Zur ordentlichen Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2025 hatte die ConValue SE ihre Aktionäre für den 16. Juli 2026 in das Haus der Wirtschaft in Hamburg eingeladen. Die Einladung im Bundesanzeiger nannte 10 Uhr als Beginn, während die versandten Eintrittskarten – wegen eines Übertragungsfehlers – 11 Uhr auswiesen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Winfried Gathmann entschied sich, die Hauptversammlung formal erst um 11 Uhr zu eröffnen, gestattete dem Vorstand Dr. Olaf Hein jedoch, den nicht beschlussrelevanten Teil seines Berichts bereits ab etwa 10:25 Uhr für früh erschienene Aktionäre zu beginnen.
Herr Gathmann begrüßte rund 20 Aktionäre und Gäste, darunter Alexander Langhorst von GSC Research, und informierte darüber, dass als Stimmrechtsvertreter der Gesellschaft Joachim Lorenzen von der UBJ. GmbH bestellt war. Nach Erledigung dieser Formalien erteilte Herr Gathmann dem Vorstand das Wort.
Bericht des Vorstands
Dr. Hein eröffnete seinen Bericht mit einer kleinen Anekdote zu einem verlosten Weinpräsent aus einem nicht realisierten Beteiligungsprojekt und nutzte dies als Aufhänger für eine Betrachtung zur Vermögensbildung von Elon Musk. Das geschätzte Vermögen von Musk mit rund 1 Billion Euro (nach rund 750 Milliarden Euro im Oktober des Vorjahres) veranschaulichte er anhand des Buches „Eine Billion Dollar“ von Andreas Eschbach sowie der Überlegung, dass sich mit 1 Billion Dollar rund 2.740 Jahre lang täglich 1 Million Dollar ausgeben ließen.
Dr. Hein führte aus, dass Musk mehrfach, unter anderem bei SpaceX und Tesla, nahe an die Insolvenz geraten ist und damit eine untypisch hohe Bereitschaft zeigt, persönliches Scheitern in Kauf zu nehmen, um auch unwahrscheinliche Erfolgschancen zu verfolgen. Das „Erfolgsmodell“ von Elon Musk beruht auch auf einer außergewöhnlichen Risikotoleranz, die ein durchschnittlicher Investor nicht aufbringen wird.
Anschließend ordnete Dr. Hein das gesamtwirtschaftliche und geopolitische Umfeld ein. DAX, MDAX und TecDAX bewegten sich über die vergangenen zwölf Monate (seit der letzten Hauptversammlung von ConValue) zwischen etwa 0 und minus 5 Prozent, während der Euro STOXX 50 um rund 15 Prozent zulegte. In den USA verzeichneten der Nasdaq ein Plus von rund 29 Prozent, der Dow Jones von rund 18 Prozent und der S&P 500 von rund 20 Prozent, was sich auch im MSCI World widerspiegelte. Der seit rund fünf Monaten andauernde Iran-Konflikt wirkte über den Ölpreis auf die Zinskurve und trug zu einem allgemeinen Bild multipler Krisen bei.
Das Portfolio der ConValue SE ist breit international und europäisch diversifiziert. Dr. Hein äußerte die Sorge, dass Künstliche Intelligenz die Geschäftsmodelle zahlreicher Unternehmen belasten wird, etwa von Softwareanbietern, Informationsdienstleistern und Sprachprogrammen. Als Konsequenz daraus ist das ConValue-Portfolio weitgehen „KI-neutral“ ausgerichtet – wobei die weitere Entwicklung genau beobachtet wird.
Im Einzelnen berichtete er über folgende Positionen:
Bei Sentia ASA, einem nordischen Baukonzern, erzielte die Gesellschaft seit dem Börsengang einen Kursgewinn von rund 70 Prozent. Ein kleiner französischer Energieerzeuger (FDE SA) im Elsass, der Methan aus stillgelegten Kohlebergwerken gewinnt, zählt ebenfalls zum Portfolio. Bei ACACIA Research, einer mehrheitlich US-amerikanischen Private-Equity-Beteiligung mit hohem Cash-Bestand, läuft derzeit eine Neuausrichtung. YouGov Plc., die größte europäische Plattform für Umfrage- und Wahlforschung, die GfK übernommen hat, notiert nach einem Rückgang vom Zwölf-Monats-Hoch aktuell deutlich darunter und ein möglicher Verkauf einer Tochtergesellschaft steht im Raum.
Bei den Versicherungswerten Markel Group, MLP SE und Allianz sieht der Vorstand gut geführte, günstig bewertete Unternehmen mit hoher Dividendenrendite. Auch wenn das Geschäft (insbesondere der Vertrieb) potenziell von KI angegriffen werden sollte, kann Künstliche Intelligenz den Kapitalstock der Versicherer nicht ersetzen. Mit der Jungfraubahn AG, welche die Touristen in Grindelwald auf die Jungfrau befördert, hält die Gesellschaft bewusst noch eine antizyklische Position; hier konnte man bereits schöne Teilgewinnrealisierungen mit Kursgewinnen nahe 100 Prozent vornehmen.
Bei der brasilianischen Digitalbank NU Holding verwies der Vorstand auf bereits über 130 Millionen Kunden und einen Marktwert von rund 70 Mrd. Euro, in einer mit der Deutschen Bank vergleichbaren Größenordnung. Das Unternehmen wurde jedoch erst vor 14 Jahren gegründet, die Deutsche Bank hingegen im Jahre 1870.
Im Zementsektor hält die Gesellschaft Aktien von Heidelberg Materials mit Hinweis auf das langfristig bestehende Zement-Oligopol, gestützt auf hohe Transportkosten als Markteintrittsbarriere. Der deutsche Zementverbrauch liegt aktuell rund 30 Prozent unter dem Niveau von 2020, Frankreich ist ähnlich betroffen. Hier sollte Upside-Potenzial bestehen. Als weitere Value-Position nannte Dr. Hein die Schweizer Baustoffbeteiligung Holcim AG. Diese legte seit 2021 um rund 170 Prozent zu und zwischenzeitlich wurden noch die amerikanischen Aktivitäten unter dem Namen Amrize abgespalten. Der ConValue-Chef zeigte sich überzeugt davon, dass Zement auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen und daher gefragt sein wird. Dies sollte sich perspektivisch hier auch in der Kursentwicklung widerspiegeln.
Nicht glücklich zeigte er sich mit der aktuell gehaltenen Position in LEG AG. Die Aktien der Wohnungsbaugesellschaft mit rund 170.000 Wohnungen kaufte ConValue erstmalig 2023 bei rund 56 Euro und verkaufte sie mit bedeutendem Gewinn ca. 12 Monate später bei rund 85 Euro. Ende Februar dieses Jahres – leider kurz vor der Iran-Krise – wurde erneut bei rund 61 Euro eine größere LEG-Position erworben. Der Aktienkurs korreliert stark mit der Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe, deren Anstieg von rund 2,80 auf 3,19 Prozent mittelbar über den Ölpreisanstieg der letzten Monate ausgelöst wurde und den Aktienkurs um rund 12 Prozent drückte. Die LEG schüttet eine Dividende von knapp 3 Euro aus und ist aus Sicht von Dr. Hein weiterhin deutlich unterbewertet. Dabei erlaubte er sich die Bemerkung, dass ein gutes Unternehmen nicht automatisch eine gute Aktie ist.
Ausführlich schilderte der Vorstand die Entwicklung der Schweizer Centiel AG, an der auch der designierte Aufsichtsratskandidat Thorsten Grimm beteiligt war. ConValue erwarb bereits vor zwei Jahren Anteile an einer notleidenden Anleihe des früheren Molkereiunternehmens Hochdorf zu rund 10 Rappen pro Schweizer Franken Nominalwert und investierte dafür (nur) rund 100 Tsd. Euro für einen Nominalbetrag von rund 1 Mio. Schweizer Franken. Aus der Restrukturierung im Zuge eines Debt-to-Equity-Swaps entstand die HT5 AG als reine Mantelgesellschaft ohne operatives Geschäft. Für diese wurde mit der im Tessin ansässigen Technologiefirma Centiel ein Käufer gefunden, welcher die HT5 für einen Reverse IPO genutzt hat. Die Centiel AG bietet unterbrechungsfreie Stromversorgung für Hyperscaler an und erzielte 2025 rund 45 Mio. Euro Umsatz. Der Börsengang über die HT5-Hülle an der Schweizer Börse erfolgte zu 3,20 Euro, was das Unternehmen mit 261 Mio. Euro bewertete. Der Kurs stieg anschließend bis auf erstaunliche 8 Euro, die ConValue leider nicht realisierte, aber beim Ausstieg zu Kursen um 5 Euro im Mai 2026 einen Gewinn von rund 420 Tsd. Euro erzielte.
Zur Auswahl externer Fondsmanager berichtete Dr. Hein, dass er seit 2013 Mitglied der von Guy Spier gegründeten Investorengruppe ValueX (www.valueX.ch ) ist. Im Fondsportfolio der ConValue sind rund 9 Mio. Euro an Volumen investiert, ein wesentlicher Anteil der Fondsmanager rekrutiert sich aus dem ValueX-Netzwerk. Als Auswahlkriterien für externe Manager nannte er u.a.
- selbstständiges Denken
- eine starke Erfolgsbilanz
- sehr gute schriftliche Selbstreflektion
- einen langen Anlagehorizont
- persönliches Investment der Manager im eigenen Fonds und
- Unabhängigkeit von kurzfristiger Popularität der eigenen Person
Namentlich nannte er die New Yorker Investmentgesellschaft Robotti & Co., einen Fonds der Bireme Capital aus Philadelphia sowie den Spezialfonds Clearway Capital Partners Fund, der von Gianluca Ferrari verwaltet wird, und u.a. auch die französiche FDE investiert ist. Bei der FDE konnte bereits neun Monate nach dem Investment eine Sonderdividende von 15 Prozent vereinnahmt werden.
Der Net-Asset-Value (NAV) der ConValue-Aktie entwickelte sich von 1,075 Euro per Ende 2021 über 0,81 Euro per Ende 2022, nachdem ein Verlust von 4,4 Mio. Euro vornehmlich aus den Engagements bei der Corestate SE, Havila Kystruten AS, Bauer AG, und Porsche Holding AG entstanden war. Über 0,816 Euro per Ende 2023 stieg der NAV auf 0,87 Euro per Ende 2024. Zum Zeitpunkt der letzten Hauptversammlung im Juli 2025 lag der NAV bei 0,90 Euro und per Ende 2025 bei 0,93 Euro. Ein erstes Ziel bei der weiteren Entwicklung des inneren Wertes ist ein NAV von 1,05 Euro, wo Dr. Hein das Portfolio bereits auf gutem Wege hin sieht, wobei in weiterer Zukunft der zweite Zielwert von 1,20 Euro angestrebt wird.
Anschließend übergab Dr. Hein an Vorstandsmitglied Volker Lemke, der die Zahlen des Geschäftsjahres 2025 vorstellte. Auf der Aktivseite standen Wertpapiere und Finanzanlagen von 11,8 Mio. Euro, Forderungen in Form von Steuerforderungen von 54 Tsd. Euro und liquide Mittel von 2,5 Mio. Euro. Die Bilanzsumme belief sich auf 14,3 Mio. Euro. Auf der Passivseite wies die Gesellschaft ein Eigenkapital von 13,8 Mio. Euro, Rückstellungen von 65 Tsd. Euro und Verbindlichkeiten von 446 Tsd. Euro gegenüber der 100-prozentigen Tochtergesellschaft White Cloud AG aus, die mit einem Grundkapital von 1 Mio. Euro ausgestattet ist. Die Eigenkapitalquote lag bei 96,45 Prozent.
In der Gewinn- und Verlustrechnung erzielte die Gesellschaft ein Ergebnis aus dem Wertpapierhandel von 296 Tsd. Euro und Dividendenerträge von 123 Tsd. Euro. Abschreibungen von 46 Tsd. Euro standen Zuschreibungen von 67 Tsd. Euro gegenüber, was einem Saldo von plus 21 Tsd. Euro entspricht. Die stillen Reserven wuchsen von 1,02 auf 1,78 Mio. Euro, ein Zuwachs von 763 Tsd. Euro. Die Verwaltungskosten betrugen 212 Tsd. Euro, davon 51 Tsd. Euro Prüfungskosten, 75 Tsd. Euro Gehälter, 24 Tsd. Euro Depotgebühren, 23 Tsd. Euro Aufsichtsratsvergütung und 15 Tsd. Euro Hauptversammlungskosten. Der Vermögenszuwachs des Geschäftsjahres 2025 belief sich insgesamt auf 991 Tsd. Euro.
Zum Bilanzstichtag lag der Net Asset Value bei 93 Cent je Aktie, während die Aktie aktuell nahe der 1-Euro-Marke notiert. Bei 16,7 Millionen ausstehenden Aktien entspricht ein Cent NAV-Veränderung 167.000 Euro. Als Leitmotiv nannte Dr. Hein den Satz „All I want is my money back“ und äußerte einen vorsichtig optimistischen Ausblick auf die kommenden Monate.
Bericht des Aufsichtsrats
Zu den anstehenden Neuwahlen des Aufsichtsrats berichtete der Versammlungsleiter, dass das bisherige Aufsichtsratsmitglied Christian Rehling nach fünf Jahren im Aufsichtsrat aus dem Gremium ausscheiden wird. Aufgrund einer Verhinderung konnte Herr Rehling nicht persönlich an der Hauptversammlung teilnehmen und übersandte ein Abschiedsschreiben aus Mauritius, das verlesen wurde. Darin dankte er für die Zusammenarbeit, kündigte an, der Gesellschaft als größerer Minderheitsaktionär verbunden zu bleiben, und wünschte seinem Nachfolger Thorsten Grimm viel Erfolg.
Als Nachfolger wurde Thorsten Grimm zur Wahl vorgeschlagen. Herr Grimm ist 50 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 18 und 15 Jahren. Er wuchs in Stuttgart auf und studierte Betriebswirtschaftslehre in Würzburg. Seine erste Aktie erwarb er 1997 im Rahmen der Zuteilung beim Börsengang von BERU. Seine Diplomarbeit verfasste er bei Prof. Dr. Edgar Wenger zum Thema Börsenmäntel als Alternative zu Neuemissionen. Beruflich war Herr Grimm im Vorstand einer Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft tätig und bis August 2025 drei Jahre lang Vorstandsmitglied der Kölner Allerthal-Werke AG. Die weiteren Mitglieder des Aufsichtsrats, Winfried Gathmann, Karl Ehlerding und Dr. Georg Issels, kandidierten erneut für das Kontrollgremium.
Allgemeine Aussprache
Als erster Redner meldete sich Wolfgang Aleff zu Wort als Vertreter für die Gesellschaft für Wertpapierinteressen (GfW), einer Vereinigung, die seit 1952 die Interessen von Aktionären wahrnimmt. Er lobte zunächst die konservative Anlagepolitik der Gesellschaft und verwies darauf, dass sie 2022 aus ethischen Gründen bewusst auf ein Engagement bei Rheinmetall oder anderen Rüstungsaktien verzichtete, obwohl sich damals ein offensichtliches Gewinnpotenzial bot. Die Eigenkapitalquote von 96,45 Prozent bezeichnete er als solide, kritisierte jedoch den anhaltenden NAV-Discount.
Herr Aleff fragte, welche Wertpapiere abgeschrieben bzw. zugeschrieben wurden und in welcher Höhe. Der Vorstand antwortete, dass u.a. eine Abschreibung auf die Beteiligung an der Steico SE vorgenommen wurde, dem bekannten deutschen Hersteller von Holzfaser-Dämmstoffen Die englische Kingspan Group hatte Anfang 2024 rund 51 Prozent der Steico-Aktien für 35 Euro je Aktie erworben und später ein weiteres Aktienpaket von 15 Prozent für 42 Euro pro Aktie vom ehemaligen Großaktionär gekauft. Eine mögliche Komplettübernahme lässt aber bis heute auf sich warten.
Ferner interessierte sich Herr Aleff für den Return on Investments (ROI) des Geschäftsjahres, aufgeschlüsselt nach Umlaufvermögen, Anlagevermögen und in der Gesamtsumme. Der Vorstand erklärte, dass für ein derart breit diversifiziertes Portfolio keine feste Zielrendite berechnet wird, da eine solche Kennziffer nur nachträglich aussagekräftig ist. Das NAV-Wachstum entspricht nach Kosten einer Rendite von rund 8 bis 9 Prozent und bewegt sich auch im Rahmen der durchschnittlich angestrebten Renditeziele.
Der Aktionärsvertreter thematisierte ferner, ob eine Cash-Quote von 20 bis 25 Prozent angemessen ist, wie die Gesellschaft der Geldentwertung durch Inflation begegnet und ob die Eigenkapitalquote weiterhin oberhalb von 90 Prozent gehalten wird. Der Vorstand antwortete, dass die Cash-Quote derzeit bei rund 15 Prozent liegt und in Richtung 10 bis 12 Prozent zurückgeführt werden soll. Eine solche Reserve ist nach Einschätzung von Dr. Hein eine durchaus sinnvolle Zielgröße, um bei sich bietenden Gelegenheiten am Markt handlungsfähig zu sein. Er betonte, dass die Gesellschaft die Cash-Position als feste Reserve und nicht als Instrument zum Timing des Marktes behandelt.
Der GfW-Sprecher fragte des Weiteren, wo genau sich die stillen Reserven der Gesellschaft befinden. Der Vorstand verwies auf die im Jahresabschluss ausgewiesene Entwicklung der stillen Reserven, ohne eine Aufschlüsselung nach einzelnen Wertpapieren vorzunehmen. Angesprochen auf mögliche Auswirkungen von Währungsdifferenzen zwischen US-Dollar und Euro auf das Ergebnis stimmte Dr. Hein der Einschätzung zu, dass diese einen Effekt auf das Ergebnis haben. Es ist jedoch nur einer von mehreren Ergebnisfaktoren des Geschäftsjahres und er benannte keinen konkreten Einzelbetrag. Rund 20 Prozent des Aktienanteils dürften auf US-Dollar entfallen.
Aktionärsvertreter Aleff fragte, welche Investitionskriterien bei der Auswahl einzelner Aktien angewendet werden und welche Rolle Handelsvolumen und Liquidität bei exotischen Nebenwerten spielen. Der Vorstand antwortete, dass die Auswahl auf einem persönlichen Netzwerk und individueller Einschätzung beruht und nicht auf einem formalen quantitativen Screening. Als Beispiel nannte er den HP&P Europe Equity Fonds, einen systematisch-quantitativen Fonds, der auf einem seit 15 Jahren betriebenen Computermodell basiert und aus ca. 1.100 liquiden Aktien in Europa 50 Werte gemäß einer Multi-Faktor-Strategie bestehend aus Ratings, Qualität, Risiko, Momentum und Aktienrückkäufen filtert. Für institutionelle Fondstranchen ist in der Regel eine Mindestinvestition von rund 1 Mio. Euro erforderlich, wobei die Gebühr rund die Hälfte der sogenannten Retail-Tranche beträgt. Durch persönliche Kontakte kann ConValue den Mindest-Anlagebetrag meist auf 0,5 Mio. reduzieren.
Im Anschluss an die Einzelfragen ging der Vorstand auf die vom GfW-Sprecher kritisierte Diskrepanz zwischen Aktienkurs und NAV ein. Der Vorstand räumte ein, dass dieser Discount angesichts der fundamentalen Lage der Gesellschaft nicht gerechtfertigt ist, sich aber strukturell bei vielen Beteiligungsgesellschaften als beständig erweist. Ursächlich hierfür sind auch latente Steuerlasten auf unrealisierte stille Reserven, die einer Liquidation zum vollen NAV entgegenstehen. Für die ConValue SE gilt dies bis zum Erreichen eines NAV von 1,05 Euro allerdings ausdrücklich nicht. Als Zeichen seiner eigenen Überzeugung verwies Dr. Hein auf seine umfangreichen Zukäufe von Aktien unterhalb des NAV.
Zum Abschluss seiner Ausführungen griff Herr Aleff das auf der letzten Hauptversammlung diskutierte Potenzial von Edelmetallen wieder auf und verwies auf die inzwischen eingetretene starke Kursrallye und den anschließenden deutlichen Rückgang bei Edelmetallen. Dr. Hein räumte hierzu eine nur begrenzte eigene Expertise bei Edelmetallen ein. Die Gesellschaft erwarb im Oktober 2025 einen Edelmetall-ETF des Anbieters VanEck zu einem Kurs von rund 50 Euro. Der Kurs gab zunächst auf rund 45 Euro nach, bevor er bis in den Januar 2026 auf rund 65 Euro anstieg. Die Gesellschaft veräußerte die Position und realisierte daraus einen Gewinn von rund 180 Tsd. Euro, den Dr. Hein ausdrücklich als glückliche Fügung bezeichnete und nicht zur Nachahmung empfahl.
Als zweiter Redner meldete sich Aktionär Schedler zu Wort und fragte Vorstandsmitglied Lemke, ob die Gesellschaft einen günstigeren Abschlussprüfer geprüft hat, der nicht unmittelbar am gleichen Ort wie die Gesellschaft ansässig ist. Als Alternative zum amtierenden Prüfer RSM Ebner Stolz aus Hamburg, dessen Kosten sich auf 51 Tsd. Euro belaufen, schlug er die in Bremen ansässige WP-Gesellschaft Gräwe & Partner vor. Herr Lemke antwortete, dass sich RSM Ebner Stolz bewährt hat und die Zusammenarbeit effizient verläuft. Die Kanzlei ist zu einer größeren Prüfungsgesellschaft herangewachsen, die sich in ihren regulatorischen Anforderungen an die Größenordnung der großen Prüfungsgesellschaften annähert. Einen Anlass für einen Wechsel sah der Vorstand derzeit nicht, wird aber einmal den Markt sondieren.
Abstimmungen
Nach dem Ende der allgemeinen Aussprache um 12:12 Uhr wurde die Präsenz mit 11.082.766 Aktien festgestellt, was einer Präsenz von 66,17 Prozent entspricht. Sämtliche Beschlussvorschläge der Verwaltung fanden eine breite Mehrheit.
Im Einzelnen beschlossen wurde die Entlastung von Vorstand (TOP 2) und Aufsichtsrat (TOP 3), die Wahl der RSM Ebner Stolz GmbH & Co. KG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft, Hamburg, zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2026 (TOP 4). Unter TOP 5 wählten die Aktionäre Winfried Gathmann (TOP 5a), Karl Ehlering (TOP 5b) und Dr. Georg Issels (TOP 5c) erneut in den Aufsichtsrat. Unter TOP 5d wurde Thorsten Grimm als Nachfolger von Christian Rehling neu in den Aufsichtsrat gewählt. Der Versammlungsleiter konnte die Hauptversammlung um 12:25 Uhr schließen.
Fazit
Die ConValue SE bleibt eine kleine, breit diversifizierte Beteiligungsgesellschaft mit einer soliden Eigenkapitalquote von faktisch 100 Prozent, einem positiven Ergebnis sowie einem Vermögenszuwachs von rund 991 Tsd. Euro im Berichtsjahr 2025. Die Diversifikation erfolgt sowohl über spezialisierte Fonds als auch über sorgfältig ausgewählte Einzelbeteiligungen. Insbesondere das erfolgreiche Investment bei der HT5 AG mit dem Reverse IPO der Centiel und einem realisierten Kursgewinn von rund 420 Tsd. Euro im laufenden Jahr zeigt, dass derartige Direktinvestments durchaus Chancen auf der Ertragsseite bieten, wenngleich bei anderen Positionen wie einer Steico oder LEG weiterhin Geduld gefragt ist.
Dank der breiten Streuung des Portfolios taugt die ConValue-Aktie nicht als „heiße Spekulation“. Wer dagegen eine kleine solide Depotbeimischung mit Wachstumspotenzial sucht, kann hier fündig werden. In einer mittelfristigen Perspektive ist auch eine Annäherung des Aktienkurses an den NAV vorstellbar, sofern es gelingt, mit anhaltend überdurchschnittlichen Ergebnissen den Anlegern einen stabilen Track-Rekord zu liefern. Bei etwaigen Dispositionen sollte mit Blick auf die Handelsliquidität der Aktie mit Limiten im Markt agiert werden.
Kontaktadresse
ConValue SE
Brook 1
D-20457 Hamburg
Tel.: +49 (0)40 / 30 03 23-50
Internet: www.convalue.se
E-Mail: [email protected]
Hinweis: Der Verfasser ist Aktionär der beschriebenen Gesellschaft.