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Kurt-Schumacher-Straße 24,
D-53113 Bonn, Deutschland
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Herr Thomas Allerstorfer
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HV-Bericht infas Holding AG - Wann wird der Squeeze-out eingetragen?

Die infas Holding AG hatte für den 19. August 2026 zur Hauptversammlung in die Räume der Gesellschaft nach Bonn eingeladen. Knapp 20 Aktionäre und Gäste hatten sich dort eingefunden, darunter Matthias Wahler für GSC Research, um mehr über den aktuellen Stand im laufenden Squeeze-out-Prozess zu erfahren. Schließlich hat die Ipsos Dach Holding AG, die mit rund 97,5 Prozent an der infas Holding AG beteiligt ist, bereits im Januar 2025 die Übertragung aller von ihr noch nicht gehaltenen Aktien gegen eine Barabfindung von 6,80 Euro beim Landgericht Frankfurt beantragt, das im März 2026 auch einen entsprechenden Beschluss gefasst hat.

Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Rupert van Hüllen eröffnete die Versammlung um 11 Uhr und teilte mit, dass der Aufsichtsratsvorsitzende Shane Farrell verhindert ist, weshalb er die Versammlungsleitung übernehme. Auch Aufsichtsratsmitglied Jean-Michel Mabon konnte nicht teilnehmen und ließ sich entschuldigen. Der Vorstand war mit den Herren Dr. Christoph Preuß und Thomas Allerstorfer komplett zugegen. Das Protokoll führte Notar Dr. Johannes Fetsch.

Nach Abhandlung der Formalien übergab Herr van Hüllen das Wort an den Vorstand. Im Anschluss daran erstattete er den Bericht des Aufsichtsrats. Das Kontrollgremium hat sich im Geschäftsjahr 2025 insgesamt achtmal getroffen sowie zusätzlich Telefonkonferenzen abgehalten und Entscheidungen im schriftlichen Umlaufverfahren gefasst.


Bericht des Vorstands

Dr. Preuß bewertete 2025 als Jahr der Transformation, welches von einem herausfordernden Marktumfeld sowie einer geringeren Ausschreibetätigkeit und Verzögerungen bei der Auftragsvergabe im öffentlichen Sektor geprägt war. Dennoch konnten Fortschritte erzielt werden, um die Gruppe robuster und zukunftsfähiger aufzustellen. Der Umsatz lag unter dem Vorjahresniveau. Gleichwohl konnte die Profitabilität deutlich verbessert werden. Dr. Preuß sah daran aufgezeigt, dass die eingeleiteten Kosten- und Effizienzmaßnahmen greifen.

Zusätzlich entfalteten erste Synergien mit der Ipsos-Gruppe ihre Wirkung. Wie der Vorstand aufzeigte, wurde der Zusammenschluss nach der kartellrechtlichen Freigabe Anfang 2025 vollzogen. Die Ipsos-Gruppe hält seither rund 97,5 Prozent der Anteile, womit infas Zugang zu einem globalen Netzwerk sowie zusätzlichen Technologien und Ressourcen erhält, was die Position im Markt nachhaltig stärkt. Im laufenden Jahr soll die Zusammenarbeit weiter vorangetrieben werden, um zusätzliche Synergien zu heben und die Grundlage für weiteres Wachstum zu schaffen.

Das Ziel bleibt Dr. Preuß zufolge unverändert, evidenzbasierte Forschung auf höchstem Niveau und langfristige Wertschöpfung für Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre anzubieten. Auf diesem Weg sieht er den Zusammenschluss als Meilenstein. Die infas Holding AG profitiert nicht nur von der globalen Präsenz der Ipsos-Gruppe in über 90 Märkten, sondern auch von einer Erweiterung des Portfolios. Durch die enge Zusammenarbeit wird es möglich, im klassischen Sozialforschungsbereich und auch in neuen Feldern vorne mitzuspielen. Für die Kunden bedeutet dies noch bessere Erkenntnisse und eine schnellere Projektumsetzung.

Als großen Vorteil sieht Dr. Preuß, dass über das Netzwerk der Ipsos-Gruppe, die zu den weltweit führenden Marktforschungsunternehmen zählt, künftig auch internationale Vergleiche und Analysen auf höchstem Niveau angeboten werden können. Zudem kann die Methodenkompetenz erweitert werden. Die Stärke von infas in der Sozialforschung ergänzt sich nach seiner Überzeugung ideal mit der internationalen Marktforschung von Ipsos. Damit kann die führende Position von infas in der Sozial- und Marktforschung in Deutschland weiter ausgebaut werden.

Zusätzlich wurden im Geschäftsjahr 2025 zentrale strategische Maßnahmen umgesetzt. Mit der Verschlankung der internen Prozesse im infas Institut und dem Ausbau digitaler Erhebungsmethoden konnte die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells weiter gestärkt werden. Die Tochtergesellschaft infas quo investiert zudem gezielt in neue Geschäftsfelder wie datengetriebene Analysen und KI-gestützte Prognosen. Die infas 360 konzentriert sich weiter auf profitable Kernsegmente. Gruppenübergreifende Themen sind Digitalisierung, Automatisierung und KI.

Im Folgenden berichtete Dr. Preuß von verschiedenen Panel-Studien. Der Fokus liegt jeweils darauf, methodische und technische Innovationen zu integrieren. Insgesamt ist es das Ziel, neue, große Forschungsprojekte und öffentliche Großaufträge zu gewinnen. Als Vorteil sieht der Vorstand in diesem Zusammenhang die starke Stellung von infas bei der Befragung von schwer erreichbaren Zielgruppen in hoher Zahl. Zugleich geht es darum, durch den gezielten Einsatz von KI-gestützten Prozessen und die Nutzung von KI-basierten Erhebungsformen die Effizienz zu steigern.

Im deutschen Marktforschungsmarkt erkennt Dr. Preuß nach der starken Entwicklung im Vorjahr im Berichtsjahr 2025 eine Normalisierung. Die großen Anbieter verzeichneten Umsatzrückgänge. Infas behauptet im Gesamtmarkt Platz fünf und ist in der Sozialforschung im öffentlichen Sektor weiterhin mit deutlichem Abstand Marktführer. Die größten Wettbewerber sind mit einem Umsatz von jeweils rund 90 Mio. Euro unverändert die Ipsos-Gruppe und YouGov.

In der Befragung verstärkte sich nochmals der Trend von analog zu digital. Es gibt immer mehr Online-Interviews und inzwischen auch verstärkt Umfragen per App. Rechnet man alles zusammen, laufen mittlerweile 73 Prozent der Befragungen über digitale Kanäle. Klassische Formate wie Telefon- oder persönliche Interviews befinden sich auf dem Rückzug, schriftliche Befragungen behaupten sich in einer Nische. Infas setzt bei den Befragungen nach wie vor konsequent auf Zufallsstichproben, da nur so belastbare und repräsentative Ergebnisse garantiert werden können. Dem Qualitätsversprechen will der Vorstand auch in der immer schnelllebigeren Zeit treu bleiben.

An dieser Stelle übernahm CFO Allerstorfer. Er begann mit dem Hinweis, dass der Jahres- und Konzernabschluss 2024 nachträglich korrigiert werden musste, da wertmindernde Projektinformationen nicht berücksichtigt waren, was eine signifikante Korrektur der Finanzkennzahlen zur Folge hatte. Im Konzern reduzierte sich der Umsatz ausgehend vom ursprünglichen Niveau von 66,0 Mio. Euro auf 55,4 Mio. Euro und das EBIT verschlechterte sich von plus 1,5 Mio. Euro auf minus 9,9 Mio. Euro. Dies wirkte sich auch auf die AG aus, die auf Basis des Ergebnisabführungsvertrages einen Verlust von 7,1 Mio. Euro übernehmen musste, womit jetzt für 2024 ein Fehlbetrag von 8,9 Mio. Euro ausgewiesen wird.

Das Geschäftsjahr 2025 verlief ebenfalls schlechter als geplant. Der Umsatz verringerte sich in dem beschriebenen schwierigen Marktumfeld, in dem gerade im öffentlichen Sektor eine starke Budgetzurückhaltung zu spüren war, um 18,9 Prozent auf 45,5 (Vorjahr: 55,4) Mio. Euro. Insbesondere das infas Institut verzeichnete eine schwache Entwicklung. Die ursprüngliche Umsatzprognose von 54 bis 58 Mio. Euro wurde deutlich verfehlt. Die infas-Gruppe entwickelt sich aber weiterhin deutlich besser als der Gesamtmarkt. Seit 2016 konnte der Umsatz verdoppelt werden, während sich der Markt insgesamt rückläufig entwickelte. Die Wettbewerbsposition konnte also ausgebaut werden.

Trotz des Umsatzrückgangs verbesserte sich das EBIT ausgehend von der korrigierten Vorjahreszahl deutlich auf minus 1,4 Mio. Euro. Zu einem guten Teil resultiert dies aus dem Materialaufwand, der sich dank der durchgeführten Kostensenkungsmaßnahmen kräftig auf 21,5 (35,2) Mio. Euro reduzierte. Zudem fielen die Versandkosten dank einer veränderten Projektstruktur mit 0,6 (8,0) Mio. Euro weit geringer aus als im Vorjahr. Die Aufwendungen für Interviews beliefen sich auf 16,5 (25,2) Mio. Euro. Die Materialkostenquote sank auf 47,2 (63,5) Prozent.

Der Personalaufwand ging ebenfalls stark zurück auf 17,5 (22,3) Mio. Euro. Der wesentliche Grund dafür war laut Herrn Allerstorfer die Reduzierung der durchschnittlichen Mitarbeiterzahl auf 363 (508) Personen. Die Personalkostenquote reduzierte sich auf 38,4 (40,3) Prozent. Insgesamt konnten die Kosten also an das geringere Geschäftsvolumen angepasst werden. Insgesamt sieht Herr Allerstorfer trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen eine Stabilisierung der Gruppe.

Der Finanzchef sprach auch einige Worte zur Entwicklung in den wesentlichen Tochtergesellschaften. Im infas Institut ging der Umsatz in dem beschriebenen herausfordernden Marktumfeld infolge einer rückläufigen Nachfrage um 24 Prozent auf 37,8 (45,8) Mio. Euro zurück. Das EBIT verbesserte sich dennoch deutlich auf minus 0,3 (minus 8,2) Mio. Euro. Für 2026 erwartet Herr Allerstorfer bei dieser wichtigsten Tochtergesellschaft die Rückkehr auf den Wachstumspfad.

Bei der infas 360 GmbH verringerte sich der Umsatz auf 4,2 (4,9) Mio. Euro. Das EBIT konnte aber dennoch auf 550 (229) Tsd. Euro annähernd verdoppelt werden, womit sich die Marge auf 13,2 (4,7) Prozent verbesserte. Der Umsatzrückgang war die Folge der Reduzierung unprofitabler Geschäftsfelder, was zugleich der Grund für die Ergebnisverbesserung ist.

Sehr erfreulich gestaltete sich die Entwicklung der infas quo GmbH, deren Umsatz um 15 Prozent auf 1,7 (1,4) Mio. Euro stieg und deren EBIT mit plus 285 (minus 68) Tsd. Euro deutlich in den positiven Bereich drehte. Die Marge erreichte rund 17 Prozent. Dieser Erfolg ist Herrn Allerstorfer zufolge insbesondere der Zusammenarbeit mit dem neuen Großaktionär zu verdanken.

Im laufenden Jahr erwartet der Finanzvorstand eine leichte Erholung des Geschäfts. Der Umsatz soll auf 46 bis 54 Mio. Euro zulegen und die Marge mit einem Wert zwischen 0 und 3 Prozent wieder leicht positiv ausfallen. Zudem wird weiterhin ein positiver operativer Cashflow erwartet. Als Treiber sieht Herr Allerstorfer eine schrittweise Normalisierung bei öffentlichen Ausschreibungen, mögliche Impulse aus einem staatlichen Konjunkturpaket und eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit dem Ipsos-Konzern. Weiterhin ist der Blick in die Zukunft aber mit einer hohen Unsicherheit behaftet.


Allgemeine Aussprache

Die wesentliche Wortmeldung in der folgenden Aussprache kam von Thomas Hechtfischer als Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Er hatte gar nicht damit gerechnet, dass sich die Aktionäre der infas Holding AG noch einmal treffen, nachdem die Ipsos Dach Holding AG bereits im Januar 2025 die Übertragung aller von ihr noch nicht gehaltenen Aktien gegen Gewährung einer Barabfindung von 6,80 Euro beschlossen hat. Das Landgericht Frankfurt hat am 13. März 2026 auch einen entsprechenden Beschluss gefasst, der aber offenbar bisher nicht rechtskräftig geworden ist. Der DSW-Sprecher erkundigte sich nach dem aktuellen Verfahrensstand.

In seiner Antwort bestätigte Herr Allerstorfer, dass das Landgericht Frankfurt dem Squeeze-out-Antrag gemäß besagter Bekanntmachung stattgegeben hat. Soweit bekannt befindet sich das Verfahren nun in der Berufungsinstanz beim OLG Frankfurt. Die Frage nach dem derzeitigen Verfahrensstand konnte der Vorstand nicht beantworten, nachdem die infas Holding AG nicht Verfahrensbeteiligte ist. Vom Ausgang dieses Verfahrens hängt es ab, ob im Jahr 2027 noch einmal zu einer Publikums-Hauptversammlung eingeladen wird oder nicht. Die Gesellschaft kann darauf keinen Einfluss nehmen.

Des Weiteren thematisierte Herr Hechtfischer die Korrektur des Jahresabschlusses 2024, die mit beachtlichen Auswirkungen verbunden war. Statt eines positiven EBIT von 1,5 Mio. Euro wird plötzlich ein Verlust von 9,9 Mio. Euro ausgewiesen. Den Aktionärsschützer wunderte, dass derart gravierende Fehler erst im April 2026 aufgefallen sind. In diesem Zusammenhang stellte sich ihm die Frage nach der Verantwortlichkeit. Ihm wäre es sinnvoller erschienen, die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu vertagen. Insbesondere Dr. Isabell Nehmeyer-Srocke, die in dieser Periode als Finanzvorständin fungierte, könnte nach seiner Einschätzung eine Rolle gespielt haben.

Betreffend die Gründe für die Notwendigkeit zur Korrektur des Jahresabschlusses 2024 nannte Herr Allerstorfer die fehlerhafte Bewertung einiger weniger Projekte, was aber mit großen Auswirkungen verbunden war. Ein Teil des Fehlers war, dass die Relevanz von Informationen, die großen Einfluss auf die Projektbewertung hatten, zunächst nicht erkannt worden war, weshalb diese Daten nicht an die zuständigen Finanzstellen oder den Vorstand weitergeleitet worden sind. Dass der Fehler erst so spät erkannt wurde, liegt daran, dass eine umfängliche IFRS-Konzernbewertung nur einmal im Jahr im Zuge der Erstellung des Konzernabschlusses vorgenommen wird.

Die Auswirkungen und etwaige Konsequenzen aus diesem Vorfall werden noch geprüft. Verantwortlich waren wie dargelegt Informationsdefizite und fehlende Kommunikation. Dem Abschlussprüfer konnten nicht bearbeitete Informationen nicht bekannt sein. Die Frage, ob Frau Dr. Nehmeyer-Srocke der Vorwurf einer Pflichtverletzung gemacht werden kann, lässt sich noch nicht abschließend beantworten. Einen Grund, die Entlastung von Vorstand oder Aufsichtsrat nicht zu erteilen oder sie zu vertagen, kann Herr Allerstorfer jedoch nicht erkennen. Im Übrigen umfasst eine Entlastung auch keinen Verzicht auf Ersatzansprüche.

Sehr unschön fand Herr Hechtfischer, dass die Aufsichtsratsmitglieder Shane Farrell und Jean-Michel Mabon wieder nicht anwesend waren. Soweit er sich erinnerte, waren sie überhaupt noch nie zu einer Hauptversammlung erschienen. Auf seine Nachfrage nach dem Grund für die Verhinderung informierte der Versammlungsleiter, dass die Ipsos-Gruppe vor Kurzem einen neuen CEO ernannt hat und beide Aufsichtsratsmitglieder dem Executive Board angehören. Mit der Umstellung in dem Gremium kam es nun zu Terminkonflikten, nachdem der Hauptversammlungstermin schon weit vorher festgelegt worden war. Sowohl Herr Farrell wie auch Herr Mabon haben aber an allen acht Aufsichtsratssitzungen teilgenommen.

Ferner bat Herr Hechtifscher um ergänzende Ausführungen zum Verlust eines Großprojekts bei der Cati-Lab GmbH. Hierzu informierte Herr Allerstorfer, dass ein nicht zur Gruppe gehörender Dienstleister im Bereich Telefon-Interviews ein kostengünstigeres Angebot unterbreitet hat, weshalb besagtes Projekt verlorenging. Inzwischen konnte die Verlustsituation der Tochtergesellschaft aber wieder verbessert werden. Welches Projekt verlorengegangen ist sowie den Namen des Kunden konnte der Vorstand aus Datenschutzgründen nicht offenlegen.

Befragt nach ergänzenden Informationen zur infas quo GmbH bekräftigte Herr Allerstorfer, dass sich dieses Unternehmen dank umfassender Synergien mit der Ipsos-Gruppe gut entwickelt. Die Tochtergesellschaft profitiert vor allem vom kostengünstigeren Insourcing von zuvor extern vergebenen Funktionen im administrativen Bereich, Unterstützung in den Bereichen Datenschutz und Rechtsberatung sowie in der Kundengewinnung. Dies trug maßgeblich dazu bei, dass Umsatz und Ergebnis deutlich verbessert werden konnten. In der gesamten infas-Gruppe erwartet Herr Allerstorfer Synergieeffekte im mittleren siebenstelligen Bereich.

Des Weiteren erkundigte sich Herr Hechtfischer nach dem Grund für die auf 1,33 (0,58) Mio. Euro mehr als verdoppelten EDV-Wartungskosten. Hier verwies der Finanzvorstand auf eine geänderte Buchungssystematik. Noch gravierender erschien dem DSW-Sprecher die Entwicklung der Raum- und Nebenkosten, die nach einem bereits starken Anstieg in der Vorperiode auf 2,31 (0,79) Mio. Euro geradezu explodiert sind. Als Hauptgrund dafür nannte Herr Allerstorfer eine rückwirkende Indexanpassung der Mietzahlungen, die durch die höhere Inflation getrieben war. Dies löste höhere Mietzahlungen und eine Nachzahlung seit Mietbeginn aus. In den nächsten Jahren dürften weitere Anpassungen zu erwarten sein.

Überdies war dem Aktionärsschützer aufgefallen, dass im Einzelabschluss mehr als die Hälfte des Grundkapitals verloren ist. Bei einem Grundkapital von 9 Mio. Euro beläuft sich das Eigenkapital nur noch auf 3,2 (5,0) Mio. Euro. Als Grund dafür, dass dennoch auf eine Verlustmeldung verzichtet wurde, führte Herr Allerstorfer an, dass der Bilanzverlust im Jahr 2025 ganz überwiegend aus der Korrektur des Jahresabschlusses 2024 resultiert, es sich also um einen bilanziellen Sondereffekt handelt. Vor diesem Hintergrund ist eine Verlustanzeige unterblieben.

Aktionär Salten fragte unter anderem nach der Zahl der Cyber-Angriffe. Nach Aussage von Herrn Allerstorfer waren zuletzt monatlich circa 47.000 Cyber-Angriffe zu verzeichnen, die aber bisher glücklicherweise alle erfolgreich abgewehrt werden konnten. Seit zwei Jahren geschieht dies auch mit Unterstützung von Ipsos.

Die Frage, wie das Geschäft durch KI beeinflusst wird, beantwortete Herr Preuß. Wie er darlegte, werden die Möglichkeiten kontinuierlich geprüft. Wichtig ist, dass die Lösungen die strengen Anforderungen an Datensicherheit und Compliance erfüllen. Dies gilt für die gesamte Ipsos-Gruppe und auch die Auftraggeber. Entscheidend ist grundsätzlich, dass sich ein Mehrwert für infas und die Auftraggeber ergibt. Derzeit wird KI bei der Auswertung und Strukturierung der im Rahmen von Befragungen gewonnenen Antworten genutzt. Dank KI ist es möglich, auch große Textmengen in hoher Qualität zu verarbeiten. Generell führt der Einsatz von KI zu Effizienzsteigerungen.


Abstimmungen

Vor Eintritt in die Abstimmungen verkündete Herr van Hüllen die Präsenz. Auf der Hauptversammlung waren 8.796.787 Aktien vertreten. Bezogen auf das gesamte Grundkapital von 9.000.000 Euro, eingeteilt in ebenso viele Aktien, entsprach dies einer Quote von 97,74 Prozent.

Alle Beschlüsse wurden mit Mehrheiten nahe 100 Prozent gefasst.

Im Einzelnen waren dies die Entlastung von Vorstand (TOP 2) und Aufsichtsrat (TOP 3) sowie die Bestellung der Forvis Mazars GmbH & Co. KG zum Abschlussprüfer (TOP 4). Über den der Hauptversammlung zur Erörterung vorgelegten Vergütungsbericht (TOP 5) musste nicht abgestimmt werden.

Um 14:26 Uhr schloss der Vorsitzende die mutmaßlich letzte öffentliche Hauptversammlung der Gesellschaft.


Fazit

Die infas Holding AG hat das Geschäftsjahr 2025 mit durchwachsenem Erfolg abgeschlossen. In einem herausfordernden Marktumfeld, das von einer geringeren Ausschreibetätigkeit und Verzögerungen bei der Auftragsvergabe insbesondere im öffentlichen Sektor geprägt war, lag der Umsatz unter dem Vorjahreswert. Dennoch konnte die Profitabilität gegenüber den korrigierten 2024er-Zahlen deutlich verbessert werden. Dazu trugen auch die Synergieeffekte mit der Ipsos-Gruppe bei, die seit Anfang 2025 mit einer Beteiligung von 97,5 Prozent die Hauptaktionärin ist. Das Ergebnis war aber negativ und wird der Planung nach auch im laufenden Jahr nur leicht positiv ausfallen.

Für die verbliebenen freien Aktionäre hat die wirtschaftliche Entwicklung allerdings in der aktuellen Situation keine große Relevanz mehr. Bereits im Januar 2025 hat die Hauptaktionärin die Übertragung aller von ihr noch nicht gehaltenen Aktien gegen Gewährung einer Barabfindung von 6,80 Euro beantragt. Das Landgericht Frankfurt hat diesem Antrag stattgegeben. Derzeit befindet sich das Verfahren noch in der Berufungsinstanz beim OLG Frankfurt. Es dürfte aber nur noch eine Frage der Zeit sein, bis der Beschluss eingetragen wird und die verbliebenen Minderheitsaktionäre ausscheiden. Die Aktie bewegt sich schon länger bei minimalen Umsätzen in etwa auf Höhe der beschlossenen Barabfindung.


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Thomas Allerstorfer, CFO



Veröffentlichungsdatum: 09.09.2026 - 17:00
Redakteur: mwa
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