren-Konferenz vom 19. April 2012 und seinen dort getätigten Ausblick, den er ausdrücklich bekräftigte. Demnach soll der Umsatz auf 161 Mill. Euro steigen und das EBITDA auf 25 Mio. Euro zulegen. Als operatives Ergebnis wird mit 12 Mio. Euro gerechnet. Dies sei eine Herausforderung, betonte Herr Szymanski.

Abschließend wandte sich Herr Kiefer an den Aufsichtsrat und erklärte, dass dieser aus seiner Sicht „immer ordentlich gearbeitet“ habe. Er bedauerte ausdrücklich den drohenden Rücktritt des gesamten Gremiums. Ihm wäre es im Sinne einer kontinuierlichen Arbeit lieber gewesen, es würde nur ein Mitglied ausgetauscht.

Zu Ende der allgemeinen Aussprache stellte sich der Kandidat für den Aufsichtsrat, Felix Hölzer, dem Auditorium kurz als Private Equity Manager vor, wobei er anmerkte, dass er dem derzeitigen Aufsichtsrat im Vorfeld der Hauptversammlung ein Treffen vorgeschlagen habe, zu dem es aber nicht gekommen sei. Daran anschließend teilte Prof. Hoffmann seinerseits mit, dass Herr Gerckens den Kontakt zu Herrn Hölzer zwar angemahnt habe, jedoch keine Gespräche im Vorfeld geführt wurden.


Abstimmungen

Gegen 13:15 Uhr leitete Prof. Hoffmann zu den Abstimmungen über. Vom Grundkapital der Gesellschaft in Höhe von 16.160.000 Euro, eingeteilt in ebenso viele Stückaktien, waren zur Abstimmung 9.799.704 Aktien entsprechend 60,64 Prozent vertreten. Alle Beschlüsse wurden wie vorgelegt bei nur wenigen Neinstimmen mit Mehrheiten von über 90 Prozent angenommen. Eine nennenswerte Zahl von Neinstimmen gab es nur unter TOP 6, hier stimmten 10,92 Prozent gegen die Wahl vor Herrn Hölzer in den Aufsichtsrat

Im Einzelnen wurde beschlossen: die Entlastung der Mitglieder des Vorstands (TOP 2) und des Aufsichtsrats für das Geschäftsjahr 2011 (TOP 3), die Bestellung der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Berlin, zum Abschlussprüfer und Konzernabschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2012 (TOP 4), die Abberufung des Aufsichtsratsmitglieds Prof. Dr. Michael Hoffmann (TOP 5) und die Wahl von Herrn Felix Hölzer in den Aufsichtsrat (TOP 6).

Im Anschluss an den beschlossenen Wechsel im Aufsichtsrat bedankte sich Prof. Hoffmann für das Vertrauen und die gute Zusammenarbeit mit dem Management und den Mitarbeitern der Gesellschaft und wünschte dem Unternehmen für die Zukunft alles Gute.

Vorstand Szymanski bedankte sich seinerseits bei dem scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden für die intensive Zusammenarbeit in stürmischen Zeiten, wünschte Prof. Hoffmann und Herrn Weise für die Zukunft alles Gute und hieß Herrn Hölzer im Aufsichtsrat als neues Mitglied willkommen. 

Gegen 13:45 Uhr wurde die HV beendet.


Fazit und eigene Meinung

Trotz gegenteiliger Beteuerungen der Verwaltung und des Managements bleibt die Informationspolitik des Unternehmens gegenüber den Aktionären unbefriedigend. Neben den Auseinandersetzungen um die Neubesetzung des Aufsichtsrats, die man im Vorfeld der HV einvernehmlich hätte regeln können, ließ auch die Präsentation des Vorstands zu wünschen übrig. Außer einem 200 Seiten starken Geschäftsbericht und der Tagesordnung lagen für Aktionäre und Presse keinerlei geraffte Informationen vor. Die Schaubilder des Vorstandsberichts etwa suchte man selbst eine Woche nach der HV auf der Website des Unternehmens vergeblich, ebenso Informationen zu dem neu gewählten Aufsichtsratsmitglied Felix Hölzer.

Es bleibt zu hoffen, dass die komplette Neubesetzung des Aufsichtsrats, die durch die Rücktrittsankündigung der Herren Weise und Dr. Gerckens demnächst erforderlich sein wird, eine offenere Aktionärskommunikation nach sich ziehen wird und in Sachen Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Geschäftsführung einiges verbessert wird.

Operativ scheint die Gesellschaft wieder in der Spur zu sein. Umzug und Reorganisation der Produktion sind erledigt. Doch nun gilt es, das angestrebte Wachstum umzusetzen. Erst wenn die erwartete positive Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr tatsächlich eintritt und FP wieder nachhaltig schwarze Zahlen schreibt, kann es mit dem Aktienkurs wieder bergauf gehen. Wünschenswert wäre zudem eine nachdrückliche Erhöhung des Eigenkapitals, mit dem das Unternehmen aus Investorensicht nur spärlich ausgestattet ist.


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Veröffentlichungsdatum: 05.07.2012 - 16:28
Redakteur: beo
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