Die 3U HOLDING AG hatte für den 3. Juni 2026 zur Hauptversammlung in das Hotel VILA VITA Rosenpark in Marburg eingeladen. Etwa 50 Aktionäre und Gäste hatten sich dort eingefunden, um sich über die auf die Segmente Informations- und Telekommunikationstechnik (ITK), Erneuerbare Energien sowie Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) ausgerichtete Management- und Beteiligungsgesellschaft zu informieren. Für GSC Research befand sich Matthias Wahler vor Ort.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Thoenes eröffnete die Versammlung um 11 Uhr und teilte mit, dass sich alle drei Vorstandsmitglieder eingefunden haben und auch sämtliche Aufsichtsratsmitglieder vertreten sind. Michael Schmidt war zwar nicht physisch zugegen, er nahm aber, wie die anwesenden Aktionäre an dem aufgestellten Tablet erkennen konnten, im Wege der Bild- und Tonübertragung teil. Das Protokoll führte Notar Dr. Andreas Kögel.
Nach Erläuterung der Formalien übergab Herr Thoenes das Wort an den Vorstand. Im Anschluss an dessen Ausführungen verlas er den Aufsichtsratsbericht.
Bericht des Vorstands
Im ersten Teil des Vorstandsberichts begann Finanzvorstand Christoph Hellrung mit einem Rückblick auf die zentralen Ereignisse und Entwicklungen im Geschäftsjahr 2025, in dem sich das wirtschaftliche und geopolitische Umfeld einmal mehr herausfordernd gestaltete. Für 3U war es nach seiner Aussage ein Jahr wichtiger Entscheidungen und Weichenstellungen, in dem der Grundstein für eine stabilere Zukunft gelegt wurde, was angesichts der herausfordernden Rahmenbedingungen auch zwingend erforderlich war.
Es gab durchaus positive Entwicklungen. An dieser Stelle hob Herr Hellrung insbesondere den erfolgreichen Abschluss des Repowering-Projekts im Windpark Langendorf hervor, mit dem dessen Kapazität auf 43 Megawatt fast verdoppelt werden konnte. Ebenso war es positiv, dass die Anfang 2025 im Segment SHK erworbene EMPUR-Gruppe erfolgreich integriert und ein dreistufiges Vertriebsmodell im SHK-Segment etabliert werden konnte. Zudem nannte er den Beginn einer neuen KI- und Robotics-Strategie, die zunächst als Inhouse-Lösung konzipiert ist, dies aber auch schon mit dem Gedanken an eine Expansion für die externe Vermarktung.
Allerdings gab es Herrn Hellrung zufolge auch verschiedene Herausforderungen zu bewältigen. Zuvorderst nannte er die Notwendigkeit zum Abbruch der bereits weit fortgeschrittenen Übernahmegespräche mit einem führenden Onlinespezialisten für Haustechnik, der das SHK-Segment in eine neue Größendimension gebracht hätte. Leider erwies es sich aufgrund geänderter Markbedingungen aber als unmöglich, eine akzeptable Einigung zu finden. Als Folge daraus wurde der geplante Börsengang des Onlinehandels für Haustechnikprodukte Selfio unmöglich, was eine umfassende Restrukturierung erforderlich machte.
In Verbindung mit dem schwachen konjunkturellen Umfeld war die SHK-Problematik nach Angabe von Herrn Hellrung der Grund dafür, dass im November 2025 die Prognose angepasst werden musste. Die reduzierten Ziele wurden dann im Wesentlichen erreicht. Zugleich versicherte der Finanzvorstand, dass für 2026 und die Folgejahre die Rückkehr zu einem profitablen Wachstum ganz oben auf der Agenda steht. Um dies zu erreichen, wurde eine strategische Neuausrichtung mit Fokus auf die organische Stärke und eine verbesserte Profitabilität gestartet.
Sodann präsentierte Herr Hellrung die wesentlichen Zahlen des Geschäftsjahres 2025, in dem sich der Konzernumsatz auf 53,0 (Vorjahr: 55,7) Mio. Euro rückläufig entwickelte und das EBITDA auf minus 3,7 (plus 3,8) Mio. Euro abrutschte. Das negative Ergebnis war Herrn Hellrung zufolge im Wesentlichen den Restrukturierungsaufwendungen und M&A-Beraterkosten im Segment SHK sowie dem erwarteten Umsatzrückgang im ITK-Bereich geschuldet. Bewusst wurde dabei ein wesentlicher Teil der belastenden Aufwendungen sofort ergebniswirksam verbucht, um ohne nennenswerte Sonderlasten ins Jahr 2026 starten zu können.
Trotz aller Herausforderungen hat sich das auf drei Säulen aufgebaute Geschäftsmodell nach Überzeugung des Finanzchefs als widerstandsfähig und gut diversifiziert erwiesen. Der Umsatzrückgang auf 13,2 (19,2) Mio. Euro im Segment ITK war dem Wegfall des Call-by-Call-Geschäfts geschuldet und erwartet worden. In der Folge ging das Segment-EBITDA zwar auf 2,8 (4,4) Mio. Euro zurück, die EBITDA-Marge bewegt sich mit 21,1 (22,8) Prozent aber weiterhin auf einem hohen Niveau. Die Kerngeschäftsfelder Voice Business und Managed Services entwickeln sich stabil und der Ausbau der Managed Services bei mittelständischen Kunden schreitet planmäßig voran.
Im Segment Erneuerbare Energien wurde nach Angabe von Herrn Hellrung beim Repowering-Projekt im Windpark Langendorf ein Meilenstein erreicht. Wie er aufzeigte, gingen im Dezember 2025 zwei der fünf neuen Windenergieanlagen und kurz darauf auch die drei verbliebenen ans Netz. Die installierte Leistung des Windparks konnte damit von 22,5 auf 43,0 Megawatt nahezu verdoppelt werden. Konzernweit verfügen die 3U-Energieparks nun über eine Nennleistung von rund 73 Megawatt, was sich deutlich positiv auf die künftigen Erlöse auswirken wird. Als sehr positiv bewertete der Finanzvorstand auch die Steigerung des Stromertrags aus Sonnenenergie im vergangenen Jahr auf über 10 Gigawattstunden.
Der Umsatz ging im Segment Erneuerbare Energien wesentlich bedingt durch die Umbauarbeiten im Windpark Langendorf leicht auf 4,6 (4,8) Mio. Euro zurück. Zudem war 2025 ein schwaches Windjahr. Aus dem Segment-EBITDA von 2,9 (3,5) Mio. Euro errechnet sich dennoch eine sehr hohe Marge von 63,3 (73,8) Prozent und ab 2026 ist mit den deutlich größeren Kapazitäten auch wieder Wachstum zu erwarten. Zudem wurde inzwischen auch eine Repowering-Maßnahme beim Windpark Klostermoor beantragt, wodurch sich die dortige Erzeugerkapazität mittelfristig von 6,0 auf bis zu 35 Megawatt annähernd versechsfachen soll.
Am herausforderndsten gestaltete sich die Situation nach Aussage von Herrn Hellrung im Segment SHK, in dem zu Jahresbeginn mit der Übernahme der EMPUR-Aktivitäten ein wichtiger strategischer Schritt vollzogen wurde. EMPUR zählt zu den größten Systemanbietern von wassergeführten Flächenheizungen in Deutschland, womit die Wertschöpfung im Segment SHK nachhaltig vertieft werden konnte. Zudem wurde www.selfio.de von COMPUTER Bild und Statista einmal mehr als einer von Deutschlands besten Online-Shops ausgezeichnet.
Mit dem notwendigen Abbruch der Übernahmegespräche mit einem führenden Onlinespezialisten für Haustechnik, da die finanziellen Rahmenbedingungen nicht mehr den Marktentwicklungen entsprachen, wurde dann aber der eigentlich fest geplante Börsengang der Selfio SE unmöglich, was eine umfassende Restrukturierung des SHK-Segments erforderlich machte. Das auf minus 6,4 (minus 2,0) Mio. Euro verschlechterte Segment-EBITDA war zum Teil auch geprägt von den Restrukturierungsaufwendungen von 1,2 Mio. Euro insbesondere für Personalanpassungen.
Herr Hellrung fuhr fort mit einem kurzen Überblick über die Immobilien-Investments, die sich positiv und planmäßig entwickeln. Die neue Konzernzentrale in Marburg, für die 3U eine Auszeichnung von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) erhalten hat, ist seit Februar 2025 bezogen. Zufrieden ist der Finanzvorstand ebenso mit der Entwicklung der Büroflächen in Würzburg und der Teilvermietung der 2025 erworbenen Flächen in Buchholz-Mendt, womit insgesamt rund 300 Tsd. Euro Mieterlöse pro Jahr generiert werden.
Sodann kam Herr Hellrung auf das Bitcoin-Investment zu sprechen. Wie er aufzeigte, wurden 2024 zunächst ein Kernbestand von 200 Bitcoin als langfristig orientierte Wertanlage und im Jahresverlauf 2025 weitere 227 Bitcoin für rund 20 Mio. Euro erworben. Er sieht in dieser Position, wie er unterstrich, keine Spekulation, sondern ein Investment, um das Gesellschaftsvermögen diversifiziert und werthaltig anzulegen. Trotz der unterjährigen Kursschwankungen sehen Vorstand und Aufsichtsrat den Bitcoin in einer Phase wachsender globaler Bedeutung, woran 3U teilhaben soll.
Zufrieden zeigte sich der Finanzvorstand auch mit den Bilanzrelationen. Die Eigenkapitalquote bewegte sich zum Jahresultimo mit 49,8 (69,2) Prozent weiterhin auf einem hohen Niveau. Der Rückgang ist dem negativen Konzernergebnis infolge der Restrukturierung des SHK-Segments und den teilweise fremdfinanzierten Investitionen in das zukünftige Wachstum in Verbindung mit einer Verlängerung der Bilanzsumme geschuldet. Mit einer Nettoverschuldung von 49,1 Mio. Euro und liquiden Mitteln von 12,1 Mio. Euro zum Bilanzstichtag sieht er weiterhin eine solide Finanzierung gegeben.
Gerne leitete Herr Hellrung dann zum ersten Quartal 2026 über, in dem ein großer Schritt zur Erreichung der Jahresziele und der Rückkehr in die Gewinnzone gelungen ist. Zwar ging der Konzernumsatz in einem nach wie vor herausfordernden konjunkturellen Umfeld und wegen der SHK-Restrukturierung auf 12,4 (14,6) Mio. Euro zurück. Das EBITDA drehte dank der Kapazitätserweiterung im Segment Erneuerbare Energien aber mit plus 0,7 (minus 0,2) Mio. Euro dennoch in den positiven Bereich, was eine solide EBITDA-Marge von 5,6 Prozent bedeutet.
Im Segment ITK konnte trotz des erwarteten Umsatzrückgangs auf 3,3 (3,7) Mio. Euro ein stabiles Ergebnis von 0,9 Mio. Euro erzielt werden, womit die Marge auf einen Höchstwert von 27,5 (24,4) Prozent kletterte. Im Bereich Erneuerbare Energien legte der Umsatz im ersten Quartal mit der Ausweitung der Kapazitäten deutlich auf 2,0 (1,1) Mio. Euro zu und das EBITDA konnte sogar auf 1,4 (0,7) Mio. Euro verdoppelt werden. Im Segment SHK zeigten sich erste positive Effekte der Restrukturierung. Bei einem Umsatz von 7,4 (10,0) Mio. Euro war das EBITDA mit unverändert minus 0,8 Mio. Euro aber erwartungsgemäß noch weiterhin negativ.
Das Konzernergebnis wird im ersten Quartal mit minus 8,4 (minus 1,3) Mio. Euro deutlich negativ ausgewiesen. Ursächlich war Herrn Hellrung zufolge die notwendige stichtagsbedingte Abschreibung in Höhe von 7,2 Mio. Euro auf die Bitcoin-Bestände, nachdem der Kurs der Kryptowährung stark nachgegeben hatte. Der Finanzvorstand hofft auf eine Wertaufholungen im zweiten Quartal. Finanziell sieht er den Konzern mit einer auf 16,5 Mio. Euro gestiegenen Liquidität und einer Eigenkapitalquote von 45,1 Prozent weiterhin solide aufgestellt.
An dieser Stelle übernahm das für Strategie und Geschäftsentwicklung zuständige Vorstandsmitglied Uwe Knoke. Er sieht 2026 als Jahr des Aufbruchs, in dem nach der Phase der Konsolidierung und strategischen Neuausrichtung der Fokus auf einem nachhaltigen und profitablen Wachstum aus eigener Kraft liegen soll.
Im Segment Erneuerbare Energien will er den Ausbau der Kapazitäten konsequent vorantreiben. Insbesondere soll dies durch das Repowering-Projekt in Klostermoor und die Entwicklung eines neuen Windparkprojekts in Nordrhein-Westfalen gelingen. Im Segment SHK soll der Schwerpunkt auf der vollständigen Integration von EMPUR und der weiteren Straffung des Sortiments liegen. In der gesamten Gruppe soll die Effizienz gesteigert werden. Eine zunehmend wichtige Rolle spielt dabei die Nutzung von KI. In diesem Bereich werden gezielt Kompetenzen aufgebaut mit der Perspektive, diese in Zukunft auch extern als Service anzubieten.
Herr Knoke zeigte sich zuversichtlich, dass 3U trotz der anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen 2026 die Rückkehr zu einem deutlich profitablen Wachstum gelingen wird. Das Ziel ist es, den Umsatz auf 55 bis 60 Mio. Euro zu steigern und das EBITDA auf deutlich positive 6 bis 8 Mio. Euro auszubauen, was einer Marge von rund 12 Prozent entsprechen würde. Möglich machen sollen dies neben dem Wegfall der Sonderbelastungen ein deutlich höherer Ergebnisbeitrag des Segments Erneuerbare Energien sowie insgesamt eine deutlich verbesserte Effizienz im gesamten Konzern.
Als Wachstumsmotor des laufenden Jahres sieht der Vorstand die deutliche Kapazitätserweiterung im Bereich Erneuerbare Energien, durch die sich der Segmentumsatz auf mehr als 10 Mio. Euro verdoppeln wird. Zugleich soll das Segment-EBITDA auf 8 Mio. Euro massiv zulegen, was einer Marge von über 70 Prozent entsprechen würde. Mittelfristig steht das Ziel, die Nennleistung im Konzern mit dem Repowering bestehender Anlagen und weiteren Projektentwicklungen auf über 100 Megawatt weiter auszubauen.
Im Segment ITK rechnet Herr Knoke mit einer Stabilisierung des Umsatzes auf dem Niveau des Vorjahres und einer spürbaren Verbesserung der EBITDA-Marge auf 26 bis 28 Prozent. Das Segment SHK soll mit einer deutlich verbesserten Kostenbasis schrittweise wieder in Richtung Profitabilität entwickelt werden. Dazu beitragen wird auch die inzwischen fast vollständig integrierte EMPUR-Gruppe. Im laufenden Jahr wird das Ergebnis in dem schwierigen Marktumfeld allerdings noch einmal leicht negativ erwartet.
Insgesamt ist der Vorstand unverändert überzeugt von den positiven Perspektiven für die Zukunft. 3U verfügt, wie er noch einmal zusammenfasste, über ein solides und diversifiziertes Geschäftsmodell mit starken Positionen in zentralen Zukunftsmärkten. Ihm ist allerdings sehr wohl bewusst, dass nach dem anspruchsvollen Jahr 2025 das Vertrauen am Kapitalmarkt erst wieder erarbeitet werden muss.
Herr Knoke schloss mit einigen Ausführungen zur Tagesordnung. Der Schwerpunkt lag auf TOP 7, unter dem die Erweiterung des Unternehmensgegenstands auf den Erwerb, das Halten und Verwalten von Krypto-Assets und Immobilien vorgeschlagen wurde. Vorstand und Aufsichtsrat halten dies für sinnvoll, nachdem der Bitcoin-Bestand mittlerweile eine materielle Größenordnung erreicht hat und dieses Asset dann als Sicherheit für Kreditlinien eingesetzt werden kann. Letztlich wird der Unternehmensgegenstand nur an die tatsächlichen Gegebenheiten angepasst.
Allgemeine Aussprache
In der folgenden Aussprache gab es insgesamt neun Wortmeldungen. Neben Rechtsanwältin Selina Ackermann als Vertreterin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) trat eine ganze Reihe von Privataktionären ans Rednerpult, von denen insbesondere Christian Werner einen ganzen Strauß von Fragen mitgebracht hatte.
Ein großes Thema praktisch aller Redner war das nochmals ausgeweitete Bitcoin-Investment. Mehrere Aktionäre sprachen sich entschieden gegen diese hochspekulative Geldanlage aus, deren Sinnhaftigkeit sich ihnen nicht erschloss. Herr Werner konnte sich mit dem Engagement arrangieren, forderte den Vorstand aber auf, den Bestand an der Kryptowährung zumindest nicht weiter auszubauen. Ein Aktionär sah im Bitcoin grundsätzlich ein sinnvolles Investment. Wichtig war ihm eine sichere Verwahrung, damit der Schatz nicht durch einen Hackerangriff verlorengeht.
Frau Ackermann wollte wissen, welchen konkreten strategischen Mehrwert der Vorstand vom Bitcoin-Investment über Kursgewinne hinaus erwartet. Sie hätte es lieber gesehen, wenn die dafür genutzten Mittel ins operative Geschäft investiert oder als Dividende ausgezahlt worden wären. Des Weiteren interessierte sie, wie sensitiv Ergebnis und Eigenkapital auf die enormen Kursschwankungen des Bitcoin reagieren, wie sehr sich der Vorstand vor dem Investment mit dem Thema beschäftigt hat und inwieweit eine Regelung zur Risikobegrenzung getroffen wurde.
Wie Herr Hellrung ausführte, erfüllt der Bitcoin aus 3U-Sicht drei Funktionen. Erstens soll das Investment in einem stark inflationären Umfeld vor Geldentwertung schützen. Die Menge an Bitcoin ist bekanntlich mathematisch auf 21 Millionen Einheiten begrenzt. Zweitens sieht der Vorstand das Investment als finanzielle Reserve, die mobilisiert werden kann, wenn sich eine interessante Akquisitionsmöglichkeit auftut oder unerwartet Liquidität benötigt wird. Und drittens sieht Herr Hellrung den Bitcoin als flexibles Treasury-Instrument, das es ermöglicht, einen Teil der Liquidität außerhalb des klassischen Banken- und Zinssystems zu halten. Insgesamt handelt es sich also um einen unabhängigen, knappen und liquiden Wertspeicher.
Die Entscheidung zu dem Investment in Bitcoin fiel laut Herrn Hellrung, als eine geplante große Akquisition abgebrochen wurde und damit substanzielle Mittel zur Neuallokation zur Verfügung standen. Man habe daraufhin abgewogen zwischen operativen Investitionen, einer Ausschüttung und einer neuen Treasury-Allokation. Nachdem die operativen Investitionen parallel getätigt wurden und eine Sonderdividende oder der Rückkauf eigener Aktien nur eine einmalige Maßnahme gewesen wären, fiel die Entscheidung für das Bitcoin-Investment, das strategische Flexibilität und langfristigen Werterhalt bietet. Der Bitcoin ersetzt also keine operativen Investitionen, sondern ergänzt das Portfolio.
Weiter führte der Finanzvorstand aus, dass die 427 Bitcoin zum 31. Dezember 2025 mit einem Buchwert von 31,8 Mio. Euro angesetzt waren. Dies entsprach rund 40 Prozent des Eigenkapitals von 78,9 Mio. Euro. Die Bilanzierung erfolgt gemäß IFRS als immaterieller Vermögenswert zu den Anschaffungskosten abzüglich etwaiger Wertminderungen. Kurssteigerungen über den Buchwert hinaus werden nicht erfasst. Im ersten Quartal 2026 wurden 7,2 Mio. Euro ergebniswirksam abgeschrieben, womit sich der Buchwert auf 24,6 Mio. Euro entsprechend einem Anteil von rund 35 Prozent am Eigenkapital reduzierte. Durchschnittlich errechnet sich ein Buchwert von 57.526 Euro je Bitcoin.
Herr Hellrung versicherte, dass das Bitcoin-Investment kein spontaner Entschluss, sondern das Ergebnis eines mehrmonatigen Prüfungsprozesses war, bei dem auch externe Expertise unter anderem zur Bilanzierung dieses digitalen Vermögenswerts nach IFRS, zur sicheren Verwahrung sowie zur aktienrechtlichen Beurteilung eingeholt wurde. Der Abschlussprüfer war ebenfalls eingebunden. Die Verwahrung erfolgt nach Angabe des Finanzvorstands in einem professionellen Rahmen mit einem Mehr-Augen-Prinzip und kontrolliertem Zugriff. Mehr Details wollte er sicherheitshalber nicht offenlegen.
Zum Thema Risikobegrenzung informierte Herr Hellrung, dass Vorstand und Aufsichtsrat interne Risikolimits definiert und als Obergrenze für die Position einen Betrag von 25 Prozent der Bilanzsumme festgelegt haben. Käufe darüber hinaus würden die Einwilligung des Aufsichtsrats erfordern. Wichtig war ihm der Hinweis, dass selbst ein hypothetischer vollständiger Wertverlust des Bitcoin die Liquiditäts- und Vermögenslage nicht gefährden würde. Automatische Stopp-Loss-Marken scheinen dem Vorstand bei einer solchen Kapitalanlage nicht das richtige Instrument zu sein, da dies in volatilen Marktphasen zu prozyklischen Fehlentscheidungen führen könnte. Stattdessen wurde ein Eskalationsprozess mit Szenarien definiert, in denen eine Reduzierung der Position geboten wäre, etwa bei einer Änderung des regulatorischen Rahmens.
Auf Nachfrage von Herrn Werner ergänzte der Finanzvorstand, dass sich auch aktuell 427,1 Bitcoin im Bestand befinden. Im bisherigen Jahresverlauf 2026 hat es keine Veränderung gegeben. Eine Stellungnahme der Finanzverwaltung zur Bitcoin-Abschreibung liegt noch nicht vor. Es wurde noch keine Steuererklärung für das Geschäftsjahr 2025 eingereicht. Grundsätzlich ist natürlich beabsichtigt, Verluste konzernweit im Rahmen des geltenden Rechts zu nutzen.
Skeptisch zeigte sich Herr Werner, ob es tatsächlich Sinn machen kann, den Bitcoin-Bestand als Sicherheit für Darlehen zu verwenden. Nach seiner Einschätzung könnte dies mit Blick auf die enorme Volatilität der Kryptowährung schnell problematisch werden, wenn der Kurs stark fällt. Herr Hellrung zeigte sich dieser Problematik bewusst. Die Nutzung als Sicherheit käme nach seiner Aussage nur mit einem ausreichenden Sicherheitspuffer infrage und auch nur für operative Zwecke, nie zur Hebelung weiterer Kryptoanlagen.
Schließlich stellte Herr Hellrung nochmals klar, dass Investitionen ins operative Geschäft selbstverständlich immer Vorrang haben. Bei dem Bitcoin-Investment ging es nur darum, freie Liquidität nicht ungenutzt liegenzulassen. Eine vollständige Finanzierung der Projekte im Bereich Erneuerbare Energien und im SHK-Segment war insoweit die Voraussetzung dafür, dass überhaupt in Bitcoin investiert wurde.
Weitere Diskussion
Des Weiteren wollte die DSW-Sprecherin wissen, welcher Teil des negativen EBITDA im Geschäftsjahr 2025 auf Einmaleffekte zurückzuführen war oder ob es strukturelle Probleme gibt. Großes Interesse hatte sie zudem an einer Aussage, wann wieder mit nachhaltig positiven Ergebnissen und Cashflows gerechnet werden kann.
Nach Aussage von Herrn Hellrung waren im Ergebnis mehrere Einmaleffekte enthalten. Neben den erhöhten M&A-Kosten aus dem Akquisitionsprozess und den Restrukturierungsaufwendungen im SHK-Segment fallen auch die Anlaufkosten aus dem EMPUR-Erwerb in diese Kategorie. Das bereinigte EBITDA war deutlich weniger negativ und bereits im laufenden Jahr wird, getragen vor allem von der Kapazitätserweiterung im Segment Erneuerbare Energien, wieder ein positives EBITDA zwischen 6 und 8 Mio. Euro erwartet. Auch der operative Cashflow soll positiv ausfallen.
Ferner erkundigte sich Frau Ackermann, wann aus dem Repowering in Langendorf ein positiver Ergebnisbeitrag zu erwarten ist und wie die Renditeerwartungen eingeschätzt werden. Hierzu teilte Herr Hellrung mit, dass seit dem ersten Quartal alle fünf Anlagen vollständig in Betrieb sind und einen positiven Ergebnisbeitrag liefern. Die Renditeerwartungen basieren auf der EEG-gesicherten Vergütung von rund 9 Cent je Kilowattstunde bis zum Jahr 2044 bei den fünf neuen Anlagen mit einer installierten Leistung von 31,0 Megawatt, die installierte Gesamtleistung des Windparks beläuft sich auf 43,0 Megawatt. Die Eigenkapitalrendite liegt im zweistelligen Prozentbereich.
Die Frage nach den Auswirkungen der steigenden Zinsen und der schwachen Konjunktur auf das Geschäft musste der Finanzvorstand je nach Geschäftsbereich unterschiedlich beantworten. Das ITK-Segment ist dank der über mehrere Jahre laufenden Serviceverträge weitgehend konjunkturunabhängig. Das Segment Erneuerbare Energien ist dank der festen Einspeisevergütung ebenfalls robust gegen Konjunkturzyklen, reagiert aber sensitiv auf steigende Zinsen. Am stärksten betroffen ist das SHK-Segment, da der Wohnungsbau und die Kaufbereitschaft von Handwerkern direkt auf die Konjunktur und das Zinsniveau reagieren.
Ferner bat Frau Ackermann um ergänzende Ausführungen zu den Gründen für das Scheitern der Übernahmeverhandlungen im SHK-Segment im Frühjahr 2025, welche Kosten dies verursacht hat und welche Konsequenzen gezogen wurden.
In seiner Antwort versichere Herr Knoke, dass der Abbruch der Verhandlungen unumgänglich war, nachdem sich die Rahmenbedingungen so geändert hatten, dass der Abschluss nicht mehr im Interesse der Aktionäre gewesen wäre. Die wirtschaftlichen Prämissen, auf denen der ursprünglich vereinbarte Kaufpreis basierte, hatten sich erheblich verändert, womit der vereinbarte Preis nicht mehr zu rechtfertigen gewesen wäre. Externe Kosten entstanden vor allem für Beratungsleistungen in Höhe von 60 Tsd. Euro. Dieser Betrag ist vollständig im Geschäftsjahr 2025 verarbeitet.
Daran anknüpfend bat die Aktionärsschützerin um Auskunft, ob der nun erst einmal abgesagte Selfio-Börsengang grundsätzlich dennoch weiterhin eine Option sei und unter welchen Voraussetzungen dies der Fall wäre. Aktuell ist dies, wie Herr Hellrung mitteilte, kein aktiv verfolgtes strategisches Ziel. Im derzeitigen Kapitalmarktumfeld könnte für ein E-Commerce-Unternehmen keine Bewertung erzielt werden, mit der ein solches Unterfangen sinnvoll umgesetzt werden könnte. Selfio bleibt aus heutiger Sicht ein wertvoller Bestandteil des SHK-Segments, langfristig ist ein Börsengang aber nicht ausgeschlossen.
Befragt nach den mit der EMPUR-Übernahme bereits realisierten Synergien führte Herr Knoke aus, dass mit der Übernahme die Wertschöpfungstiefe im SHK-Segment strukturell erweitert wurde. Durch die eigene Produktion können Eigenmarken mit höherer Marge angeboten und die Abhängigkeit von Drittlieferanten reduziert werden. Synergien wurden bei der Sortimentserweiterung, der Reduzierung von Einkaufskosten für bestimmte Produktkategorien sowie der Verbesserung der Lieferzuverlässigkeit realisiert, der volle Effekt ist aber noch nicht erreicht.
Ferner interessierte Frau Ackermann, welche Gründe der Vorstand für die in Relation zum Gesamtmarkt sehr schwache Entwicklung des Aktienkurses sieht. Eine Ursache war nach Auffassung von Herrn Knoke sicherlich die enttäuschende Ergebnisschwäche im SHK-Segment. Daneben belastete der Wegfall der Fantasie aus einem möglichen Selfio-Börsengang, was für viele Aktionäre ein Investitionsmotiv gewesen war. Außerdem sind Small Caps im deutschen Kapitalmarktumfeld generell niedrig bewertet. Gegensteuern könne man aus Unternehmenssicht letztlich nur mit einer positiven operativen Performance.
Herr Werner bat um eine Kostenschätzung für das neu angestoßene Repowering-Projekt in Klostermoor. Eine exakte Zahl konnte Herr Knoke hier noch nicht nennen, nachdem noch nicht einmal das Genehmigungsverfahren abgeschlossen ist. Grundsätzlich erwartet er für das Vorhaben ein Investitionsvolumen in einer ähnlichen Größenordnung wie in Langendorf, also rund 70 Mio. Euro. Die Finanzierung soll auch bei diesem Projekt als Mischung von Eigen- und Fremdkapital dargestellt werden.
Die anschließende Frage des Aktionärs, wann die Projekte in Klostermoor und dem nordrhein-westfälischen Siegen-Wittgenstein beendet sein werden, konnte Herr Knoke nicht beantworten. Beide befinden sich derzeit noch im Genehmigungsverfahren, dessen Dauer nur schwer prognostiziert werden kann. In Siegen-Wittgenstein rechnet er in den nächsten Monaten mit der Erteilung der Genehmigung, bis zur Fertigstellung wird es aber noch dauern.
Des Weiteren erkundigte sich Herr Werner nach dem Kaufpreis für die im Juni 2025 erworbene Gewerbeimmobilie im Industriepark Nord in Buchholz-Mendt. Wie Herr Hellrung mitteilte, konnte dieses Objekt für 2,5 Mio. Euro erworben werden. Die Gewerbeimmobilie umfasst drei Hallen mit einer Fläche von insgesamt 2.300 qm, wovon rund 400 qm fremdvermietet sind. Die Erträge aus der Teilvermietung belaufen sich auf gut 30 Tsd. Euro p.a.
In die EMPUR-Akquisition wurden Herrn Hellrung zufolge rund 1,3 Mio. Euro investiert, davon 1,0 Mio. Euro für die Produktionsgesellschaft selbst und etwa 0,3 Mio. Euro für ausgewählte Assets. Der Zukauf führt zu erheblichen Vorteilen im SHK-Segment und mittelfristig ist ein positiver Return on Investment zu erwarten. Derzeit ist das Unternehmen in der Einzelbetrachtung noch nicht profitabel, der Effekt auf das Segment ist aber bereits erkennbar positiv.
Ferner erkundigte sich Herr Werner nach den mit der Entwicklung eigener KI-Lösungen verbundenen Erwartungen. Wie Herr Knoke ausführte, soll die KI-Plattform, die zunächst einmal als interne Lösung aufgesetzt wird, in allen drei Segmenten eingesetzt werden. Die KI-Agenten sollen der Unterstützung der Mitarbeiter, der Optimierung der Prozesse und der effizienten Aufstellung der Gruppe dienen. Derzeit werden die Stärken und Schwächen verschiedener Systeme getestet.
Ein Aktionär zeigte sich beeindruckt von der enorm hohen EBITDA-Marge im Segment Erneuerbare Energien. Er regte an, diesen Bereich noch stärker auszubauen, was, wie Herr Knoke versicherte, geplant ist. Die Nennleistung der Anlagen soll in den nächsten Jahren auf über 100 Megawatt ausgebaut werden. Die Geschwindigkeit der Projektentwicklung lässt sich aber nur sehr begrenzt beeinflussen. Von der Genehmigung bis zur Fertigstellung eines Projekts kann es mehrere Jahre dauern.
Abstimmungen
Auf der Hauptversammlung waren 10.451.506 Aktien vertreten. Bezogen auf das gesamte Grundkapital von 36.816.014 Euro, eingeteilt in ebenso viele Aktien, entsprach dies einer Quote von 28,39 Prozent. Sämtliche Beschlüsse wurden bei maximal 98.000 Gegenstimmen mit Mehrheiten über 99 Prozent gefasst.
Im Einzelnen beschloss die Hauptversammlung über die Entlastung von Vorstand (TOP 2) und Aufsichtsrat (TOP 3), die Bestellung der RSM Ebner Stolz GmbH & Co. KG zum Abschlussprüfer (TOP 4), die Billigung des Vergütungsberichts (TOP 5), die Schaffung eines neuen genehmigten Kapitals (TOP 6), die Erweiterung des Unternehmensgegenstands um den Erwerb, das Halten und Verwalten von Krypto-Assets (TOP 7) sowie die Zustimmung zum Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit der 3U Energy AG (TOP 8).
Gegen 16:30 Uhr schloss der Vorsitzende die Versammlung.
Fazit
Die 3U HOLDING AG konnte im Geschäftsjahr 2025 Erfolge verzeichnen, hatte aber auch mit Herausforderungen zu kämpfen. Auf der Habenseite stehen der gelungene Abschluss des Repowering-Projekts im Windpark Langendorf und die erfolgreiche Integration der EMPUR-Gruppe in das SHK-Segment. Auf der anderen Seite gab es weniger schöne Themen wie den Abbruch der weit fortgeschrittenen Übernahmegespräche im SHK-Segment mit der Folge, dass der eigentlich fest geplante Börsengang der Selfio SE abgesagt werden musste.
In dieser Gemengelage ließ es sich nicht vermeiden, dass das Ergebnis ins Minus rutschte. Zum Teil lag dies auch daran, dass belastende Aufwendungen bewusst 2025 ergebniswirksam verbucht wurden, um ohne nennenswerte Sonderlasten ins Jahr 2026 starten zu können. Nach der aktuellen Unternehmensprognose wird für das laufende Jahr die Rückkehr in die Gewinnzone mit einem Sprung des EBITDA auf 6 bis 8 Mio. Euro erwartet, was eine Marge von rund 12 Prozent bedeuten würde.
Der Wachstumsmotor ist derzeit die deutliche Kapazitätserweiterung im Segment Erneuerbare Energien, das mittelfristig noch weiter ausgebaut werden soll, was in Anbetracht der hohen EBITDA-Marge in diesem Geschäftsfeld sinnvoll erscheint. Zusätzlich soll der angestrebte Turnaround im SHK-Segment zu einer Ergebnisverbesserung beitragen. Nur bedingt einschätzen lässt sich die weitere Entwicklung des Bitcoin-Investments, das der Vorstand als strategische Wertreserve betrachtet. In der Gesamtschau ist die Aktie auf dem stark gedrückten Niveau aber ein interessantes Investment.
Ergänzend verweist der Verfasser auf das von GSC Research am 21. Mai 2026 anlässlich der Zahlen zum ersten Quartal veröffentlichte Research-Update.
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