Zu ihrer diesjährigen ordentlichen Hauptversammlung hatte die artec technologies AG ihre Anteilseigner zum 23. August 2019 wie bereits in den Vorjahren in das Hotel Roshop in Barnstorf eingeladen. Die im Jahr 2000 gegründete artec technologies AG (artec) produziert Videoinformationssystem. Dies sind Produkte und Systemlösungen für die Übertragung, Aufzeichnung und Wiedergabe von Video, TV und Metadaten über Netzwerke und Internet.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas A. Hoffmann begrüßte etwa 50 Aktionäre, Gäste und Vertreter der Presse, darunter Thomas Nitzbon für GSC Research. Er gab nach Erledigung der üblichen einleitenden Hinweise einen kurzen Überblick über die Tätigkeit des Kontrollgremiums. Danach erteilte er seinem Namensvetter Thomas Hoffmann, der gemeinsam mit seinem Bruder Ingo Hoffmann das Vorstandsteam bildet, das Wort.
Bericht des VorstandsNach der Begrüßung der Teilnehmer sprach Herr Hoffmann von einem bewegten und arbeitsreichen Berichtsjahr 2018. Der Vorstand gab zunächst einen kurzen Überblick über das Geschäftsmodell der artec technologies AG, das in zwei Bereiche eingeteilt ist. Im Bereich Videosicherheits- und Informationssysteme werden mit dem eigenen Produkt MULTIEYE datenschutzkonformen Video- Überwachungsanlagen und -Informationssysteme angeboten.
Im Bereich Media & Broadcast werden unter der Marke XENTAURIX Systeme zur internetbasierten Übertragung, Aufzeichnung und Analyse von TV, Hörfunk, Video und Metadaten in unterschiedlichsten Anwendungsbereichen eingesetzt. Im späteren Verlauf der Hauptversammlung bat Herr Hoffmann einen Mitarbeiter, eine Demonstration des Systems vorzunehmen. Den Aktionären wurde gezeigt, wie mit dem Programm auf Basis von eingespeisten Konsumgüterdaten eine Analyse von TV-Zuschauerquoten im Zusammenhang mit gezeigten Programminhalten vorgenommen werden kann. So kann beispielsweise erkannt werden, ob Zuschauer bei Werbung oder bei bestimmten Beiträgen wegschalten.
Herr Hoffmann betonte, dass die Produkte beider Bereiche auf einer identischen Softwareplattform basieren. Benutzer können beispielsweise über einen Internetzugang Zugriff auf das Programm nehmen. Mittlerweile werden den Kunden professionelle Cloud-Lösungen angebotenen. Aktuelle Kunden sind insbesondere Sicherheitsbehörden sowie Produktions-, Handels- und Medienunternehmen.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr erhöhten sich die Umsatzerlöse auf 2,94 (Vorjahr: 1,46) Mio. Euro. Ausweislich des ausliegenden Geschäftsberichts wurden zusätzlich 0,53 Mio. Euro aktivierte Eigenleistungen und sonstige betriebliche Erträge verbucht. Damit lag die Gesamtleistung des Jahres 2018 bei 3,46 Mio. Euro. Herr Hoffmann betonte, dass mit einigen Kunden sogenannte SaaS-Verträge (Software as a Service) geschlossen wurden. Bei diesem Modell nutzen die Kunden die Software und die IT-Infrastruktur einer Cloud-Lösung von artec. Die Vertragslaufzeiten liegen zwischen 36 und 48 Monaten, so Herr Hoffmann. Dies führt zu wiederkehrenden Umsätzen in den Folgejahren, freute sich der artec-Chef. Der Auftragseingang des Berichtsjahres lag daher mit 3,4 Mio. Euro etwa 0,5 Mio. Euro über dem ausgewiesenen Umsatz.
Bei einem Rohergebnis von 2,51 (1,45) Mio. Euro kletterte das EBITDA, das Ergebnis vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern, mit plus 0,42 (minus 0,43) Mio. Euro wieder in den positiven Bereich. Die Personalkosten liegen bei 36 Prozent des Umsatzes. Herr Hoffmann betonte, dass die Mitarbeiter einen wichtigen Wettbewerbsfaktor darstellen und daher keine Einsparungen bei der derzeit 27-köpfigen Belegschaft geplant seien. Ganz im Gegenteil wurden inzwischen weitere Mitarbeiter für den Vertrieb eingestellt, führte er weiter aus. Das EBIT erreichte plus 38 (minus 77) Tsd. Euro. Dank eines positiven Steuereffekts lag das Ergebnis unter dem Strich bei plus 43 (minus 801) Tsd. Euro.
Herr Hoffmann freute sich, dass mit diesem Zahlenwerk die eigenen Prognosen „weitestgehend erfüllt“ werden konnten. Als mittelfristige Zielsetzung nannte er eine EBITDA-Quote in Höhe von 25 bis 30 Prozent des Umsatzes. Mit Blick auf die Bilanz erkannte Herr Hoffmann eine auf 4,1 (3,5) Mio. Euro gestiegene Bilanzsumme. Während die Aktivseite mit 2,1 Mio. Euro von immateriellen Vermögenswerten dominiert wird, weist die Passivseite eine Eigenkapitalquote von 94 Prozent aus. Dies bezeichnete Herr Hoffmann als komfortabel.
Stolz verkündete Herr Hoffmann, dass artec mit diesen soliden Bilanzzahlen von der Deutschen Bundesbank im Rahmen der Bonitätsanalyse als „notenbankfähig“ eingestuft worden ist. Dies entspricht einem Investment Grade Rating "BBB" von S&P, erklärte er den Aktionären. Mit der Ausgabe von 260.150 neuen Aktien im Rahmen einer Privatplatzierung ohne Bezugsrecht im Juli 2019 wurde das Grundkapital der Gesellschaft auf 2.861.650 Euro und die Solidität nochmals erhöht, so Herr Hoffmann. Der Platzierungspreis lag bei 4,00 Euro je Aktie. Daraus errechnet sich ein Bruttoemissionserlös in Höhe von 1,04 Mio. Euro.
Herr Hoffmann erläuterte, dass das Interesse an der Kapitalerhöhung groß gewesen sei. Das Angebot war überzeichnet. Er begründete den Bezugsrechtsausschluss mit der Möglichkeit einer effizienten Umsetzung der Kapitalmaßnahme. Gleichwohl erklärte er den Anwesenden, dass es diesbezüglich Kritik seitens einiger private Aktionäre gegeben hatte, die gerne ebenfalls neue Aktien bezogen hätten.
Mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr 2019 sagte Herr Hoffmann: „Die Investitionen zahlen sich aus.“ Man konnte zuletzt nach seiner Aussage bedeutende Aufträge von Sicherheitsbehörden gewinnen. So wurde von einem Bundesland ein neues System zur biometrischen Gesichtserkennung beauftragt. Auch in Auslandsmärkten ist man mit ähnlichen Aufträgen in Katar, Frankreich und im Kosovo aktiv. Darüber stehen einige potenzielle Aufträge in einem fortgeführten Verhandlungsstatus.
Den Vertrieb will man mit dieser guten Positionierung der eigenen Produkte weiter verstärken. Messen und Roadshows stehen an, um artec weltweit bekannter zu machen, verkündete der artec-Chef. Selbst im Falle eines Konjunktureinbruchs sieht sich Herr Hoffmann mit den eigenen IT-Lösungen für die Kunden wenig betroffen. Der Markt bietet nach dem Rückzug eines bisher führenden Wettbewerbsunternehmens weitere Chancen, erklärte Herr Hoffmann. „Wir wollen Kunden abgreifen“, gab er die Marschrichtung aus. Mit dem Schwung der Vielzahl der gewonnenen Aufträge will man darüber hinaus auch die technologische Position weiterentwickeln, versprach er den Aktionären.
Nicht zufrieden war der Vorstand mit der Kursentwicklung der artec-Aktie, welche im Jahr 2018 einen volatilen Verlauf zeigte. Inzwischen liegen die Notierungen wieder in der Region um 4,00 Euro, was der Höhe der zuletzt vorgenommenen Kapitalerhöhung entspricht, wie Herr Hoffmann ernüchtert feststellte. Er kündigte an, dass die Investor Relations- und die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt werden sollen, um die Wahrnehmung des Unternehmens in der Öffentlichkeit und am Kapitalmarkt zu verbessern.
Mit Blick auf eine Research-Studie erläuterte der Vorstand, dass Kursziele in Höhe von 8,70 Euro je Anteilsschein ermittelt worden waren. „Ist das Kursziel realistisch?“, fragte er rhetorisch, um die eigene Frage sogleich mit einem deutlichen „Ja“ zu beantworten. Aufgrund der technologisch ausgereiften Produkte und der nennenswerten Nachfrage sah er das Unternehmen auf einem klaren Wachstumskurs, ohne dabei konkrete Prognosezahlen für das laufende Jahr genannt zu haben.
Bevor der Versammlungsleiter die allgemeine Aussprache eröffnete, bat er um Vorstellung den zur Wahl in den Aufsichtsrat stehenden Gunter Greiner um Vorstellung seiner Person. Herr Greiner kam bereits zu Jahresbeginn 2019 als Nachfolger für Tino Menge, der als langjähriges Mitglied aus dem Aufsichtsrat der artec ausgeschieden war, in das Kontrollgremium.
Allgemeine AusspracheZwei Kleinaktionäre meldeten sich im Rahmen der Generaldebatte über alle Tagesordnungspunkte zu Wort. Kritisch hinterfragt wurde hinsichtlich der letzten Kapitalerhöhung der Ausschluss des Bezugsrechts. Herr Hoffmann antwortete, dass diese Form für die Gesellschaft schnell, effizient und kostengünstig abgewickelt werden kann. Erst bei größeren Kapitalmaßnahmen soll ein Bezugsrecht eingeräumt werden. Bei der artec technologies AG handelt es sich um ein Wachstumsunternehmen, das gegebenenfalls auf sich bietende Chancen am Markt hinsichtlich möglicher Firmenakquisitionen reagieren möchte, erinnerte der Vorstand die Aktionäre. Die Börsennotierung besteht schließlich, um auf diese Weise auch das Unternehmenswachstum finanzieren zu können, fügte er hinzu.
Ein Aktionär erkundigte sich nach der allgemeinen Mitarbeitersituation. Herr Hoffmann führte aus, dass von den insgesamt 27 Mitarbeitern 18 im Bereich Technik tätig sind. Vier Mitarbeiter sind nach den letzten Einstellungen vertrieblich tätig. Der Rest der Belegschaft ist in der Verwaltung beschäftigt. Der Vorstand bestätigte einerseits einen angespannten Arbeitsmarkt, stellte aber sogleich den Charme eines kleinen Unternehmens mit flachen Hierarchien und regelmäßigem Grillen jeweils freitags mit allen Kollegen und die gute Unternehmenskultur heraus. Ein Aktienprogramm für die Mitarbeiter ist aufgrund der Komplexität in Verbindung mit den relativ hohen Kosten für ein kleines Unternehmen nicht aufgelegt. Herr Hoffmann bestätigte jedoch, dass einige Mitarbeiter Anteile am Unternehmen halten.
Befragt nach der Abhängigkeit von einzelnen Kunden führte Herr Hoffmann aus, dass etwa 70 bis 80 Prozent der Erlöse mit Behörden realisiert werden. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass neben Bundesbehörden auch verschiedene Bundesländer separat als Kunden gewonnen werden konnten.
Ein Aktionär erbat eine genauere Prognose für das laufende Jahr 2019. Herr Hoffmann wollte diesbezüglich jedoch keine konkreteren Angaben vor Veröffentlichung der Halbjahreszahlen kommunizieren. „Wir sind gut unterwegs“, gab er jedoch an und erinnerte daran, dass bereits einige Aufträge im sechsstelligen Umsatzbereich in den ersten Monaten des Jahres abgeschlossen werden konnten.
Des Weiteren interessierte sich ein Aktionär für die Hintergründe der höheren sonstigen betrieblichen Aufwendungen. Diese stiegen von 544 Tsd. Euro auf 865 Tsd. Euro. Laut Vorstand ergaben sich die Mehraufwendungen insbesondere aufgrund verstärkter Kapitalmarktpräsenz, unter anderem mit der Teilnahme an Investorenveranstaltungen, aufgrund erhöhter Werbemaßnahmen mit der Teilnahme an entsprechenden Messen sowie aufgrund von Mehrausgaben für die IT mit dem Ausbau des Rechenzentrums und entsprechenden Cloud-Angeboten.
AbstimmungenNach Beendigung der allgemeinen Aussprache wurde die Präsenz mit 947.621 Aktien oder 31,11 Prozent des in 2.861.850 Aktien eingeteilten Grundkapitals festgestellt. Sämtliche Beschlussvorlagen der Verwaltung wurden bei jeweils 500 Gegenstimmen bei den Entlastungsbeschlüssen ansonsten einstimmig und ohne Enthaltungen verabschiedet.
Im Einzelnen beschlossen wurden die Entlastung von Vorstand (TOP 2) und Aufsichtsrat (TOP 3), die Wahl der Kohl & Zerhusen GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft, Steinfeld, zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2019 (TOP 4), die Wahl von Gunter Greiner in den Aufsichtsrat (TOP 5), die Aufhebung des bestehenden und Schaffung eines neuen genehmigten Kapitals für bis zu 1.300.750 neue Aktien unter Wahrung oder Ausschluss des Bezugsrechts nebst entsprechender Satzungsänderungen (TOP 6) sowie die Erneuerung der Befugnis zum Bezugsrechtsausschluss im Rahmen der Ermächtigung zur Ausgabe von Options- oder Wandelanleihen, Genussrechten oder Gewinnschuldverschreibungen bzw. Kombination dieser Instrumente (TOP 7).
Der Aufsichtsratsvorsitzende Hoffmann konnte die Hauptversammlung nach knapp zwei Stunden um 11:49 Uhr schließen.
Fazit2018 ist es der artec technologies AG nach einigen schwierigen Vorjahren gelungen, den Umsatz von 1,46 auf 2,94 Mio. Euro zu verdoppeln. Zudem konnten noch langfristige Aufträge mit wiederkehrenden Erlösen in den Folgejahren akquiriert werden. Der Jahresüberschuss lag mit 42 Tsd. Euro im positiven Bereich, nachdem im Vorjahr unterm Strich noch minus 800 Tsd. Euro ausgewiesen werden mussten. Damit zeigen die Niedersachsen, dass die durchgeführten Maßnahmen und Entscheidungen der Vergangenheit nun Früchte tragen. Und Herr Hoffmann versprach den Aktionären auf der Hauptversammlung weiter: „Wir geben Gas.“
Der Börse ist die Erfolgsgeschichte des letzten Jahres zunächst nicht verborgen geblieben. Der Kurs der Aktien erreichte im März 2018 kurzfristig Kursregionen von 7,00 Euro. Inzwischen ist die Aktie wieder zurückgekommen und notiert mit Kursen unter 4,00 Euro leicht unter der im Juli durchgeführten Barkapitalerhöhung. Damit wird der Gesellschaft derzeit eine Marktkapitalisierung in Höhe von 11,4 Mio. Euro zugestanden.
Der Vorstand präsentierte sich zuversichtlich und hielt Notierungen in Höhe von 8,70 Euro je Anteilsschein - und damit mehr als doppelt so hoch wie aktuell - für realistisch. Um diesen Optimismus teilen zu können, sind entsprechend konkret gute Zahlen und Prognosen für 2019 und die Folgejahre vonnöten. Als spekulative Depotbeimischung eignet sich die Aktie bei den aktuellen Kursen jedoch aufgrund der langfristig guten Positionierung in attraktiven Geschäftsfeldern auch schon vor der erwarteten Veröffentlichung der Halbjahreszahlen im September.
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Veröffentlichungsdatum:
29.08.2019
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14:24
Redakteur:
tni