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HV-Bericht MERKUR PRIVATBANK KGaA - Geschäftsjahr 2025 mit solider Performance – Dividendenstreichung sorgt für Diskussion

Die Hauptversammlung der MERKUR PRIVATBANK KGaA fand am 15. Juni 2026 im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München statt. Etwa 150 Aktionäre und Gäste hatten sich dort eingefunden, darunter eine Schulklasse aus der Region, um sich über die Perspektiven der Privatbank zu informieren, die ihre Aktionäre wenige Wochen zuvor mit dem Vorschlag zum kompletten Dividendenverzicht überrascht hatte. Für GSC Research befand sich Matthias Wahler vor Ort.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Rolf Friedhofen eröffnete die Versammlung um 11 Uhr und teilte mit, dass sich die Mitglieder der Geschäftsleitung und die persönlich haftenden Gesellschafter eingefunden haben. Vom Aufsichtsrat war Rainer Neumann aufgrund eines unaufschiebbaren privaten Termins entschuldigt. Weiter informierte der Vorsitzende, dass Prof. Dr. Jürgen Schrempp sein Aufsichtsratsmandat am 17. Mai 2026 aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt hat. Da die Einladung zur Hauptversammlung zu diesem Zeitpunkt bereits veröffentlicht war, wurde die Bestellung seines Nachfolgers zunächst beim Amtsgericht München beantragt, bevor er dann der nächstjährigen Hauptversammlung zur Wahl durch die Aktionäre vorgeschlagen werden soll.

Im Folgenden erläuterte Herr Friedhofen die Formalien und sprach einige ergänzende Worte zum Bericht des Aufsichtsrats, der sich im Geschäftsjahr 2025 zu insgesamt sechs ordentlichen Sitzungen zusammengefunden hat. Sodann übergab er das Wort an den Vorsitzenden der Geschäftsleitung, Dr. Marcus Lingel.


Bericht der Geschäftsleitung

Dr. Lingel freute sich, trotz der weiterhin anspruchsvollen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen von einem guten Geschäftsjahr 2025 berichten zu können. Besonders gut lief es einmal mehr in der Vermögensanlage, in der die Erwartungen noch übertroffen wurden. Im Kreditgeschäft war hingegen eine angespannte Entwicklung zu verzeichnen, wobei sich die Lage in der Immobilienbranche mit dem Iran-Krieg und der daraus resultierenden höheren Inflation und den steigenden Zinsen noch weiter eingetrübt hat.

Ein Highlight waren die Assets under Management, die sich um 20 Prozent auf fast 5 Mrd. Euro erhöhten. Bemerkenswert findet Dr. Lingel hier insbesondere den längerfristigen Blick. Nach der Übernahme des Bankhauses Schilling im Jahr 2020 hatten sich die Assets under Management noch auf 2,1 Mrd. Euro belaufen, der Wert konnte also seither deutlich mehr als verdoppelt werden. Auch Zins- und Provisionsergebnis legten im Geschäftsjahr 2025 kräftig zu. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit hielt das erreichte hohe Niveau.

Als Basis für den anhaltenden Erfolg sieht der Geschäftsführer die unternehmerisch geprägte Kultur der MERKUR PRIVATBANK. Zentrale Bedeutung hat die starke Unabhängigkeit, womit ausschließlich im Interesse der Kunden gehandelt werden kann. Interessenskollisionen werden vermieden. Insbesondere in der Vermögensanlage spielt es eine große Rolle, dass es keine Abhängigkeit bei der Produktauswahl gibt. Ebenso wichtig sind Themen wie Beständigkeit und Sicherheit. Die Kunden können sich darauf verlassen, dass Versprechen gehalten werden. In Summe führt dies zu einer starken Differenzierung im Markt.

An der Aufstellung hat sich laut Dr. Lingel nichts verändert. Die MERKUR PRIVATBANK ist nach wie vor in sieben Geschäftsfeldern aktiv. Zu den strategischen Säulen zählen die Finanzierung von Bauträgern, Immobilieninvestoren, Leasinggesellschaften und mittelständischen Unternehmen, der Rentenhandel und auf der Einlagenseite die Vermögensverwaltung und die Vermögensberatung.

Wie Dr. Lingel aufzeigte, ist die MERKUR PRIVATBANK mittlerweile an 21 Standorten aktiv. Im vergangenen Jahr wurde eine Niederlassung in Erlangen neu eröffnet und zum 1. Juni 2026 ist noch eine Filiale in Berlin dazugekommen, die sich in erster Linie mit dem weiteren Ausbau des Immobiliengeschäfts beschäftigen wird. An den anderen Standorten steht überwiegend die Vermögensanlage im Mittelpunkt der Aktivitäten. In diesem Geschäft ist es wichtig, bei den Kunden vor Ort vertreten zu sein.

Im Folgenden ging Dr. Lingel näher auf die einzelnen Geschäftsfelder ein. In der Vermögensanlage stiegen die Assets under Management im Berichtszeitraum nach der bereits starken Entwicklung in den Vorjahren um weitere 20 Prozent auf 5,0 (Vorjahr: 4,1) Mrd. Euro. Nicht nur in der Anlageberatung ging es auf 3,3 (2,8) Mrd. Euro deutlich voran, sondern auch in der Vermögensverwaltung auf 1,7 (1,3) Mrd. Euro.

Das Nettowachstum erreichte mit 470 (353) Mio. Euro einen neuen Rekordwert. Dies war laut Dr. Lingel verbunden mit der Gewinnung einer Vielzahl neuer Kunden. Er sieht daran aufgezeigt, dass die MERKUR PRIVATBANK in den regionalen Märkten gut angenommen wird. Der Geschäftsführer sieht auch für die Zukunft noch großes Wachstumspotenzial. Nach seiner Aussage wurde vorbereitend viel in Personal und Räumlichkeiten investiert. Er geht davon aus, dass in der jetzigen Struktur noch erhebliches weiteres Wachstum gestemmt werden kann.

Das starke Wachstum in der Vermögensanlage führt auch zu einer stabilen und von Privatkunden geprägten Finanzierungsbasis. Eben dies war das strategische Ziel gewesen. In Summe bewegten sich die Kundeneinlagen zum Bilanzstichtag mit 3,2 (3,3) Mrd. Euro lediglich auf Vorjahresniveau. Dies liegt laut Dr. Lingel aber daran, dass das Kreditgeschäft zuletzt nicht mehr so stark gewachsen ist. Im Berichtsjahr lag der Fokus mehr auf der Steigerung der Profitabilität statt auf dem Wachstum der Einlagen.

Im Kreditgeschäft war mit einem beanspruchten Volumen von 3,4 (3,3) Mio. Euro ebenfalls eine Seitwärtsbewegung zu verzeichnen. Eigentlich hatte Dr. Lingel sogar mit einem Rückgang gerechnet, insbesondere im Immobilienbereich, nachdem das Neugeschäft 2024 stark nach unten gegangen war. Im zweiten Halbjahr 2025 war aber eine deutliche Belebung des Geschäfts zu spüren.

In der Bauträgerzwischenfinanzierung gab es mit 949 (653) Mio. Euro überraschend sogar mehr Neugeschäft als im Vorjahr. Der Grund für den Anstieg war aber weniger die Finanzierung neuer Projekte als vielmehr eine vermehrte Hochbaufinanzierung, was Dr. Lingel tendenziell positiv bewertet. Er nimmt dies als Indiz dafür, dass die Märkte wieder anziehen. Die Kooperationspartner sahen dies mit Blick auf das deutlich höhere Ausplatzierungsvolumen von 251 (110) Mio. Euro offenbar ähnlich.

Im Mittelstandsbereich wuchs das Neugeschäft auf 201 (178) Mio. Euro. In allen Segmenten war ein Aufwärtstrend zu verzeichnen. Dr. Lingel bewertet dies positiv, nachdem das wirtschaftliche Umfeld weiterhin wenig förderlich ist. Und auch im Leasingbereich lief es gut. Das Neugeschäft lag mit 488 Mio. Euro über Plan. Insbesondere im Bereich Fahrzeuge und Fahrräder konnte das Portfolio weiter ausgebaut werden, was ein Erfolg ist, nachdem der Markt insbesondere im Fahrradbereich eher konsolidiert.

Bei der Vermittlung von Hypothekenfinanzierungen war ein massiver Umsatzzuwachs auf 200 (119) Mio. Euro zu verzeichnen. Die Nachfrage nach Immobilien nahm weiter zu. Aus damaliger Sicht meinte der Geschäftsführer dies als starkes Indiz dafür nehmen zu können, dass die Talsohle im Immobilienbereich durchschritten sein müsste.

Insgesamt sieht Dr. Lingel im Kreditportfolio weiterhin eine gute Diversifizierung gegeben. Zwar nimmt die Bauträgerzwischenfinanzierung mit einem Anteil von 52 Prozent weiterhin den größten Raum ein. Eigentlich soll der Wert stärker zurückgefahren werden. Die Märkte entwickelten sich aber nun einmal in diese Richtung. Der Leasingbereich steht für 30 Prozent des Volumens, der Mittelstand für 13 Prozent und der Bereich Immobilieninvestoren für 5 Prozent.

Positiv bewertet der Geschäftsführer die Kapitalentwicklung. Das harte Kernkapital konnte auf 246 (225) Mio. Euro weiter ausgebaut werden und das Gesamtkapital erhöhte sich auf 348 (332) Mio. Euro. Einmal mehr hob Dr. Lingel hervor, dass eine ausreichende Eigenkapitalausstattung die Basis für die Ausweitung des Kreditgeschäfts ist. Die regulatorischen Anforderungen sind in den letzten Jahren immer weiter gestiegen und es ist davon auszugehen, dass dies so weitergeht.

Ertragsseitig schlug vor allem das Zinsergebnis mit einem Zuwachs von 18 Prozent auf 113,2 (95,9) Mio. Euro positiv zu Buche – und dies bei einem ähnlichen Kreditvolumen. Zu verdanken ist dies Dr. Lingel zufolge der nochmals kräftigen Ausweitung der Zinsspanne auf 2,81 (2,46) Prozent, was erfreulich ist. Dies resultiert allerdings allein daraus, dass die Zinssenkungen auf der Einlagen- und Kreditseite unterschiedlich schnell weitergegeben werden, es handelt sich insoweit um einen Sondereffekt. Gleichwohl zeigte sich der Geschäftsführer sehr zufrieden mit diesem Zinsergebnis.

Das ebenfalls wichtige Provisionsergebnis stieg um 16 Prozent auf 36,5 (31,5) Mio. Euro. Die maßgebliche Rolle spielte hier die Vermögensanlage, in der sich das Provisionsergebnis auf 22,0 (18,4) Mio. Euro erhöhte, und mit dem steigenden Volumen dürfte dieser Betrag noch weiter zunehmen. Im Rentenhandel ging das Provisionsergebnis auf 1,8 (2,5) Mio. Euro zurück, was daran liegt, dass die institutionellen Investoren weniger aktiv waren. Im Filialgeschäft war eine Steigerung auf 5,4 (4,9) Mio. Euro zu verzeichnen und in der Vermittlung von Hypothekendarlehen gab es einen Zuwachs auf 4,9 (3,4) Mio. Euro.

Ertragsseitig war 2025 also ein gutes Jahr. Allerdings wurde laut Dr. Lingel auch wieder kräftig investiert, um die Strukturen an das wachsende Geschäftsvolumen anzupassen. Der Personalbestand wuchs auf 532 (515) Mitarbeiter, was in Verbindung mit den Lohnerhöhungen dazu führte, dass sich der Personalaufwand kräftig auf 45,5 (40,7) Mio. Euro erhöhte. Investiert wurde zudem in den Bereichen IT und Digitalisierung, in die Gebäude, das Marketing sowie die Prozessoptimierung.

Darüber hinaus wurde die Risikovorsorge inklusive der Zuführung zum Fonds für allgemeine Bankrisiken noch einmal kräftig auf 43,1 (27,9) Mio. Euro ausgeweitet. Der Geschäftsleitung schien dies geboten, nachdem sich die Immobilienmärkte noch nicht in der besten Verfassung befinden, was auch zu Ausfällen führt. Positiv bewertet Dr. Lingel immerhin, dass die höhere Risikovorsorge mit der steigenden operativen Ertragskraft wettgemacht werden konnte. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit liegt mit 27,3 Mio. Euro auf Vorjahresniveau und der Jahresüberschuss dank einer niedrigeren Steuerlast mit 12,6 (11,6) Mio. Euro sogar etwas darüber.

Sodann kam Dr. Lingel auf das Thema Dividende zu sprechen. Wie er aufzeigte, ist die Geschäftsleitung bei der Aufstellung des Jahresabschlusses noch davon ausgegangen, dass wieder eine Dividende gezahlt wird. Diese Information findet sich auch im Geschäftsbericht. Der Krieg im Iran mit der daraus resultierenden steigenden Inflation und den höheren Zinsen haben ihn und seine Kollegen aber zu einem Umdenken motiviert.

Im vergangenen Jahr war die Geschäftsleitung noch von weiter sinkenden Zinsen ausgegangen, was den positiven Trend im Immobilienmarkt beflügelt hätte. Jetzt werden die höheren Zinsen nach Befürchtung von Dr. Lingel dazu führen, dass die Baukosten wieder stärker steigen und noch weniger in Immobilien investiert wird. Aus Sicht der MERKUR PRIVATBANK müsse man deshalb von einer höheren Risikolage ausgehen. Die Geschäftsleitung und der Aufsichtsrat schlagen deshalb vor, aus Vorsichtsgründen auf die Ausschüttung einer Dividende zu verzichten und den Gewinn komplett zu thesaurieren.

Wenig glücklich ist der Geschäftsführer damit, dass die Aktie von der Entscheidung zum Dividendenverzicht spürbar in Mitleidenschaft gezogen wurde. Seit Jahresbeginn hat die Notierung um fast 30 Prozent nachgegeben. Er will dies jedoch als Motivation sehen, um das operative Ergebnis weiter nach vorne zu bringen und damit hoffentlich die Basis für Kurssteigerungen in der Zukunft zu legen.

In das laufende Jahr ist die MERKUR PRIVATBANK voller Hoffnung gestartet. Dr. Lingel war wie ausgeführt von einem wieder besseren Umfeld an den Immobilienmärkten ausgegangen. Dennoch sollte das Neugeschäft etwas reduziert werden mit dem Ziel, die Kreditbestände ein stückweit zurückzufahren. Dies erschien sinnvoll, nachdem das Volumen in den letzten Jahren stark zugenommen hatte, da Abverkäufe in der Krise vielfach nicht wie erwartet realisiert werden konnten.

Im ersten Quartal 2026 ging das Neugeschäft im Immobilienbereich auf 240 Mio. Euro zurück, es lag damit aber immer noch über Plan. In den Segmenten Leasing und Mittelstand entwickelte sich das Neugeschäft mit 84 Mio. Euro bzw. 33 Mio. Euro planmäßig, im Bereich Immobilieninvestoren waren es 60 Mio. Euro. Insgesamt entwickelte sich das Neugeschäft im ersten Quartal auf 417 (507) Mio. Euro rückläufig, damit aber noch über Plan.

Sehr erfreulich gestaltet sich weiterhin die Situation in der Vermögensanlage, in der allein von Januar bis März ein Nettowachstum von 213 Mio. Euro zu verzeichnen war. Die Assets under Management beliefen sich zum Ende des ersten Quartals auf 5,1 Mrd. Euro, aktuell sind es sogar rund 5,3 Mrd. Euro. Es ist das klare Ziel, den Bereich Vermögensanlage auch in den kommenden Jahren weiter auszubauen.

Das Zinsergebnis ging auf 26,4 (27,6) Mio. Euro zurück, da die Zinsspanne sich erwartungsgemäß wieder etwas auf 2,59 (2,71) Prozent reduzierte. Wie es weitergeht, ist unsicher. Eigentlich müssten die Zinsen auf der Kreditseite nach oben angepasst werden. In einem Immobilienmarkt, der sich seit Jahren in der Krise befindet, müsse man aber erst einmal sehen, inwieweit sich dies durchsetzen lässt. Stand heute geht Dr. Lingel davon aus, dass das Zinsergebnis etwas unter Druck gerät.

Das Provisionsergebnis konnte in den ersten drei Monaten hingegen weiter auf 9,4 (9,1) Mio. Euro gesteigert werden. Der Treiber war hier wiederum die Vermögensanlage mit einem Anteil von 6,7 (5,4) Mio. Euro. In den anderen Bereichen waren die Provisionserträge etwas niedriger, dies kann sich aber auch schnell wieder ändern.

Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit lag trotz einer auf 6,2 (7,6) Mio. Euro reduzierten Risikovorsorge mit 7,9 (8,9) Mio. Euro etwas niedriger. Das Periodenergebnis errechnet sich mit 2,8 (3,1) Mio. Euro. Im aktuellen Umfeld geht Dr. Lingel aber eher noch einmal von steigenden Risikokosten aus, die das Ergebnis belasten werden.

In der Vermögensanlage soll das Wachstum fortgesetzt werden. Innerbetrieblich wird nach den hohen Investitionen der vergangenen Jahre eher eine Konsolidierung angestrebt. Auch das Kapital soll konsolidiert werden, um die Risikotragfähigkeit weiter zu erhöhen. Dazu trägt auch die Vollthesaurierung des Gewinns bei. Insgesamt betrachtet Dr. Lingel die Aussichten etwas differenzierter als in den letzten Jahren. Er rechnet mit schwierigeren Rahmenbedingen. Mit ihrem breit diversifizierten Geschäftsmodell sieht er die MERKUR PRIVATBANK aber weiterhin gut positioniert, um flexibel auf sich verändernde Marktbedingungen reagieren zu können.


Allgemeine Aussprache

In der folgenden Aussprache gab es insgesamt acht Wortmeldungen. Neben Nikolaos Thalassinos von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und Daniel Bauer als Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) waren dies verschiedene Privataktionäre, die zumeist nur kurze Nachfragen und Anmerkungen hatten, sowie zwei Rechtsanwälte, deren Beiträge sich allein mit einem Projekt in Erfurt befassten.

Ein Großteil der Redner begann mit Glückwünschen zu dem sehr ordentlichen Ergebnis des Geschäftsjahres 2025, in dem das Ergebnis trotz des herausfordernden Marktumfelds immerhin stabil gehalten werden konnte. Aktionär Peter Senn rechnete vor, dass selbst nach der erhöhten Risikovorsorge und der Dotierung des Fonds für allgemeine Bankrisiken noch beachtliche 1,62 (1,49) Euro je Aktie verdient wurden. Auch die solide Entwicklung im ersten Quartal 2026 bewertete er positiv.

Unverständlich war ihm und anderen Rednern deshalb, dass komplett auf eine Dividendenzahlung verzichtet werden soll, obwohl für eine unveränderte Ausschüttung von 0,50 Euro nicht einmal 4 Mio. Euro benötigt worden wären. Und im Geschäftsbericht findet sich sogar noch der Hinweis, dass eine Dividende von 0,50 Euro gezahlt werden soll. Herr Bauer verlangte ebenso wie andere Redner Aufklärung, was in den gerade einmal fünf Wochen zwischen der Veröffentlichung des Geschäftsberichts und der Ad-hoc-Meldung über die geplante komplette Dividendenstreichung geschehen ist, das eine solche Kehrtwende notwendig erscheinen ließ.

An der Börse hatte diese Entscheidung zum Bedauern der Aktionäre einen Vertrauensverlust zur Folge. Die Kommunikation mit der überraschenden Ad-hoc-Meldung hielt Herr Bauer zumindest für unglücklich. Mehrfach wurde die Forderung nach einer nachvollziehbaren Begründung für die komplette Dividendenstreichung laut. Der Verweis auf das wieder schwierigere Umfeld im Bauträgerbereich reichte dem SdK-Vertreter nicht aus, zumal doch weiterhin eine hohe Nachfrage nach Immobilien zu verzeichnen sei, weshalb kaum mit sinkenden Preisen zu rechnen sei. Wertberichtigungen in größerem Umfang dürften damit nach Meinung des Aktionärsschützers nicht zu befürchten sein.

In seiner Antwort erläuterte Dr. Lingel, dass die Geschäftsleitung bis vor wenigen Wochen in Anbetracht der tendenziell sinkenden Zinsen und der damit verbundenen steigenden Nachfrage nach Finanzierungen noch von einer Aufhellung der Perspektiven am Immobilienmarkt ausgegangen war. Unter diesem Blickwinkel wurde der Jahresabschluss 2025 aufgestellt. Mit dem Iran-Krieg haben sich die Rahmenbedingungen nach Einschätzung der Geschäftsleitung aber drastisch verändert. Im April habe man die Sachlage deshalb neu bewertet und in der Folge den Dividendenvorschlag abgeändert. In der derzeitigen Situation muss davon ausgegangen werden, dass sich die Risikosituation deutlich verändern kann.

Mit Blick auf den starken Kursrückgang der Aktie räumte Dr. Lingel ein, dass die Kommunikation mit dem Kapitalmarkt vielleicht nicht optimal war. Zugleich bat er um Verständnis, dass das Interesse der Bank bei jeder Entscheidung an die erste Stelle gesetzt werden muss. Inwieweit sich die möglichen Risiken, für die zusätzliche Vorsorge getroffen wurde, tatsächlich realisieren, bleibt abzuwarten. Fakt ist aber, dass sich das Bauträgergeschäft inzwischen seit vier Jahren in der Krise befindet, was für immer mehr Unternehmen zum Problem wird. In diesem herausfordernden Umfeld hat sich das Portfolio der MERKUR PRIVATBANK in den letzten Jahren sehr stabil gehalten. Es lässt sich aber nicht voraussagen, ob dies so bleibt.

Dr. Lingel ist vor diesem Hintergrund fest überzeugt, dass die komplette Gewinnthesaurierung aus Vorsorgegesichtspunkten das Beste für die Bank ist. Natürlich wisse man nicht, wie es weitergeht. Stand heute muss aber davon ausgegangen werden, dass es zusätzliche Belastungen geben wird. Tatsächlich ist es richtig, dass die Mieten in den Ballungsräumen weiter steigen, weil die Nachfrage weiterhin hoch ist. Dass der Markt in der Breite wieder in Schwung kommt, kann der Geschäftsführer aber nicht erkennen. Institutionelle Investoren haben Renditeanforderungen, die sich in der aktuellen Marktsituation nicht realisieren lassen.

Anknüpfend daran wollte Herr Thalassinos wissen, ob die Dividendenpolitik im Allgemeinen Bestand hat. Dr. Lingel versicherte, dass die MERKUR PRIVATBANK grundsätzlich weiterhin ein dividendenfreundliches Unternehmen bleiben soll. Es muss aber immer wieder neu abgewogen werden, wie sich die Kapitalquoten und die Risikolage darstellen und was für das weitere Wachstum benötigt wird. Eine Korrektur der Dividendenpolitik ist mit dem diesjährigen Vorschlag zur Vollthesaurierung nicht verbunden, die Vorschläge müssen aber gegebenenfalls an die jeweilige Situation angepasst werden.

Ein weiterer Aktionär zeigte in Anbetracht der immer weiter steigenden aufsichtsrechtlichen Anforderungen an die Kapitalquoten Verständnis für den Dividendenverzicht. Eine ausreichende Kapitalausstattung ist nun einmal die Voraussetzung dafür, dass weiteres Wachstum realisiert werden kann. Eine Gewinnthesaurierung hat in dieser Hinsicht zudem den Vorteil, dass sich die Kapitalquoten sofort verbessern.

Auf seine Nachfrage nach den aktuellen Kennzahlen informierte Geschäftsleitungsmitglied Dr. Andreas Maurer, dass sich die Gesamtkapitalquote im Geschäftsjahr 2025 leicht auf 12,2 (13,0) Prozent reduzierte. Die Kernkapitalquote belief sich zum 31. Dezember 2025 auf 10,3 (10,6) Prozent. Aktuell bewegen sich die Werte auf einem vergleichbaren Niveau. Die NPL-Quote lag im Mai 2026 bei 6,2 Prozent. Der RSI-Stresstest führt aktuell zu keiner Auswirkung, dies wurde erst Anfang Juni 2026 bestätigt.

Großes Interesse hatten Herr Thalassinos und Herr Bauer an einer Einschätzung, wie es nach der deutlicher Ausweitung in der Berichtsperiode mit der Risikovorsorge weitergeht. Aktionär Stauffenberg fragte konkret, ob der im Geschäftsbericht genannte Betrag von 30,9 Mio. Euro für die Risikovorsorge im laufenden Jahr noch Bestand hat. Ihm erschien dies ohnehin schon viel zu sein, dies entspricht schließlich mehr als 1 Prozent des gesamten Kreditbestands. Ihn interessierte, wie viele Kredite tatsächlich notleidend sind.

Nach Aussage von Dr. Maurer hat der Immobilienbereich wie ausgeführt einen Anteil von 52 Prozent am Kreditportfolio und gerade in diesem Segment gibt es derzeit enorme Unsicherheiten. Wie viele Kunden ihren vertraglichen Verpflichtungen aktuell nicht nachkommen, konnte er nicht offenlegen. Er teilte jedoch mit, dass ganz aktuell im Mai 2026 die Risikovorsorge im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 11,9 (9,4) Mio. Euro ausgeweitet wurde. Die Risiken, die sich aus der seit vier Jahren ausbleibenden Markterholung ergeben, müssen abgebildet werden.

Befragt nach den Erwartungen bei den Personalkosten teilte Dr. Lingel mit, dass der starke Anstieg dieser Position im vergangenen Jahr teils aus dem Aufbau des Mitarbeiterstamms und teils aus Lohnerhöhungen resultiert. Vorerst soll der Personalbestand nicht mehr weiter aufgebaut, sondern konsolidiert werden. Dazu wird auch die hohe Ausbildungsquote beitragen. Die Motive für den starken Aufbau waren in erster Linie die innerbetrieblichen Strukturen sowie die Stärkung des Vertriebs. Vor allem im Mittelstands- und Leasingbereich soll das Geschäft gerne noch ausgeweitet werden. Mit den jetzigen Strukturen wäre dies möglich, ohne dass die Kosten weiter ansteigen. Die Cost-Income-Ratio lag mit 49,8 Prozent auch schon im vergangenen Jahr auf einem sehr guten Wert.

Herr Bauer thematisierte noch einmal das rückläufige Geschäft im Rentenhandel. Als Grund nannte Dr. Lingel, dass der Rentenhandel bei der MERKUR PRIVATBANK stark geprägt ist von den Umsätzen institutioneller Anleger, die weniger aktiv waren. Teilweise haben sie Papiere verkauft und nicht mehr reinvestiert. Damit gingen die Umsätze und auch die Spannen zurück. Das kann sich aber schnell wieder ändern, der Rentenhandel ist traditionell ein volatiler Bereich.

Herr Stauffenberg hatte im Geschäftsbericht von „Rettungserwerben“ gelesen, die eine Abschreibung von 845 Tsd. Euro zur Folge hatten. Auf seine Nachfrage informierte Geschäftsleitungsmitglied Sven Krause, dass zur Vermeidung von Verlusten im Kreditgeschäft teilweise Immobilien in den Eigenbestand übernommen wurden. Im Geschäftsjahr 2025 summierte sich das Volumen auf 14,5 Mio. Euro. Je nach Situation kann dieses Vorgehen sinnvoller sein, als die Objekte um jeden Preis zu verkaufen. Eine Immobilie soll dauerhaft im Bestand gehalten werden.

Im Verlauf der Debatte traten außerdem zwei Rechtsanwälte ans Rednerpult. Das zentrale Thema ihrer Ausführungen war ein spezielles Projekt in Erfurt, aus dem ihrer Meinung nach ein größeres Risiko für die MERKUR PRIVATBANK erwachsen könnte, für das ihrer Auffassung nach im Jahresabschluss 2025 nicht ausreichend Vorsorge getroffen wurde. Sie stellten eine ganze Reihe von Detailfragen zu diesem Projekt.

In seiner Antwort informierte Dr. Lingel, dass die MERKUR PRIVATBANK dieses Projekt zwar finanziert hat. Verantwortlich für die Durchführung sind aber die Geschäftsführer und Gesellschafter der Projektgesellschaft. Im Übrigen konnte er schon wegen des Bankgeheimnisses keine Aussage zu einem einzelnen Engagement treffen. Wichtig war ihm der Hinweis, dass sich die MERKUR PRIVATBANK immer an Gesprächen beteiligt und offen gezeigt hat, um Lösungen zu finden. Die Frage nach dem aktuellen Stand des Projekts müssen die operativ verantwortlichen Geschäftsführer beantworten. Dass die Risiken ausreichend berücksichtigt sind, bestätigte der Abschlussprüfer mit seinem Testat.

Die beiden Rechtsanwälte waren mit dieser Antwort nicht zufrieden. Sie gaben die Fragen als unbeantwortet und insgesamt Widerspruch zu Protokoll.


Abstimmungen

Vor Eintritt in die Abstimmungen verkündete Herr Friedhofen die Präsenz. Auf der Hauptversammlung waren 6.424.599 Aktien vertreten. Bezogen auf das gesamte Grundkapital von 19.913.600 Euro, eingeteilt in 7.778.750 Aktien, entsprach dies einer Quote von 82,59 Prozent. Alle Beschlüsse wurden mit Mehrheiten über 98 Prozent gefasst. Im Einzelnen waren dies die Feststellung des Jahresabschlusses (TOP 2), die Einstellung des auf die Kommanditaktionäre entfallenden Teil des Bilanzgewinns in die Gewinnrücklagen (TOP 3), die Entlastung der persönlich haftenden Gesellschafter (TOP 4) und des Aufsichtsrats (TOP 5) sowie die Bestellung der Deloitte GmbH zum Abschlussprüfer (TOP 6). Gegen 13:30 Uhr war die Versammlung beendet.


Fazit

Die MERKUR PRIVATBANK hat das Geschäftsjahr 2025 insbesondere vor dem Hintergrund der weiterhin herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen solide abgeschlossen. Ein Highlight ist die weiterhin starke Entwicklung im Bereich Vermögensanlage, in dem die Assets under Management auf mehr als 5 Mrd. Euro ausgeweitet werden konnten. Sowohl das Zins- als auch das Provisionsergebnis legten zu und der Jahresüberschuss lag trotz einer deutlichen Ausweitung der Risikovorsorge und den vorbereitenden Investitionen für die Ausweitung des Geschäftsvolumens ebenfalls über dem Vorjahreswert. Das Ergebnis je Aktie kletterte auf 1,62 (1,49) Euro.

Die Meldung, dass trotz des wirtschaftlichen Erfolgs entgegen der ursprünglichen Planung komplett auf eine Dividendenzahlung verzichtet werden soll, kam damit wenige Wochen vor der Hauptversammlung sehr überraschend und führte erwartungsgemäß zu vielen Nachfragen. Dr. Lingel hält dieses Vorgehen aber für sinnvoll, nachdem sich die Rahmenbedingungen im Immobilienmarkt mit der höheren Inflation und den tendenziell steigenden Zinsen wieder spürbar eingetrübt haben. Die Geschäftsleitung ist vor diesem Hintergrund fest überzeugt, dass die komplette Gewinnthesaurierung aus Vorsorgegesichtspunkten das Beste für die Bank ist.

An der Börse kam die Meldung über die Dividendenstreichung nicht gut an. Die Aktie verlor in den folgenden Wochen fast 30 Prozent an Wert und notiert mit 13,50 Euro jetzt wieder auf dem gleichen Niveau wie Anfang 2025. Für Anleger mit einem etwas längeren Atem könnte dieser unerwartete Rückschlag durchaus eine interessante Einstiegsgelegenheit darstellen. Mit der nochmaligen deutlichen Ausweitung der Risikovorsorge sollte jetzt für alle Eventualitäten vorgesorgt sein. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass sich der Substanzwert der Aktie, der sich aus dem Eigenkapital und dem Fonds für allgemeine Bankrisiken zusammensetzt, inzwischen auf 32 Euro beläuft.


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Veröffentlichungsdatum: 14.08.2026 - 13:09
Redakteur: mwa
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