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HV-Bericht Evalis AG - Hat das Vertrauen der Aktionäre restlos versp
Aktiengesellschaften, die im Telefonhandel notieren, unterliegen nur geringen gesetzlichen Anforderungen, so dass oft der wahre Stand der Gesellschaft im Dunkeln ist. So auch bei der Evalis AG, welche noch vor kurzer Zeit öffentlichkeitswirksam auf die vom Bankhaus Delbrück verbriefte „deutliche Unterbewertung“ der Aktie hingewiesen hat (und dies im Internet noch tut), schließlich würde man noch im Sommer als erste deutsche Firma an den Swiss New Market gehen.

Inzwischen hat die Gesellschaft ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet, und es bleibt fraglich, ob für die Aktionäre überhaupt noch etwas übrig bleibt. Am 20. Oktober 2000 fand mit erheblicher Verspätung die Hauptversammlung der Evalis AG in den Räumen des TÜV in Köln statt, zu der sich neben ca. 150 Aktionären auch Philipp Steinhauer für GSC Research einfand - mit fremden Stimmkarten, schließlich war die Gesellschaft nicht bereit, ihm eine Gastkarte auszustellen.


Rede des Vorstands

Der Vorstand der Evalis AG, Herr Günter Reichelt, erklärte zu Beginn der Veranstaltung, dass durch den Rücktritt des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Hasselblatt ein neuer Versammlungsleiter gewählt werden müsse. Herr Reichelt schlug dazu den gerichtlich bestellten Aufsichtsrat Herr Schwend vor. Aufgrund des hohen Tempos, das Herr Reichelt bei der Abstimmung an den Tag legte, forderten einige der Anwesenden mehr Informationen. Es wurde gefragt, warum Herr Hasselblatt sein Amt niederlegte, ob dies „aus gesundheitlichen Gründen“ geschehen sei. Ein anderer Aktionär sagte, dass man solch eine existentielle Wahl nicht einfach so „hoppla hopp“ abhalten könne.

Hierauf stellte sich Herr Schwend kurz vor. Nachdem die Präsenz mit 1.947.036 Stimmen von insgesamt 2.300.000 Stimmen, entsprechend 84,65% des Grundkapitals, festgestellt worden war, wurde Herr Schwend zum Versammlungsleiter gewählt. Dieser ging auf einige Formalien ein, bevor er das Wort an den Vorstand Herrn Reichelt erneut übergab.

Herr Reichelt stellte sich kurz vor. Er sei 51 Jahre alt und habe als Kaufmann viele Jahre im Marketing gearbeitet. Von ihm stamme auch die Idee zu Evalis. Auch die beiden anderen Vorstände, Herr Röschinger und Herr Wirtz, wurden kurz vorgestellt. Herr Reichelt erklärte, dass man bis 1998 die Idee zur Evalis Software entwickelt habe, seit April 1999 wurden dann bei der Evalis AG erste Mitarbeiter eingestellt. Herr Reichelt sprach in seinem Vortrag viel von „kostenintensiven Projekten“ und „Verzögerungen“.

Man habe sich mit der Aktienplatzierung bei der AHAG bewusst für eine vorbörsliche Platzierung entschieden. Ziel war es, möglichst vielen Anlegern die Möglichkeit einer Beteiligung an der Evalis AG zu bieten. Nachdem die AHAG (die ebenso wie die Findus AG auch an der Gesellschaft beteiligt ist) die Aktien zu 3,8 Euro übernommen hatte und zu 4,1 Euro platzierte, wurde im November 1999 eine weiter Platzierung verbunden mit einer Kapitalerhöhung zu 12,5 Euro vorgenommen.

Herr Reichelt sagte, dass das für 1999 vorgesehene Umsatzziel von 600.000 Euro nicht einzuhalten war, stattdessen konnte die Evalis AG nur knapp 15.000 Euro umsetzen. Dies resultiere unter anderem daher, dass man die Evalis Software, welche vor allem für Befragungen eingesetzt werde, nur vermiete. Dadurch habe sich der Businessplan geändert. Nun hoffe man auf eine rasante Umsatzsteigerung durch ein „Schneeballsystem“, so Herr Reichelt.

Für Herrn Reichelt stellte sich die Lage so dar, dass die Aktionäre mit 500% Kursgewinn die Evalis Aktie verkauft haben, und diese habe dies nicht ausgehalten. Herr Reichelt erläuterte, warum es zum vorläufigen Insolvenzantrag gekommen war. Dies geschah jedoch in einer sehr undeutlichen Art und Weise, was eher an der Ausdrucksweise als an der Akustik lag. Zu verstehen war, dass die Commerzbank die Konten der Evalis AG gesperrt habe, und dass es beim Bankhaus Delbrück zu viele „Bedenkenträger“ gegeben habe, um dort eine Kreditlinie eingeräumt zu bekommen. Schließlich habe man „aus Verantwortungsbewusstsein“ vorsorglich einen Insolvenzantrag gestellt.

Herr Reichelt sagte, dass man trotzdem die Chancen sehen müsse, schließlich würden mehrere Gespräche mit „strategischen Investoren“ geführt. Das Wachstum der Evalis könne durchaus aus „organischer Kraft“ geschehen, schließlich habe das Gericht die Möglichkeiten zur Rettung der Gesellschaft erkannt, da Herr Reichelt weiterhin die Geschäfte der Evalis AG führen könne. Auf mehrmalige Nachfrage hieß es, dass man im laufenden Jahr bis September einem Umsatz von 400.000 Euro erzielen konnte.


Wortmeldungen

Im Anschluss an die Ausführungen von Herrn Reichelt konnten sich Aktionäre zu Wort melden, nachdem diese ein etwas kompliziertes Anmeldungs- Prozedere durchlaufen haben. Herr Tüngler von der DSW fragte die anwesenden Aktionäre, wie viel Leid diese ertragen können. Seiner Meinung nach würde Evalis alles toppen. Herr Tüngler meinte, dass bei einer rechtzeitig einberufenen Hauptversammlung die Probleme möglicherweise nicht so schlimm gekommen wären. In der Rede von Herrn Reichelt vermisste er den Namen Kasuga AG, dem Großaktionär der Gesellschaft. Er forderte Informationen über diese Gesellschaft, er habe selbst nach Recherchen keine herausfinden können.

Herr Tüngler fragte, was es sich mit der Sacheinlage in Höhe von 1,5 Mio. Euro auf sich habe, und warum die Lizenzen der Gesellschaft nicht vom Abschlussprüfer geprüft werden konnten. Außerdem interessierte ihn, warum die Kasuga AG Lizenzgebühren für die Benutzung des Namens Evalis von der Evalis AG gefordert habe. Für ihn stelle sich die Lage so da, dass die Altgesellschafter Geld abgezogen statt eingelegt haben. Herr Tüngler sagte, dass die Evalis AG nie eine Chance gehabt habe, schließlich hatte sie kein Barkapital zur Verfügung.

Den Plan, die Aktien an der Schweizer Börse, handeln zu lassen bezeichnete Herr Tüngler als den „Einfall schlechthin“. Er wollte wissen, ob sich die Altgesellschafter von Aktien getrennt hätten. Auch fragte Herr Tüngler nach, ob der Insolvenzverwalter anwesend sei, was verneint wurde. Er werde auch die Situation bei der AHAG prüfen lassen.

Dr. Gerke sagte als nächster Redner, dass die Aktionärsbriefe der Gesellschaft Dinge angekündigt haben, welche nicht stattgefunden haben. Ein Bekannter von ihm in einer Position beim größten europäischen Softwarehaus SAP habe bei Nachfrage nichts mit dem Namen Evalis anfangen können. Als nächster Redner betrat Philipp Steinhauer das Rednerpult, der auch diesen Bericht für GSC Research anfertigte. Er trug einen recht umfangreichen Fragenkatalog vor, der nachher nur teilweise beantwortet wurde.

Philipp Steinhauer lobte Herrn Reichelt für seinen Mut, auf der HV anwesend zu ein. Er meinte, dass Herr Reichelt von „Bedenkenträgern“ spreche, und fragte, ob er keine Bedenken gehabt habe, ein Unternehmen mit knapp 15.000 Euro Umsatz als börsenreif zu bezeichnen. Auch fragte er, wie es dazu kommen konnte, dass die Gesellschaft eine Studie des Bankhaus Delbrück, welche eine deutliche Unterbewertung der Aktie attestierte, offensiv der Öffentlichkeit präsentierte, obwohl ihm das operative Geschäft der Gesellschaft nicht verborgen sein konnte.

Des Weiteren erklärte er, dass für ihn als Außenstehender die Konstruktion der Gründung der Evalis AG durch Sacheinbringung der Kasuga AG sowie von Frau Lehr und Herrn Reichelt danach aussehe, dass die Altgesellschafter „ihren Schnitt gemacht“ haben. Er fragte, warum der Aufsichtsrat Andrea Lehr der Gesellschaft ein Darlehen zu 12% Zinsen pro Jahr zur Verfügung stelle, und ob es dazu keine günstigere Alternative gebe. Darüber hinaus wollte er wissen, wer der Besitzer der Kasuga AG ist.

Als nächstes meldete sich ein Mitarbeiter der Evalis AG zu Wort, der ebenfalls Aktionär ist. Er übte Kritik am Aufsichtsrat der Gesellschaft; so habe Frau Lehr als Mitarbeiterin merken müssen, wie das Geschäft der Gesellschaft verlaufe. Er forderte, den Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Ein weiterer Aktionär, Hans-Jörg Sebastian, wollte wissen, was für eine Art Software die Evalis AG anbieten wolle.


Generalantwort

Herr Reichelt beantwortete im Anschluss an die Wortmeldungen die Fragen der Aktionäre. Dies tat er in einer Art und Weise, die ebenfalls wenig verständlich war. Er sagte, dass die Hauptversammlung über den Börsengang entscheiden sollte, deswegen habe sich diese verzögert. Zur Kasuga AG sagte Herr Reichelt, er wisse, dass diese Anfang der 80er Jahre gegründet wurde. Er selber habe mit ihr seit Ende der 80er Jahre zusammengearbeitet. Soviel er wisse, erfülle die Kasuga AG aber nur noch eine Holding-Funktion.

Die Evalis-Software wurde von der Kasuga AG entwickelt und als Sacheinlage in die Gesellschaft eingebracht. Herr Reichelt sagte, dass er laut Präsenzliste immer noch dieselbe Aktienzahl habe, dies sei auch bei der Kasuga AG der Fall. Frau Lehr habe sogar Aktien dazugekauft. Den Grund für die Kündigung des Kredits der Commerzbank war Herr Reichelt unbekannt. Als Grund für den Börsengang in der Schweiz sagte er, dass dort die Aufmerksamkeit größer sei, in Deutschland sei die Aufmerksamkeit eine „Katastrophe“, dies sehe in der Schweiz anders aus.

Der Technik-Vorstand erläuterte im Anschluss, dass die Gesellschaft über eine exzellente Technologie verfüge, man habe Produkte mit „hervorragenden Chancen“. Die Produkte seien „sehr gewissenhaft“ erstellt worden. Herr Reichelt meinte, dass die Bewertung des Bankhauses Delbrück von einem „alten Hasen“ durchgeführt worden sei, dieser habe sehr konservativ gearbeitet. Auch auf nochmalige Nachfrage von Philipp Steinhauer konnte Herr Reichelt nicht sagen, wer Aktionär der Kasuga AG ist. Frau Lehr habe für den Kredit selber einen aufnehmen müssen, so dass hierdurch die hohen Zinsen entstanden seien.

Nach der „Beantwortung“ der Fragen durch Herrn Reichelt erbaten weitere Aktionäre das Wort. Frau Nolde fragt, was die Evalis Schweiz macht und wem diese gehört. Auch wollte sie wissen, ob diese das Geschäft der Evalis AG nach einem Bankrott übernehmen wolle. Herr König, der sich als Unternehmensberater bezeichnete, fragte, wer die Wettbewerber der Evalis AG sind. Außerdem sagte er, dass die Gesellschaft geschrieben habe, dass in den Aufsichtsrat Fachkräfte kommen sollten, dies sei aber nicht der Fall.

Hierauf wurde geantwortet, dass die Evalis Schweiz eine 100-Prozent-Tochter der Evalis AG sei. Herr Reichelt sagte, dass man einen „Unmenge“ von Wettbewerbern habe. Chance der eigenen Software sei, dass man eine Standardlösung für Befragungen anbieten würde. Das Bankhaus Delbrück habe keine Analyse erstellt, sondern ein Gutachten angefertigt.

Herr Kaiser fragte, ob es Kündigungen beim Personal gegeben habe. Dies wurde bejaht, insgesamt lägen drei Kündigungen vor. Herr Dr. Gerke meldete sich ein zweites Mal zu Wort und kritisierte, dass die Fragen der Aktionäre nicht klar beantwortet werden, der Vorstand gehe nicht auf die Fragen ein. Wenn er als Arzt solche Gutachten erstellen würde, dann könne kein Patient verstehen, was er meine. Er stellte fest, dass bei der Evalis AG schmerzliche Einschnitte gemacht werden müssen, worauf es großen Applaus im Saal gab.

Herr Tüngler sagte, dass die Gesellschaft ein größeres genehmigtes Kapital schaffen solle, ansonsten müsse sich die Kasuga AG von Aktien trennen. Hierauf antwortete Herr Reichelt, dass kein Notar auf der Hauptversammlung anwesend sei, so dass man kein neues genehmigtes Kapital schaffen wolle.


Abstimmung

Nachdem die Präsenz mit ca. 1.940.000 Aktien bzw. rund 85% des Grundkapitals angegeben wurde, wurde über die Tagesordnungspunkte abgestimmt. Die Entlastung des Vorstands erfolgte mit 33.365 Neinstimmen und 2.999 Enthaltungen - damit hatten fast alle anwesenden freien Aktionäre den Vorstand nicht entlastet. Auch der Aufsichtsrat wurde von fast allen anwesenden freien Aktionären nicht entlastet, hier gab es 27.194 Neinstimmen und 1.786 Enthaltungen. Die Wahl des Abschlussprüfers erfolgte hingegen nur mit recht geringen Gegenstimmen (ca. 1.000).

Die Wahl des vorgeschlagenen Aufsichtsrats konnte nicht durchgeführt werden, denn die entsprechenden Personen hätten aufgrund von „Interessenskonflikten“ von der Wahl abgesehen. Hierauf wurde gefragt, warum diese das „erst jetzt gemerkt“ hätten, auch wurde gefordert, einen freien Aktionär als Aufsichtsrat zu wählen, was mit großem Applaus quittiert wurde. Die Genehmigung einer D&O Versicherung wurde mit ca. 6.000 Gegenstimmen von vielen freien Aktionären beschlossen. Die Genehmigung eines Stock-Options Programms wurde von der Tagesordnung abgesetzt.


Fazit

Über die wirtschaftliche Situation der Evalis AG braucht man wenig zu sagen, hier sollte man nur einen Blick in den katastrophalen Jahresabschluss 1999 werfen. So ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis bei der Gesellschaft endgültig das „Licht aus“ ist. Als verantwortungslos muss man das Verhalten der Gesellschaft bezeichnen, immerhin hat diese noch vor kurzer Zeit groß verkündet, dass sich das Geschäft positiv entwickele und die Aktie deutlich unterbewertet sei.

Es war zu hören, dass verschiedene Aktionäre Klage gegen die Gesellschaft erheben werden, was in Anbetracht der Vorkommnisse nicht verwunderlich erscheint. Über die Rolle der nebulösen Kasuga AG kann man nur spekulieren, weder der Vorstand noch der Aufsichtsrat hat etwas dafür getan, die Rolle der Kasuga AG klarzustellen. Der Wert der von dieser eingebrachten Software darf vor dem Hintergrund der Vorfälle ebenfalls angezweifelt werden. Auch die Delbrück-Bewertung mit einem „fairen Kurs“ von 38,25 Euro, veröffentlicht nur wenige Wochen vor dem Insolvenzantrag, erscheint mehr als fragwürdig.

Von Investments raten wir auch im Falle der Wiederaufnahme des Handels dringend ab, die Gesellschaft hat das in sie gesetzte Vertrauen restlos verspielt. Anleger sollten sich vorsichtshalber schon einmal auf einen Totalverlust ihres Kapitals einstellen, auch wenn immer noch ein kleiner Rest Hoffnung verbleibt.


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Veröffentlichungsdatum: 23.10.2000 - 09:51
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