Einen flotten Start hatte die diesjährige ordentliche Hauptversammlung der CEWE Stiftung & Co. KGaA am 3. Juni 2026. Bereits wenige Minuten nach der Eröffnung um 10 Uhr hatte der Aufsichtsratsvorsitzende und Versammlungsleiter Kersten Duwe den Pflichtteil der Präsenzveranstaltung mit den üblichen Formalien und organisatorischen Hinweisen erledigt und konnte das Wort an den Vorstand der persönlich haftenden Gesellschafterin übergeben.
Für GSC Research berichtet Hans-Hermann Mindermann aus der Veranstaltung, die in der Weser-Ems-Halle in Oldenburg stattfand und für interessierte Aktionäre auch im Internet übertragen wurde.
Bericht des Vorstands
Über die Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahrs, die Finanzlage und den strategischen Ausblick berichteten der CEO der persönlich haftenden Gesellschafterin CEWE COLOR Stiftung, Thomas Mehls, und CFO Sirka Hintze.
Das Geschäftsjahr 2025 stufte Herr Mehls als ein gutes ein. Bei einer Zielspanne von 835 bis 865 Mio. Euro schloss man das Jahr mit einem um 3,8 Prozent auf 864,5 Mio. Euro gestiegenen Umsatz ab, während das EBIT mit 88,2 Mio. Euro (plus 2,4 Prozent) in der Mitte der Prognosespanne von 84 bis 92 Mio. Euro lag. Deutlich über den Zielkorridor von 2,46 bis 2,53 Milliarden Stück hinaus konnte man die Zahl der produzierten Fotos auf 2,60 Milliarden steigern. Damit wurden hier ebenso wie beim CEWE FOTOBUCH, dessen Absatz bei einer Zielbandbreite von 6,0 bis 6,2 Millionen Stück letztlich 6,32 Millionen Exemplare erreichte, erneut mehr Konsumenten von den eigenen Leistungen überzeugt, freute sich der CEO.
CEWE ist die Nummer 1 im Fotofinishing-Markt in Deutschland und vielen europäischen Märkten, und auch in weiteren europäischen Märkten strebt man diese Position an. Als Erfolgsgeschichte erwies sich im Berichtsjahr erneut das CEWE FOTOBUCH, von dem inzwischen über 100 Millionen Exemplare verkauft wurden. Neu sind dabei die Erinnerungstasche in der Innenseite des Einbands sowie Premium Einband Designs. Weitere erfolgreiche Innovationen des Berichtsjahres betreffen einen Wandkalender XXL, Schachtel-Adventskalender und digitale Einladungskarten. Wie in den Vorjahren kann die CEWE-Gruppe auch für 2025 auf zahlreiche Auszeichnungen verweisen. Besonders stolz ist man auf gleich sechs TIPA-World-Awards und den Photographers' Choice Award („Publikumspreis“).
Der Umsatz des Geschäftsfelds Fotofinishing legte im Berichtsjahr um 4,4 Prozent auf 745,5 (Vorjahr: 714,0) Mio. Euro zu, während das EBIT um 3,8 Prozent auf 86,6 (83,4) Mio. Euro stieg. Damit reiht sich auch 2025 in eine inzwischen langjährige Kette von Jahren mit vergleichbarer Entwicklung ein. Allerdings stiegen im Jahr 2025 die Kosten stärker als der Umsatz.
Im Einzelhandelsgeschäft betreibt CEWE gut 100 Filialgeschäfte. Dabei dient das Geschäftsfeld vor allem als Vertriebskanal für Fotoprodukte, deren Beiträge aber im Fotofinishing ausgewiesen werden. Lediglich der auf den Verkauf von Foto-Hardware entfallende Anteil wird im Geschäftsfeld Einzelhandel abgebildet. Dabei verzichtet man dort bewusst auf margenschwaches Geschäft. Dennoch stieg der Umsatz um 2,0 Prozent auf 31,4 (30,8) Mio. Euro, während das EBIT sogar um 10,2 Prozent auf 0,7 Mio. Euro zulegte. Die in der Präsentation ausgewiesene Zahl hat sich dabei gegenüber dem Vorjahr nicht verändert, denn aufgrund von Rundungsdifferenzen bleibt es bei der gleichen Nachkommastelle. Potenzial für eine künftige Steigerung besteht aber durchaus, während für den Kommerziellen Online-Druck ein anderer Weg eingeschlagen wurde. Dieser Bereich konnte im Berichtsjahr den Umsatz mit 89,6 (89,9) Mio. Euro knapp halten, während beim EBIT ein Rückgang um rund die Hälfte auf 1,7 (3,4) Mio. Euro hingenommen werden musste.
Mit der vorgeschlagenen nunmehr 17. Dividendenerhöhung in Folge auf jetzt 3,00 Euro je Aktie wird die bisherige Dividendenpolitik fortgesetzt. Die Ergebnisse des ersten Quartals haben die Jahresziele bestätigt. Für dieses Quartal hatte CEWE den Umsatz in einer Spanne von 146,0 bis 151,9 Mio. Euro geplant, während das EBIT bei 4,5 bis 5,5 Mio. Euro liegen sollte. Erreicht wurden dann ein Umsatzanstieg um 1,4 Prozent auf 175,8 (173,4) Mio. Euro und ein EBIT von 5,6 (6,1) Mio. Euro.
Der Ausblick auf das Gesamtjahr wurde aufgrund des kürzlich vereinbarten Verkaufs des Geschäftsbereichs Kommerzieller Online-Druck angepasst. Dieser Schritt erfolgt zur Fokussierung auf das Kerngeschäft Fotofinishing, das organisch und über Akquisitionen weiter ausgebaut werden soll. Auf Basis der Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres verbessert sich die Konzern-EBIT-Marge durch den Verkauf von 10,2 auf 11,2 Prozent, während die Verzinsung des eingesetzten Kapitals (ROCE) von 17,6 auf 19,6 Prozent steigt. Der nach Erteilung der behördlichen und kartellrechtlichen Genehmigungen im zweiten Halbjahr 2026 erwartete Mittelzufluss liegt oberhalb des Buchwertes und soll wertorientiert eingesetzt werden. Der Käufer Cimpress wird alle Beschäftigten übernehmen und den Produktionsstandort Dresden langfristig sichern.
Die überarbeitete Guidance sieht nunmehr für das laufende Geschäftsjahr eine Umsatzspanne von 780 bis 810 Mio. Euro und ein EBIT von 85 bis 91 Mio. Euro vor. Für das Ergebnis nach Steuern plant der Vorstand mit einer Spanne von 57 bis 62 Mio. Euro, zuzüglich des positiven Ergebniseffekts aus dem Verkauf des Geschäftsbereichs.
Auf diese Ausführungen folgte der Bericht des Aufsichtsrats, ehe der Versammlungsleiter die Generaldebatte in Form einer allgemeinen Diskussion eröffnete.
Allgemeine Diskussion
Dr. Peer Koch, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), lobte die Gesellschaft für das erneut erfolgreiche Geschäftsjahr. Ebenso sah er in der vorgeschlagenen Dividendenerhöhung ein Signal der Kontinuität. Positiv wurden auch die Ankündigung und transparente Erläuterung des Verkaufs des Geschäftsbereichs Kommerzieller Online-Druck bei den Investoren und die Zahlen des ersten Quartals bewertet.
Beim Blick zurück fragte er sich allerdings, ob die über die vergangenen Jahre hinweg am Standort Dresden investierten Gelder eine gute Investition waren, warum gerade jetzt nach dem Abschluss des Aufbaus einer Hybridproduktion der Verkauf erfolgte, und warum CEWE nicht stattdessen aktiv nach einer anderen Lösung gesucht hat. Angesichts der rückläufigen operativen Marge im Fotofinishing interessierte ihn zudem, wo die durch den Verkauf freigesetzten Mittel investiert werden sollen und wie der Vorstand dem Margenverfall entgegensteuert. Weitere Fragen betrafen den im Vergleich zum Vorjahr niedrigeren Cashflow und die im laufenden Geschäftsjahr geplanten Investitionen von 77 Mio. Euro.
Für die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) griff Josef Gemmeke zum Mikrofon. Für ihn war dies die erste Teilnahme an einer Hauptversammlung der Gesellschaft. Beeindruckt zeigte er sich von den Ergebnissen des abgelaufenen Geschäftsjahres, für die er sich bedankte, und die detaillierten und ausführlichen Erläuterungen im Geschäftsbericht. Gleichwohl wünschte er sich eine stärkere Beteiligung der Aktionäre am Gewinn über eine höhere Ausschüttungsquote. Auch dem Rückkauf eigener Aktien stand er kritisch gegenüber. Dazu erläuterte er, dass ohne die im Berichtsjahr getätigten Käufe eigener Aktien der im Unternehmen behaltene Gegenwert für eine Dividende von 4,00 Euro je Aktie an Stelle der jetzt der Versammlung vorgeschlagenen 3,00 Euro gereicht hätte. Den bisherigen Fragenkatalog ergänzte er mit den Themen Bedeutung von Handelsmarken und Auswirkungen des Iran-Krieges auf die Geschäftstätigkeit.
Während Person Wilm Diedrich Müller in eigener Sache ans Podium trat und neben dem Antrag auf Verlosung einer Aktie der Reederei Herbert Ekkenga auch um Gelegenheit zur Gratulation an die gegebenenfalls entlasteten Organmitglieder vor Schluss der Versammlung bat, unterstrich Olaf Erhard mit seinem Beitrag als Sprecher des Vereins der Mitarbeiter das Engagement der Mitarbeiter für das Unternehmen.
Die Beantwortung der Fragen erfolgte durch die Mitglieder des Vorstands entsprechend der Ressortzuständigkeit, während der Aufsichtsratsvorsitzende die an dieses Gremium gerichteten Fragen adressierte. Mit der Positionierung des Bereichs Kommerzieller Online-Druck hat sich der Vorstand bereits seit Längerem befasst. Dabei ging man davon aus, dass die Nachfrage in diesem Markt tendenziell weiter zurückgeht. Die Folge ist dann eine Konsolidierung, an der sich CEWE aktiv beteiligen könnte. Das allerdings würde erhebliche Ressourcen beanspruchen, die man lieber im Fotofinishing investieren will. Die Initiative für den Verkauf des Geschäftsbereichs ging daher auch von CEWE aus. Über den Kaufpreis haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Aktuell steht die Transaktion noch unter einem kartellrechtlichen Vorbehalt. Die Endkonsolidierung wird zu einem positiven Effekt im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich führen, wobei der Mittelzufluss aus Sicht des Vorstands im Vergleich zu den dort getätigten Investitionen ordentlich ist.
Die Liste der potenziellen Akquisitionsziele ist nicht „übermäßig lang“, da es nicht viele Marktteilnehmer in den Zielmärkten gibt. Gleichwohl geht CEWE von einem Käufermarkt aus und interessiert sich für Gelegenheiten zur Stärkung der regionalen Position, der Erschließung neuer Zielgruppen oder dem Erwerb von passenden Technologien. Die Einstellung bei Verhandlungen umschrieb Herr Mehls mit „Deep Pockets, aber sehr kurze Hände“.
Im Fotofinishing können selektiv Preiserhöhungen durchgesetzt werden. Das sind dann aber Einzelfälle. Daher gelang es im Berichtsjahr auch nicht, die volle Breite der Personal- und Sachkostensteigerungen zu kompensieren. Belastend wirkten vor allem Einmaleffekte wie ein neuer Tarifvertrag an den inländischen Standorten, der Vorstandswechsel, erhöhte Marketingaufwendungen und gestiegene IT-Lizenzgebühren. In den kommenden Jahren setzt man vor allem auf die Markenstärke für die Generierung weiteren Wachstums. Schließlich sind Fotoprodukte den Menschen nicht egal, weshalb sie auch höherwertige Qualität bezahlen.
Zunehmend gewinnen auch IT-Produkte an Bedeutung, und KI-Anwendungen können weitere Optionen eröffnen. Dabei denkt CEWE beispielsweise an die Kundenunterstützung bei Bestellungen, das aktive Unterbreiten von Vorschlägen etc. Der Einzelhandel ist inzwischen eine wichtige Säule und in vielen Ländern wie Norwegen und Polen auch der Hauptkanal für den Vertrieb der Fotofinishing-Produkte. Soweit dort Hardware verkauft wird, handelt es sich vor allem um Erzeugnisse wie Fotorahmen und Ähnliches. Über die Jahre ist die Zahl der Filialen im eigenen Netz gesunken. Die Filialen werden aufmerksam verfolgt mit Blick auf die Leistung eines positiven Beitrags zum Segmentergebnis. Auch das Geschäft mit Handelspartnern ist wichtig, denn so ist CEWE in über 16.000 Ladengeschäften präsent. Zurückhaltend blickt man allerdings auf White-Label-Ansätze, da deren Vereinbarkeit mit dem eigenen Markenansatz unter einem Dach schwierig ist.
Frau Hintze bezifferte die normalisierte Steuerquote im Konzern mit 31,2 nach 30,8 Prozent im Jahr 2024. Die Differenz wurde wesentlich durch Änderungen bei den latenten Steuern infolge der künftigen Absenkung der Körperschaftssteuer beeinflusst. Der Rückgang des Cashflow im Vergleich zum Vorjahr geht auf das niedrigere Nachsteuerergebnis, die Zunahme der Vorräte und die Abnahme der Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung zurück. Insgesamt führte dies zu einem Rückgang um rund 30 Mio. Euro. Bereinigt um stichtagsbezogene Effekte (Handelspartnerzahlungen, Steuereffekte, Tilgung von Verbindlichkeiten etc.) läge der normalisierte Free Cashflow dagegen bei 70,8 Mio. Euro und damit deutlich höher als ausgewiesen.
In den für das laufende Geschäftsjahr geplanten Investitionen von 73 Mio. Euro (ohne Investitionen im verkauften Geschäftsbereich Kommerzieller Online-Druck) stecken rund 30 Mio. Euro für Immobilien. Der Betrag dient überwiegend Maßnahmen in Frechen sowie an einem britischen Standort. Dort werden die bisher gemieteten Immobilien gekauft bzw. durch ein eigenes Objekt ersetzt.
Wesentliche Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten hat der Vorstand bislang nicht gesehen. Der Tourismus in diese Region wurde zwar belastet. Die dort weggefallenen Reisen verlagerten sich aber stattdessen zu anderen Reisezielen. Die bislang beobachteten Kostensteigerungen waren ebenfalls nicht signifikant, und Hinweise auf Materialknappheiten gab es auch keine.
Abstimmungen
Das Grundkapital ist in 7.442.003 Aktien eingeteilt, von denen 4.104.720 in der Versammlung vertreten waren. Die Präsenzquote lag entsprechend bei 55,16 Prozent.
Abgestimmt wurde im Wege des Subtraktionsverfahrens über die Feststellung des Jahresabschlusses 2025 (TOP 1), die Zahlung einer Dividende von 3,00 Euro je Aktie (TOP 2), die Entlastung der persönlich haftenden Gesellschafterin (TOP 3) und der Mitglieder des Aufsichtsrats (TOP 4) für das Geschäftsjahr 2025, die Wahl der Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Hamburg, zum Prüfer und Nachhaltigkeitsprüfer für das Jahr 2026 (TOP 5), die Billigung des Vergütungsberichts für das Jahr 2025 (TOP 6), eine Anpassung der Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder (TOP 7), die Schaffung eines neuen genehmigten Kapitals (TOP 8) und eine weitere Satzungsänderung (TOP 9).
Alle Beschlüsse wurden im Sinne der Verwaltungsvorschläge gefasst. Während zumeist nur wenige Gegenstimmen gezählt wurden, sprachen sich immerhin 9 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen die Entlastung der Mitglieder des Aufsichtsrats aus, und sogar rund ein Drittel lehnte die Billigung des Vergütungsberichts ab.
Die Veranstaltung endete um 12:56 Uhr.
Fazit und eigene Meinung
Eine straff durchgeführte Versammlung in angenehmer Atmosphäre. Dazu beigetragen haben die immerhin 17. Dividendenerhöhung in Folge und der erfreuliche Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. Zusammen mit dem Sondereffekt aus dem Verkauf des Kommerziellen Online-Drucks macht dies neugierig auf die nächste Hauptversammlung.
Ergänzend verweisen wir insbesondere auch hinsichtlich weiterer Details zum Verkauf des Kommerziellen Online-Drucks auf unser aktuelles Research-Update vom 8. Juni 2026.
Kontaktadresse
CEWE Stiftung & Co. KGaA
Meerweg 30-32
D-26133 Oldenburg
Tel.: +49 (0)4 41 / 404-0
Internet: www.cewe.de
Ansprechpartner Investor Relations
Axel Weber
Tel.: +49 (0)4 41 / 404-22 88
Fax: +49 (0)4 41 / 404-421
E-Mail: [email protected]