Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG hatte für den 23. Juli 2026 zur Hauptversammlung in das Haus der Bayerischen Wirtschaft nach München eingeladen. Etwa 100 Aktionäre und Gäste hatten sich dort eingefunden, um sich über die Gesellschaft zu informieren, die ihre Aktionäre einmal mehr mit einer attraktiven Dividende erfreute. Für GSC Research befand sich Matthias Wahler vor Ort. Das Protokoll führte Notar Prof. Dr. Hartmut Wicke.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Mühlbauer eröffnete die Versammlung um 10:30 Uhr und teilte mit, dass sich die Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat komplett eingefunden haben. Nach Abhandlung der Formalien und einigen ergänzenden Ausführungen zum Bericht des Aufsichtsrats, der sich im Geschäftsjahr 2025 zu insgesamt vier Sitzungen zusammengefunden hat, übergab er das Wort an den Vorstand.
Bericht des Vorstands
Vorstandsmitglied Kai Jordan begann seinen Part mit einem Überblick über das nach wie vor herausfordernde Marktumfeld. Die deutsche Wirtschaft stagniert das fünfte Jahr in Folge und es sieht nicht so aus, als ob es zeitnah besser werden würde. Im Gegenteil führt der Irankrieg zu neuen Belastungen und der uninspirierte Reformwille der Bundesregierung tut ein Übriges. Insgesamt ist die Stimmung im Land schlecht und auch in den USA läuft es abgesehen vom Boom der Technologiewerte keineswegs rund.
Dennoch verzeichnen die Finanzmärkte eine stabile Entwicklung, was nach Meinung von Herrn Jordan ein Stück weit Grund zur Zuversicht liefert. Der DAX hat im vergangenen Jahr 23 Prozent an Wert gewonnen, der Euro Stoxx 50 um 18 Prozent zugelegt und der Dow Jones immerhin um 13 Prozent, was sich positiv auf den Geschäftsverlauf von mwb fairtrade auswirkte. Zusammen mit den weiter steigenden Handelsumsätzen und einer anhaltend hohen Volatilität bedeutete dies quasi ein ideales Szenario.
Das Geschäftsjahr 2025 konnte in diesem Umfeld mit einem hervorragenden Ergebnis und weit über den Erwartungen abgeschlossen werden. Als Treiber des Erfolgs sieht Herr Jordan, dass mwb fairtrade die Chancen, die sich im Markt ergeben, konsequent nutzt. Es zahlt sich jetzt aus, dass über die Jahre ständig in die Modernisierung der IT-Infrastruktur investiert und die Technik damit zukunftsfest gemacht worden ist, nachdem sich die Anforderungen an Tempo und Qualität kontinuierlich verschärfen.
Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang die langfristige Ausrichtung. Als Beispiel nannte Herr Jordan den Wegfall der Parkettbörse Berlin zum Jahresende 2025 durch die Verschmelzung auf die Tradegate BSX Berlin Stock Exchange, was erwartet worden war. Der daraus resultierende Wegfall der Erträge aus der Skontroführung konnte durch anderweitige Aktivitäten mehr als kompensiert werden. Rund 5.000 Skontren wurden neu am Börsenplatz Hamburg einbezogen und damit dessen Relevanz weiter erhöht.
Der Standort Berlin konnte damit nicht nur erhalten, sondern noch gestärkt werden. Durch den Ausbau in Richtung eines Think-Tanks und die Ansiedlung der Programmierungsaktivitäten ist die Bedeutung sogar gewachsen. Hierbei spielt das Programmieren mit künstlicher Intelligenz (KI) eine stark zunehmende Rolle. Insgesamt sollen die Prozesse weiter automatisiert werden, damit sich die Mitarbeiter komplexeren Tätigkeiten und dem Ausbau des Geschäfts widmen können.
Wie Herr Jordan aufzeigte, stammen heute mehr als 20 Prozent der Erträge aus Einnahmequellen, die es vor ein paar Jahren noch gar nicht gegeben hat – und dieser Trend wird sich nach seiner Überzeugung eher noch verstärken. Es ist insofern essenziell, niemals stehenzubleiben, sondern die sich bietenden Chancen aktiv wahrzunehmen. So geschehen ist dies im vorletzten Jahr, als an der Börse Hannover die neue elektronische Handelsplattform „European Investor Exchange“ eingeführt wurde, auf der mwb fairtrade nun zusammen mit Scalable Capital Market Maker ist.
Das Umfeld bleibt, dieser Hinweis war dem Vorstand wichtig, aufgrund der rasend schnellen Veränderungen herausfordernd. Wer nicht am Ball bleibt, wird schnell abgehängt – es bieten sich aber auch zahlreiche Chancen. In diesem Kontext verwies er auf die von der letztjährigen Hauptversammlung erteilte Zustimmung zur Erweiterung des Unternehmensgegenstandes, womit die Möglichkeit geschaffen wurde, die sogenannte MiCAR-Lizenz zu beantragen, um künftig als Kryptowerte-Dienstleister im Markt tätig sein zu können. Dieser Beantragungsprozess ist im Gange und wird voraussichtlich noch in diesem Jahr abgeschlossen sein.
Die diesjährige Hauptversammlung soll nun noch einmal eine Erweiterung des Unternehmensgegenstandes um die Bereiche Finanzportfolioverwaltung und die Verwahrung und Verwaltung von Finanzinstrumenten beschließen. Erst einmal soll Herrn Jordan zufolge nur die Möglichkeit offengehalten werden. Es handelt sich aber um ein sehr wichtiges Thema für die Zukunft, worauf das Unternehmen vorbereitet sein soll.
Eine weitere technische Herausforderung ergibt sich aus der Einführung neuer Systeme. Wie Herr Jordan aufzeigte, wird das elektronische Handelssystem Xontro an den Regionalbörsen Hamburg, Hannover, Düsseldorf und München in wenigen Tagen durch die Cloud-fähige Handelsplattform T7 abgelöst, woran die gesamte technische Infrastruktur angepasst werden muss. Ein großes Thema ist daneben weiterhin die Ausweitung der Handelszeiten, was aus Sicht von mwb fairtrade ertragbringend letztlich nur durch mehr Digitalisierung gelöst werden kann.
Des Weiteren informierte der Vorstand, dass die Kooperation mit der mwb research AG fristgerecht zum Jahresende 2026 gekündigt worden ist. Die Zusammenarbeit war, wie er klarstellte, für beide Partner durchaus erfolgreich und hat die Wahrnehmung am Markt erhöht. Durch das Wachstum der Aktivitäten im Bereich Corporates & Markets waren die strategischen und finanziellen Positionen aber nicht mehr hinreichend deckungsgleich. Zudem kommt es derzeit auch im Research durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz zu geradezu tektonischen Verschiebungen.
Die mwb fairtrade passt die Strategie daran an und baut jetzt mit Augenmaß eigene Kapazitäten auf. Herr Jordan kann sich dabei auch eine hybride Struktur mit anderen Partnern vorstellen. Als Beispiel nannte er das bereits etablierte Format mit Live-Events unter dem Titel „mwb inspired“, bei dem mittelständische Firmen mit hohem Potenzial und mögliche Investoren an einen Tisch gebracht werden. 2025 gab es zwei dieser Konferenzen, 2026 wird es dank des großen Interesses voraussichtlich schon fünf Termine geben.
Nach Überzeugung von Herrn Jordan konnte mwb fairtrade die Position im Markt weiter festigen. Mit knapp 47.000 betreuten Orderbüchern und einer hohen Bekanntheit im Mittelstand blickt er optimistisch in die Zukunft. Zusätzlicher Schub könnte sich nach seiner Hoffnung aus der beschlossenen Einführung einer kapitalgedeckten Aktienrente ergeben.
Im zweiten Teil des Vorstandsberichts präsentierte Vorstandsmitglied Carsten Bokelmann die wesentlichen Zahlen des Geschäftsjahres 2025. Er freute sich, von einem außergewöhnlich guten Ergebnis berichten zu können. Wie er aufzeigte, konnte das Handelsergebnis um 47 Prozent auf 41,8 (Vorjahr: 28,4) Mio. Euro gesteigert und der Provisionsüberschuss auf 8,0 (3,6) Mio. Euro sogar mehr als verdoppelt werden.
Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit verbesserte sich um 141 Prozent auf 16,9 (7,0) Mio. Euro, woraus sich ein Ergebnis je Aktie von 2,26 (0,94) Euro errechnet. Nach Aussage von Herrn Bokelmann wurde bewusst entschieden, das Ergebnis je Aktie auf dieser Basis zu berechnen und nicht aus dem Jahresüberschuss, da durch das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit die operative Ertragskraft abgebildet wird, ohne dass die Kennzahl durch die Dotierung des Fonds für allgemeine Bankrisiken beeinflusst wird, was die Vergleichbarkeit zwischen den Geschäftsjahren verbessert.
Im Berichtsjahr musste allerdings keine Zuführung zum Fonds mehr geleistet werden, da dieser im Moment voll dotiert ist, also die vom Gesetzgeber empfohlene Höchstgrenze erreicht hat. Zurzeit sind 16,7 Mio. Euro eingestellt, die aufsichtsrechtlich zum harten Kernkapital zählen. Dass keine Zuführung mehr vorgenommen wurde, ist der Grund dafür, dass der Jahresüberschuss sogar um 243 Prozent auf 12,0 (3,5) Mio. Euro nach oben ging.
Durch das positive Ergebnis erhöhte sich das Eigenkapital deutlich auf 32,0 (22,1) Mio. Euro. Bei einer Bilanzsumme von 67,8 (47,7) Mio. Euro errechnet sich eine sehr solide Eigenkapitalquote von 47,2 (46,3) Prozent. Auch mit Blick auf die liquiden Mittel von rund 36 Mio. Euro sieht Herr Bokelmann das Unternehmen sehr komfortabel aufgestellt und ein ordentliches Polster gegeben, das die Handlungsfähigkeit sichert.
Das Geschäftsfeld Wertpapierhandel steuerte rund 85 Prozent zum Gesamtergebnis bei und bleibt damit die bestimmende Größe. Mit mittlerweile knapp 47.000 Orderbüchern hat mwb fairtrade im Markt insgesamt eine große Bedeutung. Positiv bewertet der Vorstand die Verteilung der Skontren auf die Anlageklassen Aktien, Anleihen und offene Immobilienfonds, was ein gutes Sicherheitsnetz darstellt. Renten dürften mit den zu erwartenden höheren Zinsen noch an Bedeutung gewinnen und bei den offenen Immobilienfonds ist mwb fairtrade der einzige zugelassene Spezialist an der BSX.
Das zweite Geschäftsfeld Corporates & Markets hat noch keine so große Bedeutung, entwickelt sich aber zu einem stabilen zweiten Standbein. Bei einem deutlichen Anstieg der Roherträge auf 7 (4) Mio. Euro erhöhte sich der Beitrag zum Gesamtergebnis auf 14 (12) Prozent. In den kommenden Jahren soll das Segment Schritt für Schritt weiter ausgebaut werden.
Im Folgenden ging Herr Bokelmann noch etwas näher auf die Kostenstruktur ein. Der Personalaufwand erhöhte sich infolge der hohen erfolgsabhängigen Gehaltsbestandteile deutlich auf 13,3 (9,8) Mio. Euro. Die anderen Verwaltungsaufwendungen, die in erster Linie die IT- und Infrastrukturkosten sowie die Abwicklungskosten enthalten, stiegen um 28 Prozent auf 20,4 (15,9) Mio. Euro und damit weit unterproportional zu den Erträgen. Der Vorstand sieht daran aufgezeigt, dass man die Kosten im Griff hat.
Sehr gerne präsentierte der Vorstand sodann den Dividendenvorschlag. Die Ausschüttung soll auf 0,80 (0,30) Euro je Aktie mehr als verdoppelt werden. Damit erhalten die Aktionäre in Summe knapp 6 Mio. Euro, während mit 10,7 Mio. Euro der größere Teil des Bilanzgewinns in die anderen Gewinnrücklagen eingestellt werden soll. Herr Bokelmann hält es mit Blick auf die vielfältigen Unsicherheiten für sinnvoll, die Liquidität und das Kapitalpolster weiter zu stärken, um für alle Fälle gerüstet zu sein.
In diesem Zusammenhang kam Herr Bokelmann auf einen weiteren Punkt der Tagesordnung zu sprechen. Unter TOP 7 soll vorsorglich eine Erlaubniserweiterung um die Verwahrung und Verwaltung von Finanzinstrumenten für andere sowie die Finanzportfolioverwaltung beschlossen werden. Damit soll die Möglichkeit geschaffen werden, das Dienstleistungsspektrum noch einmal zu erweitern, wenn es die Chance gibt, damit gute Erträge zu erwirtschaften. Der Vorstand hat in letzter Zeit auch ein erhöhtes Kundeninteresse nach Produkten wahrgenommen, die diese Erlaubnisse voraussetzen. Geprüft werden derzeit zudem die Chancen für Dienstleistungen rund um das Thema Altersvorsorge.
Nach einem Blick auf die sehr erfreuliche Entwicklung der Aktie, deren Kurs sich im Jahresverlauf 2025 mehr als verdoppelt hat, kam Herr Bokelmann auf die ebenso erfreulichen Zahlen des ersten Halbjahres 2026 zu sprechen. Die starken Schwankungen an den Finanzmärkten konnten in diesem Zeitraum erneut in ein hervorragendes Ergebnis umgewandelt werden.
Das Handelsergebnis legte ausgehend von dem bereits hohen Vorjahreswert auf 26,2 (21,1) Mio. Euro weiter zu, ebenso das Provisionsergebnis auf 3,9 (2,6) Mio. Euro. Der Personalaufwand ging parallel auf 7,9 (6,1) Mio. Euro nach oben und die anderen Verwaltungsaufwendungen erhöhten sich auf 11,8 (10,1) Mio. Euro. In der Folge verbesserte sich das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit noch einmal deutlich auf 10,5 (7,6) Mio. Euro. Der Jahresüberschuss erhöhte sich, da keine Zuführungen zum Fonds für allgemeine Bankrisiken mehr vorgenommen werden mussten, sogar auf 7,4 (5,3) Mio. Euro.
Für den weiteren Jahresverlauf zeigte sich Herr Bokelmann grundsätzlich ebenfalls zuversichtlich. Allerdings gibt es in den nächsten Monaten eine Reihe von Unwägbarkeiten wie den weiteren Verlauf der Kriege im Iran und der Ukraine, die Zwischenwahlen in den USA und die Landtagswahlen in Deutschland, deren Auswirkungen sich überhaupt nicht einschätzen lassen. Wie auch immer die Entwicklung sein wird, die langfristige und strategische Ausrichtung von mwb fairtrade wird sich nach Überzeugung des Vorstands auszahlen.
Allgemeine Aussprache
In der folgenden Aussprache meldeten sich Domenik Wurmseher von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und Sören Merkel als Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zu Wort. Beide gratulierten zu der sehr erfolgreichen Entwicklung im Geschäftsjahr 2025, die sich im laufenden Jahr fortsetzt und mit der die Aktionäre sehr zufrieden sein können. Ebenso begrüßten sie die vorgeschlagene deutliche Dividendenerhöhung.
In diesem Zusammenhang erkundigte sich Herr Merkel nach der weiteren Dividendenpolitik, wenn sich die positive Entwicklung des ersten Halbjahres auch in der zweiten Jahreshälfte 2026 fortsetzt. Seiner Einschätzung nach hat die Eigenkapitalquote mit über 40 Prozent inzwischen ein ansehnliches Niveau erreicht, zudem ist der Fonds für allgemeine Bankrisiken voll dotiert. Ihn interessierte, ob es vor diesem Hintergrund Überlegungen gibt, die Ausschüttungsquote zu erhöhen.
In seiner Antwort verwies Herr Bokelmann auf den Beschlussvorschlag, wonach der nach der Dividendenzahlung verbleibende Bilanzgewinn komplett in die anderen Gewinnrücklagen eingestellt werden soll. Dies geschieht auch auf „sanften Druck“ der Aufsichtsbehörden, die es als den richtigen Weg ansehen, das Kapital weiter aufzustocken. „Wir sind bestrebt, auch künftig gute Dividenden zu zahlen“, versicherte der Vorstand. Das Thema Kapitalaufstockung darf aber mit Blick auf die vielfältigen Herausforderungen nicht aus dem Blick verloren werden. Es gilt deshalb, mit Augenmaß vorzugehen.
Herr Wurmseher hatte der Bilanz entnommen, dass mehr als 10 Mio. Euro der Liquidität als Guthaben bei der Deutschen Bundesbank geparkt sind. Ihm schien dies mit Blick auf die magere Verzinsung wenig sinnvoll zu sein. Hierbei handelt es sich, wie Herr Bokelmann klarstellte, um eine Stichtagsbetrachtung. Ein Grund ist das gute Ergebnis des vergangenen Jahres, womit die Aufteilung der Gelder teilweise neu strukturiert werden musste, um die Großkreditgrenzen nicht zu überschreiten. Grundsätzlich werden die Mittel auf drei Banken verteilt. Neben der Deutschen Bundesbank sind dies die HypoVereinsbank sowie flatexDEGIRO als Abwicklungsbank
Ebenso hinterfragte der SdK-Vertreter den Grund für den zum Bilanzstichtag auf 24,6 (5,8) Mio. Euro mehr als vervierfachten Handelsbestand. Dies ist nach Aussage von Herrn Bokelmann zum einem dem Mehrgeschäft geschuldet. Enthalten sind zudem eine Anleihe, die aus abwicklungstechnischen Gründen über den Jahreswechsel gehalten werden musste, sowie eine Länderanleihe, die als Sicherheit hinterlegt ist, aus Gründen der Praktikabilität aber trotzdem im Handelsbestand belassen wurde. Letztlich handelt es sich um eine Stichtagsbetrachtung.
Dem Vorstandsbericht hatte Herr Wurmseher entnommen, dass der starke Anstieg des Personalaufwands vor allem aus dem höheren ergebnisabhängigen Ergebnisanteil resultiert. Befragt nach der Aufteilung auf fixe und variable Bestandteile informierte Herr Bokelmann, dass sich die Zusammensetzung ständig verändert. In einem so erfolgreichen Jahr wie 2025 halten sich Fixgehälter und Boni in Summe in etwa die Waage. Allerdings hängt der Einzelfall immer auch von den Verträgen mit den Mitarbeitern ab.
Ferner stellte sich der SdK-Vertreter die Frage, wie es nach der Kündigung der Zusammenarbeit mit der mwb research AG mit der Beteiligung von 25 Prozent an diesem Unternehmen weitergeht. In seiner Antwort versicherte Herr Bokelmann erneut, dass die Zusammenarbeit an sich nicht schlecht war und der Bekanntheitsgrad gewachsen ist. Die von mwb fairtrade gewünschte Neuaufstellung des Unternehmens, um mehr Zugriff zu erhalten, ließ sich aber nicht realisieren, weshalb der Vertrag zum Jahresende gekündigt wurde. Die Modalitäten der Abwicklung müssen noch geklärt werden. Die Beteiligung wird voraussichtlich an die Kollegen verkauft, was finanziell keine größeren Auswirkungen haben wird. Aktuell werden wie ausgeführt interne Kapazitäten aufgebaut.
Herr Merkel bat um weitere Ausführungen zum Einsatz der künstlichen Intelligenz in der Branche. Er erinnerte sich an die Aussage des Vorstands im vergangenen Jahr, dass KI Einzug in die Handelssysteme hält und ein großes Thema werden wird. Ihn interessierte, was sich seither getan hat und wie bisherigen Erfahrungen mit der neuen Technologie waren. Gewisse Bedenken hatte der Vertreter der DSW, ob man der KI in einem so sensiblen Bereich wirklich vertrauen kann.
Wie Herr Bokelmann aufzeigte, wurden bei mwb fairtrade bisher keine allzu großen Beträge in KI-Lösungen investiert. Es konnten bereits Erfahrungen mit kleineren Tools gesammelt werden, die handelsunterstützend eingesetzt werden. Es gibt aber keine Roboter, die selbständig handeln. Sie geben allenfalls Empfehlungen ab, die Entscheidung trifft der Mensch. Indem die KI Standardvorgänge übernimmt, haben die Mitarbeiter mehr Zeit für wichtige Themen wie Risikobewertung.
Grundsätzlich können KI-Systeme einen großen Nutzen haben. Als Beispiel nannte Herr Bokelmann einen KI-Agenten, der die Plattform Truth Social ausliest und bewertet, welche Meldungen potenziell Auswirkungen auf die Märkte haben könnten. Die technische Infrastruktur wird weiterhin Stück für Stück erneuert werden. Bevor neue Systeme live gehen, müssen sie aber ohnehin zertifiziert werden. Viel billiger wird es am Ende nicht unbedingt werden, aber individueller und es kann auch schneller auf regulatorische Änderungen reagiert werden.
Beide Redner baten um ergänzende Informationen zum Hintergrund der Beschlussvorschläge unter TOP 7 mit der Erlaubniserweiterung um die Verwahrung und Verwaltung von Finanzinstrumenten für andere sowie der Finanzportfolioverwaltung. Herr Wurmseher interessierte sich für eine Abschätzung des Potenzials und der Risiken, die sich aus dieser Ausweitung der Geschäftstätigkeit ergeben. Herr Merkel vermutete einen Zusammenhang des Beschlussvorschlags mit dem Start des Altersvorsorgedepots zum 1. Januar 2027.
In seiner Antwort bestätigte Herr Bokelmann den Zusammenhang mit dem Altersvorsorgedepot. Um in dieser Richtung aktiv werden zu können, werden diese Erlaubnisse benötigt. Wann es wirklich losgeht, wird sich zeigen. Vorab gibt es noch viele Punkte zu klären. Das Ziel ist es aber, im ersten Halbjahr 2027 zu starten, nachdem der Markt in diesem Bereich in den nächsten Jahren verteilt werden dürfte. Es ist, wie der Vorstand noch einmal hervorhob, essenziell, in die Weiterentwicklung des Unternehmens zu investieren, um es für die Zukunft abzusichern.
Abstimmungen
Herr Mühlbauer verkündete die Präsenz mit 5.208.628 Aktien. Bezogen auf das gesamte Grundkapital in Höhe von 7.473.700 Euro, eingeteilt in ebenso viele Aktien, entsprach dies einer Quote von 69,69 Prozent. Aktuell hält die Gesellschaft 24.206 Aktien im eigenen Bestand, aus denen ihr kein Stimmrecht zusteht.
Alle Beschlüsse wurden bei maximal 5.000 Gegenstimmen mit Zustimmungsquoten über 99,9 Prozent gefasst.
Im Einzelnen waren dies die Zahlung einer Dividende von 0,80 Euro (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Bestellung der Dohm Schmidt Janka Revision und Treuhand AG zum Abschlussprüfer (TOP 5), die Erhöhung der Aufsichtsratsvergütung auf 25 Tsd. Euro (TOP 6) sowie die Erweiterung des Unternehmensgegenstands um die Verwahrung und Verwaltung von Finanzinstrumenten für andere sowie die Finanzportfolioverwaltung (TOP 7).
Nach etwa zwei Stunden war die Versammlung beendet.
Fazit
Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem hervorragenden Ergebnis abgeschlossen. Die Gesellschaft profitierte von der positiven Entwicklung der Finanzmärkte, was zusammen mit weiter steigenden Handelsumsätzen und einer anhaltend hohen Volatilität quasi ein ideales Szenario darstellt. Zusätzlich zahlte sich aus, dass das Unternehmen über die Jahre kontinuierlich in die Modernisierung der IT-Infrastruktur investiert hat.
Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit konnte auf 16,9 (7,0) Mio. Euro mehr als verdoppelt werden, was ein Ergebnis je Aktie von 2,26 (0,94) Euro bedeutet. Bewusst wird diese Ergebnisgröße als Basis für die Berechnung herangezogen, da sie, unbeeinflusst beispielsweise von der Dotierung des Fonds für allgemeine Bankrisiken, die operative Ertragskraft am besten abbildet. Auch der Jahresüberschuss konnte allerdings auf 12,0 (3,5) Mio. Euro massiv gesteigert werden. Die Aktionäre werden mit einer deutlich höheren Dividende von 0,80 (0,30) Euro am Erfolg beteiligt.
Das laufende Jahr ist sogar noch besser angelaufen. In der ersten Jahreshälfte legte das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit noch einmal kräftig auf 10,5 (7,6) Mio. Euro zu. Zu Recht warnt der Vorstand immer davor, eine solche Entwicklung auf das Gesamtjahr hochzurechnen. Aus heutiger Sicht sieht es aber so aus, als könnte der Gewinn noch weiter gesteigert werden, womit im kommenden Jahr erneut eine Dividendenerhöhung winken würde. Vor diesem Hintergrund ist die Aktie selbst beim aktuellen Kurs von 11,50 Euro weiterhin ein attraktives Investment, zumal dank der soliden Ergebnisentwicklung das Eigenkapital immer weiter ansteigt und die Einführung der kapitalgedeckten Aktienrente zusätzlichen Schub für das Geschäft verspricht.
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Hinweis: Der Verfasser ist Aktionär der beschriebenen Gesellschaft.