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HV-Bericht mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG - Trotz solider Geschäftsentwicklung notiert die Aktie weit unter ihrem Substanzwert

Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG hatte für den 18. Juli 2024 zur Hauptversammlung in das Haus der Bayerischen Wirtschaft nach München eingeladen. Etwa 60 Aktionäre und Gäste hatten sich dort eingefunden, um sich über die weiteren Perspektiven der Wertpapierhandelsbank in dem derzeit sehr unsicheren Marktumfeld zu informieren. Für GSC Research war Matthias Wahler angereist.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Mühlbauer eröffnete die Versammlung um 10:30 Uhr und teilte mit, dass sich die Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat komplett eingefunden haben. Nach Abhandlung der Formalien und einigen ergänzenden Ausführungen zum Bericht des Aufsichtsrats, der sich im Geschäftsjahr 2023 zu insgesamt fünf Sitzungen zusammengefunden hat, übergab er das Wort an den Vorstand.


Bericht des Vorstands

Vorstandsmitglied Kai Jordan bewertete 2023 als kompliziertes Jahr mit Licht und Schatten, das letztlich gar nicht so schlecht verlaufen ist, wie das Ergebnis vermuten lässt. Gerade in der ersten Jahreshälfte hat sich das Unternehmen in einem sehr schwierigen Marktumfeld gut geschlagen. Bis Anfang Dezember stand noch ein positives Ergebnis von 1 Mio. Euro in der Gewinnprognose. Dann unterlief einem Mitarbeiter ein kostspieliger Fehler, den Herr Jordan in seiner mittlerweile 41-jährigen Laufbahn im Finanzgewerbe so noch nicht gesehen hat. Auf dieses Thema ging er später näher ein.

Zunächst einmal verschaffte der Vorstand den Hauptversammlungsteilnehmern einen Überblick über das Marktumfeld, das sich im vergangenen Jahr insbesondere im Bereich der Small- und Mid-Caps, in denen Unternehmen wie mwb fairtrade sehr aktiv sind und ansprechende Margen erwirtschaften, weiterhin nicht zufriedenstellend gestaltete. Die Nebenwerte können an dem erheblichen Mittelzufluss durch ETF-Sparpläne, die weltweit die großen Indizes und angesagte Technologiewerte befeuern, nur sehr begrenzt partizipieren.

Immerhin meint Herr Jordan mit Blick auf die langsame Entspannung an der Zinsfront erste Anzeichen für ein wieder zunehmendes Interesse im Nebenwertebereich zu erkennen. Und mwb fairtrade ist mit dem Bereich Corporates & Markets gut positioniert, um den Anforderungen der mittelständischen Emittenten gerecht zu werden. Als vorteilhaft erachtet der Vorstand ebenso die breite Aufstellung von mwb fairtrade über viele Bereich, womit das bis Ende 2026 in der ganzen EU umgesetzte Verbot von Payment for Orderflow (PFOF) nur begrenzte Auswirkungen haben wird.

Herr Jordan beobachtet, dass bedingt durch die immer mehr um sich greifende Regulierung im Markt zunehmend neue Denkmodelle und Ansätze diskutiert werden, wie mit der sich verändernden Situation umgegangen werden kann. Beispielsweise betreiben immer mehr Banken auch eigene Handelsplattformen und andersherum hat mit Tradegate eine Handelsplattform begonnen, Dienstleistungen für Privatanleger durch eine eigene App anzubieten und mit Direktbanken und Neobrokern in Wettbewerb zu treten. Die Grenzen verschwimmen.

Mwb fairtrade ist Herrn Jordan zufolge mit den wesentlichen Akteuren im Austausch, um sich an diese Entwicklungen anzupassen und davon zu profitieren. Zentrale Bedeutung hat in diesem Zusammenhang eine hohe Flexibilität, was eine Anpassung der Infrastruktur erforderlich macht, um auf alle möglichen Szenarien reagieren zu können. Mit kontinuierlichen Investitionen in diesem Bereich soll auch sichergestellt werden, dass mwb fairtrade die Position unter den Top fünf der Wertpapierhandelsbanken in Deutschland bewahrt.

Als ein Beispiel für die vielfältigen Veränderungen nannte Herr Jordan, dass das seit vielen Jahren an Börsen im Einsatz befindliche System „Xontro“ dem Vernehmen nach Ende 2025 abgeschafft werden soll. Für mwb fairtrade wäre dies an den Börsen Hamburg, Hannover, Berlin und München relevant. Diese Börse benötigen dann einen Ersatz für dieses System und die Entwicklung einer Lösung ist auch unter der Mitwirkung von mwb fairtrade in vollem Gange.

Ein großes Thema ist zudem die Erweiterung der Dienstleistungen und damit die Diversifizierung der Ertragsmöglichkeiten. Herr Jordan erinnerte an dieser Stelle an seine Ausführungen auf der letztjährigen Hauptversammlung, als er das Orderflow-Management als neues Tätigkeitsfeld vorgestellt hatte. Integrated Orderflow Management (IOM) bedeutet, dass die Banken oder institutionelle Investoren bei der reibungslosen Abwicklung ihrer Order-Routings betreut werden. Nach dem ersten Jahr zieht Herr Jordan hier bereits ein positives Fazit. Die Leistung wird nachgefragt und es konnten schon einige Kunden gewonnen werden.

Aktuell konnte er von einem weiteren Projekt berichten. Wie er ausführte, hat mwb fairtrade die Beteiligung an der SRH Alster Research AG auf mehr als 25 Prozent aufgestockt und das Unternehmen im Zuge dieser Transaktion in mwb Research umfirmiert. Damit können nun Kapitalmarkt- wie auch Research-Dienstleistungen unter einem Dach mit demselben Markennamen angeboten werden, was von den betreuten Emittenten sehr positiv kommentiert wird und was auch interessante Synergiepotenziale eröffnet.

Wie Herr Jordan aufzeigte, veranstaltet mwb Research beispielsweise Roadshows und andere Events, um Emittenten und institutionelle Anleger an einen Tisch zu bringen. Er nannte an dieser Stelle die mwb Travel & Leisure Konferenz und die German Small Cap Select Konferenz, die beide sehr gut angenommen wurden. Sinnvoll sind diese Konferenzen auch, um die Aufmerksamkeit bewusst auf die kleinen und mittleren Aktiengesellschaften zu lenken, die sonst unter dem Radar geflogen wären und die jetzt ganzheitlich betreut werden können.

Herr Jordan sieht mwb fairtrade nicht als einen Skontroführer unter vielen, sondern als erfahrenen Partner für alle Kapitalmarktfragen und innovativen Dienstleister für alle Lebenszyklen eines Mittelständlers am Kapitalmarkt. Ein bleibendes Problem ist in Deutschland allerdings die fehlende Attraktivität des Kapitalmarkts für den Mittelstand, was sich unter anderem an den in letzter Zeit praktisch komplett ausgebliebenen Börsengängen zeigt. Andere Länder bieten ein deutlich kapitalmarkt-freundlicheres Umfeld.

Als richtige Entscheidung erweist sich nach Überzeugung von Herrn Jordan aus heutiger Sicht die Verteilung der Skontroführung auf verschiedene Assetklassen. Dadurch können zum Beispiel rückläufige Umsätze in Aktien durch höhere Umsätze in Rentenpapieren kompensiert werden, die seit der Zinswende erheblich an Bedeutung gewonnen haben. Der Vorstand sucht auch weiterhin nach neuen Ertragsfeldern, um die Einnahmequellen weiter zu diversifizieren.

Völlig klar ist es nach Auffassung von Herrn Jordan schließlich, dass die Zeiten unberechenbar bleiben werden. Noch in diesem Jahr stehen mit den Wahlen in Thüringen, Brandenburg und Sachsen und in den USA zwei Ereignisse an, die für viel Unsicherheit an den Märkten sorgen dürften. Dies könnte eine hohe Volatilität nach sich ziehen, in der allerdings auch wieder Chancen liegen. Positiv wertet der Vorstand, dass das erste Halbjahr 2024 trotz des herausfordernden Umfelds recht gut verlaufen ist.

Zum Abschluss seines Parts ging Herr Jordan näher auf das unschöne Ereignis im Dezember ein, das mwb fairtrade 1,4 Mio. Euro gekostet hat. Wie er aufzeigte, handelte es sich um einen individuellen Fehler eines Mitarbeiters, der eine Einzeltransaktion im internationalen Bezugsrechtehandel falsch eingeschätzt hat. Eigentlich ist mwb fairtrade in diesem Tätigkeitsbereich seit vielen Jahren erfolgreich unterwegs und kann solide Erfolge vorweisen. In diesem speziellen Fall handelte es sich aber um ein Restrukturierungsbezugsrecht mit sehr ungewöhnlichen Bedingungen und einem extremen Bezugsverhältnis.

Herr Jordan zeigte sich sehr zerknirscht, dass ein solcher Fehler passiert ist. Gleichwohl wurde der Vorfall sofort offen kommuniziert und der Vorstand hat auf die theoretisch zustehende Bonuszahlung für 2023 verzichtet. Darüber hinaus wurden als Reaktion auf diesen Vorfall, obwohl im Risikomanagement bereits hohe Anforderungen erfüllt werden, noch einmal alle Prozesse auf den Prüfstand gestellt und weitere Kontrollmechanismen eingeführt. Herr Jordan versicherte, dass man alles Menschenmögliche tun werde, um eine solche Situation in Zukunft zu vermeiden.

Sodann übernahm Vorstandsmitglied Carsten Bokelmann mit den Details zum Zahlenwerk. Wie er aufzeigte, wurde im Geschäftsjahr 2023 im Prinzip ein ordentliches Ergebnis erwirtschaftet. Trotz des hohen Verlusts durch den Transaktionsfehler wird ein positives Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit von 0,8 (Vorjahr: 3,1) Mio. Euro ausgewiesen. Nach Abzug der Steuerlast von 0,5 (1,1) Mio. Euro und der Zuführung von unverändert 0,7 Mio. Euro zum Fonds für allgemeine Bankrisiken steht jedoch unter dem Strich ein negatives Jahresergebnis von minus 0,5 (plus 1,4) Mio. Euro.

Als schmerzlich empfindet der Vorstand in der beschriebenen Situation insbesondere die hohe Zuführung zum Fonds für allgemeine Bankrisiken, die daraus resultiert, dass die Grundlage dafür nicht das tatsächliche Jahresergebnis, sondern das durchschnittliche Handelsergebnis der letzten fünf Jahre ist. Immerhin zählen die Mittel im Fonds, die sich mittlerweile auf 15,4 (14,7) Mio. Euro belaufen, aufsichtsrechtlich zum harten Kernkapital. Das bilanzielle Eigenkapital erreicht mit 18,6 (20,4) Mio. Euro ebenfalls einen beachtlichen Wert. Dies bedeutet einen für die Branche ungewöhnlich hohe Eigenkapitalquote von 35,8 (38,6) Prozent.

Herr Bokelmann ging dann mehr ins Detail. Das Handelsergebnis ging in dem schwierigen Börsenumfeld um 17 Prozent auf 19,6 (23,5) Mio. Euro zurück, das Provisionsergebnis entwickelte sich um 13 Prozent auf 3,9 (4,5) Mio. Euro ebenfalls rückläufig. Positiv wertet der Vorstand, dass das recht junge Geschäftsfeld „Corporates & Markets“ bereits 12 (9) Prozent zum Gesamtergebnis beigetragen hat. 88 (91) Prozent der Erträge stammten aus dem Geschäftsfeld „Wertpapierhandel“.

In der Skontroführung haben sich die Gewichte ein wenig verschoben. Der Anteil der festverzinslichen Wertpapiere an den Gesamterlösen erhöhte sich auf 29 (20) Prozent, nachdem der Rentenhandel mit den gestiegenen Zinsen wieder interessanter geworden ist. So konnte der Rückgang bei den Aktienskontren zu einem großen Teil kompensiert werden. Die Skontroführung in Investmentfonds steuerte 13 Prozent zu den Gesamterlösen bei.

Insgesamt sieht Herr Bokelmann mittlerweile ein gutes Gleichgewicht innerhalb der verschiedenen Anlagenklassen und Geschäftsbereiche gegeben. In den nächsten Jahren soll der Anteil des Geschäftsfelds Corporates & Markets noch weiter ausgebaut werden. Er geht außerdem davon aus, dass der Anteil der Skontroführung in Renten auch in nächster Zeit einen größeren Beitrag zum Geschäftserfolg leisten wird. Insgesamt betreut mwb fairtrade mehr als 24.000 Rentenskontren.

Im Anschluss kam der Vorstand auf die Kostensituation zu sprechen, bei der die Sparbemühungen in den letzten Jahren gute Wirkung gezeigt haben. So langsam werden aber die Grenzen erkennbar, da nun einmal eine Basis an Infrastruktur, IT-Programmen und Prozessen benötigt wird, um einen reibungslosen Geschäftsverlauf zu gewährleisten. Zudem muss auch in umsatzschwachen Zeiten sichergestellt sein, dass ein plötzlich steigendes Transaktionsvolumen bewältigt werden kann. Hinzu kommt, dass viele Dienstleister, deren Leistungen in Anspruch genommen werden, ihre Preise teilweise drastisch erhöht haben.

Die Situation spiegelt sich in den anderen Verwaltungsaufwendungen wider, die mit 15,0 (15,1) Mio. Euro praktisch stagnierten. Hingegen ging der Personalaufwand aufgrund der hohen leistungsbezogenen Gehaltsbestandteile um 16 Prozent auf 7,4 (8,8) Mio. Euro zurück. Nach Abzug der Aufwendungen verbleibt das bereits genannte Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit von 0,8 (3,1) Mio. Euro entsprechend einem Ergebnis je Aktie von 0,10 (0,42) Euro.

Nachdem das Jahresergebnis leicht negativ war, lautete der Vorschlag an die Hauptversammlung, trotz der komfortablen Eigenkapital- und Liquiditätssituation auf eine Dividendenzahlung zu verzichten. Mit Blick auf die vielen Unsicherheiten hält Herr Bokelmann eine Stärkung des Eigenkapitals für wichtiger. Zugleich gab er seiner Hoffnung Ausdruck, dass die komplette Streichung nach acht Jahren mit kontinuierlichen Dividendenzahlungen die Ausnahme bleiben wird.

Seine Zuversicht gründet Herr Bokelmann auf der Entwicklung im ersten Halbjahr 2024, für das sehr erfreuliche Zahlen gemeldet werden können. Vor allem die festverzinslichen Wertpapiere verzeichneten eine gute Performance. Insgesamt präsentierten sich die Börsen bemerkenswert stabil. Es scheint so, als ob nach der Baisse am Immobilienmarkt alle freien Mittel in Wertpapiere fließen. Entwarnung kann aber sicherlich nicht gegeben werden.

Umso mehr freut sich Herr Bokelmann, dass für das erste Halbjahr ein Handelsergebnis von 14,0 (10,5) Mio. Euro und ein Provisionsergebnis von 1,6 (1,7) Mio. Euro ausgewiesen werden kann. Der Personalaufwand erhöhte sich auf 4,6 (3,8) Mio. Euro, ebenso gingen die anderen Verwaltungsaufwendungen infolge der höheren Transaktionsvolumina auf 7,9 (7,4) Mio. Euro nach oben. Gleichwohl kann für das erste Halbjahr 2024 ein deutlich höheres Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit von 3,1 (0,6) Mio. Euro vermeldet werden. Nach Zuführungen zum Fonds für allgemeine Bankrisiken von 0,7 (0,3) Mio. Euro und Steuerrückstellungen von 1,0 (0,2) Mio. Euro verbleibt ein deutlich positiver Halbjahresüberschuss von 1,4 (0,1) Mio. Euro.

Für den weiteren Jahresverlauf ist Herr Bokelmann ebenfalls positiv gestimmt. Gewisse Sorgen bereiten ihm die anstehenden Landtagswahlen in einigen deutschen Bundesländern im September und die Präsidentenwahl in den USA im November, die mit Sicherheit Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben werden. Es könnte ein turbulenter Jahresendspurt bevorstehen. Trotz aller Unwägbarkeiten geht der Vorstand aber davon aus, dass das Jahr 2024 mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen werden kann.


Allgemeine Aussprache

In der folgenden Aussprache meldeten sich Sören Merkel als Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sowie die Aktionäre Eckhard Stauffenberg und Thomas Höder zu Wort.

Herr Merkel versuchte sich an einer Bewertung des Geschäftsjahres 2023. „Zuerst hatten Sie kein Glück und dann kam noch das Pech hinzu“, schien ihm die Situation ganz gut zu beschreiben. So war das Ergebnis ohnehin schon von dem schwierigen Marktumfeld belastet und dann kam es im Dezember noch zu besagtem folgenschweren Transaktionsfehler, durch den das bis dahin noch leicht positive Ergebnis ins Minus drehte.

Alle drei Redner baten um ergänzende Erläuterungen zu diesem Vorfall. Herr Merkel dankte dem Vorstand, dass er dieses Thema sofort kommuniziert hat. Ihm erschloss sich aber weiterhin nicht, um was für eine Art von Fehler es sich gehandelt hat. Hat sich ein Mitarbeiter verkalkuliert oder einfach nur vertippt? Er konnte sich nicht erklären, wie aus einer Falscheinschätzung im Bezugsrechtshandel ein Schaden in Höhe von 1,4 Mio. Euro entstehen kann.

Ebenso wie Herrn Höder drängte sich ihm die Frage auf, ob das Überwachungssystem versagt hat. Eigentlich gilt doch immer das Vier-Augen-Prinzip. Vielleicht kann so etwas in der Masse der Geschäftsvorfälle auch einfach einmal passieren. Wichtig war den Rednern die Frage, welche Konsequenzen gezogen wurden, um sicherzustellen, dass so etwas nicht noch einmal passiert. Hinterfragt wurden auch die Konsequenzen für den Mitarbeiter, der den Fehler verursacht hat.

In seiner Antwort versicherte Herr Jordan, dass mwb fairtrade eigentlich sehr erfolgreich im internationalen Bezugsrechtshandel unterwegs ist. Die Dienstleistung wird beispielsweise für inländische Banken angeboten, die ausländische Bezugsrechte für ihre Kunden erhalten, die diese aber aus Kostengründen nicht an der Heimatbörse verkaufen können. Bei mwb fairtrade werden alle diese Orders aggregiert und insgesamt abgewickelt. Je nachdem, wie viel in dem Bezugsrecht los ist, kann dies durchaus ein lohnendes Geschäft sein.

In diesem Fall handelte es sich Herrn Jordan zufolge jedoch um kein normales, sondern ein Restrukturierungsbezugsrecht. Konkret ging es um einen französischen Krankenhauskonzern, der faktisch überschuldet war. Der französische Staat wollte aber die Insolvenz verhindern und hat deshalb eine französische Bank mit der Entwicklung eines Restrukturierungskonzepts beauftragt.

In erster Linie umfassten die Maßnahmen eine Kapitalerhöhung, die so gestaltet war, dass die Altaktionäre praktisch enteignet werden. Es wurden neue Aktien mit einem Bezugsverhältnis von 1 zu 999 ausgegeben und dies zu Bedingungen, die komplett unwirtschaftlich waren. So mussten für die neuen Aktien 6 Cent bezahlt werden, obwohl absehbar war, dass sie nach Abschluss der Restrukturierung nur noch 1,5 Cent wert sein würden. Allerdings ging der Aktienkurs zuvor in einem Short Squeeze noch bis auf 0,80 Euro nach oben.

Hinzu kam, dass die Position, die bei mwb fairtrade in den Büchern stand, aufgrund des sehr geringen Wertes der Bezugsrechte nur einen Gegenwert von 360 Euro hatte. Dies war vermutlich der Grund dafür, dass der Mitarbeiter nicht die nötige Sorgfalt walten ließ und die Bezugsrechte, als der Aktienkurs zwischenzeitlich höher stand, ausgeübt hat. Nach einigen Tagen wurden dann Aktien für 1,8 Mio. Euro eingebucht, die, nachdem die Aktie nach dem Short Squeeze wieder abgestürzt war, nur noch 0,4 Mio. Euro wert waren.

Nach diesem Vorfall habe man mit dem Mitarbeiter natürlich ein sehr ernstes Gespräch geführt. Er hat auch eine Abmahnung erhalten. Nach Überzeugung des Vorstands hätte es aber keinen Sinn gemacht, den eigentlich sehr engagierten Mitarbeiter zu entlassen und einen Schadenersatzprozess mit sehr unsicherem Ausgang anzustreben. Juristisch formuliert handelt es sich nun einmal um eine „gefahrengeneigte Arbeit“, bei der auch einmal etwas schiefgehen kann. Vorsatz war es definitiv nicht gewesen.

Um sicherzustellen, dass so etwas nicht wieder passiert, wurde jetzt im Bezugsrechtehandel das Sechs-Augen-Prinzip elektronisch hinterlegt. Es müssen also mindestens drei Personen ihre Freigabe erteilen, bevor ein Bezugsrecht ausgeübt werden kann. Eingestellt werden soll das Geschäft, mit dem grundsätzlich gutes Geld verdient wird, nicht, zumal nun sichergestellt ist, dass ein solcher Vorfall nicht mehr passieren kann. Das Problem war in diesem Fall die sehr geringe Position in Kombination mit dem sehr untypischen Bezugsrecht gewesen.

Herr Stauffenberg hatte dem Geschäftsbericht entnommen, dass ein mögliches Fehlverhalten von Mitarbeitern im Handelsbereich von Versicherungen abgedeckt ist. Auf seine Nachfrage versicherte Herr Bokelmann, dass man natürlich eine entsprechende Anfrage eingereicht habe. Da der Mitarbeiter nicht vorsätzlich gehandelt hat, kommt eine Erstattung des Schadens durch die Versicherung aber nicht infrage.

Ein weiteres Thema der Diskussion war die Beteiligung an der nextmarkets AG, auf die im Geschäftsjahr eine Abschreibung von 250 Tsd. Euro vorgenommen worden ist. Herr Stauffenberg konnte dies nicht nachvollziehen. Nach seiner Erinnerung war dieses Investment bereits im Vorjahr komplett abgeschrieben worden. Ebenso seltsam fand er, dass die Beteiligung zuvor offenbar sogar noch einmal aufgestockt worden ist. Herr Merkel bat ergänzend um Informationen zur aktuellen Entwicklung der nextmarkets AG, bei der es seiner Kenntnis nach nicht gerade rund läuft.

Wie Herr Jordan darlegte, ist mwb fairtrade die Beteiligung an nextmarkets ursprünglich eingegangen, um einen Fuß in den Markt der stark wachsenden Neobroker zu kriegen. Nachdem sich das Marktumfeld mit dem Ukraine-Krieg, den steigenden Inflationsraten und den hohen Zinsen radikal verändert hat, konnte aber keine weitere Finanzierung mehr dargestellt werden. Nach einer Fusion ist die Gesellschaft nun in einer anderen Branche aktiv. Die strategischen Ziele konnten aus Sicht von mwb fairtrade also nicht erreicht werden.

Herr Bokelmann bestätigte, dass die nextmarkets-Aktien bereits im Geschäftsjahr 2022 komplett abgeschrieben worden sind. Zusätzlich befand sich im Portfolio aber noch eine Wandelanleihe über 250 Tsd. Euro, die damals noch werthaltig war und entsprechend nicht abgeschrieben werden durfte. Im Berichtsjahr war man nun aber quasi zu einer Wandlung gezwungen. Die Gesellschaft hätte sonst vermutlich in die Insolvenz gehen müssen. Nach der Wandlung wurden auch die neuen Anteile sofort abgeschrieben.

Ferner interessierte Herrn Stauffenberg, in welcher Höhe mwb fairtrade an SRH AlsterResearch bzw. jetzt mwb Research beteiligt ist. Er erkundigte sich außerdem nach den wesentlichen finanziellen Kennzahlen dieses Unternehmens. In seiner Antwort bat Herr Jordan um Verständnis, dass betreffend die exakte Beteiligungshöhe Stillschweigen vereinbart worden ist. Das Unternehmen hat das Geschäftsjahr mit einem Bilanzgewinn von 123 Tsd. Euro abgeschlossen. Für mwb fairtrade steht aber nicht die Finanzbeteiligung, sondern der gemeinsame Marktauftritt im Vordergrund. 

Des Weiteren interessierte den Aktionär, was mwb fairtrade im Bereich Corporates & Markets mit der Begleitung des Börsengangs der Circus SE verdient hat. Gerechnet zum Emissionspreis lag die Marktkapitalisierung schließlich immerhin bei 93 Mio. Euro. Hier stellte Herr Jordan klar, dass es sich nicht um einen IPO gehandelt hat. Die Aktie wurde lediglich in den m:access der Börse München einbezogen. Betreffend den Preis wurde Vertraulichkeit vereinbart. Herr Jordan erwartet nach dem Listing noch Folgegeschäft unter anderem aus Skontroführung und Designated Sponsoring.

Eine weitere Frage von Herrn Stauffenberg betraf die Steuerquote, die ihm bezogen auf das recht überschaubare Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit zu hoch erschien. Er vermutete, dass einige Kostenpositionen nicht angerechnet werden konnten. Als wesentlichen Grund für die höhere Steuerquote nannte Herr Bokelmann einen Geschäftsvorfall mit Zusammenhang mit der Beteiligung an der nextmarkets AG, bei dem die steuerliche Behandlung auf Anraten des neuen Wirtschaftsprüfers im Berichtsjahr korrigiert werden musste.

Herr Merkel sprach ferner das Thema künstliche Intelligenz (KI) an. Er konnte sich vorstellen, dass sich aus dieser neuen Technologie im Handelsgeschäft völlig neue Möglichkeiten eröffnen. Vielleicht setzt mwb fairtrade sogar schon entsprechende Lösungen ein. Auf der anderen Seite könnte es aber auch eine Bedrohung sein, wenn andere Marktteilnehmer entsprechend aktiv werden. Er bat um eine Einschätzung der Situation.

In seiner Antwort stellte Herr Jordan klar, dass man sich grundsätzlich immer mit neuen Technologien auseinandersetze. Es werden auch inhouse Algorithmen und handelsunterstützende Technik entwickelt. Dem Vorstand erscheint es sinnvoll, verstärkt auf KI-Lösungen zu setzen, allerdings mit Augenmaß und der notwendigen Umsicht. Es wäre sicherlich nicht sinnvoll, Chat GPT komplett allein handeln zu lassen. Letztlich bleibt festzuhalten, dass es im Handel seit vielen Jahren eine Art Wettrüsten gibt und die Technologien immer weiterentwickelt werden.

Befragt nach einer Einschätzung zum Small- und Mid-Cap-Markt allgemein bekräftigte Herr Jordan seine Einschätzung, dass sich die Anzeichen für eine Trendwende mehren. Es sieht so aus, als würden die Akteure mit der Erwartung sinkender Zinsen wieder vermehrt an den Markt zurückkommen, zumal viele Titel sehr attraktive Bewertungen aufweisen. Zudem gibt es im Bankenbereich gewisse Konsolidierungstendenzen, womit der Wettbewerb zurückgehen könnte. Jetzt gilt es, das Unternehmen auf wieder bessere Zeiten vorzubereiten, um dann ernten zu können.


Abstimmungen

Herr Mühlbauer verkündete die Präsenz mit 5.137.713 Aktien. Bezogen auf das gesamte Grundkapital von 7.473.700 Euro, eingeteilt in ebenso viele Aktien, entsprach dies einer Quote von 68,74 Prozent. Die Gesellschaft hält derzeit 44.935 Aktien im eigenen Bestand, aus denen ihr keine Stimmrechte zustehen. Alle Beschlüsse wurden mit Zustimmungsquoten weit über 99 Prozent gefasst.

Im Einzelnen waren dies der Vortrag des Bilanzgewinns auf neue Rechnung (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Bestellung der Dohm Schmidt Janka Revision und Treuhand AG zum Abschlussprüfer (TOP 5) sowie die aufgrund von Gesetzesänderungen notwendige Änderung von § 4 Abs. 1 und 2 der Satzung (TOP 6).

Um 13:07 Uhr schloss der Vorsitzende die Versammlung.


Fazit

Die mwb fairtrade AG hat das Geschäftsjahr 2023 mit einem positiven Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit abgeschlossen. In dem nach wie vor schwierigen Marktumfeld im Bereich der Small- und Mid-Caps, in dem sich die Wertpapierhandelsbank schwerpunktmäßig bewegt, ist dies durchaus als Erfolg zu werten. Das Jahresergebnis war infolge eines teuren Transaktionsfehlers allerdings leicht negativ, weshalb nach acht Jahren mit kontinuierlichen Ausschüttungen auf die Zahlung einer Dividende verzichtet wird.

Sehr positiv ist die Entwicklung im ersten Halbjahr 2024 zu bewerten, welches wieder mit einem schönen Gewinn abgeschlossen werden konnte. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit wird mit 3,1 Mio. Euro ausgewiesen, was auf dieser Basis bereits ein Ergebnis je Aktie von 0,41 Euro bedeutet. Auch das Nettoergebnis war deutlich positiv und es sieht so aus, als ob sich der positive Trend fortsetzt. An der Börse wird dies aber ebenso wenig wie die solide finanzielle Aufstellung goutiert.

Im Gegenteil ist die Aktie in den letzten Wochen weiter abgerutscht. Mit aktuell 3,16 Euro notiert sie weit unter ihrem Substanzwert, der sich zum 30. Juni 2024 aus dem Eigenkapital und dem Fonds für allgemeine Bankrisiken mit 36,1 Mio. Euro bzw. 4,83 Euro je Aktie errechnet. Dabei könnte es aus heutiger Sicht im kommenden Jahr sogar wieder eine Dividende geben. Es läuft deutlich besser, als die schwache Kursentwicklung vermuten lässt. Auf dem stark gedrückten Niveau ist die Aktie ein Kauf.


Kontaktadresse

mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG
Rottenbucher Straße 28
D-82166 Gräfelfing

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Internet: www.mwbfairtrade.com

Ansprechpartnerin Investor Relations

Bettina Schmidt

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Hinweis: Der Verfasser ist Aktionär der beschriebenen Gesellschaft.



Veröffentlichungsdatum: 23.07.2024 - 08:45
Redakteur: mwa
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