An dieser Stelle möchten wir auf die nachstehende, hier abrufbare Pressemitteilung der DSW – Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. vom 9. April 2025 hinweisen.
Die ausführliche Dividendenstudie 2026 ist hier kostenlos abrufbar.
Rekorde nur im DAX: Finanzwerte überholen Autos – Mittelstand unter Druck
Düsseldorf/Essen/Berlin, 09. April 2026
Die Dividendensaison 2026 offenbart ein gespaltenes Bild des deutschen Kapitalmarkts. Während die großen DAX-Konzerne neue Rekorde bei den Ausschüttungen erreichen, bleibt die Entwicklung im MDAX und SDAX deutlich verhaltener. Das ist das zentrale Ergebnis der aktuellen Dividendenstudie der FOM Hochschule und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) unter der Leitung von Christian W. Röhl, Chief Economist der digitalen Investmentplattform Scalable Capital.
Insgesamt werden die 160 in DAX, MDAX und SDAX enthaltenen deutschen Aktiengesellschaften in diesem Jahr rund 65 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten. Damit liegt das Volumen knapp vier Prozent über dem Vorjahreswert. Der neue Höchststand wird jedoch ausschließlich vom DAX getragen: Dort erhöhen 28 von 40 Unternehmen ihre Dividende. Im MDAX und SDAX hingegen schütten nur rund 40 Prozent der Unternehmen mehr aus als im Vorjahr, während jede fünfte Gesellschaft ihre Dividende senkt oder ganz streicht.
„Die Dividendensaison 2026 zeigt eine klare Zweiteilung des deutschen Kapitalmarkts. Große, international aufgestellte Konzerne behaupten sich weiterhin stark, während viele kleinere und mittlere Unternehmen deutlich stärker unter Druck stehen“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW.
Besonders auffällig ist die Verschiebung innerhalb der Branchen: In ihrer Bedeutung für das Dividenden-Aufkommen wurden die Automobil-Aktien inzwischen von den Finanzwerten überholt. Versicherungen, Banken und Finanzdienstleister repräsentieren inzwischen mehr als ein Viertel der gesamten Ausschüttungen und kompensieren damit die Schwäche des Auto-Sektors. Während BMW seine Dividende leicht anhebt, kürzen Volkswagen, Mercedes-Benz und Porsche ihre Ausschüttungen teils deutlich. Insgesamt ist die Dividendensumme der Automobilbranche im Vergleich zu 2024 um rund ein Drittel zurückgegangen.
„Dass die Schlüsselindustrie Automobil an Bedeutung verliert und durch den Finanzsektor ersetzt wird, ist mehr als eine Momentaufnahme. Das zeigt aber vor allem, wie stark sich die wirtschaftlichen Gewichte in Deutschland derzeit verschieben“, so Christian W. Röhl.
Die Studie macht zudem deutlich, dass sich die Lage großer Konzerne zunehmend von der Situation vieler kleinerer und mittlerer börsennotierter Unternehmen abkoppelt. Während DAX-Unternehmen aufgrund ihrer globalen Aufstellung und stabilen Ertragsbasis vielfach robuste Ausschüttungen ermöglichen, gelingt dies im MDAX, SDAX und bei Nebenwerten deutlich seltener. Unterhalb der großen Indizes zahlt weiterhin mehr als die Hälfte der Unternehmen überhaupt keine Dividende.
„Gerade im Mittelstand spiegeln sich die strukturellen Schwächen des Standorts Deutschland besonders deutlich wider. Ein attraktiver Kapitalmarkt braucht aber Breite, nicht nur einige wenige starke Großkonzerne“, betont Prof. Dr. Dr. Eric Frère, Leiter des isf Institute for Strategic Finance der FOM Hochschule.
Trotz des gestiegenen Gesamtvolumens bleibt das Bild insgesamt verhalten. Die Dividendendynamik liegt weiterhin unter früheren Boomphasen, und die Unternehmen agieren bei ihren Ausschüttungen überwiegend vorsichtig. Die Dividendensaison 2026 steht damit eher für Stabilität als für Aufbruch.
Zu den größten Dividendenzahlern zählen wie im Vorjahr Allianz, Deutsche Telekom und Siemens. Sie stehen exemplarisch für jene großen, ertragsstarken Unternehmen, die ihren Aktionären auch in einem anspruchsvollen Umfeld Verlässlichkeit bieten – ähnlich wie die Münchener Rück, SAP und Henkel, die zu den nur lediglich neun deutschen Unternehmen zählen, die ihre Dividende je Aktie in den vergangenen 25 Jahren nie gesenkt, sondern meistens erhöht haben. Die längste Serie von Anhebungen verzeichnet derweil der im MDAX gelistete Schmierstoff-Hersteller Fuchs, der seine Ausschüttung nun zum 24. Mal in Folge steigert; es folgt der Foto-Dienstleister Cewe mit einem Track Record von 17 Anhebungen hintereinander.
„Die Zahlen sind insgesamt solide, aber sie sind auch ein Warnsignal. Wenn sich die Kluft zwischen großen und kleineren börsennotierten Unternehmen weiter vergrößert, leidet langfristig die Attraktivität des gesamten Kapitalmarktstandorts Deutschland“, so Scalable-Chief Economist Röhl abschließend.
Die vollständige Studie mit zahlreichen Info-Graphiken finden Sie hier.
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Ansprechpartner für die Presse: Erik Bethkenhagen, Pressesprecher