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HV-Bericht SCI AG - Erfreuliche Nachrichten zum 25jährigen Firmenjubiläum – Squeeze-out beim Kerninvestment LS Invest angekündigt

Die Hauptversammlung der SCI AG fand am 19. Juni 2026 wie gewohnt im Clubhaus der Sportanlage TuS Merzhausen in einem Ortsteil von Usingen statt. Dort hatten sich trotz der hohen Außentemperaturen etwa 30 Aktionäre und Gäste eingefunden, darunter Matthias Wahler für GSC Research, um sich über die in erster Linie auf Sondersituationen spezialisierte Beteiligungsgesellschaft zu informieren.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Wilhelm Nachtigall eröffnete die Versammlung pünktlich um 17 Uhr und teilte mit, dass der Vorstand mit Oliver Wiederhold komplett anwesend ist. Vom Aufsichtsrat fehlte aufgrund von massiven Problemen bei der Deutschen Bahn zu Beginn noch Christian Wolff. Er stieß später dazu. Ein Notar war nicht anwesend. Die Niederschrift erstellte der Versammlungsleiter.

Nach Abhandlung der Formalien und einigen Angaben zur Tätigkeit des Aufsichtsrats kam Herr Nachtigall auf die Vorstandsvergütung zu sprechen, die sich aus einer monatlichen Fixkomponente und einem performanceabhängigen Teil zusammensetzt. Für das Geschäftsjahr 2025 hat Alleinvorstand Oliver Wiederhold nur die fixe Vergütung erhalten.

Nach diesen Ausführungen übergab der Vorsitzende das Wort an den Vorstand.


Bericht des Vorstands

Herr Wiederhold begann mit einem Blick auf das Börsenumfeld, das sich 2025 erfolgreich gestaltete. Der DAX legte um 23 Prozent zu und der MDAX um knapp 20 Prozent. Der für die baltischen Länder relevante OMX Baltic All Share, in denen die SCI relativ stark investiert ist, verzeichnete ebenfalls ein Plus von 20 Prozent. Insgesamt hellte sich die Stimmung bei den Nebenwerten etwas auf, was gut ist für die SCI, die schwerpunktmäßig im Nebenwertebereich aktiv ist.

Im Folgenden verschaffte der Vorstand den Teilnehmern einen Überblick über die Entwicklung bei den drei größten Beteiligungen. Er startete mit der LS Invest AG, an der die SCI seit vielen Jahren beteiligt ist und die zum Jahresende einen recht großen Depotanteil von 12 Prozent ausmachte. Im Frühjahr 2025 war beim Kurs der LS-Aktie eine erfreuliche Aufwärtsbewegung von 5,80 Euro auf fast 7 Euro zu verzeichnen. Der Grund war, dass die Mehrheitsgesellschafterin Lopesan verschiedene größere Investoren, darunter auch die SCI, zu Gesprächen eingeladen hatte.

Das Treffen verfolgte laut Herrn Wiederhold das Ziel, eine Mehrheit für einen Vergleichsvorschlag in Sachen Hotel Catarina zu finden, welches die LS Invest AG vom Hauptaktionär erworben und kurz danach mit 6 Mio. Euro Gewinn weiterveräußert hatte. Trotzdem hatten in der Folge einige Aktionäre Klage eingereicht. Die sich daran anschließenden Verfahren wollte Lopesan mit einer Ausgleichszahlung von 0,10 Euro je LS-Aktie erledigen. Im Juni 2025 stimmte eine außerordentliche Hauptversammlung einem solchen Vergleich zu. Auf Initiative der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) wurde sogar eine Zahlung von 0,20 Euro beschlossen. Allerdings wurde auch dieser Beschluss wieder angefochten und keine Zahlung geleistet, was letztlich enttäuschend für alle war.

Im November folgte ein Wechsel im Aufsichtsrat, durch den sich das Verhältnis zu den Minderheitsaktionären laut Herrn Wiederhold auch nicht verbesserte. Zusätzlich sorgte die ordentliche Hauptversammlung, die weit außerhalb der gesetzlichen Frist im Dezember virtuell und mit vielen technischen Unzulänglichkeiten stattfand, für schlechte Stimmung. In der Folge kam der Aktienkurs wieder zurück und nach der Zuschreibung im Vorjahr musste die SCI wieder eine Abschreibung von 72 Tsd. Euro auf die Beteiligung vornehmen – das Hin und Her setzte sich also erst einmal fort.

Bei der Gesundheitswelt Chiemgau AG (GWC), die zum Bilanzstichtag einen Anteil von 10,5 Prozent am Depot hatte, gab es wenig Neues zu berichten. Zur Jahresmitte zahlte der Gesundheits- und Tourismuskonzern eine Dividende von 0,32 (Vorjahr: 0,54) Euro, was weniger, aber noch zufriedenstellend war. Im Aktienkurs tat sich wenig. In dieser Position verfügt die SCI nach Angabe von Herrn Wiederhold aber über erhebliche stille Reserven in Höhe von 913 Tsd. Euro.

Operativ wurden bei der GWC verschiedene Projekte vorangetrieben. Zum einen war dies der Start der Sanierung der Thermalwasserbohrung „Endorf II“, für die bereits Rückstellungen gebildet worden waren. Die Erweiterung des „Ströbinger Hofs“ konnte nahezu im Kosten- und Zeitplan abgeschlossen werden. Das Hotel ist jetzt das Aushängeschild des Ortes. Überdies wurde die Klinik St. Irmingard in Prien, direkt am Chiemsee gelegen, von einem Pachtvertrag in einen Erbpachtvertrag und damit in eine eigentumsähnliche Gestaltung überführt und zusätzlich das Nachbargebäude erworben. Operativ gab es bei der GWC also einige Fortschritte zu verzeichnen.

Weniger erfreulich gestaltet sich die Entwicklung bei der lettischen Latvjias Balzams, die zum Jahresende mit einem Depotanteil von 6,2 Prozent die drittgrößte Beteiligung darstellte. Das Jahr 2025 begann noch mit einer Dividendenzahlung von 0,60 Euro. Zu diesem Zeitpunkt war aber bereits bekannt, dass sich die US-Schwestergesellschaft Stoli Group, die auch eine wichtige Kundin ist, in Chapter 11 des US-amerikanischen Insolvenzrechts befindet. Nachdem im November bekannt wurde, dass keine Einigung mit den Steuerbehörden erzielt werden konnte, entwickelte sich der Aktienkurs von Latvjias Balzams deutlich rückläufig.

Der Net Asset Value (NAV) der SCI-Aktie erhöhte sich im Geschäftsjahr 2025 um 5,8 Prozent, was mit Blick auf die deutlich stärkere Entwicklung der großen Indizes nur bedingt zufriedenstellen kann. Im Wesentlichen lag dies laut Herrn Wiederhold an der schwachen Kursperformance von LS Invest und Latvjias Balzams. Dass trotzdem immerhin ein Plus von 5,8 Prozent erzielt werden konnte, lag an anderen Positionen, die sich erfolgreich entwickelten. Als Beispiel nannte der Vorstand die 3.000 Bilfinger-Aktien, die sich mit einem Einstandskurs von 32 Euro im Bestand befinden und zum Bilanzstichtag über 100 Euro notierten.

Der Kurs der SCI-Aktie bewegte sich im vergangenen Jahr abgesehen von einem Ausreißer im August die meiste Zeit über zwischen 17 und 19,40 Euro seitwärts. Gehandelt wurden im Jahr 2025 insgesamt rund 10.000 Stücke, also etwa 2,5 Prozent des Grundkapitals. An der überschaubaren Zahl sieht Herr Wiederhold aufgezeigt, dass die SCI über eine recht gefestigte Aktionärsstruktur verfügt. Im laufenden Jahr wurden Stand heute bereits 17.000 Aktien gehandelt. Liquidität in der Aktie und geringe Geld/Brief-Spannen seien wertvoll, aktiv beeinflussen lasse sich dies aber nicht. Mit der Veröffentlichung des NAV alle zwei Monate stellt die SCI lediglich die Information als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung.

Im Folgenden kam Herr Wiederhold auf den Jahresabschluss 2025 zu sprechen. In der Bilanz gab es keine größeren Veränderungen. Die Wertpapiere des Anlagevermögens werden mit 2,6 (2,7) Mio. Euro etwas niedriger ausgewiesen, ebenso die Wertpapiere im Umlaufvermögen mit 3,9 (4,6) Mio. Euro. Dafür verdoppelte sich der Cashbestand auf 1,4 (0,7) Mio. Euro. Finanzverbindlichkeiten gab es weder unterjährig noch am Jahresende. Das Eigenkapital wird bei einer nahezu unveränderten Bilanzsumme von 8,1 Mio. Euro stabil mit 8,0 Mio. Euro ausgewiesen.

Der Umsatz entwickelte sich mit 14,9 (83,3) Mio. Euro massiv rückläufig. Der hohe Vorjahreswert war Herrn Wiederhold zufolge aber allein den sehr umfassenden Arbitrage-Geschäften in Anleihen mit sehr geringer Marge geschuldet gewesen. Es war das klare Ziel, das Umsatzvolumen wieder auf weniger als 15 Mio. Euro zurückzuführen, um nicht Gefahr zu laufen, dass die SCI nicht mehr als kleine, sondern als mittelgroße Kapitalgesellschaft eingestuft wird, was deutlich höhere Kosten zur Folge hätte. Dies ist zum Glück gelungen.

Auch das auf den ersten Blick sehr unerfreuliche Handelsergebnis von minus 88 (plus 106) Tsd. Euro konnte der Vorstand schnell erklären. Der negative Wert resultierte allein aus dem beim Squeeze-out von Alstria Office realisierten Einreichungsverlust von 173 Tsd. Euro, dem allerdings eine Entschädigungszahlung von 205 Tsd. Euro für den Verzicht auf den REIT-Status vorausgegangen war. Insgesamt war das Ergebnis bei diesem Investment also positiv. Größere positive Beiträge zum Handelsergebnis lieferten außerdem HHLA mit 51 Tsd. Euro und Nürnberger Beteiligung mit 27 Tsd. Euro, wobei letzteres mit der überraschenden Übernahme durch die Vienna Insurance Group eher ein glücklicher Zufall war.

Die sonstigen betrieblichen Erträge beliefen sich in Summe auf 189 (278) Tsd. Euro. Darin enthalten waren zum einen Gewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren des Anlagevermögens in Höhe von 96 Tsd. Euro. Konkret waren dies Sloman Neptun mit einem Gewinn von 60 Tsd. Euro, Muehlhan mit 17 Tsd. Euro und die Schweizer Athris Holding mit 11 Tsd. Euro. Zum anderen konnten Zuschreibungen von 45 Tsd. Euro verbucht werden, die sich auf viele Positionen verteilten, sowie Nachbesserungen aus Spruchverfahren ebenfalls in Höhe von 45 Tsd. Euro. Die größte Position war hier Actris, früher Henninger, mit einer Nachbesserung von 33 Tsd. Euro aus dem Squeeze-out im Jahr 2010. Weitere 4 Tsd. Euro resultierten aus der grenzüberschreitenden Verschmelzung nach Österreich bei biolitec.

Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen werden mit 83 (73) Tsd. Euro etwas höher als im Vorjahr ausgewiesen. Als wesentliche Ursache benannte Herr Wiederhold den Verlust von 8 Tsd. Euro aus Anlageabgängen, was eine Position betrifft, die die SCI vor dem Squeeze-out nochmals deutlich ausgebaut und den Einreichungsverlust bewusst in Kauf genommen hat. Hinzu kam ein Währungsverlust von 1 Tsd. Euro in der schwedischen Krone, dem ein Währungsgewinn von 3 Tsd. Euro in polnischen Zloty gegenübersteht. In beiden Ländern unterhält die SCI Konten mit einem gewissen Guthaben, um für Investments gewappnet zu sein.

Rechts- und Beratungskosten fielen nicht an. Diese könnten bei der SCI ohnehin nur die rechtliche Begleitung von Spruchverfahren betreffen, was mit der seit 2022 geltenden neuen Regelung, dass dies nur noch mit Anwalt möglich ist, aber aus Kostengründen nur noch eingeschränkt sinnvoll ist. Die SCI wird Herrn Wiederhold zufolge künftig nur noch dann ein Spruchverfahren beantragen, wenn die Position in absoluten Zahlen recht groß ist, was bei Alstria Office der Fall war – oder aber, wenn die Stückzahl der SCI im Verhältnis zu den anderen Antragstellern sehr groß ist.

Als Erklärung führte Herr Wiederhold aus, dass gemäß der ebenfalls seit 2022 geltenden Neuregelung die mit dem Antragsgegner erzielte Einigung eines Antragstellers, der 90 Prozent der im Verfahren vertretenen Aktien hält, vom Gericht als Grundlage für seine Schätzung übernommen werden soll. Noch ist diesen Weg niemand gegangen. Bei Voquz Labs wird sich die SCI nach Einschätzung des Vorstands aber ziemlich sicher in dieser Position befinden. Auch bei NanoFocus dürfte dies der Fall sein.

Die neue Regelung hat nach Angabe des Vorstands den Vorteil, dass ein Vergleich künftig nicht mehr blockiert werden kann von Aktionären, die nur eine Aktie halten, was in der Vergangenheit regelmäßig zu beobachten war. Herr Wiederhold geht davon aus, dass die SCI der erste Marktteilnehmer sein wird, der ein Verfahren zu einem solchen Punkt bringt.

Die Personalkosten lagen mit 83 (86) Tsd. Euro leicht unter Vorjahr. Dies lag Herrn Wiederhold zufolge bei einem unveränderten Vorstandsgehalt allein daran, dass er in der Berichtsperiode vergessen hat, das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm durchzuführen und dieses nicht nachgeholt werden konnte. Er sieht dieses Programm als sehr sinnvoll an, um die Mitarbeiterin, die die Buchhaltung seit vielen Jahren sehr sorgfältig macht, noch stärker zu binden. Inzwischen wurde das Programm wieder aufgenommen.

Die Abschreibungen gingen auf 380 (459) Tsd. Euro zurück. Im Vorjahr hatte an dieser Stelle noch die notwendige Wertberichtigung von 157 Tsd. Euro bei Siltronic erheblich belastet. Im Geschäftsjahr 2025 war die größte Abschreibungsposition wie ausgeführt LS Invest mit 72 Tsd. Euro. Daneben musste die schwedische Hedera Group mit 69 Tsd. Euro nahezu komplett abgeschrieben werden, da der Gesundheitsdienstleister aufgrund gesetzlicher Änderungen erhebliche Probleme bekommen hat. Hinzu kamen 57 Tsd. Euro bei Surteco. Diese Position wurde inzwischen weitgehend abgebaut.

Die erhaltenen Dividenden und Fondsausschüttungen lagen mit 454 (274) Tsd. Euro deutlich höher als im Vorjahr. Ursächlich war Herrn Wiederhold zufolge die bereits genannte Zahlung von Alstria Office als Entschädigung für die Aufgabe des REIT-Status in Höhe von 205 Tsd. Euro. Weitere große Dividendenzahler waren Latvjias Balzams, Vilkiškio Pienienė aus Litauen, InnoTec TSS und GWC. Außerdem konnten diverse Fondsausschüttungen vereinnahmt werden.

Letztlich schloss die SCI das Geschäftsjahr 2025 mit einem Jahresergebnis von minus 16 (plus 4) Tsd. Euro entsprechend einem Ergebnis je Aktie von minus 0,04 (plus 0,01) Euro ab. Diese Zahl hat, wie Herr Wiederhold klarstellte, aber keine echte Aussagekraft. Bei Bilanzierung nach HGB könnte das Jahresergebnis durch die Realisierung von stillen Reserven einfach nach oben getrieben werden, was aber keinen Sinn machen würde. Die zentralen Steuerungsgrößen der SCI sind deshalb der NAV und der Aktienkurs.

Sodann leitete Herr Wiederhold über zu aktuellen Entwicklungen. Den Anfang machte er mit dem Investment in LS Invest, bei dem es nach den schlechten Nachrichten im vergangenen Jahr endlich einmal Positives zu berichten gibt. Im März 2026 gab es in der Aktie auffällige Umsätze mit hohen Volumina, was vermuten ließ, dass es doch endlich in Richtung Squeeze-out gehen könnte. Und tatsächlich folgte am 26. Mai 2026 eine Meldung, mit der das Verlangen des Hauptaktionärs auf Durchführung eines Squeeze-out veröffentlicht wurde.

In der Folge legte die LS-Invest-Aktie deutlich auf 10,20 Euro zu. Der Squeeze-out-Preis ist noch nicht bekannt. Herr Wiederhold rechnet aber mit deutlich mehr als 10 Euro und dies muss auch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Es folgt dann noch das Spruchverfahren. Die SCI bleibt deshalb investiert, zumal die Notierung durch den durchschnittlichen Börsenkurs von knapp 9 Euro nach unten gut abgesichert ist. Endlich gibt es also eine positive Entwicklung bei diesem Investment, das Vorstand und Aufsichtsrat über die Jahre durchaus gestresst hat. Herr Wiederhold ist froh, dass sich dieses Thema nun dem Ende entgegen neigt.

Auch bei der GWC gestaltet sich die Entwicklung grundsätzlich positiv. Im Geschäftsjahr 2025 wurden mit einem Ergebnis je Aktie von 1,27 Euro 21 Prozent mehr verdient als im Vorjahr. Und endlich wird auch die Prognose positiver formuliert. Gemäß der jüngsten Meldung wird das rein operative EBIT jetzt signifikant über Vorjahr erwartet. Es gibt allerdings einen Wermutstropfen. So sind bei der notwendigen Sanierung der Heilwasserbohrung unerwartete technische Probleme aufgetreten, womit dieses Projekt teurer wird als geplant. Um wie viel, ist noch nicht bekannt.

Bei Latvijas Balzams verstärkten sich hingegen die Negativmeldungen. Das Geschäft in den USA wurde inzwischen eingestellt und bei der Gesellschaft selbst ein Restrukturierungsverfahren nach lettischem Recht eingeleitet, dessen Ausgang sich nicht einschätzen lässt. Insgesamt ist also eine unschöne Entwicklung zu verzeichnen und die SCI hat ihre Position deutlich verringert. Bei der Bewertung dieses Engagements bat Herr Wiederhold indes zu berücksichtigen, dass die SCI lange mit niedrigen Anschaffungskosten investiert war und viele Jahre ordentliche Dividenden erhalten hat. Per Saldo war das Investment also nicht ganz so schlecht.

Nachdem Latvijas Balzams aus den Top-3-Positionen ausscheidet und dies mit dem nahenden Squeeze-out auch bei der LS Invest der Fall sein wird, gibt es Platz für ein neues Kerninvestment. Dafür hat Herr Wiederhold die Vilkiškio Pienienė (Vilvi Group) auserkoren, die sich in Litauen im Bereich Molkerei und Käseherstellung betätigt und in die die SCI schon länger investiert ist.

Ausgehend vom Anschaffungspreis von 3,66 Euro ist der Kurs begleitet von guten Nachrichten inzwischen bis auf 14 Euro gestiegen, womit sich die Vilvi Group deutlich besser entwickelt als die anderen litauischen Molkereien. Bei einem Ergebnis je Aktie von 1,44 Euro ist die Bewertung mit einem KGV von 10 immer noch moderat und zudem gab es zuletzt 0,23 Euro Dividende. Durch die Übernahme des fünfgrößten litauischen Molkereiunternehmens und den Bau einer neuen Käsefabrik in Lettland will die Vilvi Group ihren Umsatz in den kommenden Jahren um 50 Prozent steigern.

Herr Wiederhold hatte noch eine weitere erfreuliche Nachricht. Wie er ausführte, ist die SCI schon länger beim finnischen Spezialpapierhersteller Ahlstrom Munksjö investiert, der im September 2020 durch den Finanzinvestor Bain Capital zu einem Preis von 17,84 Euro je Aktie  übernommen worden ist. Dies war bereits ein recht guter Preis und der Investor kam auf einen Anteil von mehr als 90 Prozent, womit nach finnischem Recht ein Squeeze-out zum gleichen Preis möglich ist. Überraschend setzte ein Schiedsgericht dann nochmals einen deutlich höheren Preis von 21,55 Euro als Abfindung fest, wogegen der Hauptaktionär Widerspruch einlegte. Das Bezirksgericht Helsinki nahm den Preis dann wieder auf 17,84 Euro zurück, wogegen es dann Beschwerde von Aktionärsseite gab. Letztlich legte der Supreme Court die Abfindung im Oktober 2025 auf 21 Euro fest, was für die SCI, die eine große Position in der Aktie hielt, eine erfreuliche Nachricht war. Die Barabfindung wurde im Januar 2026 ausgezahlt, wirkt sich also entsprechend positiv im laufenden Jahr aus.

Der Vorstand sprach auch noch einige Worte zu dem Investment in die Siltronic-Aktie, die nach der gescheiterten Übernahme durch die taiwanesische GlobalWafers, die zuletzt einen Preis von 145 Euro geboten hatte, enorm unter Druck geraten war. Die SCI hatte auf dieses Investment, wie Herr Wiederhold auf der letztjährigen Hauptversammlung ausgeführt hatte, eine hohe Abschreibung von 157 Tsd. Euro vornehmen müssen. Seither ist die Aktie, getrieben vom Halbleiter- und KI-Boom, wieder kräftig in Schwung gekommen. Ausgehend von einem Tief von 35 Euro hat der Kurs zeitweise bis auf über 100 Euro zugelegt. Die SCI hat in dem steigenden Markt Teilverkäufe durchgeführt.

Nachdem im Vorfeld entsprechende Fragen an ihn herangetragen worden waren, präsentierte der Vorstand noch eine Übersicht mit der regionalen Verteilung des Portfolios. Der Anteil von Lettland ist mit 1,3 Prozent viel geringer, als viele denken. Litauen hat mit fast 13 Prozent eine deutlich größere Bedeutung. Chile kommt, nachdem die dortige Börse sich zuletzt gut entwickelt hat, auf einen Anteil von 2,1 Prozent, Schweden und Finnland zusammen auf 3 Prozent. Im Mittelpunkt stehen weiterhin Investments in Deutschland mit einem Anteil von 78,9 Prozent. Österreich und die Schweiz finden sich aktuell nicht im Portfolio.

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der SCI schloss Herr Wiederhold mit einem Blick zurück. Er hatte im Archiv gekramt und eruiert, was die ersten Transaktionen waren, die die SCI zu Beginn ihres Bestehens getätigt hat. Die ersten Investments waren demnach Triumph International, Wanderer-Werke und Sappi Ehingen gewesen, die es alle nicht mehr gibt. Zwei haben sich per Squeeze-out von der Börse verabschiedet, die Wanderer-Werke gingen in Insolvenz. Auch die Depotbank Systracom, mit der die SCI anfangs zusammengearbeitet hat, ist in die Insolvenz gegangen. Die SCI gibt es aber immer noch da und entwickelt sich mit Blick auf den Erfolg bei LS Invest auch wieder erfolgreich.


Allgemeine Aussprache

In der folgenden Aussprache gab es insgesamt etwa ein Dutzend Wortmeldungen. Zumeist waren es allerdings nur kurze Fragen oder Anmerkungen zu verschiedenen Themen. Mehrfach durften Vorstand und Aufsichtsrat Glückwünsche zum 25-jährigen Unternehmensjubiläum entgegennehmen, teils verbunden mit dem Wunsch, dass man gerne noch einmal 25 Jahre weitermachen dürfe.

Aktionär Philipp Steinhauer wollte wissen, wie die liquiden Mittel, die sich zum Bilanzstichtag immerhin auf 1,4 Mio. Euro belaufen haben, angelegt sind. Nach Angabe des Vorstands ist mit rund 1 Mio. Euro der überwiegende Teil dieses Geldes in kurzfristige Anleihen investiert, die etwas höhere Zinsen abwerfen als Tagesgeld. Stand heute ist der Cashbestand allerdings etwas geringer, da in den letzten Monaten einige Positionen neu aufgebaut worden sind.

Aktionär Thomas Dittmer gab zu bedenken, dass die Liquidität mit dem nahenden Squeeze-out bei LS Invest noch einmal drastisch ansteigen wird und man überlegen müsse, wie man mit dem hohen Cashbestand verfahre. Eine Möglichkeit wären neue Investments. Überlegenswert schien ihm aber auch eine Rückführung an die Aktionäre im Rahmen eines Aktienrückkaufprogramms zu sein, nachdem die Aktie ohnehin weit unter dem inneren Wert gehandelt wird.

In seiner Antwort versicherte Herr Wiederhold, dass bereits Diskussionen zu diesem Thema stattfinden. Es gibt hierzu aber unterschiedliche Sichtweisen und Meinungen. Eine Möglichkeit wäre ein Rückkaufprogramm nahe am Börsenkurs, um verkaufswilligen Investoren den Ausstieg zu ermöglichen. Dies wäre von Vorteil für die Gesellschaft, da die Aktien dann unter NAV zurückgekauft würden.

Die zweite Möglichkeit wäre ein Rückkaufprogramm zum NAV, wie dies vor einigen Jahren schon einmal durchgeführt worden ist. Dies wäre von Vorteil für die Aktionäre, vor allem dann, wenn das Andienungsrecht auch noch übertragbar gestaltet wird. Für beide Optionen gibt es Pro und Contra und für beides gibt es Befürworter im Aufsichtsrat. Möglicherweise wäre es auch eine Idee, beides zu kombinieren. Vorstand und Aufsichtsrat werden weiter diskutieren, noch wurde kein Beschluss gefasst.

Herr Steinhauer hakte nach, wo der Vorstand ein attraktives Kursniveau für einen Aktienrückkauf nach der ersten Möglichkeit sehen würde. Diese Frage konnte Herr Wiederhold pauschal nicht beantworten, auch darüber müsse innerhalb der Gremien diskutiert werden. Das Rückkaufangebot müsste auf jeden Fall zwischen dem Börsenkurs und dem NAV liegen. Auch ein Zeitplan für ein mögliches Rückkaufprogramm wurde noch nicht festgelegt.

Aktionär Rainer Warmuth schlug vor, besser eine beständigere Dividendenpolitik einzuführen. Aktienrückkäufe schienen ihm mit Blick auf das ohnehin schon geringe Handelsvolumen in der SCI-Aktie nicht der richtige Weg zu sein. Herr Wiederhold konnte auch diese Sichtweise nachvollziehen. Jedoch würde sich nach seiner Aussage für die regelmäßige Zahlung einer ergebnisunabhängigen Basisdividende keine Mehrheit im Aktionariat finden.

Auf die von Aktionär Berthold Warmuth vorab schriftlich eingereichten Fragen war der Vorstand teilweise bereits in seinem Vortrag eingegangen. Zu den Investments in Lettland führte er ergänzend aus, dass das Thema Squeeze-out dort über die Jahre keine größere Rolle gespielt hat. Er nannte zwei Squeeze-outs in Lettland, die beide einen schönen Gewinn im oberen fünfstelligen Bereich eingebracht haben.

Das Problem in Lettland ist allerdings, dass im Zuge von Squeeze-outs kein Gutachten angefertigt wird, sondern die Abfindung allein auf der Basis von Börsenkurs und Eigenkapital festgesetzt wird. In Litauen sieht es mittlerweile anders aus. Nach der jüngsten Gesetzesänderung muss dort nun bei einem Squeeze-out ein Gutachten angefertigt werden, was grundsätzlich positiv zu bewerten ist. Noch gab es aber keinen Praxistest.

Zu den Fonds im Portfolio der SCI erläuterte der Vorstand auf Nachfrage von Herrn Warmuth, dass es sich im Wesentlichen um offene Immobilienfonds handelt, die mit der Immobilienkrise im Jahr 2009 ins Straucheln geraten sind. Diese sind noch börsengehandelt, befinden sich alle in der Abwicklung und schütten ihr verbliebenes Vermögen nach und nach aus. Große Positionen im SCI-Depot sind unter anderem KanAm Grundinvest, CS Property Dynamik und CS Euro Real.

Der Vertreter von Aktionär Dieter König wollte wissen, wie der Vorstand den Squeeze-out-Preis bei HHLA bewertet. Wie Herr Wiederhold mitteilte, hat die SCI diese Aktie über längere Zeit hin und her gehandelt, aber nicht auf einen höheren Squeeze-out-Preis spekuliert. Aktuell gibt es auch keinen Bestand in HHLA-Aktien. Größeres Nachbesserungspotenzial kann der Vorstand in diesem Fall nicht erkennen.

Aktionär Lars Kalbitzer interessierte, ob sich auch außerbörsliche Beteiligungen im Depot der SCI befinden. Dies bestätigte der Vorstand, allerdings ist dies nur in einem geringen Umfang der Fall. Als Beispiel nannte er die Piper Deutschland AG, die die SCI vor vielen Jahren noch über die Börse erworben hat, die aber mittlerweile nur noch bei Valora gehandelt wird. Grundsätzlich versucht der Vorstand außerbörsliche Investments eher zu vermeiden, nicht zuletzt deshalb, weil die Bewertung im Rahmen des Jahresabschlusses nicht so einfach ist.

Aktionär Bernhard Heine bat um eine Einschätzung, wie generell mit dem Thema Squeeze-out weiterverfahren werden soll. Zwar hat die SCI über die Jahre ein enormes Volumen an Nachbesserungsrechten aufgebaut. Das Einreichungsvolumen summiert sich auf mehr als 15 Mio. Euro. Nach Wahrnehmung des Aktionärs ist das Geschäft mit Abfindungsspekulationen, das bei der SCI immer im Fokus gestanden hatte, aber in den letzten Jahren schwieriger geworden.

Herr Wiederhold stimmte zu, dass Abfindungsspekulationen zunehmend uninteressanter werden. Als die Squeeze-out-Regelung im Jahr 2002 eingeführt worden ist, war die Situation noch völlig anders gewesen. Teilweise konnten damals erhebliche Nachbesserungen erzielt werden, was der Grund dafür war, dass die SCI gegründet worden ist. Heute sind die Margen in aller Regel viel geringer. Es gibt weniger Vergleiche und die Gerichte urteilen vielfach zuungunsten der freien Aktionäre. Insofern müsse man heute abhängig vom Unternehmen und dem zuständigen Gericht genau abwägen, wo man aktiv werden wolle.

Ein Aktionär zeigte sich nicht recht zufrieden mit dem großen Investment in die GWC. Die Aktie wird wenig gehandelt, der Kurs entwickelte sich zuletzt tendenziell rückläufig und jetzt wird auch noch die Dividendenzahlung ausgesetzt. Letzteres könnte nach Auffassung des Redners mit den unklaren Kosten der Sanierung der Heilwasserbohrung aufgrund der technischen Probleme zusammenhängen.

Herr Wiederhold teilte diese Einschätzung. Die Dividendenstreichung dürfte der sehr vorsichtigen Herangehensweise des Vorstands geschuldet sein, nachdem die Kosten der Bohrung noch nicht quantifiziert werden können. Dies dürfte sich aber schnell klären, vielleicht gibt es schon bei der Hauptversammlung Mitte Juli neue Informationen. Natürlich kann die aktuelle Entwicklung der GWC nicht wirklich zufriedenstellen, immerhin hat die Dividendenstrategie aber weiterhin Bestand.

Aktionär Rainer Warmuth thematisierte die wachsenden geopolitischen Risiken in den baltischen Ländern. Herr Wiederhold stimmte zu, dass man die politische Situation in dieser Region natürlich nicht aus den Augen verlieren dürfe. Stand heute geht er aber nicht davon aus, dass die Situation weiter eskaliert. Die Investments im Baltikum sieht er aus Diversifizierungsgesichtspunkten nach wie vor als sinnvoll an, auch wenn die Situation dort aktuell nicht perfekt ist.

Aktionär Jürgen Geierhaas erkundigte sich nach einer Einschätzung des zeitlichen Horizonts, was den Squeeze-out bei der LS Invest angeht. Seiner Meinung nach könnte es eventuell Sinn machen, einen Teil der Aktien schon jetzt zu verkaufen, nachdem nicht auszuschließen ist, dass der Großaktionär versucht, die Abfindung im Rahmen des Squeeze-out nach unten zu drücken.

Wie Herr Wiederhold ausführte, ist bei LS Invest bisher nichts veröffentlicht außer der Ankündigung, dass ein Squeeze-out kommen soll. Noch ist nicht einmal bekannt, welcher Gutachter bestellt wird. Wichtig ist, dass dieser dann viele und aussagekräftige Informationen zum Unternehmen und vor allem zu der sich sehr positiv entwickelnden Anlage Anfi auf Gran Canaria erhält, damit er sich ein umfassendes Bild zum Wert der Aktie machen kann. Es wäre zu begrüßen, wenn die Bewertung länger dauert und dafür sorgfältig vorgenommen wird.


Abstimmungen

Vor Eintritt in die Abstimmungen informierte Herr Nachtigall über die aktuelle Präsenz. Auf der Hauptversammlung waren 244.951 Aktien vertreten. Bezogen auf das gesamte Grundkapital in Höhe von 480.207 Euro, eingeteilt in 440.036 Aktien, entsprach dies einer Quote von 55,67 Prozent.

Alle Beschlüsse, im Einzelnen waren dies der Vortrag des Bilanzgewinns auf neue Rechnung (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Bestellung von Wirtschaftsprüfer Stefan Süring zum Abschlussprüfer (TOP 5) sowie die Vergütung des Aufsichtsrats mit insgesamt 16.500 Euro (TOP 6), wurden einstimmig gefasst.

Um 19:21 Uhr schloss der Vorsitzende die Versammlung.


Fazit

Mit einer Steigerung des Net Asset Value (NAV) um 5,8 Prozent hat die SCI AG das Geschäftsjahr 2025 grundsätzlich positiv abgeschlossen. Im Vergleich zu der deutlich stärkeren Entwicklung der relevanten Indizes kann diese Performance allerdings nur bedingt zufriedenstellen. Ursächlich war, wie der Vorstand in seinem Vortrag ausführlich darlegte, die schwache Entwicklung bei zwei der drei Kerninvestments, was durch teils beachtliche Erfolge bei anderen Depotpositionen nicht ausgeglichen werden konnte.

Deutlich bessere Nachrichten gibt es im laufenden Jahr. Zuvorderst muss hier die Ankündigung eines Squeeze-out bei der Kernbeteiligung LS Invest genannt werden, womit dieses Engagement, das Vorstand, Aufsichtsrat und auch die Aktionäre über die Jahre einige Nerven gekostet hat, nun voraussichtlich doch noch zu einem guten Ende geführt werden kann. Der deutliche Kursanstieg der LS-Aktie auf über 10 Euro in den letzten Monaten ist der Hauptgrund dafür, dass der NAV der SCI-Aktie allein seit Anfang April um knapp 6 Prozent auf jetzt 24,50 Euro zulegte.

Überraschenderweise kann die SCI-Aktie von diesen positiven Meldungen bisher kaum profitieren. Sie notiert mit 18,80 Euro kaum höher als zu Jahresbeginn und nach wie vor weit unter dem NAV. Auch mit Blick darauf, dass der ohnehin schon relativ hohe Cashbestand mit dem auf absehbare Zeit zu erwartenden Squeeze-out bei LS Invest noch deutlich weiter anschwellen wird, planen Vorstand und Aufsichtsrat ein neues Aktienrückkaufprogramm, was in dieser Situation sicherlich eine sinnvolle Maßnahme ist. Auch aus Anlegersicht sollte sich ein Investment unter diesen Umständen lohnen.


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Veröffentlichungsdatum: 29.06.2026 - 10:16
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