Die Hauptversammlung der mwb fairtrade AG fand am 24. Juli 2025 im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München statt. Etwa 60 Aktionäre und Gäste hatten sich dort eingefunden, um sich über die Wertpapierhandelsbank zu informieren, deren Geschäft sich aktuell sehr erfolgreich entwickelt. Für GSC Research befand sich Matthias Wahler vor Ort. Das Protokoll führte Notar Prof. Dr. Hartmut Wicke.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Mühlbauer eröffnete die Versammlung um 10:30 Uhr und teilte mit, dass sich die Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat komplett eingefunden haben. Nach Abhandlung der Formalien und einigen ergänzenden Ausführungen zum Bericht des Aufsichtsrats, der sich im Geschäftsjahr 2024 zu insgesamt fünf Sitzungen zusammengefunden hat, übergab er das Wort an den Vorstand.
Bericht des Vorstands
Im ersten Teil des Vorstandsberichts verschaffte Vorstandsmitglied Kai Jordan den Aktionären einen Überblick über das Marktumfeld, in dem sich die mwb fairtrade als Wertpapierhandelsbank bewegt und das sich weiterhin herausfordernd gestaltet. Allerdings ist „herausfordernd“ in der Branche, wie er anmerkte, inzwischen das neue „normal“ – und so gesehen war auch 2024 ein normales Jahr.
Immerhin setzte sich die Erholung der Märkte trotz der vielen Unwägbarkeiten fort und steigende Umsätze an den Börsen spielen mwb fairtrade ebenso in die Karten wie die hohe Volatilität. Zur Freude von Herrn Jordan konnte auch einmal mehr unter Beweis gestellt werden, dass das Geschäftsmodell belastbar ist und die Kollegen mit den Bedingungen gut umgehen können. Die Bilanz kann sich sehen lassen und es kann nach dem etwas verunglückten Jahr 2023 auch wieder eine ordentliche Dividende gezahlt werden.
Vorteilhaft war laut Herrn Jordan nicht nur das hohe Ordervolumen an den Börsen. Geholfen hat zudem die Diversifizierung über verschiedene Anlageklassen und Geschäftsfelder. Sogar der Handel mit Rentenpapieren leistete wieder einen erheblichen Beitrag zum Ergebnis. Erwartungsgemäß kam es an den Börsen auch zu einer leichten Verschiebung von den Blue Chips zu den kleineren und mittleren Aktiengesellschaften. Die mwb fairtrade kann von diesem Trend profitieren. Ein Teil der rund 51.000 Orderbücher, die betreut werden, ist im Bereich der Small- und Mid-Caps zu finden.
Dass es ein wachsendes Interesse am Mittelstand gibt, lässt sich Herrn Jordan zufolge auch an der Entwicklung des Geschäftsfelds Corporates & Markets ablesen, in dem im Geschäftsjahr 2024 insgesamt 39 Transaktionen unterschiedlichster Struktur abgewickelt werden konnten. Das ist keineswegs selbstverständlich, nachdem IPOs kaum noch stattfinden und auch die Platzierung von Mittelstandsanleihen und Kapitalerhöhungen in den letzten Jahren nicht einfacher geworden ist. Als Kapitalmarktberater für den Mittelstand konzentriert sich mwb fairtrade deshalb weiterhin auch auf kleinteilige Dienstleistungen, mit denen ein „Grundrauschen“ an ordentlichen Erträgen erwirtschaftet werden kann.
Positiv bewertete der Vorstand, dass mittlerweile rund 75 Mandate im Designated Sponsoring betreut werden, was oft der Einstieg für weitere Dienstleistungen ist. Vorteilhaft für die Wahrnehmung im Markt ist auch die intensive Zusammenarbeit mit der ehemaligen SRH Alster Research AG, an der die Beteiligung auf über 25 Prozent erhöht wurde und die mittlerweile unter „mwb research AG“ firmiert, womit die gesamte Palette der Kapitalmarktdienstleistungen unter einem Namen angeboten werden kann.
Zum einen liefert mwb research im Auftrag der Emittenten frei verfügbares Research. Zum anderen werden physische und virtuelle Konferenzen angeboten. Als Beispiel nannte Herr Jordan die German Small Cap Select Konferenz im April und die Travel & Leisure Konferenz im Juni 2024, die jeweils sehr gut angenommen wurden. Motiviert von diesem Erfolg gab es im laufenden Jahr bereits weitere Veranstaltungen. Die wiederkehrenden Termine tragen dazu bei, mwb fairtrade noch stärker im Bewusstsein der Zielgruppe zu verankern und den Ruf als Börsen-Experte für kleine und mittlere Aktiengesellschaften zu festigen.
Neu ist laut Herrn Jordan außerdem der Einstieg ins Zahlstellengeschäft, in dem mwb fairtrade als Mittler zwischen dem Emittenten und der Deutsche-Börse-Tochter Clearstream fungiert und sich um die Zahlungsströme kümmert. Auch mit diesem Geschäft können unabhängig vom Marktumfeld wiederkehrende Einnahmen generiert werden. Zur Freude des Vorstands konnten in diesem neuen Geschäftsfeld nach wenigen Monaten bereits über 50 Kunden gewonnen werden.
Mit einem weiteren neuen Service, dem sogenannten „ESG-Scan“, unterstützt mwb fairtrade den deutschen Mittelstand bei der Einhaltung bestimmter Standards der Unternehmensführung. Der Hintergrund ist, dass kleinere Unternehmen in der Regel keine freien Kapazitäten haben, um diese zusätzlichen Pflichten erfüllen zu können. Ein eigens entwickeltes Tool ermöglicht es den Firmen, ohne großen Aufwand ihren ESG-Status zu bestimmen, um gegebenenfalls notwendige Schritte einleiten zu können.
Auch in Zukunft wird es Herrn Jordan zufolge eine große Rolle spielen, neue Dienstleistungen zu entwickeln, mit denen Rückgänge in anderen Bereichen durch neue Erträge ausgeglichen werden können. Beispielsweise soll ab 2026 das sogenannte Payment for Orderflow (PFOF) in der EU verboten werden. Je nachdem, wie die neue Regelung letztlich genau ausgestaltet wird, könnte ein solches Verbot deutliche Auswirkungen auf die börslichen Marktmodelle in Deutschland haben.
Weiter berichtete Herr Jordan, dass mwb fairtrade auf der neuen elektronischen Handelsplattform der Börse Hannover, der „European Investor Exchange“, seit Dezember 2024 neben dem Neobroker Scalable Capital der zweite Market Maker ist. Mit der geplanten Migration ist ein deutlich höherer Orderflow auf dieser Plattform zu erwarten.
Bedauerlich fand Herr Jordan hingegen, dass mit der Börse Berlin die älteste Wertpapierbörse Deutschlands Ende 2025 ihre Pforten schließt. Der Grund ist die beschlossene Abschaltung der Plattform „Xontro“. In Berlin wird es aber weiterhin die erfolgreiche Börse Tradegate geben, auf der mwb fairtrade ebenfalls als Market Maker tätig ist. Darüber hinaus soll eine Vielzahl von Werten, die bisher in Berlin gehandelt wurden, an der Börse Hamburg und teilweise in Hannover eingeführt werden.
Im zweiten Teil präsentierte Vorstandsmitglied Carsten Bokelmann die wirtschaftlichen Eckdaten des Geschäftsjahres 2024. Er freute sich berichten zu können, dass ein deutlich besseres Ergebnis erwirtschaftet werden konnte, als man dies angesichts der turbulenten Rahmenbedingungen hätte erwarten können. Zwar verringerte sich das Provisionsergebnis um 7 Prozent auf 3,6 (Vorjahr: 3,9) Mio. Euro. Das Handelsergebnis konnte, wesentlich beeinflusst von der hohen Volatilität an den Börsen, hingegen um 45 Prozent auf 28,4 (19,6) Mio. Euro ausgebaut werden.
Mit der Skontroführung in Aktien wurde mit 16,4 Mio. Euro rund die Hälfte der Erträge erwirtschaftet. Das Ergebnis aus der Skontroführung in festverzinslichen Wertpapieren blieb mit 6,9 Mio. Euro in etwa auf Vorjahresniveau, was Herr Bokelmann als großen Erfolg ansah, nachdem die EZB bereits Mitte 2024 begonnen hat, die Zinswende einzuleiten. Als Skontroführer im Bereich Offene Immobilienfonds an der Berliner Tradegate Exchange erwirtschaftete mwb fairtrade rund 4,5 Mio. Euro. Das prozentuale Verhältnis der beiden Geschäftsfelder „Wertpapierhandel“ und „Corporates & Markets“ blieb nahezu gleich. Der Bereich Wertpapierhandel steuerte 88 Prozent zum Ergebnis bei, das Segment Corporates & Markets 12 Prozent.
Bedingt durch das Geschäftsmodell führen bessere Erträge regelmäßig zu höheren Kosten. Die allgemeinen Verwaltungskosten legten allerdings nur um 15 Prozent auf 25,8 (22,4) Mio. Euro und damit unterproportional zu. Die anderen Verwaltungskosten, also für IT, Abwicklung und Infrastruktur, hatten daran mit einem geringen Anstieg um 6 Prozent einen Anteil von 15,9 (15,0) Mio. Euro. Die Personalaufwendungen erhöhten sich infolge der Bonuszahlungen deutlich stärker um 32 Prozent auf 9,8 (7,4) Mio. Euro.
Abzüglich der Zuführung zum Fonds für allgemeine Bankrisiken in Höhe von 1,4 (0,7) Mio. Euro ergab sich für den Berichtszeitraum nach dem enttäuschenden Ergebnis im Vorjahr ein sehr erfreulicher Jahresüberschuss von plus 3,5 (minus 0,5) Mio. Euro. Im Vorjahr hatte, wie Herr Bokelmann in Erinnerung rief, ein individueller Transaktionsfehler im Bezugsrechtehandel zu einem Verlust geführt. Die Kontrollmechanismen wurden daraufhin noch einmal verbessert und Vergleichbares ist auch nicht mehr vorgekommen.
Sodann freute sich Herr Bokelmann mitteilen zu können, dass nach der Unterbrechung im vergangenen Jahr wieder die Dividendenzahlung aufgenommen werden soll. Bei der Festlegung der Höhe wurden die Eigenkapitalsituation, das Marktumfeld und natürlich auch die Interessen der Aktionäre abgewogen. Vorgeschlagen wird nun eine Dividende von 0,30 Euro, womit knapp zwei Drittel des Jahresüberschusses ausgeschüttet werden sollen.
Die derzeitige Eigenkapitalsituation ist nach seiner Aussage zwar komfortabel. Um für das weitere Wachstum gerüstet zu sein und weiterhin als stabiler Partner im Markt wahrgenommen zu werden, halten es Vorstand und Aufsichtsrat aber für angemessen, einen Teil des Ergebnisses im Unternehmen zu thesaurieren und damit die Substanz zu stärken. Überdies muss kontinuierlich in Technik, Infrastruktur und Personal investiert werden. Herr Bokelmann bat um Zustimmung zum Gewinnverwendungsvorschlag.
In diesem Zusammenhang kam der Vorstand auf die unter TOP 6 vorgeschlagene Erweiterung des Unternehmensgegenstands um die Erbringung von Kryptowerte-Dienstleistungen zu sprechen. Es handelt sich, wie er klarstellte, erst einmal nur um eine strategische Option, die offengehalten werden soll. Mwb fairtrade ist schließlich in zahlreichen Wertpapieren aktiv, die als Basis Kryptowerte haben. Ein reiner Eigenhandel wird derzeit nicht angestrebt, ist aber, wenn sich entsprechende Chancen ergeben, für die Zukunft auch nicht ausgeschlossen.
Herr Bokelmann leitete dann über zum ersten Halbjahr 2025, das zu seiner Freude noch besser verlaufen ist als der Berichtszeitraum. Das Geschäft profitierte von der teilweise enormen Volatilität an den Börsen unter anderem rund um den sogenannten „Liberation Day“ am 2. April. Das Handelsergebnis erreichte in der ersten Jahreshälfte bereits 21,1 (14,0) Mio. Euro, das Provisionsergebnis lag bei 2,6 (1,6) Mio. Euro.
Trotz eines Anstiegs der allgemeinen Verwaltungsaufwendungen auf 16,3 (12,5) Mio. Euro, bedingt vor allem durch die höheren Personalaufwendungen, verbesserte sich das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit sehr deutlich auf 7,6 (3,1) Mio. Euro. Der Halbjahresüberschuss wird mit 5,2 (1,4) Mio. Euro ausgewiesen. Das Eigenkapital erhöhte sich gegenüber dem Jahresende 2024 auf 27,4 (22,1) Mio. Euro. Der Fonds für allgemeine Bankrisiken blieb mit 16,7 Mio. Euro unverändert.
Für den weiteren Jahresverlauf zeigte sich der Vorstand grundsätzlich optimistisch. Die Tendenz zeigt weiterhin in die richtige Richtung. Versprechen wollte er aber nichts, die Berechenbarkeit in Politik, Wirtschaft und Finanzwelt ist einfach nicht mehr gegeben. Wie immer werde man aber die Chancen nutzen, die sich ergeben, und Herr Bokelmann geht fest davon aus, dass man dafür auch belohnt wird.
Allgemeine Aussprache
Sowohl Sören Merkel als Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) als auch Stephan Berninger von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) begannen mit einem Glückwunsch zu der positiven Geschäftsentwicklung, die sich auch in einem deutlich gestiegenen Aktienkurs niedergeschlagen hat. Nach dem Eindruck von Herrn Berninger handelt es sich bei mwb fairtrade um ein hervorragend geführtes und aktionärsfreundliches Unternehmen.
Herr Merkel fand es erfreulich, dass das Berichtsjahr letztlich noch deutlich besser gelaufen ist, als erwartet worden war. Dass das Marktumfeld derzeit sehr unsicher und kein verlässlicher Ausblick möglich ist, beunruhigte ihn nicht so sehr. Schließlich ist die hohe Volatilität an den Börsen, die sich daraus ergibt, die Grundlage für eine weiterhin positive Geschäftsentwicklung.
Mit dem Dividendenvorschlag von 0,30 Euro zeigte sich der DSW-Vertreter ebenfalls zufrieden. Bezogen auf den letztjährigen Aktienkurs bedeutet dies eine Rendite von fast 10 Prozent. Sein Kollege von der SdK zeigte sich mit der Höhe der Ausschüttung hingegen nicht recht zufrieden. Nach seinem Geschmack hätte es mit Blick auf die hervorragende Entwicklung im ersten Halbjahr 2025 durchaus noch etwas mehr sein können.
Nach Aussage von Herrn Jordan besteht dieses Thema betreffend immer ein gewisser Zwiespalt. Natürlich soll gern eine attraktive Dividende ausgeschüttet werden. Das Problem ist aber, dass vergleichbar aufgestellte Unternehmen mit Blick auf die Risiken im Markt derzeit massiv Kapital aufbauen, worauf auch die Geschäftspartner schauen. Letztlich muss es darum gehen, dass ausreichend Kapital zur Verfügung steht, um das Geschäft positiv weiterzuentwickeln. Nichtsdestotrotz soll auch eine attraktive Dividende gezahlt werden.
Herr Merkel sprach noch einmal den Transaktionsfehler im Bezugsrechtehandel an, der im Vorjahr das Ergebnis verhagelt hatte. Auf der letztjährigen Hauptversammlung hatte der Vorstand nach seiner Erinnerung angekündigt, dass die Kontrollmechanismen ausgeweitet werden sollen und unter anderem ein 6-Augen-Prinzip eingeführt werden soll, um ähnliche Vorfälle zu vermeiden. Ihn interessierte, inwieweit sich dieses bereits bewährt hat oder ob es weitere kritische Fälle gegeben hat.
In seiner Antwort versicherte Herr Bokelmann, dass sich das 6-Augen-Prinzip bewährt hat. Es gab seit dessen Einführung keine vergleichbaren Vorfälle und es konnten einige Schwachstellen im Risikomanagementsystem aufgedeckt und beseitigt werden, die vielleicht in Zukunft zu Problemen geführt hätten. Kritische Einzelgeschäfte im Sinne einer exorbitant hohen Position in einem Wertpapier gab es nicht, was hauptsächlich daran liegt, dass für jeden Handelsbereich Limits vorgegeben sind, die nicht überschritten werden dürfen. Wenn doch einmal ein höherer Wert da ist, resultiert dies meist aus einer Order, die noch am Abend abgerechnet wird.
Herr Jordan ergänzte, dass mwb fairtrade im Bezugsrechtehandel ertragreich unterwegs ist. Es war auch im Nachhinein die richtige Entscheidung, den für den Transaktionsfehler verantwortlichen Mitarbeiter nicht nach Hause zu schicken. Er gehört nach wie vor zu den Mitarbeitern, die erheblich zum Unternehmenserfolg beitragen.
Des Weiteren interessierte Herrn Merkel, ob Volatilität immer gut für das Geschäft ist oder ob es eine Grenze gibt, ab der dann die Risiken im Eigenhandel die Chancen insgesamt übersteigen. Hierzu informierte Herr Bokelmann, dass letztlich auch die Skontroführung Eigenhandel ist, bei dem die mwb fairtrade Risiken eingeht. Es ist aber in allen Bereichen das Ziel, dass die Geschäftsvolumina im Rahmen des Limitsystems bleiben und größere Positionen an anderen Börsen glattgestellt werden.
Als erfreulich bewertete der DSW-Vertreter, dass im Bereich festverzinsliche Wertpapiere wieder Geld verdient wird. Seine Frage nach den weiteren Erwartungen in diesem Bereich konnte der Vorstand allerdings nicht beantworten, nachdem dies stark von der Zinsentwicklung abhängt. Momentan zeigt sich klar ein Trend in Richtung niedrigerer Zinsen, was grundsätzlich nachteilig für die Marge ist. Trotzdem geht Herr Bokelmann davon aus, dass der Bereich profitabel bleiben wird, wenn auch nicht mehr in dem Ausmaß wie letztes oder vorletztes Jahr.
Im Übrigen gilt es nach seiner Aussage zu beachten, dass die Zinsen vor allem am kurzen Ende nach unten gehen. In den langen Laufzeiten ist die Erwartung, dass die Zinsen dramatisch sinken könnten, derzeit an den Märkten nicht zu erkennen, nachdem die Staatsverschuldung in den USA, aber auch in Europa stark steigt. Möglicherweise ergeben sich daraus sogar neue Chancen für das Geschäft, weil dies mehr Bewegung an den Märkten erzeugt. Insgesamt geht der Vorstand davon aus, dass das Ergebnis im Rentengeschäft stabil gehalten werden kann.
Ferner bat Herr Merkel um mehr Informationen zum Hintergrund des Einstiegs in das Zahlstellengeschäft. Konkret wollte er wissen, was dieses neue Geschäftsfeld lukrativ macht und warum es die Banken dann nicht selbst mit übernehmen. Vielleicht sehe der Vorstand das Zahlstellengeschäft aber vor allem als Türöffner für weitere Beauftragungen, mit denen dann Geld verdient werden kann.
Nach Aussage von Herrn Bokelmann wurden für dieses Geschäft bisher immer Dienstleister genutzt, was heißt, die mwb fairtrade hat dafür bezahlt. In den letzten Jahren hat sich das Angebot in diesem Bereich aber so stark reduziert, dass es sinnvoll erschien, diese Dienstleistung selbst anzubieten, um damit unabhängiger zu werden und noch Geld verdienen zu können. Mit dem Zahlstellengeschäft werden sicherlich keine Millionen zu verdienen sein. Sechsstellige Einnahmen erwartet der Vorstand aber durchaus und es musste nicht viel investiert werden. Zusätzlich tun sich sicherlich auch Cross-Selling-Möglichkeiten auf, wenn man erst einmal mit den Emittenten in Kontakt kommt.
Zusätzlichen Erklärungsbedarf meldete Herr Berninger ebenso wie nachfolgend Aktionär Dr. Wolfgang Zuber betreffend TOP 6 an. Beide wollten wissen, welche Produkte im Kryptobereich genau angeboten werden und welcher Kundenkreis angesprochen werden soll. Dr. Zuber zeigte sich skeptisch, dass auch der Eigenhandel im Kryptobereich möglich sein soll.
In seiner Antwort stellte Herr Jordan nochmals klar, dass der Einstieg in den Eigenhandel Stand heute nicht das Ziel ist. Wie ausgeführt ist mwb fairtrade aber nun einmal in vielen Märkten aktiv, in denen irgendein Kryptowert als Basiswert dient. Ein Aspekt sind auch die längeren Handelszeiten. Frühmorgens oder spätabends sind die Emittenten nicht mehr aktiv. Die mwb fairtrade muss aber Kurse stellen und eine Gegenposition aufbauen können, um Risiken abzusichern, wofür es einen Basiswert braucht. Es geht also nicht um den Kauf irgendwelcher hipper Token, sondern ums Hedging.
Auf Nachfrage des DSW-Sprechers führte er weiter aus, dass die entsprechende Lizenz der BaFin noch nicht vorliegt, sich aber in Vorbereitung befindet. Er geht davon aus, dass die Erlaubnis für Krypto-Geschäfte im Herbst, spätestens im Winter erteilt wird.
Der Rückgang des Provisionsüberschusses um 7 Prozent resultiert nach Angabe von Herrn Bokelmann daraus, dass der größte Teil des Handels heute nicht mehr über traditionelle Börsen läuft, von denen die Wertpapierhandelsbanken eine Courtage erhalten, sondern über Börsenplätze, an denen keine Gebühren mehr berechnet werden, womit diese Einnahmeposition erodiert. Eine große Auswirkung hat auch das PFOF-Verbot. Am Ende bleibt ein negatives Provisionsergebnis, was aber die Voraussetzung dafür ist, dass überhaupt Orderflow kommt, mit dem dann Handelsergebnisse erzielt werden können. Ein Problem kann der Vorstand insofern nicht erkennen.
Des Weiteren thematisierte Herr Berninger die Kostensituation. Dass der Personalaufwand steigt, resultiert aus dem wieder besseren Geschäftsverlauf. Ihm war aber aufgefallen, dass auch die IT-Kosten deutlich zugelegt haben, was Herr Jordan bestätigte. Wie er ausführte, kommt es in diesem Bereich regelmäßig zu Kostensteigerungen, deren Höhe von der Art der Neuerungen abhängt. Geplant wird im IT-Bereich mit jährlichen Kostensteigerungen von 5 bis 15 Prozent.
Zum Thema Personalkosten fügte er an, dass der Wettbewerb um gutes Personal in der Branche in den letzten Jahren enorm zugenommen hat. Bisher gelingt es mwb fairtrade immerhin recht gut, qualifizierte Mitarbeiter zu vernünftigen Konditionen zu gewinnen und zu halten. Wichtig ist es aber, ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben. Ein Thema ist in diesem Zusammenhang auch die Erweiterung der Handelszeiten. Trotz einer möglichst hohen Automatisierung der Prozesse wird sich dies ohne zusätzliche Mitarbeiter nicht bewältigen lassen.
Die Fragen von Herrn Berninger und Herrn Stauffenberg zu mwb research konnte Herr Bokelmann nur teilweise beantworten. Er bat um Verständnis, dass die Konditionen betreffend Stillschweigen vereinbart worden ist. Größere Beträge wurden aber nicht investiert und einen Fehlbetrag erwirtschaftet mwb research aktuell nicht mehr. Allerdings wächst das Unternehmen auch personell, weshalb viel Geld, das reinkommt, gleich wieder in weiteres Wachstum investiert wird. Der Research-Markt befindet sich im Umbruch. Insbesondere im Small- und Mid-Cap-Bereich scheiden viele Player aus, wovon mwb research profitieren soll.
Ferner bat Herr Berninger um eine aktualisierte Prognose. Die Aussage im Geschäftsbericht, dass im laufenden Jahr ein rückläufiges Ergebnis erwartet wird, könne nach der sehr positiven Entwicklung im ersten Halbjahr doch keinen Bestand mehr haben. Hierzu teilte Herr Jordan mit, dass mit der Planung üblicherweise im Januar oder Februar begonnen und dabei sehr konservativ vorgegangen wird, um Korrekturen nach unten möglichst zu vermeiden. Nach dem positiven Verlauf im ersten Halbjahr sieht es nun natürlich besser aus.
Herr Stauffenberg schlug vor, das Ergebnis je Aktie künftig nicht mehr aus dem Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit, sondern auf Basis des Jahresüberschusses zuzüglich der Zuführungen zum Fonds für allgemeine Bankrisiken zu errechnen, der ja aus versteuertem Gewinn gespeist wird. Nach Aussage von Herrn Bokelmann wurde die Berechnungsmethodik in der Vergangenheit so gewählt, um eine bessere Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Tatsächlich überlege man aber, in Zukunft beide Kennzahlen auszuweisen und entsprechend zu erläutern.
Abstimmungen
Auf der Hauptversammlung waren 5.250.584 Aktien vertreten. Bezogen auf das gesamte Grundkapital in Höhe von 7.473.700 Euro, eingeteilt in ebenso viele Aktien, entsprach dies einer Quote von 70,25 Prozent. Aktuell hält die Gesellschaft 27.213 Aktien im eigenen Bestand, aus denen ihr kein Stimmrecht zusteht.
Die Dividende von 0,30 Euro (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4) sowie die Bestellung der Dohm Schmidt Janka Revision und Treuhand AG zum Abschlussprüfer (TOP 5) wurden mit Mehrheiten über 99,9 Prozent beschlossen. Lediglich bei der Erweiterung des Unternehmensgegenstandes um die Erbringung von Kryptowerte-Dienstleistungen (TOP 6) lag die Zustimmungsquote mit 92,9 Prozent niedriger.
Nach rund zwei Stunden war die Versammlung beendet.
Fazit
Nach der letztjährigen Hauptversammlung war bereits absehbar, dass das Geschäftsjahr 2024 bei der mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG wieder deutlich besser verlaufen wird. Mit einem Anstieg des Ergebnisses der normalen Geschäftstätigkeit um stolze 820 Prozent auf 7 Mio. Euro wurden die Erwartungen aber noch weit übertroffen. Die Wertpapierhandelsbank profitiert von der anhaltend hohen Volatilität an den Börsen, die sich in einem deutlich höheren Handelsergebnis niederschlägt Die Aktionäre werden nach dem Verzicht im Vorjahr wieder mit einer attraktiven Dividende von 0,30 Euro am Erfolg beteiligt.
Das laufende Jahr hat sogar noch besser begonnen. Im ersten Halbjahr 2025 war das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit mit 7,6 Mio. Euro bereits höher als im gesamten Vorjahr. Eine Hochrechnung auf das Gesamtjahr ist in der Branche natürlich nicht möglich. Mit Blick auf die weiterhin hohe Nervosität an den Märkten und die volatile Kursentwicklung ist aber aus heutiger Sicht davon auszugehen, dass auch in der zweiten Jahreshälfte gut verdient wird. Ein Ergebnis je Aktie von zumindest 1,50 Euro, vielleicht sogar 2 Euro erscheint realistisch, womit wieder eine attraktive Dividende erwartet werden kann.
Die mwb-Aktie hat sich, unterstützt von der positiven Geschäftsentwicklung, in den letzten zwölf Monaten von 3,20 Euro auf aktuell rund 9 Euro nahezu verdreifacht. Damit ist sie nicht mehr so eindeutig unterbewertet, wie das nach der letztjährigen Hauptversammlung der Fall gewesen war. Die Bewertung ist mit einem geschätzten KGV von 5 oder 6 aber weiterhin attraktiv, zumal aktuell nicht zu erkennen ist, dass an der Börse schnell wieder Ruhe einkehrt, womit sich die Ergebnisse länger auf einem hohen Niveau bewegen sollten. Insbesondere an schwächeren Tagen erscheint der Kauf der Aktie unverändert interessant.
Kontaktadresse
mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG
Rottenbucher Straße 28
D-82166 Gräfelfing
Tel.: +49 (0)89 / 858 52-305
Fax: +49 (0)89 / 858 52-505
Internet: www.mwbfairtrade.com
Ansprechpartnerin Investor Relations
Bettina Schmidt
E-Mail: [email protected]
Hinweis: Der Verfasser ist Aktionär der beschriebenen Gesellschaft.