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HV-Bericht ORBIS SE - Ergebnis 2026 soll deutlich zulegen

Am 28. Mai 2026 fand die 26. ordentliche Hauptversammlung der ORBIS SE für das Geschäftsjahr 2025 statt. Wie in den Vorjahren hielt das Unternehmen das Aktionärstreffen in rein virtueller Form ab. Für GSC Research berichtet Thorsten Renner über den Verlauf der Hauptversammlung.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Holzer eröffnete die Hauptversammlung pünktlich um 10:30 Uhr und begrüßte die teilnehmenden Aktionäre sowie die anwesenden Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder. In diesem Rahmen teilte er auch mit, dass einer der Unternehmensgründer, Vorstandssprecher Stefan Mailänder, zum Jahresende 2026 aus Altersgründen aus dem Vorstand ausscheiden wird. Für seinen langjährigen Einsatz sprach Herr Holzer ihm den Dank aller Beteiligten aus. Als Nachfolgerin konnte Verena Schwobe gewonnen werden, die bereits seit 2024 für ORBIS tätig ist. Nach Abhandlung der üblichen Formalien und Modalitäten übergab Herr Holzer das Wort an Herrn Mailänder.


Bericht des Vorstands

2025 war faktisch das dritte Rezessionsjahr für die deutsche Wirtschaft in Folge, konstatierte Herr Mailänder. Die zunehmende Unsicherheit führte dazu, dass Kunden in der Branche von ORBIS Investitionen und Projekte verschoben haben. Vor allem der Bereich CRM zeigte eine verhaltene Entwicklung. Trotzdem konnte sich die ORBIS SE im Berichtsjahr 2025 erfreulich entwickeln, auch wenn die zu Jahresbeginn genannten Ziele nicht ganz erreicht wurden.

Mit 134,6 Mio. Euro lag der Umsatz leicht über dem Vorjahreswert. Dagegen ging das EBIT um rund 13 Prozent auf 4,4 Mio. Euro. zurück. Das EBIT ohne Sondereffekte stieg jedoch um 5 Prozent auf 6,5 Mio. Euro. Das Jahresergebnis verminderte sich vor allem aufgrund eines höheren Steuerausweises auf 3,2 Mio. Euro entsprechend einem Ergebnis je Aktie von 34 Cent.

Auf der Umsatzseite stiegen die Dienstleistungserlöse um 2,3 Prozent auf 111,9 Mio. Euro. Die Umsätze mit eigenen Softwareprodukten stiegen um 9,2 Prozent auf 6,5 Mio. Euro. Die Erlöse aus dem Vertrieb von Handelswaren sanken dagegen auf 16,3 Mio. Euro. Der Vorstandssprecher bezifferte den Personalaufwand auf 91,3 Mio. Euro, was nur einen leichten Anstieg von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutete. Dagegen verringerte sich der Materialaufwand weiter um 2,1 Prozent auf 21,6 Mio. Euro.

Das EBITDA verbesserte sich um 2,3 Prozent auf 11,4 Mio. Euro. Nach Berücksichtigung der Abschreibungen ergab sich ein EBIT von 4,4 Mio. Euro. Das Finanzergebnis fiel mit 1,3 Mio. Euro deutlich positiv aus. Dies war vor allem auf Anpassungen der langfristigen Verbindlichkeiten aus Put-Optionen von Minderheitsgesellschaftern zurückzuführen. Auf dieser Basis sank das Ergebnis vor Steuern auf 5,7 Mio. Euro. Beim Konzernergebnis nach Steuern und Minderheiten ergab sich ein Rückgang auf 3,2 Mio. Euro.

Laut Herrn Mailänder entwickelte sich die Vermögenslage 2025 stabil. Das bilanzielle Gesamtvermögen bezifferte er auf 87,8 Mio. Euro. Bei den liquiden Mitteln kam es zu einem leichten Minus auf 17,7 Mio. Euro. Das Eigenkapital stieg um 2,7 Prozent auf 42,1 Mio. Euro. Dadurch erhöhte sich die Eigenkapitalquote weiter von 46,4 auf 48,0 Prozent. Damit sah Herr Mailänder die Gesellschaft weiterhin besser aufgestellt als viele Wettbewerber. Zum Jahresende ergaben sich keine Veränderungen in der Aktionärsstruktur. Der Aktienkurs von ORBIS verringerte sich leicht auf 5,70 Euro.

Trotzdem sah Herr Mailänder die Gesellschaft für die Zukunft sehr gut aufgestellt. Dadurch erwartet er Vorteile gegenüber den Wettbewerbern. Für 2026 rechnet der Vorstandssprecher mit einer Umsatzsteigerung im einstelligen Prozentbereich. Das EBIT soll sich dabei sowohl im In- als auch im Ausland deutlich verbessern, sofern die wirtschaftliche Lage nicht weiter eskaliert. 2026 kann ORBIS auf ein stetiges wirtschaftliches Wachstum in den vergangenen 40 Jahren zurückblicken. Er war überzeugt, dass das neue Führungsteam die Gesellschaft auch zukünftig erfolgreich leiten wird.

Nach Angabe von Vorstandsmitglied Frank Schmelzer wurde im vergangenen Jahr deutlich an der Sichtbarkeit von ORBIS im Markt gearbeitet. Ziel war es dabei, die Pipeline zu sichern und die Investitionsbereitschaft der Kunden früh zu erkennen. Auch im herausfordernden Umfeld konnten wieder neue Kunden gewonnen werden. Daneben bilden die Bestandskunden einen wichtigen Stabilitätsanker für das Unternehmen.

Die beiden Technologieachsen SAP und Microsoft bilden die Plattformbasis. Der Mehrwert entsteht jedoch durch das Prozesswissen und die Branchenkompetenz sowie die eigenen ORBIS-Lösungen. Der Vorteil von ORBIS liege auch darin, dass die Gesellschaft über Plattformgrenzen hinweg beraten kann, meinte Herr Schmelzer. Die eigenen Lösungen reduzieren zudem die Abhängigkeit von SAP und Microsoft.

Im Bereich Microsoft steht ORBIS für die digitale Transformation in Vertrieb, Marketing und Service. Als bedeutsam erachtete der Vorstand, dass ORBIS im Microsoft AI-Cloud-Partnerprogramm in allen Solution-Areas vertreten ist. Im Bereich SAP werden gemeinsam mit den Kunden Optimierungspotenziale gehoben. Vor allem Digitalisierung, Cloud und Business AI beschleunigen dabei die SAP-Transformation. Die Stärken liegen dabei in der Organisations- und Prozessberatung. Das SAP-Geschäft bildet weiterhin eine starke Basis, jedoch entscheiden die Kunden auch hier selektiver.

In Zukunft strebt ORBIS den Ausbau des Portfolios entlang von vier Wachstumsfeldern an. Hierbei nannte Herr Schmelzer KI & Agenten, Cloud, Integration und branchenspezifische Prozesslösungen. Diese Themenfelder greifen jedoch ineinander. Dies bietet ORBIS hervorragende Wachstumschancen. Nach Ansicht des Vorstands wird die Beratung breiter, integrierter und anspruchsvoller.

ORBIS geht mit einer konzernweit guten Auftragslage in das Jahr 2026, betonte Herr Schmelzer. Allerdings bleibt die gesamtwirtschaftliche Lage herausfordernd. Trotzdem zeigt sich die Digitalwirtschaft sehr robust. Software, Cloud und KI wachsen weiter überdurchschnittlich. Auf dieser Basis erwartet der Vorstand eine Umsatzsteigerung im einstelligen Prozentbereich und eine EBIT-Verbesserung. Allerdings werden die Kunden bei Investitionsentscheidungen weiter vorsichtig bleiben.

Insgesamt sah Herr Schmelzer ORBIS für den Markt sehr gut positioniert. Der IT-Umsatz soll 2026 erneut um 5,8 Prozent wachsen. Das Softwaregeschäft soll sogar um mehr als 10 Prozent zulegen. Dementsprechend arbeitet ORBIS in einem strukturell attraktiven Markt. Der Fokus bei den Investitionen liegt klar auf Themen, die die Marktposition verbessern und mittelfristig Ergebnisbeiträge liefern.


Allgemeine Aussprache

Frau Weiser von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bescheinigte ORBIS eine stabile Entwicklung im Jahr 2025. Allerdings bedauerte sie, dass die Hauptversammlung wieder nur im virtuellen Format stattfindet. Die Aktionäre können nun auch aktiv an der Hauptversammlung teilnehmen, meinte Herr Mailänder. Hinzu kommen auch wirtschaftliche Einsparungen und die Aktionäre können kostengünstig teilnehmen, ohne anreisen zu müssen. Man finde das Format der virtuellen Hauptversammlung gut, für das kommende Jahr gibt es aber noch keine Festlegung.

Angesprochen wurde vor allem die Wertberichtigung bei der contrimo GmbH. Laut Herrn Mailänder hatte die Gesellschaft 2025 einen starken Umsatzrückgang mit externen Kunden zu verzeichnen. Die Gesellschaft ist vor allem als Subunternehmen für die ORBIS SE tätig. Daher wurde der Firmenwert außerplanmäßig abgeschrieben. Im SAP-Bereich verzeichnete die Gesellschaft nun einen positiven Auftragseingang. Die Entwicklung hat sich bereits wieder verbessert.

Zum Rückgang des Ergebnisses im Ausland konstatierte Herr Mailänder, dass die Gesellschaft in China deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb. Aktuell liegt China aber wieder im positiven Bereich und es wurden wieder Leute eingestellt. Auch bei ORBIS France lag man unter dem erwarteten Ergebnis. Aus diesem Grund erfolgte auch ein Personalabbau. Im vierten Quartal führte dies bereits zu einer Verbesserung und der positive Trend setzte sich auch im ersten Quartal 2026 fort.

Herr Carlé von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) gratulierte ORBIS zu 40 Jahren im Markt. Auch er kritisierte das virtuelle Format der Hauptversammlung. Angesprochen wurde auch die hohe Steuerquote des vergangenen Geschäftsjahres. Maßgebend hierfür war die Abschreibung des Firmenwerts der contrimo GmbH, berichtete Herr Mailänder. Zudem wurden latente Steuern auf Verlustvorträge nicht mehr aktiviert.

Beide Sprecher hinterfragten auch die Dividendenausschüttung von 0,10 Euro trotz guter Liquiditätslage. Die Ausschüttung muss in einem angemessenen Verhältnis zur Entwicklung des Geschäftsjahres stehen, betonte Herr Mailänder. Maßgeblich ist hierbei auch der Bilanzgewinn der Einzelgesellschaft. Daneben soll auch noch genug Spielraum für Investitionen verbleiben. Er konnte sich aber eine Ausschüttung von 50 Prozent des Gewinns der Einzelgesellschaft vorstellen.

Kritik gab es von Seiten der Aktionärssprecher an den vorgeschlagenen Aufsichtsratskandidaten, da sie eine gewisse Unabhängigkeit vermissten. Hinsichtlich Herrn Gard erklärte Herr Holzer, man wolle seine Expertise als Unternehmensgründer nicht vermissen und dies sei denn auch zum Wohle aller Aktionäre. Der Aufsichtsrat ist auch als Team aufgestellt und deshalb schlägt man auch eine gemeinsame Wahl vor. Jeder Aktionär könne auch eine Einzelwahl verlangen. Etwaige Interessenkonflikte der Mitglieder werden immer geprüft. Herr Holzer erachtete es als selbstverständlich, dass man auch die Interessen der Kleinaktionäre berücksichtigt. Man könne sich auch immer mit der Gesellschaft in Verbindung setzen.

Zur Nachfolgerin Frau Schwobe meinte Herr Holzer, sie verfügt nicht nur über Finanzkenntnisse, sondern sie versteht auch das Consulting-Geschäft. Dadurch schätzte er Frau Schwobe als die richtige Kandidatin für die Nachfolge von Herrn Mailänder ein. Nähere Auskünfte verlangten die Aktionäre zum Geschäft mit KI. Herr Schmelzer bezifferte den Umsatz 2025 auf einen einstelligen Millionenbetrag. In den kommenden Jahren rechnete er mit einem starken Wachstum. In den folgenden Jahren soll der Umsatzanteil auf mindestens 10 Prozent steigen.


Abstimmungen

Nach dem Ende der Aussprache leitete Herr Holzer zu den Abstimmungen über. Vom Grundkapital der Gesellschaft in Höhe von 9.766.042 Euro waren 5.431.797 Euro entsprechend 55,62 Prozent vertreten. Die Beschlüsse wurden alle bei wenigen Gegenstimmen im Sinne der Verwaltung gefasst.

Dies waren die Ausschüttung einer Dividende von 0,10 Euro je Aktie (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Wahl der MSW GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Berlin, zum Abschlussprüfer und etwaigen Prüfer des Nachhaltigkeitsberichts (TOP 5), die Billigung des Vergütungsberichts (TOP 6), die Schaffung eines neuen genehmigten Kapitals (TOP 7) sowie die Wahl der Herren Thomas Gard, Ulrich Holzer und Martin J. Hörmann in den Aufsichtsrat (TOP 8).

Gegen 12:50 Uhr konnte Herr Holzer die Hauptversammlung wieder beenden.


Fazit und eigene Meinung

Die ORBIS SE schloss das vergangenen Geschäftsjahr mit soliden Kennzahlen ab. Zwar konnte das Ergebnisniveau des Vorjahres nicht erreicht werden, dies lag jedoch an einmaligen negativen Sondereffekten. Beim EBIT vor Sondereffekten verzeichnete die Gesellschaft dagegen sogar einen weiteren Zuwachs. Die Dividendenausschüttung blieb angesichts dieser Gemengelage unverändert bei 0,10 Euro.

Die Gesellschaft wird auch in den kommenden Jahren vom Trend zur Digitalisierung profitieren. Auch das Thema KI gewinnt zunehmend an Bedeutung. Allerdings bringt das schwache Wirtschaftsklima in Deutschland auch eine zurückhaltende Investitionstätigkeit der Kunden mit sich. Die Gesellschaft ist jedoch bilanziell und finanziell sehr gut aufgestellt. Die liquiden Mittel und die eigenen Aktien decken bereits einen bedeutenden Anteil der Marktkapitalisierung ab. Trotzdem entwickelte sich der Aktienkurs bis Anfang Mai schwach. Danach kam es zu einer positiven Entwicklung, auch unterstützt durch unser jüngstes Research vom 26. Mai 2026. Auf dieser Bewertungsbasis sehen wir bei der ORBIS-Aktie noch deutliches Steigerungspotenzial.


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Veröffentlichungsdatum: 05.06.2026 - 13:03
Redakteur: tre
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