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Herr Thomas Jackermeier
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HV-Bericht ENDOR AG - Umsatzmarke von 100 Mio. Euro im Blick

Am 22. Juli 2022 fand die ordentliche Hauptversammlung der ENDOR AG für das Geschäftsjahr 2021 statt. Wie bereits in den Vorjahren hielt die Gesellschaft ihr Aktionärstreffen in rein virtueller Form ab. Durch Verzögerungen konnten im Vorjahr die Ziele nicht ganz erreicht werden. Für GSC Research berichtet Thorsten Renner über den Verlauf der Hauptversammlung.


Der Aufsichtsratsvorsitzende Andreas Potthoff eröffnete die Hauptversammlung pünktlich um 10 Uhr und begrüßte die teilnehmenden Aktionäre sowie die persönlich anwesenden Vorstandsmitglieder. Herr Semsey und die restlichen Aufsichtsratsmitglieder waren online zugeschaltet. In diesem Rahmen stellte sich das neue Vorstandsmitglied Dr. Op de Hipt kurz den Teilnehmern vor. Ferner wies Herr Potthoff darauf hin, dass eine notarielle Beurkundung der Hauptversammlung nicht erforderlich ist, weshalb er das Protokoll erstellen werde. Nach Abhandlung der Formalien und der Erstattung des Aufsichtsratsberichts übergab Herr Potthoff das Wort an den Vorstandsvorsitzenden.


Bericht des Vorstands

Herr Jackermeier zeigte sich stolz, dass die weltweite Nachfrage nach den Produkten der Gesellschaft ungebrochen ist. Allerdings konnte die hohe Nachfrage nicht in eine erneute Umsatzsteigerung umgewandelt werden. Vor allem im zweiten und dritten Quartal kam es im Rahmen der Aktualisierung des Produktportfolios zu Verzögerungen in der Forschung und Entwicklung. Hinzu kamen auch noch Logistikprobleme in China und den USA. Im vierten Quartal verbesserte sich die Lage wieder und es konnte ein Rekordumsatz von 30,0 Mio. Euro erzielt werden, was ein Plus von 2,7 Prozent bedeutete.

Im ersten Quartal 2022 gelang mehr als eine Umsatzverdopplung auf 46,5 Mio. Euro. Für dieses Wachstum habe die Gesellschaft bereits im vergangenen Jahr die Strukturen geschaffen. Das daraus resultierende Investitionsprogramm belastet jedoch vorübergehend das Ergebnis. Allerdings sah Herr Jackermeier die Gesellschaft nun sehr gut für den Wachstumskurs aufgestellt. Mit diesen Strukturen könne ein Umsatz von 250 bis 300 Mio. Euro abgearbeitet werden, ohne dass die Kosten im gleichen Umfang steigen. Als wichtigen Schritt hob der Vorstandsvorsitzende auch den Abschluss der Partnerschaft mit dem japanischen Spielestudio Polyphony Digital hervor.

Der Umsatz reduzierte sich im vergangenen Jahr um 9,9 Prozent auf 81,3 Mio. Euro. Davon entfielen 46,1 Mio. Euro auf Europa und weitere 28,6 Mio. Euro auf Nordamerika. Daneben steuerten Australien 3,9 Mio. Euro und Japan 2,7 Mio. Euro bei. Bei der Rohertragsmarge kam es zu einem Rückgang von 58 auf 54 Prozent. Aufgrund des erwarteten Wachstums wurde die Mitarbeiterzahl bereits von 163 auf 175 angehoben. Der Personalaufwand stieg dabei von 7,4 auf 10,4 Mio. Euro.

Laut Herrn Jackermeier investiert die Gesellschaft viel in Forschung und Entwicklung, was sich auch in den um 19,7 Prozent gestiegenen Abschreibungen niederschlug. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen erhöhten sich um 21 Prozent von 25,0 auf 30,3 Mio. Euro. Als größter Posten darin war die Warenabgabe mit 12,9 Mio. Euro enthalten. Lizenzen und Konzessionen schlugen mit 2,7 Mio. Euro zu Buche.

Wie Herr Jackermeier weiter berichtete, sank das EBIT von 20,7 auf 6,6 Mio. Euro. Dies begründete er mit dem niedrigeren Wachstum und der Anpassung der Strukturen. Entsprechend ging die Marge von 23 auf 8 Prozent zurück. Mit diesen Zahlen erreichte ENDOR die im August angepasste Prognose. Bei der Bilanzsumme kam es zu einer Steigerung von 59,1 auf 70,6 Mio. Euro. Vor allem bei den Vorräten ergab sich ein starker Anstieg von 26,3 auf 32,4 Mio. Euro. Auch die Forderungen und sonstigen Vermögenswerte stiegen von 4,8 auf 6,0 Mio. Euro.

Das Eigenkapital reduzierte sich binnen Jahresfrist von 21,4 auf 16,6 Mio. Euro. Das gezeichnete Kapital wurde um 13,6 auf 15,5 Mio. Euro aus Gesellschaftsmitteln erhöht. Die Investitionen lagen mit 8,7 Mio. Euro deutlich über den Abschreibungen. Zum Jahresende beliefen sich die liquiden Mittel auf 14,5 Mio. Euro. Bei den Bankverbindlichkeiten kam es durch die Finanzierung des Working Capital zu einem Anstieg auf 24,2 Mio. Euro. Damit weist ENDOR nach Ansicht von Herrn Jackermeier eine komfortable Liquiditätssituation auf. In diesem Rahmen sei die Gesellschaft auch für das künftige Wachstum finanziell gut aufgestellt.

Im ersten Quartal 2022 konnte ein neuer Umsatzrekord erzielt und das Vorjahresniveau von 21,9 Mio. Euro auf 46,5 Mio. Euro mehr als verdoppelt werden. Das Geschäft wurde getragen vom Sony Launch der Spielesoftware Gran Turismo und einer besseren Warenverfügbarkeit. Allein im März generierte die Gesellschaft Auftragseingänge von 18,7 Mio. Euro. Zum Monatsende lag der Auftragsbestand bei 5,3 Mio. Euro.

Der Materialaufwand erhöhte sich von 9,1 auf 20,4 Mio. Euro. Dabei sank die Rohertragsmarge von 59 auf 56 Prozent. Beim Personalaufwand ergab sich eine Steigerung um rund 6 Prozent auf 2,6 Mio. Euro. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen legten von 6,9 auf 12,8 Mio. Euro zu. Daraus resultierte ein EBIT von 12,1 Mio. Euro nach 3,9 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Die Marge verbesserte sich entsprechend von 18 auf 26 Prozent. Laut Herrn Jackermeier stieg der Gewinn nach Steuern von 2,6 auf 8,2 Mio. Euro. Die Zahlen unterstreichen das Ziel, eine nachhaltige EBIT-Marge von 25 Prozent zu erwirtschaften.

Allerdings können die Zahlen des ersten Quartals nicht auf das Gesamtjahr hochgerechnet werden, betonte Herr Jackermeier. Im ersten Quartal ergab sich eine starke Sonderkonjunktur durch Gran Turismo. Die weiteren Quartale hängen stark von den Lieferketten und der Warenverfügbarkeit ab. Der Vorstand war überzeugt, dass sich die hohe Nachfrage im Bereich Sim Racing fortsetzen wird. Auf dieser Basis erwartete er erstmals einen Umsatz in niedriger dreistelliger Millionenhöhe. Dabei soll sich das EBIT gegenüber dem Vorjahr verbessern. Allerdings verwies Herr Jackermeier auch auf die bremsende Chip- und Rohstofflage. Anschließend sprach er allen Aktionären und Mitarbeitern seinen Dank aus. Er rechnete auch mit neuen Skaleneffekten durch das neue Vorstandsmitglied Dr. Op de Hipt. Durch die neue Position wird ENDOR für das weitere Wachstum ausgerichtet, so Herr Jackermeier zum Ende seiner Ausführungen.


Beantwortung der eingereichten Fragen

Die erste Frage beschäftigte sich mit der Vertragsverlängerung von Herrn Jackermeier in der Aufsichtsratssitzung im August 2021. Wie Herr Potthoff erklärte, wurde Herr Jackermeier bereits 2020 für weitere fünf Jahre bis 30. Juni 2025 berufen. Dabei blieb der Dienstvertrag aus 2015 weiterhin gültig. In der Sitzung im August 2021 wurde ein überarbeiteter Vorstandsvertrag für Herrn Jackermeier besprochen. Es gilt aber auch heute noch der Vertrag aus 2015.

Thematisiert wurde auch die Aufsichtsratssitzung im Hinblick auf den Neubau. Der Bau des Firmengebäudes ist ein großes und wichtiges Thema, so der Aufsichtsratsvorsitzende. Am 24. September 2021 berichtete der Vorstand von substanziellen Fortschritten und dass eine Vorentscheidung über einen Generalunternehmer getroffen wurde. Aus diesem Grund habe man am 8. Oktober 2021 eine Sitzung mit dem Schwerpunkt Bauvorhaben angesetzt. Insgesamt befindet sich das Projekt bis jetzt im Plan, die Fertigstellung ist im zweiten Quartal 2024 vorgesehen.

Angesprochen wurde auch die Neubestellung von Dr. Op de Hipt. Man habe das Ziel, den Wachstumskurs weiter voranzutreiben. Dazu müsse aber auch die Struktur angepasst werden und Personal ist dabei das wichtigste Kapital, erklärte Herr Potthoff. Mit der Erweiterung des Vorstands wird noch mehr Wert auf die Bereiche Forschung und Entwicklung sowie Operations gelegt. Die einzelne Vorstandsvergütung werde man nicht veröffentlichen, lediglich die Bezüge in Summe. Herr Potthoff war aber überzeugt, dass die Bestellung des weiteren Vorstands einen deutlichen Mehrwert erbringen wird.

Den Aktionär interessierte, warum sich der Aufsichtsrat dem Gewinnverwendungsvorschlag des Vorstands angeschlossen hat. Aufgrund einer Ausschüttungssperre darf auf Basis des aktuellen Bilanzgewinns keine Ausschüttung vorgenommen werden. Deshalb habe man sich dem Vorschlag des Vorstands angeschlossen. Zur Aufsichtsratsvergütung nannte Herr Potthoff eine Summe von 45 TEUR, wobei 20 TEUR auf den Vorsitzenden, 15 TEUR auf den Stellvertreter und 10 TEUR auf das dritte Mitglied entfallen. Daneben gab es noch Auslagen von 1.845 Euro.

Hinterfragt wurde die Abhaltung einer virtuellen Hauptversammlung. Herr Jackermeier fand es gut, wenn Aktionäre die Nähe suchen, jedoch war ihm nicht klar, warum eine Präsenz-Hauptversammlung mehr Wertschätzung gegenüber den Aktionären bedeutet. Man habe auch viel positives Feedback erhalten, dass durch die Online-Hauptversammlung die Teilnahme erleichtert wird und die Kosten für den Aktionär geringer sind.

Angesprochen auf die künftige Dividendenpolitik bedauerte der Vorstand, zum jetzigen Zeitpunkt keine genaue Prognose abgeben zu können. Man habe die Strukturen dem Wachstumsziel von 250 bis 300 Mio. Euro angepasst. Dabei werde eine nachhaltige EBIT-Marge von mindestens 25 Prozent angestrebt. Die Aktionäre sollen dann auch am Erfolg beteiligt werden. Man wäge aber jedes Jahr ab, ob das Kapital für Investments oder zur Ausschüttung verwendet werden soll.

Eine Frage betraf die Aktionärsstruktur der Gesellschaft. Laut Herrn Jackermeier halten er und die Familie 50 Prozent der Aktien, der Aufsichtsrat hält 6 Prozent und Herr Semsey 3 Prozent. Die restlichen 41 Prozent befinden sich im Streubesitz. Zur Teilnahme an der Hauptversammlung berichtete der Vorstand von einem Anteil von 70,12 Prozent im Jahr 2019, ferner 56,37 Prozent 2020 und 65,53 Prozent im vergangenen Jahr. Die Kosten der Hauptversammlung im Jahr 2019 beliefen sich auf 9 TEUR, jedoch verbunden mit einem hohen internen Aufwand. Die Kosten der virtuellen Versammlungen lagen jeweils bei rund 16.500 Euro.

Die Kostensteigerungen werden selektiv über Preiserhöhungen weitergegeben, die an den Markt auch kommuniziert werden, oder erfolgen auch direkt beim Launch der Produkte, berichtete Herr Jackermeier. Angesprochen auf Probleme in der Lieferkette erklärte er, im laufenden Jahr hänge das Geschäft stark von der Warenverfügbarkeit ab. Man stehe aber in ständigem Kontakt mit den führenden Zulieferern. Des Weiteren wurden auch neue Zulieferer angesprochen.

Befragt nach dem Umsatzrückgang betonte Herr Jackermeier, dies habe nichts mit Corona zu tun, sondern lag an den Verzögerungen und Lieferengpässen in der Jahresmitte 2021. Eine weitere Frage beschäftigte sich mit den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Dies erachtete der Vorstand als einen zentralen Erfolgsfaktor. Die Ausgaben dafür werden auch in Zukunft auf einem hohen Niveau bleiben.

Mit der bisherigen Entwicklung im laufenden Jahr zeigte sich Herr Jackermeier sehr zufrieden. Allerdings hatte man durch Gran Turismo auch eine gewisse Sonderkonjunktur. In den weiteren Quartalen hängt die Entwicklung von den Lieferketten vor allem in China und der Warenverfügbarkeit ab. Mit einer Entspannung in den Lieferketten rechnete der Vorstand erst im Jahr 2024. Zum Thema neue Produkte erklärte der Vorstand, dass es 2022 weniger Produkteinführungen geben wird als im Vorjahr. Allerdings habe man noch einige Überraschungen auf Lager.

Ein Aktionär erkundigte sich nach der Expansion in weitere Länder. Laut Herrn Jackermeier habe man eine Liste mit Ländern. Dies werde aber erst ein Thema, wenn die Warenverfügbarkeit verbessert ist. Zur Teilnehmerzahl in den Hauptversammlungen berichtete der Vorstand von 126 Anmeldungen und 72 Teilnehmern im vergangenen Jahr. Aktuell gab es 108 Anmeldungen und 30 Teilnehmer. Zur möglichen Verlagerung der Produktion meinte der Vorstand, dazu wurden noch keine Maßnahmen eingeleitet, man befinde sich aber in Überlegungen.

Auf die Frage, wann die EBIT-Marge von 25 Prozent erreicht wird, konnte Herr Jackermeier keine konkrete Jahreszahl nennen. Man habe sich dies als mittelfristiges Ziel gesetzt und die Zahlen des ersten Quartals zeigen, dass dies schon auf dem jetzigen Umsatz- und Kostenniveau möglich ist. Kritik übte der Aktionär am durchgeführten Aktiensplitt. Nach Ansicht des Vorstands hat der Aktiensplitt durchaus Sinn gemacht und eine bessere Handelbarkeit ermöglicht. Leider gab es bei der Umstellung technische Probleme. Dem sei man mit einer transparenten Kommunikation entgegengetreten. Wichtig war dem Vorstand in diesem Zusammenhang, dass keinem Aktionär ein Schaden entstanden ist.

Angesprochen auf einen Wechsel des Börsensegments erklärte Herr Jackermeier, die Gesellschaft treffe hierzu die nötigen Vorbereitungen. Wichtig sei dabei vor allem die Umstellung der Bilanzierung auf IFRS. Er rechnete aber frühestens 2024 mit einem Wechsel des Börsensegments. Durch eine Ausweitung der Produktpalette nach oben und unten strebt die Gesellschaft einen höheren Umsatz pro Kunde an. Hinterfragt wurde die komfortable Liquiditätssituation. Man nutze die Liquidität, um in Waren zu investieren, da die Verfügbarkeit derzeit essenziell ist. Die Bestände werden aufgrund der hohen Nachfrage auch wieder schnell veräußert. Zudem wäre eine weitere Kreditaufnahme problemlos möglich.

Überrascht zeigte sich der Aktionär, dass die chinesische Tochtergesellschaft keine Umsätze ausweist. Der Betriebszweck liegt in der Produktionskoordination und Qualitätssicherung. Der chinesische Markt wird aufgrund der Rahmenbedingungen bewusst nicht von der chinesischen Tochtergesellschaft, sondern über einen ausgewählten Distributionspartner erfolgreich bedient, so der Vorstandsvorsitzende.

Angesprochen auf die gesunkenen Lizenzkosten erklärte Herr Jackermeier, die Lizenzkosten bezogen auf den Umsatz sind nicht gesunken. Im Gegenteil konnten weitere Lizenzen abgeschlossen oder verlängert werden. Die gesamten Lizenzverträge liegen mittlerweile auch zu 100 Prozent in der AG. Thematisiert wurden auch die ausgewiesenen Fertigerzeugnisse und Waren in Höhe von 24,5 Mio. Euro. Derzeit ist jeder, der Vorräte hat „King“, betonte Herr Jackermeier. Zudem waren die Werte auch stichtagsbedingt hoch. In der Regel haben die Produkte keine Vorbestellungsfristen, so dass dann auch keine hohen Anzahlungen anfallen. Durch den Aufbau der Lagerbestände ist ENDOR immer noch weitgehend lieferfähig.

Weitere Fragen beschäftigten sich mit den größten Posten bei den sonstigen Rückstellungen und den sonstigen betrieblichen Aufwendungen. Bei den sonstigen Rückstellungen waren dies Tantiemen, Garantien und Lizenzen. Bei den sonstigen betrieblichen Aufwendungen entfielen 7,9 Mio. Euro auf Vertriebskosten, weitere 6,4 Mio. Euro auf Verwaltung und 4,3 Mio. Euro auf Marketing. Jeweils 2,7 Mio. Euro entfielen auf Entwicklung und Lizenzgebühren.

Der Aktionär bat um eine Aussage zum genehmigten Kapital, laut Vorstand bestehen keine Pläne zur Ausnutzung des genehmigten Kapitals. Kritisch angesprochen wurde auch die Vergütung des Vorstands. Die Gehaltssteigerung wurde als gerechtfertigt angesehen, die auch einem Drittvergleich standhält. Dabei handelt es sich auch nicht um eine verdeckte Gewinnausschüttung, betonte der Vorstand. Erläuterungsbedarf sah der Aktionär beim Verlustausweis der Scuderia Fanatec. Laut Herrn Jackermeier sieht der Businessplan Anlaufverluste vor. Für 2022 rechnete er jedoch mit einem leicht positiven Ergebnis.

Nähere Informationen erbat der Aktionär zu den Rechtsstreitigkeiten. Wie der Vorstand betonte, bestehen derzeit keine Rechtsstreitigkeiten. Im Hinblick auf die Formel 1-Lizenz meinte der Vorstand, diese lizenzierten Produkte zählen weiter zu den Bestsellern. Deshalb werde auch gerade eine Fortsetzung der Kooperation verhandelt. Ferner interessierte den Aktionär, wann das Umsatzziel von 250 bis 300 Mio. Euro erreicht wird. Hierzu konnte Herr Jackermeier keine konkrete Angabe machen. Allerdings könnte man schon heute bei voller Warenverfügbarkeit einen Umsatz von 150 Mio. Euro erreichen.

Ein Aktionär wollte wissen, ob trotz der Inflation die angestrebte EBIT-Marge von 25 Prozent erreicht werden kann. Der Vorstand zeigte sich zuversichtlich, mittelfristig eine EBIT-Marge von 25 Prozent erreichen zu können. Hierzu wurden diverse Maßnahmen wie Preiserhöhungen ergriffen. Zudem habe man sich auch auf der Währungsseite abgesichert. Ein Aktionär sah auch noch Alternativen zur Dividende wie Aktienrückkauf, Wahl- oder Sachdividende. Der Vorstand wollte keine Option ausschließen, er konnte aber auch keine Aussage zur zukünftigen Form machen.

Angesprochen wurde auch die Wettbewerbssituation, wobei Herr Jackermeier die Gesellschaft sehr gut positioniert sah. Durch den Onlineshop müsse man keine Marge an Zwischenhändler abgeben. Zudem habe man mit Fanatec eine sehr etablierte Marke. Beim Angebotsspektrum gebe es noch einige Lücken zu füllen. Auch den Cockpitbereich hielt der Vorstand für sehr interessant.

Die Aktionäre sahen ein Personenrisiko bei einem Ausfall von Herrn Jackermeier. Der Vorstand wurde bereits im April erweitert. Dadurch wird die Abhängigkeit vom CEO geringer. Auch die Führungsebene wurde weiter ausgebaut, so dass ein Ausfall für die Gesellschaft absolut verkraftbar wäre, führte Herr Jackermeier aus. Befragt nach einem etwaigen Aufkauf der Gesellschaft meinte der Vorstand, man stehe allen strategischen Optionen offen gegenüber.

Nähere Informationen erbat eine Aktionärsvertreterin zum Bußgeldbescheid der BaFin. Nach Angabe von Herrn Jackermeier liegt der Vorgang schon länger zurück. Dabei handelt es sich um eine verspätete ad-hoc-Mitteilung vom 16. Mai 2019. Man war davon überzeugt, dies nicht verspätet gemeldet zu haben. Man habe den Gewinnrückgang vom Wirtschaftsprüfer prüfen lassen. Sobald dessen Prüfung abgeschlossen war, wurde auch die Meldung veröffentlicht. Die BaFin war jedoch anderer Ansicht. Allerdings habe man sich seitdem auch strukturell besser aufgestellt.


Abstimmungen

Nach dem Ende der Fragerunde leitete Herr Potthoff zu den Abstimmungen über. Vom Grundkapital der Gesellschaft in Höhe von 15.497.584 Euro waren 10.420.041 Euro entsprechend 67,24 Prozent vertreten. Die Beschlüsse wurden alle mit mindestens 96 Prozent Zustimmungsquote im Sinne der Verwaltung gefasst.

Dies waren der Gewinnvortrag auf neue Rechnung (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4) sowie die Wahl von Ebner Stolz zum Abschlussprüfer (TOP 5).

Gegen 12:40 Uhr konnte Herr Potthoff die Hauptversammlung wieder beenden.


Fazit und eigene Meinung

Die Zahlen der ENDOR AG blieben im vergangenen Jahr hinter den Erwartungen zurück, was zu einer unterjährigen Anpassung der Prognose führte. Da die Gesellschaft die Unternehmensstrukturen aber schon an weiteres Wachstums angepasst hatte, belastete dies im vergangenen Jahr den Ergebnisausweis. Die Richtigkeit der Entscheidung, die Strukturen auszuweiten, zeigte sich dann im ersten Quartal 2022, in dem die Gesellschaft mit 46,5 Mio. Euro einen neuen Umsatzrekord erwirtschaftete. Auch wenn sich der Vorstand noch nicht zu den Halbjahreszahlen äußern konnte, zeigte er sich doch mit dem bisherigen Geschäftsverlauf sehr zufrieden.

Der weitere Verlauf ist jedoch auch von der Lieferfähigkeit abhängig. Mit einer deutlichen Entspannung rechnete der Vorstand hier frühestens 2024. Durch eine Ausweitung des Angebotsportfolios will ENDOR weitere Absatzchancen nutzen. Die jetzigen Strukturen erlauben eine Geschäftsausweitung auf 250 bis 300 Mio. Euro Umsatz, ohne die Kostenblöcke übermäßig zu steigern. Für das laufende Jahr erwartet das Management erstmals das Überspringen der Umsatzmarke von 100 Mio. Euro. Dabei soll das EBIT weiter gesteigert werden. Trotz der in diesem Jahr erfreulichen Entwicklung gab der Aktienkurs in den vergangenen Monaten deutlich nach. Angesichts der hervorragenden Aussichten bietet sich auf dem aktuellen Niveau eine gute Einstiegschance.


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Veröffentlichungsdatum: 26.10.2022 - 13:30
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