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HV-Bericht FUCHS PETROLUB AG - FUCHS PETROLUB peilt den MDAX an

Am 5. Juni 2003 fand die 19. ordentliche Hauptversammlung der FUCHS PETROLUB AG in Mannheim statt. Rund 800 Aktionäre, Gäste, Pressevertreter, unter ihnen auch Thorsten Renner von GSC Research, hatten sich beim weltweit größten unabhängigen Schmierstoffhersteller zur Hauptversammlung im Rosengarten eingefunden, um sich von der positiven Entwicklung der Gesellschaft ein Bild zu machen. Das 1931 gegründete Unternehmen weist einen hohen Spezialisierungsgrad auf und bietet seinen Kunden ein Sortiment, das mehrere tausend Schmierstoffe und verwandte Spezialitäten umfasst.



Der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Bernd H. Müller-Berghoff eröffnete die Hauptversammlung und erklärte, er werde sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft nach 13 Jahren aus Altersgründen niederlegen. Aber auch für Dr. Fuchs werde es die letzte Hauptversammlung als Vorstandsvorsitzender sein, da dieser sein Amt zum Jahresende niederlegen wird. Des Weiteren wird auch das Vorstandsmitglied Herr Pauler aus Altersgründen zum Jahresende ausscheiden.



Nach Aussage von Dr. Müller-Berghoff wird Dr. Fuchs zum 1. Januar 2004 aber in den Aufsichtsrat wechseln. Zur Neuorganisation des Vorstands und der Berufung der neuen Vorstandsmitglieder werde er nachher noch genauer Stellung nehmen, berichtete der Aufsichtsratsvorsitzende. Nach dem Verlesen der üblichen Formalien übergab er das Wort an den Vorstandsvorsitzenden Dr. Fuchs.


Bericht des Vorstands



Nach der Begrüßung der Aktionäre kam Dr. Fuchs gleich auf die wirtschaftliche Entwicklung zu sprechen. Entgegen den allgemeinen Erwartungen blieb die konjunkturelle Erholung im zweiten Halbjahr 2002 aus, und auch im ersten Quartal 2003 zeichnete sich noch keine Besserung ab. Doch auch im Jahr 2002 konnte sich FUCHS dem Trend entgegenstellen und erzielte das beste Unternehmensergebnis der Firmengeschichte, betonte Dr. Fuchs voller Stolz. Des Weiteren wurde das Wachstum bei gleichzeitiger Schuldentilgung finanziert, und auch der Aktienkurs entwickelte sich dementsprechend erfreulich. Aus diesem Grund sollen auch die Aktionäre eine Dividendenerhöhung erhalten, berichtete Dr. Fuchs.



Nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden verlief auch der Start ins Jahr 2003 erfreulich, und die Gesellschaft ist auch für den weiteren Jahresverlauf zuversichtlich. In der globalen Schmierstoffbranche befindet sich FUCHS in der absoluten Spitzengruppe, wobei das Unternehmen bei den unabhängigen Anbietern mit weitem Abstand die Position des Weltmarktführers einnimmt. Zudem verfügt die Gesellschaft unter den großen Anbietern über das umfassendste Produktprogramm, so Dr. Fuchs.



FUCHS konzentriert sich vor allem auf die hochwertigen Marktsegmente, wobei der Fokus auf Qualitätsschmierstoffe, das Markengeschäft und die Spezialitäten gelegt wird. Beispielsweise erzielt FUCHS mit den Spezialitäten 34 Prozent der weltweiten Absatzmengen, 45 Prozent der Umsatzerlöse und 52 Prozent der Roherträge. Wie Dr. Fuchs weiter berichtete, spielt in diesem Segment die Forschung eine große Rolle, weshalb 8,2 Prozent der Belegschaft in diesem Bereich eingesetzt werden. Durch diese Maßnahme konnte das Unternehmen in vielen Anwendungsbereichen die Technologieführerschaft erringen.



In den vergangenen 10 Jahren hat auch vor allem die Marke FUCHS an Bedeutung gewonnen. So wird auch das Logo von FUCHS durch vielfältige Maßnahmen und Sponsoring im Motorsport gefördert. Ein weiterer Wettbewerbsvorteil von FUCHS ist nach Angaben von Dr. Fuchs die globale Präsenz mit 52 Produktionswerken, die Kunden- und Marktnähe sowie eine gewisse Währungsunabhängigkeit bieten.



Nach Aussage von Dr. Fuchs steigerte das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr den Umsatz um 13,3 Prozent auf 1,065 Mrd. EUR, womit erstmals die Milliardengrenze in EUR überschritten wurde. Der Großteil resultierte dabei aus externem Wachstum, das vor allem durch die Komplettübernahme der FUCHS EUROPE SCHMIERSTOFFE entstand, nachdem DEA aus dem Gemeinschaftsunternehmen ausscheiden musste. Aber auch das interne Wachstum entwickelte sich mit einem Anstieg von 54 Mio. EUR erfreulich. Dagegen belastete die Währungsentwicklung den Umsatzausweis mit 36,1 Mio. EUR, obwohl der durchschnittliche Eurokurs nur von 0,90 USD auf 0,95 USD zulegte. Aus dieser Sicht befürchtet der Vorstandsvorsitzende im laufenden Jahr höhere Auswirkungen.



Ohne Berücksichtigung der Währungsveränderungen erzielte FUCHS in den Regionen Asien/Pazifik und Afrika mit 19,9 Prozent das stärkste interne Wachstum. Aus regionaler Sicht erzielte die Gesellschaft 62 Prozent der Umsätze in Europa, 21 Prozent in Nord- und Lateinamerika sowie 17 Prozent in Asien/Pazifik und Afrika. Allerdings fand das Wachstum des globalen Schmierstoffmarkte fast ausschließlich in Asien statt.



Nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden wird sich diese Entwicklung auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Außerdem befinden sich schon drei der sechs größten Schmierstoffmärkte mit Japan, China und Indien im asiatischen Raum. FUCHS produziert bereits seit 1988 in China und ist mit drei Werken sehr gut aufgestellt. In Japan wird derzeit die Position durch den Erwerb einer Minderheitsbeteiligung am drittgrößten Schmierfetthersteller ausgebaut, informierte Dr. Fuchs.



Danach kam Dr. Fuchs wieder auf die Zahlen des vergangenen Jahres zu sprechen. Der Warenrohertrag verbesserte sich um 15,8 Prozent und der Bruttoertrag um 17,8 Prozent. Da aufgrund des konsequenten Kostenmanagements die Personal- und Sachkosten nur unterproportional anstiegen, ging die Gesamtkostenquote auf 37,0 Prozent zurück. Dadurch erhöhte sich der operative Gewinn des Konzerns bei einer Marge von 8,5 Prozent um 42,2 Prozent auf 90,7 Mio. EUR.



Beim EBIT ergab sich ein Anstieg von 38,8 Prozent auf 70,0 Mio. EUR, berichtete Dr. Fuchs. Die stärksten Zuwächse beim operativen Ergebnis erzielte das Unternehmen in den Regionen Europa sowie Asien/Pazifik und Afrika. Noch kräftiger war der Anstieg beim Jahresüberschuss, der von rund 9 Mio. EUR auf 24,1 Mio. EUR zulegte. In diesem Zusammenhang erhöhte sich das Ergebnis je Aktie auf 15,95 EUR vor und auf 9,69 EUR nach Firmenwertabschreibungen. Mit einer Gesamtkapitalrendite von 15,5 Prozent konnte der Anteil der Kapitalkosten deutlich übertroffen werden, betonte der Vorstandsvorsitzende.



Der Free Cashflow verbesserte sich ebenfalls kräftig von 20,7 Mio. EUR auf 48,0 Mio. EUR, wodurch die im Dezember 2002 fällige Wandelanleihe im Umfang von 51,1 Mio. EUR nahezu vollständig aus der Innenfinanzierungskraft des Konzerns getilgt werden konnte. Aufgrund dieser hervorragenden Zahlen sollen die Dividenden um 0,50 EUR auf 4,37 EUR je Stammaktie und auf 4,88 EUR je Vorzugsaktie angehoben werden.



Nach Aussage von Dr. Fuchs hat auch das laufende Jahr 2003 erfreulich begonnen. So konnte der Konzerngewinn um 33 Prozent auf 6,1 Mio. EUR ausgeweitet werden. Das Ergebnis je Aktie stellte sich auf 3,60 EUR vor und auf 2,40 EUR nach Firmenwertabschreibungen. Im April wurde mit einem Umsatz von 89 Mio. EUR der durchschnittliche Monatsumsatz des ersten Quartals leicht übertroffen, blieb aber um 5,6 Prozent unter dem Vorjahreswert zurück. Dies beruhte vor allem auf Währungseffekten, da ohne deren Berücksichtigung ein Umsatzanstieg um immerhin 2,5 Prozent aufgetreten wäre.



Umrechnungsbedingt ergab sich in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres ein Umsatzrückgang von 2,2 Prozent auf 352,3 Mio. EUR. Während das interne Wachstum 4,5 Prozent und das externe Wachstum 1,3 Prozent betrugen, machten sich die Währungseffekte mit 8,0 Prozent negativ bemerkbar. Trotz der äußeren Unsicherheiten sei die Gesellschaft für den weiteren Jahresverlauf aber zuversichtlich, betonte Dr. Fuchs.



Für das Gesamtjahr erwartet FUCHS vorbehaltlich der Währungsentwicklung einen Umsatz von 1,1 Mrd. EUR bei einer anhaltend guten Ertragslage. Als weitere Ziele für das Jahr 2003 gab Dr. Fuchs ein wertorientiertes Wachstum, einen weiteren Anstieg der Gewinne und Renditen, die Generierung von Free Cashflow, die Erzielung von Aktionärswert und die Bewahrung der Unabhängigkeit aus. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres hat sich der Aktienkurs signifikant erhöht, weist bei einem KGV von 9 aber immer noch eine moderate Bewertung auf, so dass Dr. Fuchs noch weiteres Kurspotenzial in der Aktie sieht.



Danach kam Dr. Fuchs auf die Neuorganisation der Konzernführung zum 1. Januar 2004 zu sprechen. Neben dem vierköpfigen Vorstand wird die Gesellschaft im Rahmen der zweistufigen Leitung auch weiterhin über eine Konzernleitung verfügen, in der neben dem Vorstand auch die Leiter der FUCHS-Weltregionen vertreten sind. Die Mitglieder des Vorstands werden zukünftig neben den bisherigen funktionalen Aufgaben auch regionale und divisionale Zuständigkeiten erhalten, teilte Dr. Fuchs den Anwesenden mit.



Der Vorstandsvorsitzende bezeichnete die künftige Konzernleitung von FUCHS als junge, aber auch gestandene Führungsmannschaft. Da er im Januar des kommenden Jahres 65 Jahre alt wird, möchte er die Unternehmensnachfolge herbeiführen und die Verantwortung in jüngere Hände übergeben. Immerhin habe er nun 41 Jahre an der Spitze des Unternehmens gestanden, erklärte Dr. Fuchs. Er zeigte sich zufrieden, dass in all den Jahren nie Verluste erwirtschaftet wurden, wofür er spontanen Applaus erhielt.



Nach seiner Meinung hinterlässt er der nächsten Führungsgeneration ein wohl bestelltes und gut fundiertes Haus. Auch wenn er noch bis zum Jahresende als Vorstandsvorsitzender aktiv sein wird, wünschte er der neuen Konzernleitung schon jetzt viel Erfolg. Außerdem bedankte er sich bei seinen Vorstandskollegen, dem Aufsichtsrat sowie allen Mitarbeitern für das ihm jahrelang entgegengebrachte Vertrauen.



Zum Schluss bedankte er sich speziell bei Dr. Müller-Berghoff, der nach 13 Jahren im Aufsichtsrat sein Mandat niederlegen wird. In Zusammenarbeit mit Dr. Müller-Berghoff habe er in diesem Zeitraum das "Schiff in schweren und guten Zeiten gemeinsam mit den Mitarbeitern auf Kurs" halten können, betonte Dr. Fuchs zum Ende seiner Ausführungen.



Vor Beginn der allgemeinen Diskussion teilte Dr. Müller-Berghoff den Aktionären die Beschlüsse des Aufsichtsrats bezüglich der Bestellung der Vorstandsmitglieder zum 1. Januar 2004 mit. Neuer Vorstandsvorsitzender wird zu diesem Zeitpunkt das bisherige Vorstandsmitglied Stefan Fuchs. Als stellvertretender Vorsitzender wird Dr. Selent fungieren, der auch weiterhin für den Bereich Finanz- und Rechnungswesen zuständig sein wird.



Neu in den Vorstand berufen wurden der bisherige Regionalleiter für Nord- und Südamerika, Herr Frank Kleinman, und Herr Dr. Georg Lingg. Nach der Bekanntgabe dieser Neuigkeiten dankte der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende noch einmal Dr. Fuchs für dessen Lebenswerk. Nach einer kurzen Einspielung zur neuen Website der Gesellschaft leitete Dr. Müller-Berghoff zur allgemeinen Diskussion über.


Allgemeine Diskussion



Dr. Müller-Berghoff rief als erste Sprecherin Frau Reinhild Keitel als Vertreterin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) ans Rednerpult. Auch diese lobte zu Beginn ihrer Ausführungen die "Lebensleistung" von Dr. Fuchs, der in 41 Jahren als Unternehmenslenker eine eindrucksvolle Erfolgsstory aufweisen kann. Unter seiner Regie gelang die Internationalisierung des Unternehmens, und mit einem Anteil des Auslandsumsatzes von 75 Prozent hat sich FUCHS zu einem Weltkonzern gewandelt, hob Frau Keitel hervor.



Im letzten Jahr konnte darüber hinaus trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage das beste Ergebnis der Firmengeschichte erzielt werden. In seiner Schaffenszeit habe sich Dr. Fuchs um das Unternehmen, die Aktionäre und die Mitarbeiter verdient gemacht, betonte die SdK-Vertreterin. Lobende Worte fand sie auch für den ersten Abschluss nach internationalen Standards und den vorgeschlagenen Aktiensplit.



Frau Keitel kam dann auf den Corporate Governance-Kodex zu sprechen, wobei sie hier speziell wissen wollte, weshalb FUCHS bei der D&O-Versicherung keinen Selbstbehalt für die Aufsichtsratsmitglieder vereinbart hat. Nach Ansicht von Dr. Müller-Berghoff ist ein Selbstbehalt für die Aufsichtsratsmitglieder nicht angebracht, zumal die D&O-Versicherung für alle Organmitglieder und nicht nur für den Aufsichtsrat abgeschlossen wurde. Außerdem zahlt FUCHS sehr moderate Aufsichtsratsbezüge, die bei einem Selbstbehalt entsprechend angepasst werden müssten.



Auch wenn Frau Keitel die neue Aufsichtsratsvergütung in Bezug auf die Anhebung maßvoll fand, kritisierte sie jedoch die Abhängigkeit der Vergütung von der Dividendenhöhe, da der Aufsichtsrat schließlich über die Dividendenhöhe selbst entscheidet. Herr Dr. Müller-Berghoff räumte zwar ein, man könne über eine dividendenabhängige Vergütung des Aufsichtsrats diskutieren. Allerdings versicherte der Aufsichtsratsvorsitzende, dass der Aufsichtsrat bei der Festlegung der Dividende sicherlich nicht die Höhe der Aufsichtsratsvergütung "im Auge" hat.



Des Weiteren erkundigte sich Frau Keitel, wie es um die Veröffentlichung der individualisierten Vorstandsbezüge bestellt ist. Der Aufsichtsratsvorsitzende wandte sich gegen die Veröffentlichung der Bezüge, da es bei den Vorstandsmitgliedern oft unterschiedliche Zielsetzungen und Erfolgsquoten bei der Bezahlung gibt. Ergänzend fügte Dr. Fuchs an, die Bezüge seien nicht besonders geheimnisvoll, da man sich das ungefähre Gehalt schnell selbst ausrechnen könne. Jedoch räumte er ein, dass der allgemeine Trend zur Veröffentlichung der Vorstandsbezüge geht.



Im Bezug auf die Aktionärsstruktur interessierte Frau Keitel, was mit dem Anteil der Allianz geschehen soll und ob der Großaktionär oder das Unternehmen in die Verkaufsbemühungen eingebunden werden. Wie Dr. Fuchs berichtete, war der Vorstand bei der Platzierung des Allianz-Anteils eingebunden. Ein Drittel der Anteile ging jeweils an Führungskräfte im Konzern sowie eine Tochtergesellschaft in der Schweiz, an einen langfristig interessierten deutschen Investmentfonds und einen institutionellen Anleger.



Frau Keitel und später auch Herr Gass bemängelten die mit 16,2 Prozent zu geringe Eigenkapitalquote, weshalb sie nach möglichen Plänen fragten, wie diese Quote verbessert werden kann. Herr Dr. Selent räumte eine etwas zu niedrige und verbesserungsbedürftige Eigenkapitalquote ein. Die Gesellschaft verfüge jedoch über Pläne, wie die Quote aus eigener Kraft bis zum Jahr 2005 auf rund 24 Prozent gesteigert werden soll.



Im Anschluss kam Frau Keitel auf das Thema Umwandlung der Vorzugsaktien in Stammaktien zu sprechen. Nach ihrer Meinung geraten Vorzugsaktien allgemein stärker ins Abseits, und spätestens bei Übernahmen erwiesen sich die Vorzugsaktien wie im Fall Wella als "Nachteilsaktien". Deshalb forderte sie die Gesellschaft auf, endlich die Grundlagen für "eine Aktie - eine Stimme" zu schaffen.



Wie Dr. Fuchs erläuterte, hilft die momentane Aktienstruktur der Gesellschaft, ihre Unabhängigkeit zu bewahren, da die Familie zusammen mit der Gothaer Versicherung rund 57 Prozent der Stammaktien hält. Sollte FUCHS einmal von einem großen Player übernommen werden, würden eine Vielzahl der jetzigen Vorteile des Unternehmens, die den Erfolg von FUCHS ausmachten, entfallen, meinte Dr. Fuchs.



Sicherlich wisse der Vorstand, dass die Entwicklung in Richtung einer Aktie läuft. Bevor aber über eine Umwandlung nachgedacht werden kann, wolle man langfristig orientierte Anleger auf seiner Seite wissen, was jedoch einer Vorbereitungszeit von Seiten des Unternehmens bedarf. In einer momentanen Ablehnung der Umwandlung dürfe nicht das Streben nach Machterhalt, sondern lediglich die Sicherung der Unabhängigkeit gesehen werden, betonte der Vorstandsvorsitzende.



Guten Anklang fand bei Frau Keitel auch die erzielte Gesamtkapitalrendite von 15,5 Prozent. In diesem Zusammenhang bat sie um Angabe, mit welchen durchschnittlichen Kapitalkosten die Gesellschaft rechnet. Dr. Selent bezifferte den durchschnittlich verrechneten Kapitalkostensatz auf 13 Prozent, so dass FUCHS 2,5 Prozent Mehrwert geschaffen hat.



Eine bemerkenswerte Position fand Frau Keitel die Summe von 106 Mio. EUR an Firmenwerten, weshalb sie sich nach möglichen Problemen bei der Werthaltigkeit der Ansätze erkundigte. Auch wenn Dr. Selent die Abschreibungen im vergangenen Jahr auf 15 Mio. EUR bezifferte, sah er in der jetzigen Bewertung keine gravierenden Risiken, die zu höherem Aufwand führen könnten. Zum Schluss wünschte Frau Keitel auch dem neuen Vorstand alles Gute und brachte ihre Erwartung auf weiterhin gute Ergebnisse zum Ausdruck.



Nach Ansicht von Herrn Dieringer hätte FUCHS die Dividende anstelle von 0,50 EUR je Aktie auch um 1,00 EUR erhöhen können, wohingegen Dr. Müller-Berghoff vor dem Hintergrund der schon erwähnten geringen Eigenkapitalquote eine Erhöhung von 0,50 EUR für angemessen hielt. Zudem bemängelte der Aktionär das Absinken der Dividendenrendite, was Dr. Fuchs zu der Aussage veranlasste, dass diese aber immer noch weit über dem Durchschnitt liegt. Zudem könnten sich die Aktionäre in der Vergangenheit über deutlich gestiegene Aktienkurse freuen, die auch den Grund für die geringere Dividendenrendite darstellten.



Bezug nehmend auf die Berufung von Herrn Stefan Fuchs zum Vorstandsvorsitzenden erklärte Herr Dieringer, er habe etwas gegen "Erbhof-Mentalität". Ihm habe schon missfallen, dass Stefan Fuchs aufgrund der Kapitalmehrheit der Familie Fuchs in den Vorstand berufen wurde. Obwohl er Prof. Dr. Strube als verdiente Persönlichkeit bezeichnete, brachte er seine Zweifel zum Ausdruck, ob dieser aufgrund der geringen Größe von FUCHS der geeignete Mann ist. Dagegen hätte er es sehr begrüßt, wenn Dr. Fuchs die Nachfolge von Dr. Müller-Berghoff als Aufsichtsratsvorsitzender angetreten hätte.



Dr. Müller-Berghoff wandte sich umgehend gegen die Aussagen von Herrn Dieringer und bezeichnete den Aufsichtsrat als absolut unabhängig. Er wies auch den Vorwurf zurück, die Personalentscheidungen seien aufgrund des Kapitalanteils der Familie Fuchs gefallen. Der Aufsichtsrat habe über die Nachfolge in etlichen Sitzungen des Personalrats lange und intensiv diskutiert. Er hielt es auch durchaus für eine Gefahr, vor allem aufgrund der familiären Bande, falls Dr. Fuchs den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen würde. Zudem werde Dr. Fuchs ab dem kommenden Jahr dem Aufsichtsrat angehören, wobei er jedoch nie den Aufsichtsratsvorsitz angestrebt habe, betonte Dr. Müller-Berghoff. Ergänzend fügte Dr. Fuchs hinzu, unter dem Gesichtspunkt der Corporate Governance sei es völlig undenkbar, wenn er als Aufsichtsratsvorsitzender den Vorstand kontrolliert, dem sein Sohn angehört.



Herr Dieringer bat dann noch um Auskunft zur Anzahl der Beteiligungen, und er wollte wissen, wie diese sinnvoll kontrolliert werden können. In diesem Zusammenhang verlangte er auch Informationen zur Verlusthöhe aus Betrügereien oder Bilanzfälschungen. Nach Aussage von Dr. Fuchs verfügt die Gesellschaft über weltweit rund 80 operative Einheiten. Die Kontrolle erfolgt dabei über ein gutes Planungs- und Berichtswesen und ein sehr genaues Budgetwesen. Außerdem gibt es für alle Unternehmen eine periodische Berichterstattung, die bei größeren Gesellschaften sogar monatlich erfolgt, erklärte Dr. Fuchs.



Wenn man von kleineren "Spesenschummeleien" absieht, gab es in den vergangenen 10 Jahren lediglich einen Fall von Unterschlagung über damals rund 700 TDM. Allerdings konnte diese Summe wieder voll eingetrieben werden. Mit Bilanzfälschungen oder Ähnlichem hatte FUCHS ansonsten noch keine Probleme innerhalb des Konzerns, berichtete der Vorstandsvorsitzende.



Auch Herr Gass als Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fand nur lobende Worte für die vorgelegten Zahlen und die Aktienkursentwicklung. Sehr zufrieden zeigte er sich auch mit dem informativen und klar strukturierten Geschäftsbericht. Er bat danach um nähere Ausführungen zu den überraschend guten Ergebnissen in Argentinien und Brasilien und den Investitionen in China.



Nach Aussage von Herrn Stefan Fuchs ist die Gesellschaft in Brasilien zu 100 Prozent eigenfinanziert und darüber hinaus ein reiner Spezialitätenanbieter, woraus sich das gute Ergebnis erklären lässt. In Argentinien verfügt FUCHS über eine kleine Gesellschaft mit gut 5 Mio. EUR Umsatz. Durch die starke Abwertung des Peso agiert die Gesellschaft momentan sehr erfolgreich, da eine hohe Anzahl der Produkte exportiert werden. Wie Herr Pauler berichtete, besitzt FUCHS in China drei Werke, die alle an der Ostküste liegen. Im Zuge von Erweiterungen wurden dort im vergangenen Jahr rund 1,5 Mio. EUR investiert, womit in China aber schon eine Menge erreicht werden kann. Für dieses Jahr sind weitere Investitionen von 0,6 Mio. EUR geplant. Zudem überlegt FUCHS den Erwerb eines Grundstücks.



Den DSW-Vertreter interessierten zudem die weiteren Pläne in der Sparte Poliertechnik, und er wolle wissen, wie es um eine Aufnahme der Gesellschaft in den MDAX bestellt ist. Dr. Fuchs berichtete bezüglich des Bereichs Poliertechnik über die Schließung eines Werks in Tschechien und kündigte eine weitere Werksschließung an. Das erste Quartal 2003 wurde jedoch wieder mit Gewinn abgeschlossen, und falls die Sparte wieder nachhaltig in die Gewinnzone geführt ist, sei auch ein Verkauf denkbar, meinte der Vorstandsvorsitzende.



Wie Dr. Selent berichtete, arbeitet FUCHS daran, dass der MDAX dem Unternehmen auch einmal "ein Zuhause bieten wird". Bisher hat die Gesellschaft jedoch noch nicht die Kriterien für die Aufnahme erreicht. Im Bereich der Orderhäufigkeit belegt das Unternehmen Platz 75 und ist damit noch etwas vom nötigen 60. Platz entfernt. Dagegen belegt FUCHS nach Angaben des Finanzvorstands bei der Marktkapitalisierung bereits den 62. Platz.



Herr Hartmann erkundigte sich dann nach dem Anteil der Bioschmierstoffe am Gesamtabsatz. Diesen bezifferte Herr Pauler auf 3,5 Prozent, der Anteil in Deutschland liege allerdings bei rund 10 Prozent, wobei ein 6-prozentiges Wachstum in 2002 erzielt worden war. Ein weiterer Aktionär bat um eine Einschätzung der Ölpreiserwartung für die kommenden Jahre. Nach Meinung von Dr. Fuchs ist dies eine Frage, die sich absolut nicht beantworten lässt, da es schon schwer sei, den Preis auf Sicht eines halben Jahres einzuschätzen.



Allerdings stiegen die Reserven trotz des jährlichen Verbrauchs immer weiter an. Da zudem der Irak bald unter die Ölexporteure zurückkehren dürfte, werde der Preis wohl innerhalb der Bandbreite von 22 USD bis 28 USD bleiben. Jedoch könnten wieder auftretende politische Unsicherheiten den Preis auch in die Höhe treiben, meinte Dr. Fuchs.


Abstimmungen



Von den 1.216.421 stimmberechtigten Stammaktien waren 869.001 Aktien entsprechend 71,44 Prozent vertreten. Bei den Vorzugsaktien waren es 262.620 Aktien von 1.171.669 Aktien, womit die Quote bei 21,64 Prozent lag. Die Beschlüsse zu den Tagesordnungspunkten Verwendung des Bilanzgewinns (TOP 2), Entlastung des Vorstands (TOP 3), Entlastung des Aufsichtsrats (TOP 4), Aktiensplit (TOP 5), Satzungsänderungen (TOP 6), Neuwahl eines Aufsichtsratsmitglieds (TOP 7) und Wahl des Abschlussprüfers (TOP 8) wurden jeweils bei sehr wenigen Gegenstimmen oder Enthaltungen gefasst.


Fazit und eigene Meinung



Die angenehm verlaufende Hauptversammlung der FUCHS PETROLUB AG war von personellen Wechseln geprägt. Nach 41 Jahren an der Spitze des Unternehmens wird Dr. Fuchs zum Jahresende aus dem Vorstand ausscheiden und das Ruder an seinen Sohn übergeben.



Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds und des stärker werdenden Euro konnte FUCHS auch im vergangenen Geschäftsjahr ein Rekordergebnis hinlegen. Doch trotz des stark gestiegenen Aktienkurses weist die Gesellschaft auch weiterhin lediglich ein KGV von etwas über 9 auf Basis der Gewinne von 2002 und eine Dividendenrendite von rund 5 Prozent auf.



Auch das erste Quartal 2003 verlief für FUCHS wieder sehr erfreulich. Sollte sich die Dollarschwäche nicht noch verstärken, wird die Gesellschaft auch im Gesamtjahr wieder ein hervorragendes Ergebnis erwirtschaften. Im Zusammenspiel mit der guten Aufstellung des Unternehmens bleibt die Aktie trotz des Kursanstiegs ein interessantes Investment.


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Veröffentlichungsdatum: 07.06.2003 - 18:26
Redakteur: tre
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