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HV-Bericht RheinLand Holding AG - Dividendenerhöhung auf 1,50 Euro je Aktie bei deutlicher Verbesserung der Ertragslage

Zur ordentlichen Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2025 hatte die RheinLand Holding AG ihre Aktionäre am Dienstag, dem 12. Mai 2026, um 14:30 Uhr wie in den Vorjahren in das Crowne Plaza Hotel Neuss eingeladen. Knapp 200 Aktionäre und Aktionärsvertreter hatten sich zu der Präsenzveranstaltung eingefunden, die damit auf eine erfreulich gute Resonanz stieß. Das notarielle Protokoll wurde durch Notar Dr. Tobias Kruse geführt. Für GSC Research berichtet Alexander Langhorst von der Veranstaltung.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Anton Werhahn eröffnete die Versammlung, begrüßte die Anwesenden und übernahm die Versammlungsleitung. Nach Abhandlung der üblichen Hinweise und Formalien erstattete er den Bericht des Aufsichtsrats für das Geschäftsjahr 2025. Er hob hervor, dass der Aufsichtsrat im abgelaufenen Geschäftsjahr insgesamt sieben Sitzungen abgehalten habe, davon fünf als Präsenzsitzung und zwei als Videositzung.

Zu den Kernthemen der Aufsichtsratstätigkeit im Berichtsjahr gehörten die Kapitalausstattung der Tochtergesellschaften, die Risikotragfähigkeit, die Sicherstellung ausreichender Liquidität, die Kapitalanlage- und Risikostrategie, die IT-Strategie, Maßnahmen zur Kostensenkung sowie die Digitalisierung der Gruppe und das Rating durch Assekurata. Besonderes Augenmerk hat der Aufsichtsrat auf ein Update der Vertriebsstrategie gelegt, insbesondere auf die Erschließung des neuen Geschäftsfeldes Embedded Insurance, auf Maßnahmen zur Optimierung der Kfz-Sparten im Maklervertrieb Niederlande sowie neue Geschäftschancen für den internationalen Kooperationsvertrieb im skandinavischen Raum. In diesem Zusammenhang erfolgte eine 25-prozentige Beteiligung an der schwedischen Gesellschaft Credit Life Nordic AB, welche die Basis für den Markteintritt in Schweden, Dänemark und Norwegen bildet.

Herr Werhahn betonte, dass sich Aufsichtsrat und Vorstand intensiv mit der Unternehmensplanung für die Jahre 2026 bis 2028 befasst haben. Die Hochrechnung habe gezeigt, dass die weitreichenden Maßnahmenprogramme in den Sparten Kfz und Wohngebäude zu einer Rückkehr der Profitabilität im Spartensegment SHUK geführt hätten. Die daraus resultierenden positiven Indikationen hätten zur Veröffentlichung einer Ad-hoc-Meldung im November 2025 geführt. Im Jahr 2025 sei ferner eine Schulung des Aufsichtsrats zum Thema DORA (Digital Operational Resilience Act) durchgeführt worden.

Abschließend dankte Herr Werhahn dem Vorstand und allen Mitarbeitenden der RheinLand Versicherungsgruppe für ihren engagierten Einsatz im Berichtsjahr und erteilte den Mitgliedern des Vorstands das Wort für weitere Erläuterungen zum Geschäftsverlauf 2025 sowie den weiteren Aussichten im laufenden Jahr.


Bericht des Vorstands

Vorstandsmitglied Lutz Bittermann übernahm als Finanzvorstand das Wort und berichtete als erster Redner aus dem Vorstandsgremium über die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2025. Traditionell begann er mit einem Blick auf die wesentlichen Rahmenbedingungen, die für die Versicherungswirtschaft und damit auch für die RheinLand Versicherungsgruppe von Bedeutung sind. Er benannte drei zentrale Trends: den Klimawandel, das geopolitische Umfeld sowie steigende regulatorische Anforderungen.

Zum Klimawandel führte Herr Bittermann aus, dass extreme Wetterereignisse hierdurch nachweislich häufiger geworden sind und zunehmend lokale Regionen treffen. Die drei größten Unwetterereignisse in Deutschland in den vergangenen drei Jahren seien der Hagelsturm in Reutlingen im Juli 2023, die Sturmserie Zoltan in Nord- und Westdeutschland im Dezember 2023 sowie schwere Hagelgewitter in Baden-Württemberg und Bayern im Sommer 2024 gewesen. Das Jahr 2025 habe der RheinLand-Gruppe – wie der gesamten Versicherungswirtschaft – im Vergleich dazu eine deutlich geringere Wetterbelastung gebracht, was wesentlich zu den guten Ergebnissen beigetragen habe. Daraus leitete er zwei Erkenntnisse ab: Erstens müsse man sich als Versicherer auf häufigere und intensivere Wetterschäden einstellen und weiter wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen. Und zweitens sei das Jahr 2025 ein vergleichsweise günstiges Schadenjahr gewesen.

Zur geopolitischen Lage erklärte Herr Bittermann, dass der Krieg zwischen Russland und der Ukraine sich im fünften Jahr befindet und Konflikte im Nahen Osten eskalierten. Dies belastet globale Lieferketten und erzeugt Schwankungen an den Kapitalmärkten. Für die Versicherungswirtschaft ergeben sich daraus relevante Risikofelder in Transport, Logistik und Reise. Die RheinLand-Gruppe sei in diesen Bereichen nicht aktiv; mittelbar könnten jedoch Kapitalmarktentwicklungen und Inflation das Unternehmen treffen. Auf das Thema Cybersecurity ging sein Kollege Dr. Arne Barinka später gesondert ein.

Als dritten Trend nannte Herr Bittermann die gestiegenen regulatorischen Anforderungen. Er hob insbesondere die Sustainability Reporting Directive (CSRD) hervor, die auf Standardisierung und Professionalisierung der Nachhaltigkeitsberichterstattung abziele und mit erheblichem organisatorischem Mehraufwand verbunden sei. Da das nationale Umsetzungsgesetz weiterhin im Gesetzgebungsverfahren verweile, habe die RheinLand-Gruppe auch für das Geschäftsjahr 2025 vorsorglich und freiwillig eine Nachhaltigkeitsberichterstattung in Anlehnung an die CSRD erstellt. Zudem greife seit dem 17. Januar 2025 der Digital Operational Resilience Act (DORA), der robuste IT-Risikomanagement-Systeme, regelmäßige Tests und Audits sowie strenge Meldepflichten für Sicherheitsvorfälle vorschreibe. Die RheinLand-Gruppe habe die Anforderungen aus DORA in einem umfangreichen Projekt vollständig umgesetzt.

Zu den Kennzahlen des Konzerns für das Geschäftsjahr 2025 erläuterte Herr Bittermann kurz die Konzernstruktur: Sachversicherungsprodukte werden von der RheinLand Versicherungs AG und der Rhion Versicherung AG angeboten, Restkreditversicherungen als biometrische Absicherungsprodukte aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Spartentrennung in der Credit Life AG. Die gebuchten Bruttobeiträge des Konzerns sanken plangemäß von 838,0 Mio. Euro im Vorjahr auf 800,6 Mio. Euro. Im Segment Schaden und Unfall stiegen die Bruttobeitragseinnahmen um rund 4 Mio. Euro auf 686 Mio. Euro, getrieben durch Wachstum im niederländischen Geschäft sowie die konsequenten Sanierungsmaßnahmen im deutschen Kfz- und Wohngebäudegeschäft. Die Beitragseinnahmen im Restkreditbereich gingen plangemäß aufgrund regulatorischer Änderungen zurück; in der Lebensversicherung ist ebenfalls plangemäß ein Beitragsrückgang von 99 auf rund 95 Mio. Euro zu verzeichnen.

Der Bruttoschadenaufwand des Konzerns sank von 482 auf 478 Mio. Euro. Im Segment Schaden und Unfall reduzierte sich der Schadenaufwand von 324 auf 319 Mio. Euro. Die abgegrenzten Bruttoschaden-Quoten konnten im Kfz-Bereich von 87 auf 78 Prozent und im Bereich Wohngebäude von 69 auf 51 Prozent erheblich gesenkt werden – ein klares Signal, dass die 2024 eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen im Jahr 2025 voll Früchte trugen. Im Restkreditbereich sind die Leistungsquoten trotz rückläufiger Beiträge nahezu stabil geblieben; dies erkläre sich durch die Langläufigkeit dieser Produkte sowie einen nachlaufenden Effekt aus der Corona-Pandemie in den Niederlanden.

Das Konzernergebnis vor Steuern für das Geschäftsjahr 2025 beträgt 12,5 Mio. Euro – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Den wesentlichen Beitrag lieferte die Credit Life AG mit einem Ergebnis vor Steuern von 5,7 (Vorjahr: 4,9) Mio. Euro). Bei der RheinLand Versicherungs AG beläuft sich das Ergebnis auf 5,0 (11) Mio. Euro vor Steuern; der Rückgang ist auf regulatorische Sondereffekte zurückzuführen. Nach zwei Verlustjahren 2023 und 2024 erzielte die Rhion Versicherung AG im Jahr 2025 wieder ein positives Ergebnis. Das Ergebnis der RheinLand Holding AG beträgt vor Steuern 10,0 Mio. Euro, das Beteiligungsergebnis liegt bei 10,9 (8,1) Mio. Euro. Nach Steuern von 1,1 Mio. Euro ergibt sich ein Jahresüberschuss der RheinLand Holding AG von 8,9 Mio. Euro. Das Konzerneigenkapital stieg auf 231,9 (228,8) Mio. Euro, die Kapitalanlagen auf 1.841,5 (1.820,5) Mio. Euro.

Als besonders hervorhebenswerte Leistung nannte Herr Bittermann die Zuführung zur Schwankungsrückstellung in Höhe von 14,1 Mio. Euro – die höchste Zuführung und zugleich der höchste Stand der Schwankungsrückstellung in der gesamten Unternehmensgeschichte mit nunmehr 63,1 Mio. Euro. Die Schwankungsrückstellung diene dazu, Ergebnisschwankungen in besonders volatilen Versicherungssparten über die Zeit auszugleichen. Unter Berücksichtigung dieser Zuführung und des Konzernergebnisses sei das wirtschaftliche Gesamtergebnis des Jahres 2025 das stärkste seit mehr als zehn Jahren. Die aufsichtsrechtlich berechnete Solvenzquote des Konzerns stieg auf 262 (253) Prozent.

Zum Dividendenvorschlag erklärte Herr Bittermann, dass aus dem Jahresüberschuss der RheinLand Holding AG von 8,9 Mio. Euro zunächst 3,0 Mio. Euro in die gesetzliche Gewinnrücklage eingestellt werden; der verbleibende Bilanzgewinn beträgt 5,9 Mio. Euro. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung die Ausschüttung einer Dividende von 1,30 (1,20) Euro je Aktie sowie eines Bonus von 0,20 (0,10) Euro je Aktie vor, zusammen 1,50 Euro je Aktie. Insgesamt werden damit rund 5,76 Mio. Euro ausgeschüttet; der verbleibende Restbetrag von rund 168 Tsd. Euro soll auf neue Rechnung vorgetragen werden.

Vorstandsmitglied Dr. Arne Barinka berichtete über die Bereiche Kapitalanlagen, IT und Cybersecurity sowie Personal. Bei den Kapitalanlagen konnte der Konzern die Strategie der kontrollierten Reinvestition erfolgreich fortsetzen: Das Kapitalanlagevolumen stieg auf 1.841,5 Mio. Euro, das Kapitalanlageergebnis auf 32,1 Mio. Euro – rund 1,5 Mio. Euro über Plan – bei einer Nettorendite von 1,8 Prozent. Damit knüpft der Konzern laut Dr. Barinka an sieben Jahre stabile Kapitalanlageergebnisse an. Ein Kennzeichen sei die Diversifikation im Rahmen größerer Immobilieninvestitionen: Das Neubauprojekt „Vitus Living“ in Mönchengladbach mit sieben Mehrfamilienhäusern schreite plangemäß voran und solle im Herbst 2026 fertiggestellt werden. Hinzu komme eine Quartiersentwicklung in Düsseldorf-Lörick (Wohnungen, Nahversorgung und Gewerbe) mit Fertigstellungsziel im Jahr 2027.

Zum Thema Technologie und Digitalisierung erläuterte Dr. Barinka, dass die Rahmenbedingungen eine vollständige Neubewertung erforderten. Geopolitische Spannungen, brüchige Lieferketten und digitale Abhängigkeiten rückten ins Zentrum. Die Antwort des Unternehmens sei Diversifikation und Flexibilität mit einer bewussten Verankerung in Deutschland. Generative Künstliche Intelligenz sei längst kein Schlagwort mehr, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor. Im April 2025 habe das Unternehmen das RheinLand GPT eingeführt – ein auf Basis des Microsoft-Sprachmodells entwickeltes, vollständig datenschutzkonform abgeschirmtes KI-Werkzeug für alle Mitarbeitenden, das Funktionen wie Text-zu-Bild, Bildbeschreibung, Text-zu-Sprache, Sprache-zu-Text sowie die Arbeit mit internen Dokumenten und Übersetzungen biete.

Ergänzend dazu werde KI im Inputmanagement (Klassifikation und Extraktion von Kundendokumenten mittels RheinLand Business Services) und im Outputmanagement (Digitales Postfach als Standard) eingesetzt. Im Schadenbereich werde nahezu jede Neuschadensanlage bereits mittels KI-Automation erzeugt. Zum Thema Cybersecurity betonte Dr. Barinka die Inbetriebnahme eines Security Operations Center (SOC), das rund um die Uhr alle Systemaktivitäten überwacht; die Zertifizierung nach ISO-Norm 27001:2022 sei bis September 2026 verlängert worden.

Zum Personalbereich berichtete Dr. Barinka, dass die RheinLand-Gruppe zum Jahresende 2025 insgesamt 855 Mitarbeitende beschäftigte, davon 47,1 Prozent Frauen. Im Jahr 2025 seien 64 neue Kolleginnen und Kollegen zum Unternehmen gestoßen, darunter 8 Auszubildende und Dual-Studierende. Von 13 Auszubildenden, die ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben, habe jede und jeder ein Übernahmeangebot erhalten. Als Zeichen der Wertschätzung für die Gemeinschaftsleistung habe jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter des Konzerns im Februar 2026 eine Sonderzahlung von 500 Euro erhalten. Das Unternehmen sei von kununu erneut als Top-Arbeitgeber ausgezeichnet worden.

Vorstandsmitglied Andreas Schwarz berichtete über den Kooperationsvertrieb und die internationalen Aktivitäten. Er rekapitulierte seine Ankündigung aus dem Vorjahr, in der er – in Anlehnung an ein Zitat von Ayrton Senna – prophezeit hatte, dass die RheinLand-Gruppe unter schwierigen regulatorischen Rahmenbedingungen im Kooperationsvertrieb besser abschneiden werde als viele Wettbewerber. Diese Prognose habe sich bewahrheitet. Zwar seien die Umsätze im Kooperationsvertrieb plangemäß aufgrund der erneuten Regulierung der Restkreditversicherung in Deutschland zurückgegangen. Erfreulicherweise seien die Gesamtergebnisse des Konzerns davon jedoch nicht beeinträchtigt worden.

Als herausragendes strategisches Ereignis des Jahres 2025 nannte Herr Schwarz den Abschluss einer Kooperation mit der DLV AG (Allianz Deutschland) im Bereich der Restkreditversicherung. Im Rahmen dieser Kooperation habe die RheinLand-Gruppe auch einen gemeinsamen Ausschreibungsprozess mit der ING Bank gewonnen. Zusammen mit der bereits seit vier Jahren bestehenden Partnerschaft mit der DKB bediene die RheinLand-Gruppe nun die beiden größten Direktbanken in Deutschland, die zusammen mehr als 70 Prozent des Marktanteils im Segment Direktbanken auf sich vereinigen. Die ING habe im Dezember 2025 mit dem Vertrieb begonnen, entsprechend seien hieraus 2025 keine nennenswerten Beitragsvolumina mehr realisiert worden. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres 2026 seien jedoch bereits mehr als 4 Mio. Euro Beitragseinnahmen aus dieser Partnerschaft erzielt worden.

Unter den drei strategischen Wachstumsinitiativen des Kooperationsvertriebs berichtete Herr Schwarz von konkreten Fortschritten. Im Bereich Sales as a Service (Nachverkauf) habe die Smart Sales Company GmbH im Jahr 2025 die Marke von 12 Mio. Euro vermittelter Beitragssumme überschritten. Im Bereich Embedded Insurance unter der Marke „ontos“ habe das Unternehmen auf der Fachmesse Area 30 im September 2025 einen erfolgreichen Marktauftritt realisiert. Ab 2026 werden dort erste nennenswerte Umsätze erwartet. Im Skandinavien-Geschäft sei der Start plangemäß verlaufen. Über die Credit Life Nordic AB, an der die RheinLand-Gruppe mit 25 Prozent beteiligt ist, habe das Unternehmen bereits mehr als 25.000 Policen in Schweden in das Verwaltungssystem übernommen. Das Geschäft in den Niederlanden, wo die Gruppe seit 15 Jahren tätig ist, umfasse inzwischen 390.000 verwaltete Policen und mache rund ein Drittel der Umsätze und Erträge des Kooperationsvertriebs aus.

Vorstandsmitglied Dr. Ulrich Hilp berichtete abschließend über das Kompositgeschäft. Er betonte, dass nach zwei Jahren massiver Belastungen durch höhere Inflation und diverse Unwetterereignisse das Kerngeschäftsfeld der Sach-, Haftpflicht-, Unfall- und Kraftfahrtversicherungen im Jahr 2025 wieder durch solide versicherungstechnische Ergebnisse gekennzeichnet war. Der eigene Außendienst zeige im Geschäft mit Privat- und Gewerbekunden weiterhin Beständigkeit und Stabilität. Die Neujustierung im Bestandsmix bei rhion.digital (Makler- und Assekuradeursvertrieb) habe die Grundlage für nachhaltig profitables Wachstum geschaffen, was durch namhafte Auszeichnungen wie den Deutschen Versicherungs-Award honoriert worden sei. In den Niederlanden entwickele sich das Geschäft mit rund 45 Partnern dynamisch weiter.


Allgemeine Aussprache

Als erster Redner meldete sich Dr. Clemens Scholl für die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Er würdigte die langjährige positive Entwicklung der RheinLand-Gruppe und begrüßte die Erhöhung der Gesamtausschüttung auf 1,50 Euro je Aktie. Er stellte fest, dass der Jahresüberschuss mit 8,9 Mio. Euro nicht mehr zweistellig sei, und verwies auf die gezielten Rücklagenbildungen als strategisch notwendige Vorsorgemaßnahme.

Er fragte, ob die Verwaltung Maßnahmen zur Steigerung des Aktienkurses in Betracht ziehe und ob Vorstandsmitglieder selbst Aktien der Gesellschaft halten. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Barinka antwortete, die Aktie habe sich in der Vergangenheit zwischen rund 21 und 37 Euro bewegt und notiere aktuell bei etwa 31 Euro. Die Gesellschaft beeinflusse den Kurs nicht aktiv; dieser entstehe durch Angebot und Nachfrage. Vorstandsmitglieder hielten persönliche Bestandsaktien, die vor dem Amtsantritt erworben wurden; während der Vorstandstätigkeit erfolgten keine Käufe und es sei auch vorgesehen, dass während der Vorstandstätigkeit keine Aktien erworben werden.

Dr. Scholl erkundigte sich ferner nach den Gründen für die freiwillige Einschaltung eines Notars, da für Freiverkehrswerte keine gesetzliche Notarpflicht bestehe. Dr. Barinka erläuterte dazu drei Gründe: erstens Rechtssicherheit durch Bestätigung des ordnungsgemäßen Ablaufs der Versammlung, zweitens Qualitätssicherung durch neutrale externe Kontrolle und drittens ein Signal der Professionalität gegenüber allen Aktionären.

Mit Blick auf das 150-jährige Jubiläum im Jahr 2030 fragte Dr. Scholl nach konkreten Zielen und bat um eine Einordnung gegenüber Wettbewerbern. Dr. Barinka verwies auf die vorgestellten Wachstumsfelder: weitere profitable Entwicklung in Deutschland und den Niederlanden sowie Diversifikation des Kooperationsvertriebs in zusätzliche Länder – nach dem Motto: mehr Kunden, mehr Produkte, mehr Länder. Hinsichtlich des Aktienkurses habe man sich kein konkretes Kursziel gesetzt, da dieser kaum aktiv beeinflusst werden kann. Vielmehr konzentriere man sich auf eine gute operative Entwicklung und daraus resultierende gute Erträge.

Außerdem bat Dr. Scholl um detailliertere Angaben zur geplanten Entwicklung des Wohngebäudebestands. Vorstandsmitglied Dr. Hilp erläuterte, dass die Gesellschaft den Bestand um 67.000 Verträge reduziert habe; aktuell verwalte sie noch rund 105.000 Stück mit dem Ziel, bis Jahresende 2026 auf rund 90.000 Verträge zu kommen. Neues Wohngebäudegeschäft werde weiterhin zurückhaltend gezeichnet. Ein weiterer großflächiger Bestandsabbau sei nicht geplant. Vorstandsmitglied Bittermann ergänzte, dass die Solvenzquote von 262 Prozent und das Konzerneigenkapital von 231,9 Mio. Euro die finanzielle Stärke eindrucksvoll belegten.

Privataktionärin Ingrid Hoffmann fragte nach der Strategie bezüglich des Einsatzes von KI und nach der digitalen Souveränität: Inwieweit würde auf europäische statt US-amerikanische Cloud-Anbieter gesetzt, und welche Ausstiegsstrategie existiere für den Fall politischer oder regulatorischer Risiken? Dr. Barinka antwortete, die Gesellschaft stehe vor einem Zielkonflikt zwischen Wettbewerbsfähigkeit – bei der US-amerikanische Cloud-Anbieter derzeit leistungsfähiger seien – und dem Risiko politischer oder regulatorischer Abhängigkeit. Die RheinLand-Gruppe habe deshalb eine Exit-Strategie vorbereitet, um im Bedarfsfall auf europäische Anbieter wechseln zu können. Teile der IT-Infrastruktur seien bewusst in Deutschland angesiedelt. Europäische Cloud-Systeme und -Anbieter würden regelmäßig überprüft.

Die Aktionärin erkundigte sich zudem nach der Mitarbeiterfluktuation und nach Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel. Dr. Barinka erklärte, dass die Fluktuation von etwa 4,6 Prozent im Jahr 2018 auf rund 7,5 Prozent gestiegen sei, aber dennoch vergleichsweise niedrig bleibe. Als besondere Herausforderung nannte er die Skalierung technologischer Kompetenzen, da sich relevante IT-Fähigkeiten rasant weiterentwickelten. Die Auszeichnung als Top-Arbeitgeber 2025 unterstreiche die Attraktivität des Unternehmens.

Aktionär Tobias Prinz lobte die Dividendenerhöhung und die Stärkung der Rücklagen. Er fragte nach den Hintergründen der erheblichen Steigerung des ökonomischen Eigenkapitals um rund 58 Mio. Euro. Herr Bittermann erläuterte, dass diese Verbesserung aus einem Zusammenspiel verschiedener Parameter resultiere – insbesondere der Verbesserung der versicherungstechnischen Ergebnisse, der Stärkung der HGB-Bilanz sowie günstiger Kapitalmarktentwicklungen. Die Solvenzbilanz werde nach ökonomischen Kriterien berechnet und das Ergebnis sei Ausdruck der verbesserten Risikotragfähigkeit der RheinLand-Gruppe. Wesentliche Faktoren seien der gestiegene risikofreie Zins, ein verbesserter Produktmix etwa durch Reduktion bei den Wohngebäudeversicherungen, die gestiegene Profitabilität sowie die Zuführung zur Schwankungsrückstellung in Höhe von rund 14 Mio. Euro.

Herr Prinz bat ferner um Details zur Immobilienstrategie und fragte, wie die Gesellschaft mit den stillen Reserven von rund 110 Mio. Euro im Immobilienbestand umgehe. Herr Bittermann führte aus, dass die RheinLand-Gruppe seit 2022 eine klare Strategie verfolge, die sich auf Wohnimmobilien in B- und C-Lagen konzentriere. Die Immobilienquote im Anlagenbestand liege aktuell bei rund 7 Prozent. Die stillen Reserven entstünden durch die Differenz zwischen Buchwert und aktuellem Marktwert und realisierten sich erst beim Verkauf. Der Vorstand verfolge derzeit aber keine Veräußerungsabsichten aus dem Bestand. Diese Reserven fungierten im Zweifel als stille Reserve für Krisensituationen.

Zur Diversifikationsstrategie bei den Kapitalanlagen bat Herr Prinz um Angaben zu den Zielgrößen für Aktien und Infrastrukturinvestitionen. Herr Bittermann erklärte, dass der Anteil von Aktien sowie Investitionen in neue Energiefonds – Photovoltaik und Windparks – jeweils rund 2 Prozent betrage. Die Hauptallokation liege aus versicherungsspezifischen Gründen allerdings ganz klar bei Festzinspapieren. Der Anteil festverzinslicher Wertpapiere solle dauerhaft nicht unter 81 Prozent fallen. Eine höhere Rendite bei der Kapitalanlage gehe aufgrund der kurzen Dauer des Geschäfts auf der Passivseite stets mit höherem Risiko einher, weshalb man auf der Aktivseite bewusst zurückhaltend agiere.

Aktionär Paul Roth begrüßte ausdrücklich die Durchführung als Präsenzhauptversammlung und fragte nach dem Thema elektrische Energie als neuem Versicherungsrisiko. Wie wolle die RheinLand-Gruppe dieses Risiko in den Tarifen berücksichtigen, und biete die fortschreitende Elektrifizierung Möglichkeiten für neue Versicherungsprodukte? Dr. Hilp antwortete, Photovoltaikanlagen seien bereits heute in Teilen über die Wohngebäudeversicherung abgedeckt. Spannungsschäden durch Blitzeinschlag würden im Haushalts- und Wohngebäudebereich versichert. Neue Produkte in diesem Wachstumsbereich würden weiterentwickelt.

KI werde für die Tarifentwicklung derzeit nicht eingesetzt, da KI-Modelle in Einzelfällen Ergebnisse lieferten, die nicht nachvollziehbar erklärt werden könnten. Stattdessen setze man bei der Entwicklung neuer Tarifmodelle auf datengestützte und transparente Analyseverfahren.

Herr Roth erkundigte sich zudem nach dem Anteil von Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund. Dr. Barinka informierte, dass 61 Mitarbeitende nicht in Deutschland geboren seien, was einem Anteil von circa 7 Prozent entspreche. Darüber hinausgehende Merkmale eines Migrationshintergrunds würden nicht systematisch erfasst.

Schließlich bat Herr Roth den Vorstand, die Schwächen des Unternehmens aus Sicht des Vorstands zu benennen. Dr. Barinka nannte als bekannte Schwächen erstens die Regionalität und das daraus resultierende Konzentrationsrisiko. In konzentrierten Schadengebieten sei die RheinLand-Gruppe stärker exponiert als überregionale Großkonzerne. Zweitens führten die enormen regulatorischen Anforderungen bei einem mittelständischen Versicherer zu überproportionalem Aufwand im Verhältnis zur Unternehmensgröße. Drittens bestehe gegenüber internationalen Konzernen ein Nachteil beim Datenpotenzial für die KI-gestützte Tarifentwicklung. In Nischensegmenten hingegen bestünden spezifische Datenvorteile, die man gezielt ausspielen wolle.


Abstimmungen

Nach dem Ende der allgemeinen Aussprache um 17 Uhr wurde die Präsenz mit 2.936.327 Aktien oder 76,47 Prozent des eingetragenen Grundkapitals festgestellt. Sämtliche Beschlussvorschläge der Verwaltung wurden mit großer Mehrheit angenommen bei jeweils nur vereinzelten Neinstimmen und/oder Enthaltungen.

Im Einzelnen beschlossen wurde die Ausschüttung einer Dividende von 1,30 Euro je Aktie zuzüglich eines Bonus von 0,20 Euro (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4) sowie die Wahl der PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Frankfurt am Main, zum Abschlussprüfer für den Jahresabschluss und den Konzernabschluss der RheinLand Holding AG für das Geschäftsjahr 2026 (TOP 5). Der Versammlungsleiter konnte die Hauptversammlung nach einer Dauer von etwas mehr als zweieinhalb Stunden um 17:10 Uhr schließen.


Fazit

Für das Geschäftsjahr 2025 konnte die RheinLand Holding AG eine erfreuliche Verbesserung der Ertragslage nach zwei schwierigen Vorjahren melden. Dabei profitierte das Unternehmen zum einen von den eingeleiteten Optimierungen insbesondere im Bestand bei den Wohngebäudeversicherungen und zum anderen auch vom Ausbleiben besonderer Großschäden. Die deutliche Verbesserung der Combined Ratios in den Sparten Kfz (von 87 auf 78 Prozent) und Wohngebäude (von 69 auf 51 Prozent) sowie der Turnaround der Rhion Versicherung AG sind wichtige Belege dafür, dass die eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen greifen.

Das Konzernergebnis von 12,5 Mio. Euro vor Steuern sowie der Jahresüberschuss der Holding von 8,9 Mio. Euro nach Steuern ermöglichten eine Anhebung der Gesamtausschüttung auf 1,50 Euro je Aktie – bestehend aus einer Basisdividende von 1,30 Euro und einem Bonus von 0,20 Euro. Positiv zu werten ist aus Sicht des Verfassers auch die Zuführung von 14,1 Mio. Euro zur Schwankungsrückstellung auf den historischen Höchststand von 63,1 Mio. Euro. Dies belegt die sehr solide Bilanzqualität des Unternehmens. Die Solvenzquote von 262 Prozent und die positive Assekurata-Bewertung unterstreichen die finanzielle Solidität des Unternehmens.

Die strategischen Wachstumsinitiativen – Zusammenarbeit mit Allianz/ING im Kooperationsvertrieb, Embedded Insurance unter der Marke ontos, Sales as a Service sowie der Markteintritt in Skandinavien – eröffnen neue Ertragsperspektiven für die kommenden Jahre. Auf Basis des aktuellen Aktienkurses von 33,40 Euro ergibt sich eine Dividendenrendite von knapp 4,5 Prozent, insbesondere bei schwächeren Kursen bieten sich (Nach-)Käufe an. Bei etwaigen Dispositionen sollten Anleger jedoch nur mit Limiten im Markt agieren.


Kontaktadresse

RheinLand Holding AG
RheinLandplatz
D-41460 Neuss

Tel.: +49 (0)21 31 / 290-0

Internet: www.rheinland-versicherungsgruppe.de

Ansprechpartner Investor Relations

Thomas Kempen

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Hinweis: Der Verfasser ist Aktionär der beschriebenen Gesellschaft.



Veröffentlichungsdatum: 28.05.2026 - 10:50
Redakteur: ala
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