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RheinLandplatz ,
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Herr Thomas Kempen
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HV-Bericht RheinLand Holding AG - Trotz solider Geschäftsentwicklung und attraktiver Dividende notiert die Aktie fast 40 Prozent unter dem Buchwert

Die RheinLand Holding AG hatte für den 28. Mai 2024 zur Hauptversammlung mit Vorlage des Jahresabschlusses 2023 eingeladen. Versammlungsort war das Crowne Plaza Hotel in Neuss, wo sich mehr als 200 Aktionäre und Gäste eingefunden hatten, um sich über die auch im schwierigen Marktumfeld erfolgreiche Versicherungsgruppe zu informieren. Für GSC Research war Matthias Wahler angereist.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Anton Werhahn eröffnete die Versammlung um 14:30 Uhr und teilte mit, dass die Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat vollständig anwesend sind. Das Protokoll führte Notar Dr. Tobias Kruse. Er ist der Amtsnachfolger von Notarin Dr. Christine von Hertzberg, die bislang die Hauptversammlungen protokolliert hat, die nun aber in den wohlverdienten Ruhestand eingetreten ist.

Nach einer Gedenkminute für die verstorbenen ehemaligen und aktiven Mitarbeiter erläuterte Herr Werhahn die Formalien und sprach einige ergänzende Worte zum Bericht des Aufsichtsrats. Das Kontrollgremium hat sich im Geschäftsjahr 2023 insgesamt fünfmal in Präsenz und einmal per Videositzung getroffen, also bewusst wieder öfter, als dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Auch zwischen den Sitzungen gab es einen konstruktiven Austausch.

Nach diesen Ausführungen übergab der Vorsitzende an die vier Vorstandsmitglieder, die jeweils aus ihrem Ressort berichteten.


Bericht des Vorstands

Finanzvorstand Lutz Bittermann begann mit einem Überblick über die Rahmenbedingungen in der Versicherungswirtschaft. Aus der Vielzahl der Themen griff er konkret drei Trends heraus, die große Bedeutung für die Branche und damit auch den Geschäftserfolg der RheinLand-Gruppe haben.

Zum einen ist dies der Klimawandel, durch den extreme Wetterereignisse häufiger geworden sind. Vor allem entfalten Unwetter oftmals in lokal begrenzten Regionen eine besonders große Wirkung, woraus sich eine enorme Herausforderung für Erst- und Rückversicherer ergibt. Ebenso werden Ereignisse wie Hagel und Starkregen, für die ebenfalls Versicherungsschutz angeboten wird, immer häufiger. Die Versicherungswirtschaft versucht sich auf diese Veränderungen mit der Anpassung der Risikomodelle und der Anhebung von Prämien einzustellen.

Zum anderen beeinflusst die Inflation das Versicherungsgeschäft. Die Beiträge werden in der Regel ein Jahr im Voraus bezahlt. Schadenszahlungen werden hingegen erst im Laufe der Zeit geleistet und unterliegen damit der Inflation. Zudem sind in vielen Bereichen massiv steigende Kosten zu verzeichnen. Insbesondere betrifft dies nach Aussage von Herrn Bittermann die Wohngebäudeversicherung und den Kfz-Bereich. Ersatzteile, Reparaturen und Gutachten sind erheblich teurer geworden. Nahezu alle Versicherer haben das Geschäftsjahr 2023 im Kfz-Bereich mit hohen Verlusten abgeschlossen und jetzt die Preise erhöht.

Als drittes großes Thema benannte Herr Bittermann die Kapitalmarktzinsen. Nach einer langen Niedrigzinsphase hat die EZB die Leitzinsen kräftig angehoben. Inzwischen haben sie den höchsten Stand seit 20 Jahren erreicht. Das ist gut für die Kapitalanlagen. Bei Neu- und Wiederanlagen bringen festverzinsliche Wertpapiere wieder deutlich höhere Zinsen. Besonders positiv wirkt sich dies im Lebensversicherungsbereich aus. Die Zinszusatzreserve, die im Niedrigzinsumfeld aufgebaut werden musste, kann reduziert werden. Allerdings weisen die festverzinslichen Wertpapiere, die in der Niedrigzinsphase erworben worden sind, nun stille Lasten auf.

Herr Bittermann fuhr fort mit den wesentlichen Kennzahlen des Geschäftsjahres 2023. Die vereinnahmten Bruttobeiträge blieben nach dem starken Wachstum in der Vorperiode auf Gruppenebene mit 687,5 (Vorjahr: 690,4) Mio. Euro nahezu konstant. Die Entwicklung in den einzelnen Segmenten war allerdings unterschiedlich.

In der klassischen Schaden- und Unfallversicherung stiegen die Beiträge, getrieben vor allem vom Maklervertrieb der Rhion Versicherung, auf 376 (343) Mio. Euro weiter an. Im Segment Restkreditversicherung wirkte sich hingegen der sogenannte Provisionsdeckel negativ aus. Die Bruttobeiträge gingen erwartungsgemäß zurück. In der klassischen Lebensversicherung sanken die Beitragseinnahmen mit dem planmäßigen Abbau des Bestands der früheren RheinLand Leben auf 151 (161) Mio. Euro.

In Summe erhöhten sich die Bruttobeiträge in der Schaden- und Unfallversicherung um 2,3 Prozent auf 536 (522) Mio. Euro. Dies war, nicht zuletzt infolge der Einführung des Provisionsdeckels, weniger als das Marktwachstum von 6,7 Prozent. Über alle drei Unternehmen hinweg verteilen sich die Beitragseinnahmen Herrn Bittermann zufolge zu zwei Dritteln auf Deutschland und einem Drittel auf die niederländische Niederlassung.

Die Aufwendungen für Versicherungsfälle erhöhten sich insgesamt auf 401 (371) Mio. Euro. Im Bereich Schaden-/Unfall stiegen sie auf 247 (214) Mio. Euro. Ein Drittel dieses Anstiegs war wachstumsbedingt, der Rest resultiert aus den genannten Kostensteigerungen. Nachteilig wirkte sich vor allem aus, dass die Rhion Versicherung seit 2021 verstärkt in der Kfz-Versicherung gewachsen ist. Bei den Restkreditprodukten entwickelten sich die Schadenszahlungen weitgehend proportional zu den Beiträgen. In der Lebensversicherung gingen die Leistungen aufgrund eines guten Schadensverlaufs und durch Bestandsabbau auf 120 (127) Mio. Euro zurück.

Im Folgenden sprach Herr Bittermann einige Worte zu den großen Bilanzpositionen. Der Kapitalanlagebestand wuchs auf 1,779 (1,732) Mrd. Euro an. Die Gewichtung verschob sich zulasten der festverzinslichen Anlagen geringfügig in Richtung Immobilien, Aktien und Anlagen in Erneuerbaren Energien. Das laufende Ergebnis aus den Kapitalanlagen lag mit 28,6 (19,0) Mio. Euro deutlich über dem Vorjahreswert. Die höheren Marktzinsen werden sich indes erst nach und nach durchsetzen. Die Zeitwerte der festverzinslichen Wertpapiere lagen zum Bilanzstichtag unterhalb der Buchwerte. Die stillen Lasten gingen allerdings auf 149 (224) Mio. Euro zurück. Dagegen stehen stille Reserven von 95 (88) Mio. Euro.

Die zweite wesentliche Bilanzposition sind die versicherungstechnischen Bruttorückstellungen, die sich auf 1,713 (1,700) Mrd. Euro erhöhten, also etwas weniger als die Kapitalanlagen. Bei der Schaden- und Unfallversicherung stiegen die Bruttorückstellungen wachstums-, aber auch inflationsbedingt, auf 654 (611) Mio. Euro. Außerdem wurde die Schwankungsrückstellung auf 48 (45) Mio. Euro ausgeweitet, was die Risikotragfähigkeit erhöht. In der Lebensversicherung ging die Bruttorückstellung, wesentlich bedingt durch den Bestandsabbau, auf 1,059 (1,089) Mrd. Euro zurück. Die Zinszusatzreserve wurde auf 81 (87) Mio. Euro reduziert.

Das Ergebnis vor Steuern stieg im Konzern leicht auf 15,6 (15,2) Mio. Euro. In den drei Versicherungsgesellschaften waren allerdings unterschiedliche Entwicklungen zu verzeichnen. Die Credit Life erreichte mit 10,5 (0,6) Mio. Euro das beste Ergebnis der letzten zehn Jahre. Neben einem guten Risikoverlauf wirkte sich das Ende des Niedrigzinsumfeldes positiv aus. In der RheinLand Versicherung gab es, ausschließlich bedingt durch den gestiegenen Schadensregulierungsaufwand im Kfz-Bereich, einen Rückgang auf 14,4 (17,3) Mio. Euro. In der Rhion Versicherung war das Ergebnis mit minus 7,8 (plus 2,2) Mio. Euro negativ. Die Verluste im Kfz-Bereich konnten nicht durch Erträge in anderen Sparten kompensiert werden. Insgesamt zeigte sich Herr Bittermann mit dem erzielten Ergebnis angesichts der vielfältigen Herausforderungen zufrieden.

Der Jahresüberschuss ging im Konzern auf 9,2 (11,6) Mio. Euro zurück, in der Holding reduzierte er sich auf 9,8 (13,2) Mio. Euro. Dennoch lautete der Vorschlag an die Hauptversammlung, ebenso wie im vergangenen Jahr eine Dividende von 1,20 Euro zuzüglich eines Bonus von 0,10 Euro auszuschütten. In Summe sind das 5 Mio. Euro. Weitere 1,5 Mio. Euro sollen in die Gewinnrücklagen eingestellt werden, um das Eigenkapital zu stärken und damit die Grundlage für weiteres Wachstum zu schaffen.

Sodann präsentierte Herr Bittermann die Solvenzquote, also das Verhältnis von vorhandenen Eigenmitteln zu notwendigem Kapital, die mit 261 (278) Prozent zum dritten Mal in Folge über 250 Prozent notiert. Sie liegt damit weiterhin weit über dem notwendigen Wert von 100 Prozent. Gewisse Schwankungen sind bei dieser Kennzahl normal. Eine hohe Solvenzquote ist nach Aussage des Finanzchefs eine wichtige Grundlage für ein gutes Rating, welches die Assekurata erneut mit A+ bestätigte.

Zum Abschluss seines Parts sprach Herr Bittermann einige Worte zu TOP 8. Wie er ausführte, ist derzeit in der Satzung festgelegt, dass die Hauptversammlung am Sitz der Gesellschaft in Neuss stattfinden muss. Die örtlichen Möglichkeiten sind dort begrenzt, zumal sich das Crowne Plaza nun auch noch in der Insolvenz befindet. Es soll deshalb vorsorglich beschlossen werden, dass die Hauptversammlung künftig in einem Umkreis von 50 Kilometer um Neuss stattfinden kann. Für das nächste Jahr ist allerdings schon eine erneute Vereinbarung mit dem Crowne Plaza getroffen.

Im Anschluss lieferte Vorstandsmitglied Dr. Arne Barinka Informationen zu den Themen Kapitalanlage, IT und Personal. Mit Blick auf die unschöne geopolitische Lage mit Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten sieht er aktuell eine schwierige Weltlage gegeben. Währenddessen befindet sich die deutsche Börse trotz der konjunkturellen Unsicherheit auf Höhenflug. Vor diesem Hintergrund wurde im RheinLand-Portfolio der Kurs der sanften Diversifikation fortgeführt. Der Schwerpunkt der Kapitalanlage liegt mit einem Anteil von über 85 Prozent weiterhin auf festverzinslichen Wertpapieren mit guter und sehr guter Bonität. Der Anteil an Fonds mit Schwerpunkt auf dem Bereich Erneuerbare Energien nimmt aber zu, zudem wurde das Geschäft im Immobilienbereich weiter ausgebaut. Insgesamt sieht Dr. Barinka die Gruppe, nicht nur was die Kapitalanlagen betrifft, gut aufgestellt.

Der Kapitalanlagebestand erhöhte sich wie ausgeführt auf 1,8 (1,7) Mrd. Euro. Die durchschnittliche Nettoverzinsung verbesserte sich aufgrund des deutlich höheren Zinsniveaus auf 1,6 (1,1) Prozent. Insgesamt erhöhte sich das Kapitalanlageergebnis kräftig auf 28,6 (19,0) Mio. Euro. Allerdings sind die Auswirkungen der Inflation und der höheren Zinsen auch auf der Aufwandsseite zu spüren. Insbesondere im Kfz-Bereich sind die erforderlichen Aufwendungen zur Schadensregulierung, wie von Herrn Bittermann dargelegt, erheblich angestiegen. Diesem Trend konnte sich die RheinLand-Gruppe nicht entziehen.

Um die Gruppe zumindest vor unberechtigten Ansprüchen besser zu schützen, sollen künftig stärker die Möglichkeiten genutzt werden, die sich durch die Auswertung großer Datenmengen mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) eröffnen. Auf diese Weise können auch systematisch die Anwendungspotenziale von neuen Technologien untersucht werden. Dr. Barinka sieht erhebliches Potenzial in vielen Geschäftsbereichen. Zugleich ist er sich bewusst, dass die neuen Technologien auch von Betrügern genutzt werden können, die versuchen, KI-generierte Schadenfälle einzureichen.

Insgesamt sieht er die Cyber-Security als sehr wichtiges Thema an. Die Abwehr von Hackerangriffen gehört, wie er anmerkte, schon beinahe zum Tagesgeschäft. Der gesamte Vorstand nimmt dieses Thema sehr ernst. Insbesondere geht es darum, die Mitarbeiter noch stärker für diese Gefahren zu sensibilisieren.

Große Bedeutung hat daneben die Mitarbeitergewinnung. Ein großer Vorteil ist in diesem Zusammenhang, dass die RheinLand-Gruppe als attraktiver Arbeitgeber gesehen wird. Die Zahl der Bewerbungseingänge ist im Berichtsjahr um 40 Prozent gestiegen, es konnten 71 neue Mitarbeiter gewonnen werden. Insgesamt arbeiteten zum Jahresende 943 Menschen in der Gruppe. Die Übernahmequote bei den Auszubildenden lag wieder bei 100 Prozent. Insgesamt wurde viel getan, um den Arbeitsplatz noch attraktiver zu machen, insbesondere auch für die jüngere Generation.

Im Anschluss sprach Vertriebsvorstand Dr. Ulrich Hilp. Er will das Motto „Startup-Spirit seit 1880“ weiterhin von Neuss aus in den Markt tragen. Mit Blick auf die vielfältigen Risiken, die sich unter anderen aus dem Klimawandel, der Inflation und den steigenden Aufwendungen bei der Schadensregulierung für die Versicherer ergeben, ist nach seiner Überzeugung mehr Flexibilität bei den Prämien, aber auch auf der Vertriebsseite, unerlässlich. Er hält es für notwendig, im Wachstum künftig selektiver vorzugehen, damit sich die Risiken weiterhin in einem ausgewogenen Verhältnis bewegen.

Sodann ging Dr. Hilp näher auf die einzelnen Vertriebswege ein. Bei der Rhion Versicherung setzte sich das starke Wachstum der letzten Jahre fort. Unter dem Namen „Radar“ wurde ein neues Pricing-Tool eingeführt, um bei entsprechenden Entwicklungen im Markt schneller reagieren und Prämienanpassungen vornehmen zu können. 2023 wurde dies beispielsweise im Kfz-Bereich so gehandhabt. Auch in den Niederlanden, wo Rhion seit Ende 2019 mit einer eigenen Niederlassung vertreten ist, setzte sich die Aufwärtsentwicklung fort.

Wichtig ist auch der eigene Außendienst. Hier erhöhte sich der Umsatz leicht auf 103 (101) Mio. Euro, wozu Prämienerhöhungen, aber auch weiteres Wachstum beigetragen haben. Dr. Hilp legt großen Wert darauf, dass die Stärken im eigenen Vertrieb persönlich, digital und regional ausgespielt werden. Natürlich macht man sich auch die Möglichkeiten zunutze, die sich durch die Social-Media-Kanäle eröffnen.

Im vierten Teil informierte Vorstandsmitglied Andreas Schwarz über aktuelle Entwicklungen im Banken- und Kooperationsvertrieb. Wie er ausführte, ist die RheinLand-Gruppe ein ausgewiesener Spezialist für die Absicherung von Zahlungsverpflichtungen. Die wertvollsten Kompetenzen sind neben dem Versicherungs-Know-how das technische Wissen sowie das Wissen um die Vertriebsprozesse der Vertragspartner. Über die Jahre ist die RheinLand-Gruppe so nicht nur Produktlieferant, sondern wertvoller Berater und Systemintegrator für die Kunden geworden.

Eindrucksvoll belegt sieht Herr Schwarz dies an der Einführung des Provisionsdeckels für Restkreditversicherungen in Deutschland zum 1. Juli 2022. Das Geschäftsjahr 2023 war somit das erste Jahr, in dem diese neue Regelung vollständig zur Anwendung kam. Gemeinsam mit den Vertriebspartnern habe man es dennoch geschafft, die Restkreditversicherung und andere kundenorientierte Produkte weiterhin erfolgreich im Zusammenhang mit Finanzierungen zu verkaufen.

Der Provisionsdeckel erzielte allerdings, wie Herr Schwarz einräumte, durchaus die politisch gewollte Wirkung. Die von den Kunden gezahlten Prämien für Restkreditversicherungen gingen spürbar zurück und entsprechend reduzierten sich die Umsätze mit diesem Produkt. Dennoch konnten im Geschäft mit Kooperationspartnern insgesamt weiterhin gute Ergebnisse erwirtschaftet und, wie von Herrn Bittermann dargelegt, sogar ein Teil der durch die Inflation getriebenen Schäden ausgeglichen werden.

Einen weiteren politischen Eingriff in die Restkreditversicherung wird es laut Herrn Schwarz zum 1. Januar 2025 geben. Ab dann muss zwischen dem Abschluss eines Darlehensvertrages und dem Abschluss einer Restkreditversicherung zwingend eine Wartefrist von mindestens sieben Tagen eingehalten werden. Damit will der Gesetzgeber verhindern, dass dem Kunden gleich bei Abschluss einer Finanzierung noch eine Absicherung mit angeboten wird.

Es gibt allerdings große Zweifel, ob die Einführung einer solchen Wartefrist rechtmäßig ist. In der EU wurde nämlich festgelegt, dass der freiwillige Abschluss von Produkten im Zusammenhang mit einer Finanzierung möglich sein muss. Und tatsächlich wird den Versicherern und Vermittlern mit einer Wartefrist die Möglichkeit genommen, ein sinnvolles Produkt zur richtigen Zeit zu verkaufen. Nicht zuletzt gibt es damit bis zum Ablauf der Wartefrist eine Absicherungslücke und nach dem Willen des Gesetzgebers soll nicht einmal ein freiwilliger Verzicht auf die Wartefrist möglich sein.

Aus Sicht der RheinLand-Gruppe erkennt Herr Schwarz aber kein größeres Problem. Wie er darlegte, hat man sich frühzeitig auf die Einführung einer solchen Regelung vorbereitet und Lösungsansätze mit den deutschen Vertriebspartnern erarbeitet, die derzeit umgesetzt werden. Das Ziel ist es, den Kunden auch in dem neuen rechtlichen Umfeld sinnvolle und erfolgreiche Absicherungslösungen anbieten zu können. Es werden weiterhin Restkreditversicherungen verkauft, allerdings sieben Tage später.

Letztlich sieht Herr Schwarz aus der neuen Regulierung sogar Chancen erwachsen. So manchen Wettbewerber stellt die Notwendigkeit zur schnellen Umsetzung der neuen Regulierung vor eine große Herausforderung. Die RheinLand-Gruppe sieht er dank ihrer fokussierten Aufstellung und mittelständischen Ausrichtung besser gerüstet. Tatsächlich fragen derzeit Banken, andere Vertriebsnetzwerke und sogar Mitbewerber an, ob man mit dem Spezial-Know-how zur Seite stehen könne. Herr Schwarz ist sich sicher, dass er im kommenden Jahr weitere Kooperationen vermelden kann.

Als wesentlichen Aspekt im Zusammenhang mit der Einführung der Wartefrist sieht Herr Schwarz das Thema Sales as a Service. Die Smart Sales Company, über deren Gründung er auf der letztjährigen Hauptversammlung berichtet hatte, bildet den rechtlichen Rahmen für den Nachverkauf einer Dienstleistung, die nicht sofort mit angeboten werden kann oder soll. Nach einen Jahr der Vorbereitung, in dem bereits erste Pilotprojekte durchgeführt und Erfahrungen gesammelt worden sind, soll das Geschäft jetzt ausgeweitet werden.

Insbesondere aus der Einführung der Wartefrist beim Abschluss einer Restkreditversicherung sieht Herr Schwarz eine Menge Potenzial für diese Dienstleistungen erwachsen. Immerhin darf der Kunde am Point of Sale noch über die Absicherungsmöglichkeiten informiert und auf eine spätere Kontaktaufnahme vorbereitet werden. Wenig überraschend haben alle Partner diesen Service der Smart Sales Company spätestens zum 1. Januar 2025 angefragt oder zumindest in Erwägung gezogen.

Insgesamt will der Vorstand die Vertriebsstrategie weiterentwickeln. Die RheinLand-Gruppe soll auch neue Zielgruppen ansprechen, bei denen mit den Fähigkeiten und Erfahrungen gepunktet werden kann. Es soll aber dabei bleiben, dass der Endkunde immer über Vertriebspartner angesprochen wird (B2B2C-Ansatz). Das Ziel ist es, die Reichweite über eine Ausweitung des Partnernetzwerks zu vergrößern. Herr Schwarz ist überzeugt, dass dafür in der Gruppe gute Kompetenzen vorhanden sind. Ein wichtiger Baustein ist die Smart Sales Company.


Allgemeine Aussprache

In der folgenden Debatte meldeten sich insgesamt fünf Privataktionäre zu Wort. Zur Beantwortung wurde die Hauptversammlung für etwa zehn Minuten unterbrochen. Währenddessen wurden den Teilnehmern in zwei Videoeinspielungen die neusten Immobilienprojekte sowie ein Überblick über die wesentlichen Ereignisse der letzten zwölf Monate aus Unternehmenssicht präsentiert.

Aktionär Paul Roth bat um einen Überblick über die verschiedenen regulatorischen Änderungen, die in letzter Zeit in Kraft getreten sind und die in naher Zukunft erwartet werden, und eine Einschätzung zu deren Auswirkungen auf das Geschäft. Speziell erwähnte er den Provisionsdeckel.

Wie Herr Schwarz aufzeigte, ist der Provisionsdeckel schon am 1. Juli 2022 wirksam geworden. Heute ist dies nochmals ein Thema, weil die neue Regelung in der Berichtsperiode 2023 erstmals ganzjährig gewirkt hat. Generell konnte er die Frage nach gesetzlichen Änderungen nicht beantworten, dafür sind es zu viele. Der Vorstand beobachtet die Entwicklungen natürlich genau und im Rahmen der Hauptversammlung wird dann über die wichtigsten Themen berichtet. Das nächste große Thema ist die Einführung einer Wartefrist bei der Restkreditversicherung zum 1. Januar 2025.

Mehrere Redner hinterfragten die verstärkten Investments im Bereich Erneuerbare Energien. Ein Aktionär bat um nähere Ausführungen, in welche Technologien investiert wird. Seiner Einschätzung nach könnten aus der Energiewende ganz neue Chancen oder Anlagemöglichkeiten für Versicherungen erwachsen.

Nach Aussage von Dr. Barinka investiert die RheinLand-Gruppe in diesem Bereich insbesondere in Solar- und Windparks. Neue Möglichkeiten sieht er betreffend das Thema Energiewende auch im Immobilienbereich aus der energetischen Sanierung der im Bestand befindlichen Objekte erwachsen. Im Fokus stehen derzeit die Installation von Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen.

Herr Schwarz ergänzte, dass im Bereich Erneuerbare Energien auch neue Produkte entwickelt werden. Als Beispiel nannte er die Absicherung von Solaranlagen gegen Diebstahl oder die Übernahme von Reparaturkosten. Insgesamt sieht er die Finanzierung von Maßnahmen zur energetischen Sanierung als spannendes Thema.

Eine Aktionärin meinte den Ausführungen des Vorstands entnommen zu haben, dass die Gesellschaft selbst ins Fondsgeschäft einsteigen will. Dies ist laut Dr. Barinka nicht der Fall. Es wurden aber 5 Mio. Euro in einen Fonds investiert, der europaweit Solar- und Windanlagen errichtet, woraus sich Renditemöglichkeiten ergeben. Die Gewinne sollen unter anderem genutzt werden, um überall auf den Dächern der eigenen Immobilien Solaranlagen zu installieren.

Herr Roth bat um einen Vergleich von Elektrofahrzeugen und Verbrennern aus Sicht der Versicherung. Hierzu teilte Dr. Barinka mit, dass die Schadenshäufigkeit bei Elektrofahrzeugen aufgrund der vielfältigen Assistenzsysteme eher geringer ist als bei Verbrennern. Die durchschnittliche Schadenssumme ist allerdings höher, insbesondere dann, wenn der Akku betroffen ist. Das Merkmal E-Auto ist jedoch Teil der Tarifierung und wird derzeit mit Zuschlägen belegt. Der Anteil der E-Autos im Portfolio liegt indes im kleinen einstelligen Prozentbereich.

Aktionär Boxberg hatte vernommen, dass die RheinLand-Gruppe mit A+ über ein starkes Rating verfügt. Ihn interessierte, war noch fehlt, um die Bewertung A++ zu erhalten. Hier stellte Herr Bittermann zunächst klar, dass das gesamte Team stolz ist auf das Rating A+. Für ein relativ regional aufgestelltes Unternehmen wie RheinLand dürfte dies seiner Einschätzung nach auch das Maximum sein, was erreicht werden kann. Besser könnte es wohl nur werden, wenn man die Gruppe breiter international aufstellen oder das Eigenkapital nochmals deutlich stärken würde, was aktuell nicht geplant ist. Für die vertrieblichen Aktivitäten wäre indes schon ein A-Rating ausreichend. Man könne deshalb zufrieden sein.

Ferner wollte Herr Boxberg wissen, welche Auswirkungen die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten auf die RheinLand-Gruppe haben. Direkte Auswirkungen gibt es nach Aussage von Herrn Bittermann in dieser Hinsicht nicht. Natürlich verurteile man die kriegerischen Auseinandersetzungen. Einfluss auf die weitere Entwicklung habe man aber nicht.

Aktionär Kiel thematisierte die seiner Meinung nach unbefriedigende Performance der RheinLand-Aktie, die in den letzten zwölf Monaten gar nicht vorangekommen ist. Der Kurs hat sogar auf 37 Euro weiter nachgegeben. Die Aktie notiert damit nun erheblich unter dem Buchwert, der sich aus dem Eigenkapital von 227,6 Mio. Euro mit mehr als 59 Euro errechnet. Befragt nach einer Erklärung konnte der Finanzvorstand nur mitteilen, dass man den Aktienkurs aus Unternehmenssicht nicht beeinflussen könne. Mit ein Grund könnte sein, dass der größte Teil der Aktionäre sehr langfristig investiert ist und die Aktie nur wenig gehandelt wird. Wichtig ist ihm, dass die RheinLand Holding ein verlässlicher Dividendenzahler ist.

Die Fragen von Aktionär Kuchejda betrafen vor allem die Anlagepolitik. Insbesondere ging es ihm darum, wie die Risiken begrenzt werden. Seiner Auffassung nach hätte mit der richtigen Strategie vielleicht vermieden werden können, dass sich stille Lasten in dieser Höhe auftürmen. Grundsätzlich hielt er es für wichtig, sicherzustellen, dass mit der Geldanlage mehr verdient wird, als durch die Inflation verlorengeht.

In seiner Antwort stimmte Herr Bittermann zu, dass die richtige Geldanlage ein wichtiges Thema ist. Von Vorteil ist grundsätzlich eine breite Diversifikation. Dies hilft auch gegen Inflation. Dass sich bei den festverzinslichen Wertpapieren stille Lasten gebildet haben, hält er für unproblematisch. In aller Regel werden die Papiere bis zur Endfälligkeit gehalten. Echte Verluste würden aus den stillen Lasten nur werden, wenn die Anleihen zu den zwischenzeitlich niedrigeren Kursen verkauft würden. Wesentliche Pfeiler der Geldanlage sind Sicherheit, Liquidität und Rentabilität.


Abstimmungen

Vor Eintritt in die Abstimmungen verkündete Herr Werhahn die aktuelle Präsenz. Auf der Hauptversammlung waren 3.059.517 Aktien vertreten. Bezogen auf das gesamte Grundkapital von 9.830.400 Euro, eingeteilt in 3.840.000 Aktien, entsprach dies einer Quote von 82,28 Prozent.

Alle Beschlüsse wurden mit Mehrheiten über 99,9 Prozent gefasst.

Im Einzelnen waren dies die Dividende von 1,20 Euro zuzüglich eines Bonus von 0,10 Euro (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Wahl der PricewaterhouseCoopers GmbH zum Abschlussprüfer (TOP 5) und zum Prüfer für des Konzernnachhaltigkeitsberichts (TOP 6), die Wahlen zum Aufsichtsrat (TOP 7) sowie die Änderung der Satzung dahingehend, dass die Hauptversammlung künftig in Neuss oder im Umkreis von 50 Kilometern stattfinden kann (TOP 8).

Um 17:26 Uhr schloss der Vorsitzende die Versammlung.


Fazit

Die solide Entwicklung der RheinLand Holding AG setzte sich auch im Geschäftsjahr 2023 fort. Trotz der vielfältigen Herausforderungen unter anderem durch den immer stärker spürbaren Klimawandel und die deutlich höhere Inflation, die insbesondere in der Kfz-Versicherung ihre Spuren hinterließ, wird einmal mehr ein zufriedenstellender Jahresüberschuss ausgewiesen. Die Aktionäre werden wie im Vorjahr mit einer Dividende von 1,20 Euro plus einem Bonus von 0,10 Euro am Erfolg beteiligt, woraus sich beim aktuellen Aktienkurs von 36,60 Euro eine attraktive Rendite von 3,5 Prozent errechnet.

Zugute kommt der Gruppe die breite Aufstellung. Positiv sind zudem die beachtliche Solvenzquote von 261 (278) Prozent und das A+ Rating zu bewerten. Der Kapitalanlagebestand ist weiterhin sehr solide aufgestellt. Der Schwerpunkt liegt auf festverzinslichen Wertpapieren mit guter bis sehr guter Bonität. Es findet allerdings eine vorsichtige Verschiebung in Richtung Immobilien, Aktien und Anlagen in Erneuerbare Energien statt, mit denen höhere Renditen erzielt werden können. Die durchschnittliche Verzinsung erhöhte sich mit den steigenden Kapitalmarkzinsen auf 1,6 (1,1) Prozent.

An der Börse findet die RheinLand-Aktie trotz ihrer günstigen Bewertung nur wenig Beachtung. Die Aktie notiert mit 36,60 Euro inzwischen fast 40 Prozent unter dem Buchwert, der sich aus dem Konzerneigenkapital von 230 Mio. Euro mit 59,27 Euro errechnet. Zumindest ein stückweit sollte sich diese Lücke mittelfristig schließen lassen. Das Risiko weiterer Kursverluste erscheint bei einem derart hohen Abschlag jedenfalls sehr begrenzt zu sein. Ein Investment ist damit insbesondere für konservative Anleger interessant, die Wert auf eine regelmäßige Dividendenzahlung legen.


Kontaktadresse

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Veröffentlichungsdatum: 11.06.2024 - 18:27
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